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Original von netrojaner
Ist es beim Eishockey / Rugby nicht so, dass die SR entscheiden, wenn sie den Videobeweis brauchen / sehen wollen? Das könnte ich mir schon vorstellen. Gerade in hitzigen Spielen und heiklen Situationen (z.B. vor einer Disqualifikation) - ich kann mir gut vorstellen, dass das auch eine "gute" Wirkung auf das Publikum hat (wenn es sparsam und sinnvoll eingesetzt würde)
Beim Eishockey gibt es den Videobeweis nur bei der Frage nach der Gültigkeit eines Tores. Hier kann der Schiedsrichter per Videobeweis kontrollieren lassen, ob der Puck hinter der Torlinie war und ob das Tor regelkonform erzielt wurde. Bei allen anderen Spielsituationen muss der Schiedrichter seine Entscheidung ohne technische Hilfsmittel treffen.
Beim Basketball gibt es in der NBA ebenfalls den Videobeweis zur Überprüfung, ob der Ball vor Ablauf der 24-Sekunden-Uhr bzw. vor Spielende die Hand des Werfers verlassen hatte und somit der Korb zählt oder nicht. Zusätzlich haben die NBA-Schiedsrichter seit letzter Saison die Möglichkeit sich bei potenziell unsportlichen Fouls eine Videoaufzeichnung der Szene anzusehen, bevor sie ihre Entscheidung treffen. Der Videobeweis ist dort auch für die nachträgliche Aufarbeitung von Handgemengen zwischen Spielern zulässig.
Den Videobeweis zur Überprüfung eines Torerfolges halte ich im Handball nicht für angebracht. Aber bei Fouls die zu einer Disqualifikation oder einem Ausschluss führen können, könnte eine Unterstützung der Schiedsrichter durch die Nutzung von Videomaterial durchaus sinnvoll sein. Die Entscheidung ob eine strittige Situation überprüft wird oder nicht, sollte aber allein bei den Schiedsrichtern liegen und nicht durch die Trainer beeinflusst werden können. Außerdem würde eine derartige Regeländerung erfordern, dass z.B. bei allen Spielen der 1. Bundesliga eine einheitliche Videoaufzeichnung stattfindet.
SteamboatWillie
Den Vergleich mit dem Videobeweis beim Tennis kann ich nicht nachvollziehen. Beim Tennis ist die Situation ungleich einfacher. Es lediglich um die Frage geht, ob der Ball im Aus war oder nicht. Mit der "Hawk-Eye"-Technik erzeugen sechs Kameraperspektiven ein dreidimensionales Abbild des Tennisplatzes und die Flugbahn des Balles kann eindeutig nachvollzogen werden. Wenn der Spieler die Überprüfung des letzten Ballwechsels einfordert ist binnen weniger Sekunden das Ergebnis für alle ersichtlich und das Spiel kann ohne nenneswerte Unterbrechung fortgesetzt werden. (Allerdings ist im Tennis das System durchaus umstritten. Aufgrund der Kosten für die Installation des Kamerasystems ist es meist nur auf den Hauptplätzen der großen Turniere verfügbar, sodass zwar die Topspieler bei ihren Spielen auf dem Center court auf die Technik zurückgreifen können, aber die unzähligen anderen Spieler bei den Erstrunden-Matches auf den Nebenplätzen ohne auskommen müssen.)
Ein Videobeweis bei dem die Trainer die Möglichkeit haben strittige Situation überprüfen zu lassen, würde im Handball wohl eher in die Richtung des Videobeweises im American Football gehen. Im Handball würde es im Normalfall ja nicht darum gehen, ob der Ball im Aus war, sondern ob in der strittigen Situation ein Foul vorlag oder welche Strafe bei einem Vergehen angemessen ist. In der NFL kann gegen nahezu jede Schiedsrichter-Entscheidung Protest eingelegt werden. Stellt sich die Schiedsrichter-Entscheidung dann nach Studium des Videomaterials als falsch heraus, wird der Fehler korrigiert. Sollte der Schiedsrichter jedoch bei seiner Entscheidung bleiben, so wird dem Team, dass den Videobeweis eingefordert hatte eine Auszeit abgezogen. Pro Mannschaft sind zwei "Challenges" pro Spiel erlaubt. Falls in beiden Fällen für die Einspruch einlegende Mannschaft entschieden wird, darf sie sogar noch ein drittes Mal den Videobeweis einfordern. In den letzten beiden Spielminuten sowie in einer mögliche Verlängerung kann bei strittigen Situationen jedoch nur noch der Schiedsrichter von sich aus einen Videobeweis anstreben. Da beim Football zwischen den Spielzügen und vorallem beim Wechsel des Ballbesitzes sowieso längere Spielpausen auftreten, fällt die Unterbrechung für einen Videobeweis kaum ins Gewicht. Im Handball könnten diese im Zweifelsfall minutenlangen Unterbrechungen jedoch den Spielfluss merklich stören.