Rettung aus dem Rathaus?
Um die drohende Insolvenz zu verhindern, benötigt Handball-Bundesligist Stralsunder HV eine Bürgschaft von 450 000 Euro. Der Klub greift zum Rotstift.
Stralsund (Ostsee-Zeitung) Zdenek Vanek hatte das Unheil schon geahnt. „Ich habe ja gemerkt, dass wir keine Spieler verpflichten können“, sagte der Trainer des Handball-Bundesligisten Stralsunder HV. Seit Dienstagabend ist es Gewissheit: Es geht ums Überleben. Nach OZ-Informationen drücken den Verein Schulden von über einer halben Million Euro. Das Geld reicht nur noch bis Dezember. Es droht die Insolvenz.
Der Aufsteiger und aktuelle Tabellenletzte hat die Stadt um eine Bürgschaft in Höhe von 450 000 Euro gebeten. Damit will der finanziell arg gebeutelte Verein kreditwürdig werden. „Wir haben uns mit den Vertretern der Stadt auf eine Frist bis Ende November geeinigt. Dann wird eine Entscheidung fallen, ob wir in die Insolvenz gehen müssen“, sagte Stralsunds Manager Jörg Dombdera.
Der SHV hat auf einer Fraktionssitzung am Dienstagabend sein Anliegen vorgetragen und ein Sanierungskonzept vorgelegt. Dieses sieht vor, über einen Zeitraum von drei Jahren die Altschulden abzutragen. Dafür sind jährlich 175 000 Euro veranschlagt. Das soll über Mehreinnahmen im Bereich Sponsoring und Marketing sowie über Kostenreduzierungen erreicht werden. Im Klartext: Eine Trennung von Spielern ist nicht ausgeschlossen. Gehälter sollen gekürzt werden. Für die kommende Saison steht dem SHV ohnehin ein gewaltiger Umbruch ins Haus. Zehn Verträge laufen aus. „Wir werden uns einen Großteil der Spieler nicht leisten können“, erklärte Manager Jörg Dombdera. „Es ist jetzt ihre Aufgabe, sich durch Leistungen bei anderen Vereinen anzubieten.“ Der Etat soll von 1,2 auf eine Million Euro gesenkt werden. Sportlich sieht Dombdera seine Mannschaft, die bislang von elf Saisonspielen nur eines gewann, künftig in der 2. Liga: „Bundesligatauglich wird das Team wohl nicht sein. Das ist es ja offenbar schon jetzt nicht.“ Noch prekärer ist die finanzielle Situation. Allein in der vergangenen Saison musste der Verein eine Haushaltslücke in Höhe von 300 000 Euro verkraften. 250 000 Euro konnten zusätzlich akquiriert werden. „Die Lücke war größer, als wir angenommen haben“, sagte Tom-Peter Fritz. Der Geschäftsführer der SHV Marketing GmbH macht den früheren Manager Thomas Haack für die Misere verantwortlich, der am 7. März seinen Posten räumen musste. Laut Fritz soll Haack Kontoauszüge gefälscht und Sponsorenverträge getürkt haben. Der Verein stellte Strafanzeige. Ex-Manager Haack, der bei seinem Amtsantritt 2003 200 000 Euro Schulden vorfand, bestreitet die Vorwürfe.
Um mehr Geld einzunehmen, ging sein Nachfolger Dombdera neue Wege. So verkauften die Stralsunder ihr Heimrecht für das Pokalspiel gegen den THW Kiel und verlegten das Liga-Heimspiel gegen den deutschen Meister extra nach Neubrandenburg, um mehr Zuschauereinnahmen zu generieren.
Heute tritt die Führungsriege vor die Mannschaft. Vorsorglich macht Trainer Zdenek Vanek sich und seinen Mannen Mut: „Es geht immer weiter.“ Über das Wie entscheidet jetzt die Bürgerschaft.
Quelle: Ostsee-Zeitung.de