Die große Ungewissheit
Tusem-Geschäftsführer Edelmeier stellte sich gestern erstmals vor die Mannschaft – doch eine frohe Botschaft hatte er für die auf ihr Gehalt wartenden Profis nicht parat. Trainer Szargiej: „Die Situation ist bedrückend”
Für die Handball-Profis des Tusem gab es nach Bekanntwerden der Finanz-Krise gestern zumindest die ersten persönlichen Worte von Horst-Gerhard Edelmeier zu hören, doch eine frohe Botschaft konnte der Geschäftsführer nicht verkünden. So bleibt für die Spieler die große Ungewissheit, ob und wann sie ihre ausstehenden Gehälter nun ausgezahlt bekommen.
„Die Situation ist bedrückend. Wir hängen derzeit alle etwas in der Luft”, antwortete Trainer Kristof Szargiej auf die Frage nach der Stimmung, die im Anschluss an Edelmeiers Ansprache im Kreise der Spieler herrschte. „Wir versuchen natürlich, vernünftig weiterzuarbeiten und und aufs Sportliche zu konzentrieren”, so Szargiej weiter. Aber das sei nun einmal nicht einfach. Gerade die jungen Akteure im Kader würden die ausbleibenden Zahlungen besonders schmerzen: „Sie sind doch auf jeden Euro angewiesen.”
Doch wer den Tusem-Trainer kennt, der weiß auch, wie hart er im Nehmen ist – und wie sehr er diese Haltung seinen Spielern vorlebt. In einem Satz wie „Es bringt uns jetzt nichts, aufzugeben” spiegelt sich Szargiejs Kämpfer-Mentalität auf typischste Weise. Schließlich weiß auch er, dass ausgerechnet in einer Phase, die für den Verein existenzbedrohend ist, aus sportlicher Sicht die entscheidenden Spiele anstehen. Denn die meisten Gegner in den kommenden Wochen sind Konkurrenten im Abstiegskampf. So auch im nächsten Bundesliga-Spiel am Samstag in Balingen (19 Uhr, Sparkassen-Arena).
„Ich habe die Spieler daran erinnert, dass sie als Profi nie nur für ihren Verein, sondern immer ein Stück weit auch für sich selbst spielen”, sagte Geschäftsführer Horst-Gerhard Edelmeier, der gestern erstmals nach Bekanntwerden der Finanzkrise der WAZ Rede und Anwtort stand. „Deswegen glaube und hoffe ich, dass sie alle trotz der schwierigen Lage auf dem Feld weiterhin alles geben werden.”
Edelmeier bestätigte gestern zwar, dass der Fehlbetrag rund eine Million Euro betrage. „In dieser Summe sind aber alle kurz- und langfristigen Verbindlichkeiten enthalten. Um den Spielbetrieb bis Ende des Jahres fortführen zu können, brauchen wir 400.000 Euro”, so Edelmeier. Wie dieser Fehlbetrag innerhalb von nur acht Spieltagen zustande gekommen ist, will der Geschäftsführer im auf heute verschoben Treffen mit der HBL-Lizenzierungskommision erläutern.
Damit die Mannschaft nun zeitnah über jede weitere Entwicklung informiert wird, hat Edelmeier fest zugesagt, täglich Kontakt zu einem Spieler-Sprecher aufzunehmen und ihn über den Stand der Dinge informieren. Der verletzte Kapitän Evars Klesniks soll auf Wunsch der Teamkollegen diese Rolle übernehmen.
Edelmeier räumte im WAZ-Gespräch ein, dass die Führung eines Handball-Erstligisten „eben nicht einfach so nebenher” zu erledigen sei. Als privater Unternehmer, der die Tusem HSB ehrenamtlich führt, müsse er aber nun einmal immer zuerst seine Firma im Blick behalten. „Doch einen hauptamtlichen Geschäftsführer kann ich in unserer jetzigen Situation auch nicht einsetzen. Dazu fehlt uns derzeit einfach das Geld.”
Quelle: Der Westen.de