Beiträge von Arcosh

    Ich finde die Vergleiche mit anderen Sportarten schwierig. Es gibt im Handball einfach einen viel zu großen Ermessungsspielraum für die Schiedsrichter. Bei uns im Handball ist er wirklich nur eine Hilfe und garantiert keine 100% Sicherheit.

    Hast Du zwei oder drei konkrete Beispiele in denen der Handball-Schiedsrichter im Rahmen der Regeln mehr Ermessensspielraum hat als beispielsweise ein Fußball- oder Basketball-Schiedsrichter? Ich persönlich sehe da keine nennenswerten Unterschiede.

    Nach dem Final4-Wochenende weiß Johannes Golla wahrscheinlich ob sein aktueller oder sein vermeintlich zukünftiger Verein nächste Saison in der EHF Champions-League spielen werden (oder keiner von beiden).

    Ist aber dort wie hier eher eine Nerd-Diskussion 😉

    Für viele User mag die eine "Nerd-Diskussion" sein, aber für die HBL hätte dies bei Einführung der Torlinientechnik bereits eine notwendige Fragestellung sein müssen. Vor Einsatz eines Messmittels muss die Genauigkeiten der Messung bekannt sein und auf ihre Tauglichkeit für die eigentliche Messaufgabe.

    Die aktuell eingesetzte Technik erzeugt zumindest bei mir und Rheiner erhebliche Zweifel an der Tauglichkeit.

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    Ein erster Schritt wäre erstmal Rheiner, wenn du akzeptieren würdest, dass der VB im Handball eine Hilfe ist, aber keine Garantie auf 100% richtige Entscheidungen.

    Das sehr viele Aktionen etc schon mit VB geahndet wurden, die sonst durchgelaufen wären, erwähnst du nie.

    Der VB ist eine Hilfestellung für die Schiedsrichter, ersetzt aber bei vielen Entscheidungen die subjektive Beurteilung der Schiedsrichter nicht. Du weißt ganz genau, dass es im Handball so viele knifflige Entscheidungen gibt und zwar Hunderte an einem Spieltag

    In vielen Aspekten des Spiels ist der Videobeweis eine Hilfe für die Schiedsrichter.

    Aber das hier diskutierte Beispiel zeigt für mich ein grundsätzliches Problem auf. In den meisten anderen Sportarten (Fußball, Basketball, Eishockey, American Football, Hockey, Tennis, ...), in denen der Videobeweis zum Einsatz kommt, treffen die Schiedsrichter zunächst immer eine Entscheidung auf dem Feld auf Basis ihrer eigenen, subjektiven Wahrnehmung. Erst danach können sie die Videobilder nutzen, um ihre eigene Wahrnehmung zu verifizieren oder zu falsifizieren und nur wenn die Videobilder eindeutig sind, sollen/dürfen die Schiedsrichter ihre subjektiv wahrgenommene Entscheidung revidieren. In der HBL ist die explizite Anweisung an die Schiedsrichter keine direkte Entscheidung auf dem Feld zu treffen, sondern erst nach Ansicht der Videobilder zu entscheiden. Das ändert bei einem Torwurf in der Schlusssekunde komplett das Mindset. Die Schiedsrichter müssen per Vorgabe der HBL ihre persönliche Wahrnehmung außen vor lassen und primär den ihnen vorgelegten Videobildern vertrauen. Wenn der im Videobeweis eingeblendete Zeitstempel 59:59 Minuten anzeigt als der Ball vollständig hinter der Torlinie ist, dann müssen sie auf Tor entscheiden. Wenn der Schiedsrichter weiß, dass er ohnehin den Videobeweis wird nutzen müssen, dann ändert das etwas an der Aufmerksamkeit und Wahrnehmung der Schiedsrichter. Wozu soll er noch selber darauf achten, wann er die Schlusssirene hört, wenn er kurz darauf sowieso "objektive" und "richtigere" Videobilder vorgelegt bekommt? Aufgrund der Vorgaben der HBL gleicht der Schiedsrichter die Videobilder nicht mehr mit seiner persönlichen Wahrnehmung ab, sondern vertraut ausschließlich auf diese Bilder.

    Das Schiedsrichter-Gespann Marcus Hurst und Mirko Krag stand nach dem Spiel zwischen dem VfL Gummersbach und dem SC Magdeburg im Dezember 2025 öffentlich im Fokus und wurde innerhalb der Handball-Szene dafür kritisiert den zur Verfügung stehenden Videobeweis nicht genutzt zu haben. (Auch ich habe sie dafür kritisiert.) Seitdem haben sie sich mehrfach in Bundesligaspielen in den Schlusssekunden per Videobeweis abgesichert, anstatt auf ihre eigene Einschätzung zu vertrauen. Insofern würd ich Dir widersprechen, dass der Videobeweis nicht die subjektive Wahrnehmung der Schiedsrichter ersetzt. Bei Marcus Hurst und Mirko Krag erlebe ich, dass sie ihre persönliche Wahrnehmung hintenanstellen und sich gänzlich auf die Videobilder verlassen, um eine vermeintlich richtige Entscheidung zu treffen und sich selbst aus der Kritik zu nehmen.

    Der Soziologe Hartmut Rosa hat sich in seinem Buch "Situation und Konstellation. Vom Verschwinden des Spielraums" damit beschäftigt, wie der Verlust von Handlungsspielräumen das Verhalten der Menschen beeinflusst, u.a. auch am Beispiel des VAR im Fußball.

    ARD-Mediathek, ttt - Titel Themen, Temperamente: Vom Verschwinden der Spielräume: Hartmut Rosa und Christian Streich

    Literaturkritik.de: Im Würgegriff der Konstellationen

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    Peter2000

    Danke für Deine sachlichen und inhaltlich bereichernden Beiträge zur Diskussion.

    JA!

    Den Konjunktiv nutze ich, weil ich persönlich bisher keine Bilder des Videobeweises gesehen habe und daher nur indirekt dessen vermeintlichen Inhalt aus Aussagen von Holger Glandorf und Jutta Ehrmann widergeben kann.

    Der BHC kann sich die Doppelbelastung im doppelten Sinne schlicht nicht leisten und das scheinen die handelnden Personen auch zu wissen.
    Aktuell hält man sich da ziemlich bedeckt.

    Vor einem Monat nach dem DHB-Pokal Final Four klang das aber ganz anders:

    Zitat

    Das Szenario ist so realistisch, dass der Club bereits mit den Vorbereitungen begonnen hat. „Wir haben uns schon ein Marketing-Konzept überlegt und werden beraten, inwieweit die Teilnahme unsere Kaderplanung beeinflusst“, erläutert Jörg Föste. Dem Geschäftsführer ist anzumerken, wie sehr er sich über die ersten internationalen Pflichtspiel-Auftritte in der BHC-Historie freuen würde. „Das macht jetzt Spaß. Wir werden den Trainern vorschlagen, dieses Thema beherzt anzugehen.“

    Quelle: Solinger Tageblatt

    Wieso gab es in Magdeburg Probleme mit dem Videobeweis ?

    Er hat doch funktioniert, sonst hätten die Schiedsrichte nicht entscheiden und Glandorf sich den Bums nachher nicht angucken können.

    In der DYN-Übertragung und auf weiteren Videos von Zuschauern aus der Halle ist das Schlusssignal während der Wurfausführung und bevor der Ball die Torlinie vollständig überquert hat zu hören. Die im Videobeweis eingeblendete Spielzeit hat wohl einen anderen Eindruck vermittelt. Wenn Du darin kein Problem siehst, dann ist das Deine persönliche Einschätzung bzw. Einstellung zum Videobeweis. Das ist okay. Aber was sollen dann mehrfache naive Nachfragen, die offensichtlich aktiv ausblenden, was wenige Beiträge zuvor dargelegt wurde?

    JA!

    Ich habe doch explizit geschrieben, dass die Schiedsrichter richtig entschieden hätten, falls beim Videobeweis die eingeblendete Spielzeit noch 59:59 war als der Ball die Torlinie vollständig überquert hatte. Die Schiedsrichter müssen auf das Videomaterial vertrauen, dass ihnen vorliegt.

    Ich sehe die Pflicht bei der HBL ihre Technik zu verbessern. Zu oft gab es diese Saison technische Probleme beim Videobeweis. Die von der EHF eingesetzte Goal Light Technology ist beispielsweise eine kostengünstige Möglichkeit, um das für das Spielende maßgebliche Schlusssignal neben der akustischen Sirene um eine visuelle Komponente zu erweitern, die in einem einzigen Bild der Torlinienkamera die Position des Balles und das Aufleuchten der LED als Signal des Spielendes kombiniert.

    Reitest du immer noch darauf rum? Selbst Flensburg hat doch mittlerweile ein Statement gepostet, dass es in time gefallen ist. ALLE Leute in der Halle sagen, dass das Tor korrekt war. Aber du hast vorm Bildschirm eine andere Wahrnehmung und nur diese ist natürlich richtig.

    Holger Glandorf hat bestätigt, dass der Videobeweis gezeigt habe, dass der Ball im Tor war, bevor die im Bild eingeblendet Spielzeit 60:00 angezeigt hat. Die Schiedsrichter hätten somit richtig entschieden.

    Die Fragestellung dreht sich aber im Kern darum, ob der eingeblendeten Spielzeit beim Videobeweis vertraut werden kann, denn mehrfach diese Saison hat der audio-visuelle Eindruck in Echtzeit nicht zu den hinterher beim Videobeweis präsentierten Zeiteinblendungen gepasst.

    Ab wann ist synchron für dich wirklich synchron? Also wie viele Zehntel-/Hundertstel- oder Tausendstelsekunden Unterschied zwischen Bild und Spielzeit würdest du dem System zugestehen?

    Das ist eine interessante Fragestellung.

    Da beim Videobeweis die Beurteilung auf den Kameraaufnahmen beruht, gibt die Bildrate des Videosignals die notwendige Genauigkeit der Synchronisation der Spielzeit vor. Wenn die Kameraaufnahmen nur den PAL-Standard von 25fps (Bilder pro Sekunde) erfüllen, dann ergäbe sich daraus, dass 40 Millisekunden zwischen zwei Bildern liegen. Falls DYN das Videosignal in 50 oder 60 fps produziert und auch dem Video-Operator zur Verfügung stellt, dann würde sich die Anforderung auf 20 bzw. 16 Millisekunden erhöhen.

    Mittels der von der EHF eingesetzten Goal Light Technology ließe sich die Synchronisation relativ einfach umsetzen, indem zu einem programmierten Zeitpunkt das LED-Lichtsignal eingeschaltet wird und anschließend Frame-genau die an den Video-Operator übertragene Spielzeit mit den Videobildern der aufleuchtenden LED abgeglichen wird. Daraus ergibt sich ein zeitlicher Offset, der zum Beispiel durch Übertragungswege, Latenzen in der Signalverarbeitung u.ä. resultiert und für das technsiche Setuo an dem Spieltag als fix angesehen werden kann.

    Fr, 29.05.2026, 19:00 Uhr: HC Erlangen - Bergischer HC
    Mi, 03.06.2026, 19:00 Uhr: TSV GWD Minden - THW Kiel
    Mi, 03.06.2026, 19:00 Uhr: Frisch Auf! Göppingen - TVB 1898 Stuttgart
    Mi, 03.06.2026, 19:00 Uhr: Rhein-Neckar Löwen - TSV Hannover-Burgdorf
    Mi, 03.06.2026, 20:00 Uhr: TBV Lemgo - SC DHfK Leipzig
    Mi, 03.06.2026, 20:00 Uhr: SC Magdeburg - VfL Gummersbach
    Do, 04.06.2026, 19:00 Uhr: HSV Hamburg - HSG Wetzlar
    Do, 04.06.2026, 19:00 Uhr: SG Flensburg-Handewitt - ThSV Eisenach
    Do, 04.06.2026, 20:00 Uhr: MT Melsungen - Füchse Berlin


    Die 60. Saison der Handball-Bundesliga endet mit einem Doppelspieltag. Während der HC Erlangen oder der Bergische HC bereits am Freitag den Klassenerhalt rechnerisch perfekt machen könnten, treten die übrigen 16 Vereine erst nach den EHF European League Finals 2026 in Hamburg an. Nach den Finals werden sich die Motivationen für Punkte im Kampf um Platz 2, 3 und 5 in der HBL eventuell verschieben und das kann den Ausgang mancher Partie kommende Woche beeinflussen.


    Insofern: Allez, allez, le MHB! 💙