„Wenn wir uns weiter so verbessern, ist alles möglich“
Goggi, wie geht es deiner Schulter?
Nachdem ich in der ersten Woche noch richtig Schmerzen hatte, wird es jetzt von Tag zu Tag besser. Ich konnte nicht richtig schlafen, da habe ich Medikamente bekommen, die mich aber schlapp gemacht haben und die ich dann nach fünf Tagen abgesetzt habe.
Wie verkraftest du diese Situation psychisch?
Ich muss so denken: Es gibt sehr viele Leute auf der Welt, die es viel schwerer haben als ich durch schwere Krankheiten oder andere Schicksale. Ich bin aber im Grunde noch gesund, und ich habe meine Familie, der es sehr gut geht. Es ist zwar schwer zu akzeptieren, dass ich jetzt nicht spielen kann, aber ich reagiere darauf mit einer positiven Einstellung.
Gehst du zu jedem Training?
Nein, nicht immer. Morgens habe ich meistens Reha, aber ich versuche abends dabei zu sein. Ich bin froh, wenn ich dabei sein kann, und es hält meinen Kopf fit, wenn ich mit den Jungs lachen kann. So verliere ich auch den Anschluss nicht und komme dann in ein paar Monaten nicht als Fremder zurück.
Kannst du der Mannschaft denn helfen?
Nein, das ist ganz schwer für mich, das kann nur der Trainer. Wenn ich bestimmte Dinge beobachte, spreche ich mit den Leuten darüber – und ich muss der Mannschaft wirklich ein Riesenkompliment machen, dass sie so eine Geduld mit mir zeigt. Sie ertragen es, wenn ich ihnen ab und zu vielleicht ein bisschen zu viel erzähle.
Wie zufrieden bist du mit den Spielen, die du von außen gesehen hast?
Ich habe über vier Jahre kein Spiel verpasst, da ist es jetzt schon ein sehr seltsames Gefühl, an das ich mich erst gewöhnen muss, das Spiel von außen zu sehen. Gegen Kiel war das schon heftig. In den letzten drei, vier Minuten der ersten Halbzeit sind wir – wie ich meine, nicht aus eigener Schuld – in Rückstand geraten, und es war schwer, wieder zurück zu kommen. Aber die Mannschaft ist intakt, die Spieler kämpfen zusammen. Ich fand es bisher gut, wie sie gespielt haben.
Manche Beobachter meinen, die Gesamtleistung ist noch zu sehr von der Tagesform einzelner Spieler abhängig.
Das sehe ich ganz anders! Wenn damit zum Beispiel „Momo“ Ilic gemeint ist, der gegen Kiel 16 Tore macht und gegen Veszprém nur vier: In diesem Spiel hat er auch super gearbeitet und Situationen für die anderen vorbereitet. Es hängt nicht an zwei, drei Spielern. Alleine kannst du nicht gewinnen. Das hat mich auch gestört, als ich als Torschützenkönig so in den Vordergrund gestellt wurde. Deine Tore helfen nämlich niemandem etwas, wenn du am Ende nicht gewinnst.
Was ist dir denn besonders positiv aufgefallen in deiner Rolle als Beobachter?
Dass wir immer besser werden. Jetzt kann jeder Spieler reinkommen und helfen. Am Anfang war das schwieriger, weil wir noch nicht so eingespielt waren. Jetzt kann jeder die Absprachen im Angriff und in der Abwehr umsetzen. Das ist gut für Alfred, weil er variieren kann, ohne dass etwas schief geht. Am positivsten finde ich, wie wie wir uns als Mannschaft präsentieren. Das ist der einzige Weg zum Erfolg.
Wie aussagekräftig ist die Bundesliga-Tabelle im Moment? Wer wird sich oben halten, wer rückt vielleicht noch nach?
Es gibt vier Mannschaften, die bilden eine Klasse für sich, das sind Kiel, Hamburg und Flensburg als die drei stärksten – und die Rhein-Neckar Löwen, von denen ich aber mehr erwartet hätte. Trotzdem sind sie die vierte Kraft, wir werden sehen, wie sie sich jetzt entwickeln. Dahinter kommen Nordhorn, Lemgo, Magdeburg und wir. Nordhorn ist immer für eine Überraschung gut, Lemgo ist jetzt im Umbruch, und Magdeburg auch, wobei das bei denen nächstes Jahr noch spürbarer wird. Wir sind ja eigentlich auch im zweiten Jahr eines Umbruchs. Kiel, Hamburg und Flensburg haben dagegen eine unheimliche Routine über längere Zeit, besonders bei den Leistungsträgern.
Was bedeutet das für das Abschneiden des VfL Gummersbach?
Wir haben die Möglichkeit, jeden Gegner in der Bundesliga zu schlagen. Es ist aber sehr schwierig, eine ganze Saison mit dem THW Kiel mitzuhalten. Wir werden alles tun, um uns wieder für die Champions League zu qualifizieren, obwohl das, was ich ganz deutlich sage, richtig schwer wird. Wenn wir uns weiter so verbessern, ist aber alles möglich. Wichtig ist, dass wir diesen schweren Oktober gut überstehen, unsere Punkte zu Hause holen und auswärts die, die möglich sind.
Wie schätzt du die Situation in der Champions League ein?
Ich gehe davon aus, dass wir Reykjavik zu Hause schlagen. Die Auswärtsspiele in Celje und Veszprém sind von einem anderen Kaliber. Wenn uns da etwas gelingt, ist alles in Ordnung. Wobei ich mich darauf sogar freue, hier einmal die Wahnsinns-Atmosphäre als Zuschauer erleben zu können. Ich war übrigens letztens in der Kölnarena überrascht, wie viel Stimmung auch 2000 Zuschauer bei uns machen können. Es war toll, wie uns die treuesten Fans unterstützt haben.
Was machst du in der spielfreien Zeit, die demnächst kommt?
Ich werde nach Island fliegen, die Medizinische Abteilung der Nationalmannschaft hat mich darum gebeten. Dann bin ich dabei, wenn wir zwei Spiele gegen Ungarn haben. Ansonsten mache ich zwei bis vier Stunden Reha am Tag, um so schnell wie möglich zurück zu kommen. Darauf will ich mich in Ruhe konzentrieren, und es sieht ja jetzt auch schon wieder viel positiver aus als am Anfang. Das wird schon alles!
Quelle: VfL-Newsletter