18.12.2006 Grafschafter Nachrichten
HSG-Sieg mit Verletzung von Glandorf teuer bezahlt
Nordhorner Nationalspieler droht wegen mehrerer kleinerer Brüche im Gesicht auszufallen
Die rechte Gesichtshälfte von Holger Glandorf schillerte gestern in allen Farben. "Von hellblau bis schwarzlila ist alles dabei", berichtete der Nationalspieler der HSG Nordhorn. Bei einem Zusammenprall mit dem Lemgoer Michael Hegemann hatte sich der mit elf Toren beste Torschütze der Gastgeber am Abend zuvor die schwere Gesichtsverletzung zugezogen. Gleich nach dem 38:33-Erfolg ging’s daher zum Röntgen ins Grafschafter Klinikum. Die Diagnose von Mannschaftsarzt Dr. Hermann-Josef Humberg allerdings lässt Raum für ein wenig Hoffnung, dass der Linkshänder womöglich nicht alle der drei Spiele bis zum Jahresende gegen Göppingen, Kiel und Hamburg versäumen wird. Bernd Rigterink berichtete gestern von "mehreren kleineren Brüchen" im Bereich der Augenhöhle, Stirnhöhle und des Jochbeins. "Aber Gott sei Dank ist nichts durch", atmete der Manager auf, der darauf bestanden hatte, dass Glandorf sich noch Sonnabendnacht zum Schichtröntgen ins Klinikum begab.
"Eine Operation ist nicht notwendig", war auch Glandorf erleichtert: "Das ist positiv." Den Lemgoern machte er keinen Vorwurf. "So etwas passiert halt", kommentierte er die Szene aus der 58. Minute. Und das war passiert: Der Linkshänder ging in eine 1:1-Situation mit Hegemann, bekam einen Schubser von Asgeir Hallgrimsson, der dafür seine dritte Zeitstrafe und die rote Karte erhielt, und stürzte mit den Lemgoern Hegemann und Christian Schwarzer zu Boden. Dabei traf ihn Hegemann mit dem Knie im Gesicht. Glandorf blieb benommen liegen, mit einem blutenden Cut über dem Auge. Wenn Blut fließt, muss der Spieler vom Feld. Doch die Wunde bekam Physiotherapeutin Maja Loebnitz mit Gewebekleber schnell in den Griff.
Kurz darauf war Glandorf sogar wieder auf dem Spielfeld zu finden. Denn sein Vertreter Mark Bult bekam vom alles andere als souveränen Schiedsrichter-Gespann Jutta Ehrmann und Susanne Künzig eine Zeitstrafe aufgedrückt. Nach dem Spiel allerdings ging’s ihm dreckig. Kapitän Jan Filip alarmierte Maja Loebnitz: "Holger geht’s gar nicht gut."
Für Glandorf steht einiges auf dem Spiel. "Ich habe ja im Januar auch noch die Weltmeisterschaft vor mir", sagt er. "Da wollen wir natürlich nichts gefährden", betont Rigterink. Im Training könnte Glandorf, der gestern zudem darunter litt, dass das Auge stark geschwollen war und er daher kaum etwas sehen konnte, eine schützende Gesichtsmaske tragen, doch bei Pflichtspielen ist die vom internationalen Verband verboten. "Wenn ich dann in den Spielen was drauf kriege ...", überlegte Glandorf und führte diesen Gedanken lieber nicht weiter. Doch hat auch er die Hoffnung nicht aufgegeben, in diesem Jahr noch für die HSG spielen zu können: "Wir müssen die Woche abwarten. Dann können wir weiter sehen."
von Frank Hartlef
Quelle: Grafschafter Nachrichten