Ich frage mich bloß, was dann dieser Artikel überhaupt noch soll?
Ostsee-Zeitung vom 30.10.2003
Stralsund gegen WHV: Schlammschlacht geht weiter
Stralsund Fünf Tage sind seit dem 20:18-Sieg der Bundesliga-Handballer gegen Wilhelmshaven vergangen. Doch die Wogen wollen sich nicht glätten. Im Gegenteil: Das Pokalspiel der Nordklubs am 4. November (19.30 Uhr) wird von WHV-Manager Dieter Koopmann zur „Rache für Olli Köhrmann“ hochgepuscht (OZ berichtete).
Der Spielmacher der Gäste hatte sich am Sonnabend nach einem unglücklichen Zusammenprall mit Bernard Latchimy (Koopmann: „Ein ganz rüdes Foul.“) die Zunge durchgebissen. Mit sieben Stichen wurde die Wunde genäht. Köhrmann soll kurzfristig sogar in Lebensgefahr geschwebt haben. Inzwischen könne er aber wieder sprechen und flüssige Nahrung zu sich nehmen.
Alles wieder gut? Mitnichten! Für Manager Koopmann ist die Sache noch nicht vom Tisch. Der Kriminalbeamte will SHV-Mannschaftsarzt Stefan Heinrich eventuell wegen unterlassener Hilfeleistung anzeigen: „Oliver Köhrmann lag minutenlang schwer verletzt am Boden. Der Arzt saß fünf Meter daneben und hat nichts unternommen.“ Heinrich weist die Vorwürfe bestürzt zurück. „Es war für mich in keiner Form ersichtlich, dass der Spieler dringend Hilfe braucht, sonst hätte ich natürlich sofort eingegriffen.“
SHV-Trainer Norbert Henke glaubt, dass die Gegenseite einen Sündenbock sucht. Er selbst hat ebenfalls einen Schuldigen gefunden: „Für mich hat der Wilhelmshavener Physiotherapeut versagt, der sich um Köhrmann kümmerte. Er hätte den Notfall deutlich anzeigen müssen. Wir können nicht einfach jemanden aufs Feld schicken, sonst gibt es eine Zwei-Minuten-Strafe.“ Auch der Vorwurf, es habe 25 bis 30 Minuten gedauert, ehe ein Krankenwagen zur Stelle war, kann SHV-Marketingchef Thomas Haack nicht begreifen. Er habe den Notruf 20:29 Uhr gewählt, acht Minuten später sei Hilfe eingetroffen.
Zusätzliche Nahrung erhält die Schlammschlacht, die seit Tagen auch im Internet tobt, („Rufmord“, „Skandalspiel“) zusätzlich durch Koopmanns aggressive Rhetorik („Das ist Krieg.“), zu der er nach wie vor steht und die angeblichen Äußerungen über „dumme Ossi-Schweine“. Gegenüber OZ dementierte der Manager gestern: „Dummes Zeug. Mit Ost und West hat das nichts zu tun.“ Einige WHV-„Fans“ sehen das offensichtlich anders. Ein anonymer Drohbrief flatterte in die SHV-Geschäftsstelle, in dem es um das Rückspiel in Wilhelmshaven geht: „Wir werden euch die Hölle auf Erden bereiten. Vor allem dem Mannschaftsarzt und Latchimy. DDR bleibt DDR.“ Inzwischen hat der Deutsche Handball-Bund reagiert. Das Pokalspiel am Dienstag steht unter Sonderbeobachtung. Fraglich nur, ob sich bis dahin auch die Gemüter beruhigen.
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