"Aksen hat alle belogen"
Bodo Ströhmann schimpft auf Ex-Manager und will Wallau helfen
VON JÜRGEN HEIDE
Als Bodo Ströhmann am Mittwochabend den gemeinsamen Auftritt von Bülent Aksen, gefeuerter Manager der SG Wallau/Massenheim, und Volkmar Rohr, Hauptgesellschafter des Handballbundesligisten, beim Fernsehkanal rheinmain tv verfolgte, ging Ströhmann die "Galle hoch". Behauptete doch Aksen in der Sendung, "dass ich bei meinem Amtsantritt von Herrn Ströhmann ein Erbe von 1,3 Millionen Euro Schulden übernommen habe". Über Wochen hatte sich Ströhmann, der langjährige Wallauer Macher, mit öffentlichen Äußerungen über den von ihm 1975 mitgegründeten Verein zurück gehalten, doch nun war es um seine Contenance geschehen. "Was bildet der sich ein? Aksens Aussage ist eine Frechheit hoch drei. Ich war nie Geschäftsführer wie er, sondern nur einer der Gesellschafter der SG", zürnte Ströhmann, der seinen Namen, "weil er der bekannteste ist und Aksen null Ahnung von der Geschäftsführung hat", in den Schmutz gezogen sieht.
Interessant beim Streit mit Aksen ("wenn Herr Rohr noch Hauptgesellschafter ist, bin ich noch im Amt") ist auch, dass Gesellschaftssprecher Ralf Jahncke vor drei Tagen den Schuldenstand bei Aksens Amtsantritt auf 850 000 Euro beziffert hatte.
"Dass Aksen und Rohr von rheinmain tv so eine Bühne geboten wird, verstehe ich nicht. Aksen hat alle angelogen und ist für die Region nicht mehr tragbar. Er ist hier eine unerwünschte Person, weil er verbrannte Erde hinterlassen hat. Wenn er ein bisschen Ehrgefühl hätte, würde er das auch einsehen", sagte Ströhmann. Ströhmann empfahl Aksen, "wieder als Fanbeauftragter nach Duisburg zu gehen. Doch wahrscheinlich ist er auch da überfordert. Wenn nur die Hälfte stimmt von dem, was er getan haben soll, ist dies schon eine Katastrophe." Über Rohr wollte sich der 65-Jährige nicht äußern, "weil ich nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen will."
Klar ist für Ströhmann aber, dass das "scheinbar unzertrennliche Duo" der Rettungsaktion für die SG schade, "weil alle Leute, die sich für den Verein engagieren, die Unwahrheiten der beiden dementieren müssen."
Auch weil er sich vom Umfeld moralisch unter Druck gesetzt fühle - "alle haben darauf gewartet, dass ich etwas mache" -, will Ströhmann seine Kontakte einsetzen und heute (19.30 Uhr) beim Spiel gegen TuS Nettelstedt-Lübbecke trotz einer Grippe erstmals seit seinem unfreiwilligen Abschied vor elf Monaten wieder in die Ballsporthalle kommen. "Das Spiel ist für mich nebensächlich. Ich will die Region wachrütteln und viele Gespräche führen", sagt der Ex-Manager, der sich neue Geldgeber erhofft.
Finanziell will sich der Marmorhändler allerdings selbst nicht an der Rettung der SG beteiligen. "Ich habe in den letzten Jahrzehnten so viel Kapital gegeben, dass es mir reicht, wobei dies bei mir als selbstverständlich angesehen wurde. Jetzt sind die verbliebenen Gesellschafter gefordert." Es ist aber nicht auszuschließen, dass Ströhmann oder sein Freund, der langjährige Hauptsponsor Harald Scholl, vielleicht doch noch die Schatulle öffnen, auch weil sich beide gestern mit Gesellschafter Marc Gramm und Mannschaftssprecher Marcus Rominger trafen.
Opposition soll finanziell helfen
Finanzielle Hilfe erhofft sich Ströhmann von der so genannten Oppositionsgruppe. Dieser gehören auch seine drei Söhne an. Einen Posten will Ströhmann indes bei der SG "nie mehr übernehmen, denn ich bin schon 65". Mit Jahncke wollte Ströhmann wegen des Streits bei seinem Ausstieg "nichts mehr zu tun haben", aber er unterstützt diesen jetzt bei der Rettung des Clubs, "weil es jetzt für Kritik zu spät ist".
Trainer Martin Schwalb gibt zu, "dass der Wust an Informationen die Mannschaft ganz kirre macht." Ströhmann tut das Team Leid. Dass sein Lebenswerk noch gerettet wird, hofft der unermüdliche Macher, "doch der Glaube fehlt mir. Denn woher sollen die 500 000 Euro kommen? Vielleicht wäre es am besten, wenn alle 4000 Zuschauer, von denen ich ausgehe, am Samstag für die SG Lotto spielen. Bülent Aksen kann dann ja prüfen, ob einer gewonnen hat. Er hat ja jetzt viel Zeit."