Uwe Gensheimer macht gegen Eisenach ein Riesenspiel
Kröstis jubeln mit Jungfuchs als Joker
Sichtlich geschafft stellt sich Michael Roth den Fragen der Journalisten. Ziemlich fertig, aber glücklich. "Das war Balsam auf die Wunden." Der 42-Jährige spielt auf die zurückliegenden Wochen an. Wegen anhaltender Erfolgslosigkeit lagen beim Schlusslicht der Handball-Bundesliga die Nerven blank, durch zwölf Pleiten in Serie und eine katastrophale Außendarstellung hatte die SG Kronau/Östringen auf sich aufmerksam gemacht. "Eine sehr schwierige Zeit für uns", gesteht der Teamchef, dem am Freitagabend nach dem 32:24 (13:10)-Sieg gegen den ThSV Eisenach ein riesiger Felsbrocken vom Herzen plumpste. Obwohl der Doppelpack für ihn keineswegs eine Überraschung ist. "Nach den Leistungen in den letzten Wochen hat sich das angedeutet. Der Wille und die Moral stimmen. Aber auch spielerisch gehört dieses Team nicht ans Tabellenende."
Die Kröstis haben auf der steilen Treppe Richtung Relegationsplatz eine Stufe genommen, das hatte Roth so erwartet oder zumindest ganz stark gehofft. Dagegen machte ein Jungfuchs den Trainer sprachlos: Uwe Gensheimer. "Dieser Kerl hat mich absolut überrascht. Mit so etwas habe ich wirklich nicht gerechnet", schmunzelt der Coach. 22. Minute: Die Badener nehmen nach vier Gegentreffern in Folge zum 9:7 eine Auszeit. Danach kommt der große Auftritt des 17-Jährigen mit der Rückennnummer 17. Kaum auf dem Parkett, versenkt der Mannheimer die Kugel abgezockt wie ein Alter im Kasten der Thüringer. Frech, unbekümmert, erfolgreich: Der Joker aus Friedrichsfeld sticht, da staunen die Eisenacher nicht schlecht. Und weil's so schön war, gleich noch einmal - 11:7. "Klasse Uwe" schallt es von den Rängen der Eppelheimer Rhein-Neckar-Halle. Der Linksaußen hört es nicht, wirkt hoch konzentriert. "Wenn ich spiele, will ich auch gewinnen," unterstreicht der Jugend-Nationalspieler. Als er im zweiten Abschnitt aus dem Rückraum zum 27:20 (52.) vollendet hat, ballt er die Faust und dreht jubelnd ab. Der Schüler des Ludwig-Frank-Gymnasiums weiß: Da kann nichts mehr schief gehen.
Nach der Partie gibt er lächelnd zu: "In der Bundesliga zu spielen, das war schon immer mein Traum." Bodenständig, zurückhaltend, sympathisch: "Ich glaube, das war nicht schlecht", meint er zu vier blitzsauberen Toren und seiner Leistung in einer Partie, die er als sportlichen Höhepunkt einordnet. Gleich hinter dem Finale um die süddeutsche B-Jugendmeisterschaft mit dem TV Friedrichsfeld, für den er noch in der vergangenen Saison am Ball war. Dort, beim TVF, lernte Gensheimer das Handball-ABC, das er in dem überlebenswichtigen Duell gegen den ThSV Eisenach fehlerfrei wiedergegeben hat.
Das Riesentalent hatte wenige Tage vor seinem Husarenstreich einen Zwei-Jahres-Vertrag bei der SG "Kö" unterschrieben. "Es gab auch andere Angebote", bestätigt der Handballer. So soll zudem die SG Leutershausen Interesse bekundet haben. Uwe entschied sich für Kronau/Östringen. "Ich fühle mich hier wohl", bekennt er. Gensheimer will weiter hart an sich arbeiten. Sein Motto: Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden!
Da kommen ihm die Tipps der Mannschaftskollegen gerade recht, aber auch Coach Rolf Bechtold, der im Nachwuchsbereich als Fachmann und Kenner der Szene gilt. Der Rettigheimer bescheinigt dem Linksaußen ein großes Potenzial. "Ich würde ihn von daher auf eine Stufe mit Christian Zeitz stellen", so der 52-Jährige, der aber schon im nächsten Moment auf die Euphoriebremse tritt: "Das war ein toller Tag für Uwe, allerdings muss man dem Burschen auch die nötige Zeit geben."
Gestern spielte Gensheimer in der Regionalligamannschaft, heute gilt es, mit der A-Jugend der JSG Östringen/Kronau/Schönborn im Viertelfinale um die süddeutsche Meisterschaft gegen den SV Concordia Delitzsch eine gute Basis fürs Rückspiel zu legen. "Am Montag trainiert er dann wieder ganz normal mit uns", gibt Teamchef Roth zu Protokoll. Coach Bechtold ergänzt: "Keine Bange. Die jungen Kerle halten das aus. Das war beispielsweise bei André genauso", blickt er Richtung Filius, der sich in der Beletage längst zu einem Leistungsträger gemausert hat: "Und wie man sieht, hat ihm das nicht geschadet."
(c) Mannheimer Morgen - Ute Krebs