Schlammschlacht zwischen Stralsund und Wilhelmshaven
Schon während der Erstligapartie zwischen dem Stralsunder HV und dem Wilhelmshavener HV (20:18) kochten die Emotionen hoch. Doch was verbal von beiden Seiten im Anschluss nachgelegt wurde, übertrifft die hitzige Atmosphäre bei weitem noch. Während WHV-Manager Dieter Koopmann und WHV-Physiotherapeut Ralph Vogt von "Krieg in der Halle" und Vogt von fehlender medizinischer Unterstützung des SHV bei der Verletzung von Oliver Köhrmann (wir berichteten) sprechen, fühlt sich SHV-Manager Thomas Haack ob dieser Vorwürfe wie in einem "Märchenbuch der Gebrüder Grimm. An den Vorwürfen ist nichts dran. Diese WHV-Verantwortlichen müssen wohl in einer anderen Halle gewesen sein", erklärte Haack weiter.
Oliver Köhrmann (Zungenabbiss) hatte im Spiel versucht einen Gegenstoß des Stralsunder Latchimy zu unterbrechen. Vogt wirft Latchimy vor, den Ellenbogen rausgefahren zu haben und spricht dem Franzosen somit zumindest die (bewusste) Inkaufnahme einer Verletzung des WHV-Spielers zu. Haack entgegnete dem: "Das war ein unglücklicher Zusammenstoß. Handball ist schließlich ein körperbetonter Sport. Köhrmann hat versucht ein Stürmerfoul zu provozieren. Dafür hätte er eigentlich noch zwei Minuten erhalten müssen."
Aber nicht nur diese Szene missfiel Vogt beim SHV. "Die Stralsunder Spieler sind in die Zweikämpfe gegangen, um die Gegenspieler bewusst zu verletzen", sagte der Physiotherapeut gegenüber Radio Jade. "Die Emotionen in der Halle, das war irgendwo kein Sport mehr, das war teilweise Krieg, was auf dem Platz los war", erklärte Vogt weiter. Auch WHV-Manager Koopmann kritisierte die hitzige Atmosphäre: "Diese Vorkommnisse an sich sind ein Skandal gewesen. Das hatte mit Sport überhaupt nichts mehr zu tun, das ging mehr in Richtung Krieg."
Ungläubiges Kopfschütteln lösen diese Vorwürfe hingegen bei Stralsunds Manager Haack aus. "Wir haben immer eine Super-Stimmung in der Halle. Das hatte vor der Partie sogar Wilhelmshavens Trainer erklärt. Ich denke, das, was der WHV jetzt macht, ist nicht der richtige Weg, wenn man verloren hat", erklärte Haack weiter.
Aber Vogt geht sogar noch weiter und kritisiert die Ereignisse nach Köhrmanns Verletzung: "Es darf nicht passieren, dass man in der Halle keinen Arzt zur Verfügung gestellt bekommt. Es war kein Krankenwagen vorort, es hat eine Ewigkeit, vielleicht 25 bis 30 Minuten gedauert, bis ein Krankenwagen kam. Es war einfach keine Hilfe und Fürsorge von Stralsund vorhanden." Dem entgegnete Haack: "Vogt hatte gar keinen Arzt angefordert und unser Arzt darf auch nicht einfach so auf den Platz laufen, das verbieten ihm sogar die DHB-Regeln. Nachdem Wilhelmshaven einen Krankenwagen angefordert hat, habe ich mich persönlich darum gekümmert. Acht Minuten später war ein Krankenwagen da."
Während auch WHV-Spieler Oliver Groß von einer "sehr negativen Stimmung" in der Halle sprach, gehen die Vorwürfe für Haack entschieden zu weit. "Das grenzt doch schon an Rufmord. Wir haben das Video jedenfalls bereits zum DHB geschickt."
Bereits in einer Woche, am 4. November ab 19:30 Uhr, treffen beide Teams erneut aufeinander. Dann in der dritten DHB-Pokalrunde und wieder in der Stralsunder Vogelsanghalle. Bleibt nur zu hoffen, dass sich beide Reihen bis dahin wieder einigermaßen beruhigt haben.
Eine halbwegs gute Nachricht gibt es denn wenigstens doch noch zu vermelden. Oliver Köhrmann geht es wieder besser, auch wenn seine Zunge noch sehr angeschwollen ist. Nach Aussage von Vogt muss der Rückraumspieler noch etwa eine Woche mit dem Training aussetzen und sich zurzeit via Strohhalm vor allem von Suppen ernähren.