Bedingungsloser Einsatz und viel Spielfreude
Liganeuling SG Kronau/Östringen kämpft deutschen Rekordmeister VfL
Gummersbach nieder
Eppelheim. Gehofft hatten es viele, aber nur wenige wohl auch erwartet: Die SG Kronau/Östringen hatte den VfL Gummersbach fest im Griff und siegte völlig verdient mit 25:23 (14:8) Toren. Der Aufsteiger in die Handball-Bundesliga spielte den deutschen Rekordmeister vor allem in der ersten Halbzeit in Grund und Boden. Die 2018 Zuschauer
in der Rhein-Neckar-Halle in Eppelheim rieben sich verwundert die Augen über die Leistung der Mannschaft des Trainerduos Rolf Bechtold und Michael Roth. "Das war Handball mit Herz", jubelte nach dem Schlusspfiff SG-Geschäftsführer Karlheinz Just.
Für Roth war es nach der deutlichen Niederlage in Flensburg sowie der peinlichen Pokalpleite beim Regionalligisten TV Hüttenberg eine schwierige Woche gewesen. "Ernüchternd und deprimierend", hatte der 41-Jährige behauptet, der die Mannschaft in die Pflicht nahm und keine Ausreden mehr gelten lassen wollte. Mit den drohenden Worten im Nacken zeigte das Team Biss und seine bisher beste Vorstellung in der neuen Liga. "Besser können wir nicht spielen", urteilte Roth, dessen Freude über den zweiten Saisonsieg sich nach den jüngsten Enttäuschungen allerdings in Grenzen hielt.
Die Platitüde, "der Gegner spielt nur so gut, wie es die andere Mannschaft zulässt", traf diesmal zu. Mit bedingungslosem kämpferischen Einsatz und spielerischen Mitteln ließen die Nordbadener den Gegner erst gar nicht zur Entfaltung kommen. Eine konzentrierte Abwehrarbeit und Konsequenz im Abschluss führten bis zur Halbzeitpause zu einem beruhigenden Vorsprung. Über 4:1 (8.) und 6:4 (13.) sorgten fünf Treffer in Folge für das 11:4 (17.). Während die SG, teilweise auch in Unterzahl, die acht torlosen Minuten der
Gummersbacher weidlich nutzten, trafen die Oberbergischen bis zur 25. Minute (11:6) nur zweimal. Das war auch ein Verdienst von Schlussmann Maros Kolpak, der erneut zum großen Rückhalt avancierte. Der Slowake (23.) wie auch sein isländischer Kollege Gudmundur Hrafnkelsson (30.) parierten jeweils einen Strafwurf und trugen zum Gesamtsieg entscheidend
bei. "Wir haben gezeigt, was wir bieten müssen, um in der Bundesliga zu bestehen. Aber mir war klar, dass wir dieses Niveau nicht über die gesamte Spielzeit halten werden", analysierte Roth die zweite Halbzeit, in der der VfL etwas besser zum Zuge kam, allerdings ohne zu überzeugen. Weder Toptorjäger Kyung-Shin Yoon noch die beiden Franzosen Francois-Xavier Houlet sowie Cedric Burdet vermochten das Blatt zu wenden. Zwar verkürzten die ohne den verletzten Frank von Behren angereisten Gäste nochmals auf 17:15 (42.), aber Andreas Blank rückte mit zwei Toren von der Linksaußenposition die Verhältnisse wieder ins rechte Licht. Auch die Rote Karte (dritte Zeitstrafe) für den Defensivspezialisten Uli Schuppler (43.) brachte den Liganeuling nicht vom Erfolgsweg ab. Matthias Rohr übernahm den Part des SG-Kapitäns. "Er war sehr engagiert und hat seine Aufgabe gut gelöst", lobte Roth den zuletzt kaum eingesetzten Rohr. Beim 25:20 (58.) war die Partie entschieden, und dem zum vierten Mal auswärts sieglosen VfL Gummersbach gelang lediglich noch Ergebniskosmetik. "Ich bin tief enttäuscht. Wir haben nie ein Niveau erreicht, das zum Sieg gereicht hätte", grantelte Gästetrainer Sead Hasanefendic.
Roth registrierte den vorbildlichen Einsatz von Mariusz Jurasik trotz dessen Fußverletzung und von Davor Dominikovic trotz dessen Leistenprobleme wohlwollend. Aber er freute sich auch über die Auftritte von Regisseur Steffen Weber sowie der beiden Außen Holger Löhr und Andreas Blank. "Ich wollte gegen meinen ehemaligen Club unbedingt eine gute Figur machen und bin froh, dass es so gut gelaufen ist", sagte der 23-Jährige, der fast dreieinhalb Wochen wegen einer Adduktorenverletzung pausiert hatte.
"Ich hoffe, dass diese Vorstellung keine Eintagsfliege war", meinte Just und schob nach: "Denn nur so geht's." Der Geschäftsführer wie Coach Roth hoffen, dass das neu gewonnene Selbstvertrauen für die Partie beim ThSV Eisenach am kommenden Samstag (19.30 Uhr)
ausreicht, um vielleicht die ersten Auswärtszähler zu verbuchen.
Tore für Kronau/Östringen: Löhr 6, Blank 5/1, Weber 4, Dominikovic 4/1,
Bechtold 2, Häusler 2, Jurasik 2/1;
Tore für Gummersbach: Yoon 6/3, Ilper 3, Lapcevic 3, Hartmann 3, Houlet 2, Burdet 2, Schröder 2, Rastner 1, Mierzwa 1.
Mit Perfektion und Disziplin
Viel Lob für Bechtolds Abwehrarbeit gegen Torjäger Yoon
Eppelheim. Nach dem Schlusspfiff der Bundesligapartie zwischen den Handballern der SG Kronau/Östringen und Altmeister VfL Gummersbach konnte sich André Bechtold vor Glückwünschen und Autogrammjägern kaum retten. Und das vollkommen zu recht. Der 23-jährige Diplombetriebswirt hatte durch sein herausragendes Abwehrspiel gegen VfL-Torjäger Kyung-Shin Yoon maßgeblichen Anteil am 25:23-Erfolg der Aufsteigers.
"Der André hat seine Aufgabe perfekt und sehr diszipliniert erfüllt. Dank seines Bedingungslosen Einsatzes ließ er einen Weltklassehandballer wie Yoon fast nicht zum Zuge kommen", lobte SG-Teamchef Michael Roth die Leistung seines Schützlings, der sich einfach "vorbildlich verhalten hat". Der 41-jährige Medienberater betonte, dass "der André über eine
ausgezeichnete Fitness verfügt". Er sei dadurch in der Lage, eine solche Leistung bis zum Schlusspfiff zu zeigen und sich für die Mannschaft aufzureiben. Der umjubelte Nachwuchshandballer, der in der ersten Halbzeit zwei Kontertore erzielte, war mit seiner Leistung "rundum zufrieden". Seine Stärken sieht er wie sein Coach momentan in der guten körperlichen Verfassung. "Nach meinem erfolgreich beendeten Studium habe ich im Augenblick mehr Zeit als der eine oder andere Kollege und mache viel für mich selbst. Ich lege dabei sehr viel Wert auf Ausdauer und Kraft. Und wenn man 60 Minuten lang durchhält, macht einem das auf dem Handballfeld schon selbstbewusster", begründet der frühere
Juniorennationalspieler.
Aber auch seine erfahrenen Kollegen zollten der Leistung von Trainersohn Bechtold großen Respekt und sparten nicht mit Lob. "Glückwunsch zu dieser famosen Leistung. Ich habe André erzählt, wie der Yoon spielt und auf was er besonders achten muss. Das hat er perfekt umgesetzt", berichtet der kroatische Nationalspieler Davor Dominikovic. Auch Neuzugang Steffen Weber war von der Vorstellung des Kronauers begeistert: "Ich habe noch nie jemanden gesehen, der den Yoon so gut im Griff hatte. Der hat nie ins Spiel gefunden, das hat der André sehr gut gemacht." Ein besonders schwerer Stein fiel SG-Kapitän Uli Schuppler vom Herzen. Der Abwehrchef hatte nach 42 Minuten seine dritte Zeitstrafe bekommen und musste von draußen mit ansehen, wie Bechtold bravourös die Lücken stopfte: "Der André hat einfach Weltklasse gedeckt. Besser kann man so einen Mann wie Yoon nicht ausschalten."
Auch Trainer Rolf Bechtold war angetan von der Leistung seines Sohnes: "Der André
hat bärenstark gespielt und den Yoon völlig kalt gestellt. Wenn man sieht, wie wenig der
auf das Tor geworfen hat." Ein Beweis dafür war die magere Torausbeute des Gummersbachers Torschützen vom Dienst, der nur drei Feldtore erzielte.
Der Gefeierte blickte bereits nach vorn auf die kommende Aufgabe beim ThSV Eisenach und gab sich kämpferisch: "Unser Ziel ist es, dort zu punkten. Eisenach zählt wie wir zu den Kandidaten, die gegen den Abstieg kämpfen werden. Zeigen wir eine ähnliche
Leistung wie gegen Gummersbach werden wir dort auch gewinnen."
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