Haaß kommt zur Stippvisite ins künftige Wohnzimmer
HANDBALL: Die deutsche Nationalmannschaft trifft am Samstag in der
Mannheimer SAP Arena auf Weltmeister Spanien
Von unserem Redaktionsmitglied Ute Krebs
Michael Haaß strahlt. "Es ist ein tolles Gefühl, weil ich weiß, was mich
hier erwartet", sagt der Spielmacher der HSG Düsseldorf. Er spricht über
den Drei-Jahres-Vertrag ab 2007 bei den Rhein-Neckar Löwen. "Bei einem
mit Topleuten besetzten Team, in dem ich mich sportlich weiter
entwickeln will." Am Samstag (16 Uhr) ist der 22-Jährige schon mal auf
Stippvisite in seinem künftigen Wohnzimmer, wenn er mit der
Handball-Nationalmannschaft in der Mannheimer SAP Arena auf Weltmeister
Spanien trifft.
Und dann wird auch Wiedergutmachung angesagt sein für den blamablen Auftritt der DHB-Auswahl beim "Turnier der Legenden" in Paris-Bercy.
Danach schlug Bundestrainer Heiner Brand ordentlich Alarm und
kritisierte die Leistungsträger Christian Zeitz und Pascal Hens
öffentlich für ihre fehlende Einstellung. "Vor eigenem Publikum wird uns
solch ein Auftritt nicht passieren", hofft der 53-jährige Gummersbacher,
der stolz darauf ist, dass der Handball-Tempel der Quadratestadt trotz
der parallel laufenden Fußball-WM mit über 10 000 Besuchern gut gefüllt
sein wird.
Nach den drei deutlichen Niederlagen an Ostern gegen Tschechien,
Dänemark und Europameister Frankreich stellte Brand nur einen Namen
lobend heraus: den von Debütant Michael Haaß. Der Regisseur, der im
vergangenen Jahr mit TuSEM Essen unter Coach Iouri Chevtsov den EHF-Cup
gewann, wiegelt ab: "Da hatten wir eine lange Verletztenliste, ich habe
meine Chance bekommen und mich nicht ganz doof angestellt." Wenn der
Jung-Nationalspieler morgen gegen den Vize-Europameister wieder
Einsatzzeiten erhält, freut ihn das. "Aber eine insgesamt gute
Vorbereitung für die DHB-Sieben ist wichtiger."
Brand muss gegen Spanien auf die verletzten Oleg Velyky (Rhein-Neckar
Löwen), die Magdeburger Christian Sprenger, Oliver Roggisch und Johannes
Bitter, der sich gestern im Training einen Kapsel- und Bänderriss
zugezogen hat, sowie den am Ellenbogen operierten Ex-Krösti Christian
Zeitz verzichten. Während Toto Jansen (Hamburg) nach überstandener
Erkältung in die südbadische Sportschule Steinbach nachgereist ist,
fällt Volker Michel (Göppingen) wegen Grippe aus. Der Kieler Torhüter
Henning Fritz legt eine Wettkampfpause ein und stößt erst ab Montag zum
Sommerlehrgang zur DHB-Auswahl. "Aber auch Spanien wird nicht mit allen
Leistungsträgern anreisen", ist der Bundescoach in den zurückliegenden
Jahren an Ausfälle gewöhnt und nimmt diese vor dem Test in Mannheim
gelassen hin: "Somit kann sich die jeweilige Nummer zwei auf dieser
Position empfehlen. Auch im Ernstfall bei der WM 2007 müssen wir auf
Hiobsbotschaften gefasst sein."
Apropos: Für die Düsseldorfer war die Abschiedsmeldung von Michael Haaß
ein Schock. Der gebürtige Essener legt allerdings Wert darauf, sich der
HSG gegenüber völlig korrekt verhalten und sie rechtzeitig über seine
Wechselabsichten informiert zu haben. "Trainer Nils Lehmann zeigte
Verständnis für meine Entscheidung", erklärt Haaß, der nur zu gerne
bereits ab der nächsten Saison das Löwen-Trikot tragen würde. Und auch
die Bitte um eine vorzeitige Freigabe wurde von HSG-Manager Frank
Flatten mit einem positiven Signal beantwortet. "Sie wollen mir keine
Steine in den Weg legen, wenn eine adäquate Lösung gefunden wird."
Also muss sich der Spielmacher gedulden, und obwohl Flatten bereits nach
einer abgelaufenen Frist angekündigt hatte, nächste Runde ein Team um
Haaß herum aufbauen zu wollen, bestätigt die 22-jährige Hauptfigur: "Ich
hoffe sehr, dass sich die beiden Klubs noch einigen werden."
SG-Geschäftsführer Uli Schuppler: "Haaß hätte bei uns gute
Möglichkeiten, sich auch im Hinblick auf das WM-Heimspiel 2007 zu
profilieren. Auf der anderen Seite haben wir bereits fünf Topspieler im
Rückraum und unternehmen keinen Gewaltakt. Auch bei diesem Talent gibt
es eine finanzielle Schmerzgrenze für uns." Die SAP Arena in Mannheim
wird Haaß' neues Wohnzimmer. Ob früher oder später - das ist auch eine
Frage des Geldes.
Mannheimer Morgen
09. Juni 2006