"Das ist ein Plan, den niemand in Minden will"
Sportlich ist GWD Minden auf dem besten Weg, doch die Finanzierung der kommenden Saison ist eine Herkules-Aufgabe
Minden (mt). Sportlich läuft bei GWD Minden derzeit alles nach Plan. Eine weitere Spielzeit in der deutschen Elite-Liga ist so gut wie gesichert. Doch wirtschaftlich hat der heimische Handball-Bundesligist mit Blick auf die kommende Spielzeit noch einen Kraftakt zu bewältigen.
Von Marcus Riechmann
Um die derzeit so erfolgreiche Mannschaft, die heute zum Auswärtsspiel beim TV Großwallstadt antritt, zusammenzuhalten, muss man bei GWD einen Etat auf die Beine stellen, wie es ihn in Minden noch nicht gegeben hat: Zwei Millionen Euro lautet die magische Zahl. Eine Zwergensumme im Vergleich zu den Schwergewichten der Liga wie Kiel mit einem geschätzten Haushalt oberhalb der Fünf-Millionen-Grenze - aber der kleine GWD-Etat ist eine Herkules-Aufgabe für Manager Horst Bredemeier und sein Team.
Eine Summe, die es in Minden noch nicht gab
Zur Erinnerung: Der Haushalt der aktuellen Spielzeit, im Bewusstsein der Kooperation mit Hannover und der Tui-Arena auf 2,4 Millionen Euro angesetzt, war nach der Trennung von Hannover in schwere See geraten. Je eine Million sollte jeder der Vertragspartner an Sponsorengeldern einbringen, dazu sollten 400 000 Euro aus Zuschauereinnahmen kommen. Abzüglich der an Hannover für acht Spiele in der Tui-Arena zu zahlenden Hallenmiete von rund 320 000 Euro blieb also ein Real-Etat von knapp 2,1 Millionen Euro.
Das Loch von rund 680 000 Euro, das die Trennung von Hannover in die grün-weiße Kasse riss, konnte GWD-Manager Horst Bredemeier mit viel Einsatz, der Hilfe der Sponsoren und Gesellschafter sowie der nach dem Rechtsstreit aus Hannover geflossenen 303 000 Euro weitgehend gestopft werden. Hier schiebt GWD "nur" noch ein Restproblem - allerdings in sechsstelliger Höhe - mit sich herum. "Das müssen wir noch in den Griff bekommen, sonst drohen uns Strafen von der HBL bis hin zu Punktabzügen", sagt Bredemeier, gibt sich aber zuversichtlich, Sanktionen der Handball-Bundesliga GmbH vermeiden zu können: "Wir werden die Lücke irgendwie schließen."
Für die Spielzeit 2006/2007 muss GWD den Zwei-Millionen-Etat ohne den bisherigen Partner aus Niedersachsen bestreiten. 400 000 Euro sollen wie gehabt aus den Eintrittsgeldern kommen. Daraus folgt: 1,6 Millionen Euro sind aus Sponsoreneinnahmen zu erwirtschaften, 600 000 Euro mehr als in dieser Saison. Das gab es in Minden noch nie. "Weil das damals nicht möglich war, sind wir ja überhaupt nur auf Hannover zugegangen", erklärt Bredemeier und macht damit den Umfang der vor ihm liegenden Aufgabe deutlich.
Euphoriewelle schlägtnicht bis zur Basis durch
"Es hat ermutigende Gespräche im Bereich der Großsponsoren gegeben", gibt Mindens Manager Einblick in den Verlauf der Verhandlungen. Er weiß, auf wen er sich verlassen kann. Bereits zur Rettung der aktuellen Saison hat ein kleiner Kreis von Geldgebern zusätzliche Mittel in Höhe von rund 200 000 Euro in das Projekt GWD eingebracht.
Eine Problemzone der Mindener Handball-Macher liegt an der Basis: Im Bereich der kleineren Sponsoren und der Pool-Mitglieder entfaltet die allgemeine Euphorie rund um das junge, sympathische und erfolgreiche GWD-Team kaum Wirkung. "Da müssen wir ansetzen, darauf wird es entscheidend ankommen", sagt Bredemeier und schätzt: "Die nächsten Wochen werden sehr spannend."
Eine zweistellige Zahl von Pool-Mitgliedern hatte den GWD-Unterstützerkreis wegen des Teilumzugs nach Hannover verlassen. Eine Rückkehrer-Welle, wie es sie bei den Zuschauern gegeben hat, blieb aus. 170 Mitglieder hatte der Pool in der Spitze. Heute sind es 123. Eine Zahl, die ausgebaut werden soll. "Daran müssen wir arbeiten. Die Umstände sind eigentlich ideal", sagt Rudi Wachenfeld, Mitglied des Pool-Vorstandes.
Vier Optionen bieten sich letztlich, um den Etat zu stemmen: Eine erhebliche Steigerung der Einnahmen durch die Akquisition neuer Geldgeber und Partner ist die zentrale Säule des Projektes Bundesliga. Hilfestellungen seitens der Gesellschafter - in welcher Form auch immer - sind eine zweite Möglichkeit. Eine dritte liegt im Bereich der Einsparungen (Bredemeier: "Auch hier machen wir alles, was möglich ist." Und eine vierte Option liegt im Kern des Ganzen: All das, was am Ende fehlt, wird zu Kürzungen im Bereich der Mannschaft führen und damit die Konkurrenzfähigkeit im Stahlbad Bundesliga mindern.
Verkauf Niemeyers als letzter Rettungsanker
Rund zwei Drittel des Etats machen die Personalkosten rund um das Team aus. Die vier auslaufenden Verträge böten bei ihrer Neugestaltung einen gewissen Spielraum, erklärt Bredemeier, der sei allerdings gering. Die sich aufdrängende Not-Option mag der Manager kaum aussprechen: "Wir wollen Arne Niemeyer unbedingt halten. Das haben wir klar erklärt", sagt Bredemeier über den Kapitän und Leitwolf seines Teams.
Für Niemeyer, der in Minden noch bis 2008 vertraglich gebunden ist, liegt ein gut dotiertes Angebot der SG Kronau/Östringen vor. Die Ablöse würde reichlich Geld in die GWD-Kasse spülen, der Mannschaft aber eine elementare Stütze rauben und den Fans eine wichtige Identifikationsfigur. "Das ist ein Plan, den niemand in Minden will", erklärt Bredemeier denn auch, doch seine Worte lassen erahnen, dass der "Verkauf" Niemeyers eine letzte Option bleibt.
Doch derzeit will Bredemeier davon nichts wissen. "Wenn wir es schaffen, den Etat von zwei Millionen Euro auf die nächsten Jahre zu sichern, dann können wir ein Team werden, das sich im Mittelfeld der Liga etabliert. Wir werden mit Flensburg, Kiel und Co. nicht mithalten können, aber vielleicht werden wir sie hin und wieder ärgern", beschreibt der Manager seine Hoffnung und setzt die Leistung der Mindener Rasselbande ins Verhältnis zum Finanzaufwand. "Man muss mal schauen, wieviel Geld in Hamburg oder Kronau in die Hand genommen wird und wie das Ergebnis aussieht", sagt Bredemeier. Wohl bei keiner Mannschaft der Liga sind die Kosten pro Pluspunkt so gering wie bei GWD - und bei kaum einer Mannschaft ist der Spaß- und Erlebnisfaktor so hoch wie derzeit bei GWD.