Die Rhein-Neckar Löwen sorgen für Furore und der Beirat ist begeistert / Am Dienstag bei Frischauf Göppingen
Starke H's - Harder, Hopp und Handball
Ein herzhaftes Lachen rollt durch den Raum. Die beiden Herren haben gute Laune. Während Jürgen B. Harder genüsslich an seiner Zigarre zieht, streicht sich Daniel Hopp die Haare, die er inzwischen etwas länger trägt, aus dem Gesicht. Zufriedenheit macht sich breit. Und dafür sind auch die Rhein-Neckar Löwen verantwortlich. Denn das "Projekt Handball" hat in der Region eingeschlagen, die Sportart ist längst in der Mannheimer SAP Arena angekommen. Über 7500 Zuschauer fanden im Schnitt den Weg in den Handballtempel der Quadratestadt, dazu ein ausverkauftes Länderspiel und damit Rekordkulisse im Januar gegen Ungarn. Und am 10. Juni (16 Uhr) folgt ein weiterer Vergleich der DHB-Auswahl mit dem Weltmeister aus Spanien - wahrscheinlich ebenfalls in einer proppenvollen Hütte vor 13 200 Fans.
"Nach wenigen Tagen waren bereits 3000 Tickets abgesetzt", vermeldet Hopp, ehe beide den Blick Richtung SG Kronau/Östringen lenken. Und ins Schwärmen geraten. Die Skala der Begriffe reicht von "sehr angenehme Überraschung" über "Riesenerfolg" bis "steiler Weg nach oben". "Das, was die Mannschaft geleistet und wie sie sich gerade beim Final Four in Hamburg verkauft hat, das war einfach nur klasse", sagt Daniel Hopp. Schließlich sei Topspieler Oleg Velyky die komplette Rückrunde nicht dabei. Deshalb ist das Abschneiden erst recht gar nicht hoch genug einzuschätzen. Natürlich sollte das Ziel, nachdem es in der Hansestadt nicht mit dem internationalen Wettbewerb geklappt hat, weiterhin der Europacup sein. "Aber der Druck ist nicht da", bestätigt das Duo. "Wenn es jetzt nicht klappt, dann eben nächstes Jahr."
Vater des Erfolges ist Trainer Iouri Chevtsov, mit dem inzwischen vorzeitig bis 2009 verlängert worden ist. Obwohl Harder zuvor noch betont hatte, keine langfristigen Verträge zu mögen. Heute lächelt er über diese Aussage, schließlich war er die treibende Kraft, bis der Kontrakt mit dem Löwen-Dompteur in trockenen Tüchern war. Zwei Vereine (darunter der SC Magdeburg) sollen bei dem Weißrussen ganz laut angeklopft haben. "Ich bin von der Arbeit Chevtsovs überzeugt, schätze diesen Trainer auch als Mensch und finde es toll, wie er mit seinem Umfeld umgeht", zählt der Unternehmer aus Hockenheim die Gründe auf, warum er den 46-Jährigen unbedingt halten wollte. "Chevtsov ist ein Profi auf höchstem Niveau, der sich mit dem Klub optimal identifiziert", ergänzt Hopp. Und die Planungen für die nächste Saison beinhalten auch die (teilweise nicht bestätigten) Namen Arne Niemeyer (GWD Minden/soll kommen), Christian Caillat (HSG Wetzlar/soll bleiben) sowie Sergiy Shel'menko (ZTR Zaporoshje/hat bereits unterschrieben).
Harder gibt unumwunden zu, dass er längst vom Handball-Virus infiziert ist. "Obwohl ich ja eigentlich nie Zeit habe" verfolgte der 45-Jährige die meisten der Löwen-Heimspiele. Der gebürtige Heidelberger erinnert sich an die Anfänge: Als er noch Sponsor bei der SG Leutershausen war. Damals spielte ausgerechnet der TSV Baden Östringen in der Heinrich-Beck-Halle. Und nicht etwa die SGL lud ihn ein, sondern Michael Roth, der damalige Coach der Kraichgauer. Der Rest ist bekannt. Die beiden Männer wurden Freunde, Harder unterstützte wenig später Östringen, ist heute Beiratsmitglied (das vor allem auch sein kaufmännisches Wissen einbringt) und Hauptsponsor bei den Rhein-Neckar Löwen und telefoniert regelmäßig mit Michael Roth, der inzwischen Coach des Erstliga-Konkurrenten TV Großwallstadt ist. "Die ersten Schritte habe ich hier gemacht", beschreibt "Selfmade-Millionär" Harder. "Und wenn man entsprechend verdient, sollte man auch etwas zurückgeben", lautet seine Philosophie.
Daniel Hopp ist seit November 2003 intensiver bei den Bundesliga-Handballern eingestiegen, im April 2004 erfuhr es die Öffentlichkeit: Die SG soll zweites Hometeam neben den Adlern in der Mannheimer SAP Arena werden. "Das Verhältnis ist etwa 3:1", bezifferte der Adler-Gesellschafter und Arena-Geschäftsführer damals sein Engagement in den beiden Lieblingssportarten Eishockey und Handball. Ob sich das inzwischen nicht etwas verschoben hat? "Ich bin Fan von allem", erklärt Hopp und schmunzelt. Aber man merkt auch so, dass auf seiner persönlichen Sympathie-Skala die Löwen den Adlern mittlerweile ganz dicht auf den Fersen sind.
Am Dienstagabend steht für die SG Kronau/Östringen das erste von drei aufeinander folgenden Auswärtsspielen auf dem Programm. Die Chevtsov-Sieben muss ab 19.10 Uhr (ab 19 Uhr live im DSF) bei Frischauf Göppingen ran. "Gegen diesen Gegner haben wir noch eine Rechnung offen", erinnert SG-Geschäftsführer Uli Schuppler an die 26:27-Heimschlappe. "Damals waren wir noch nicht so weit, haben Fehler gemacht, die das Team inzwischen abgestellt hat", betont Trainer Chevtsov und fügt an: "Heute würden wir diese Partie, in der wir zeitweise sogar mit fünf Treffern geführt haben, nicht mehr verlieren."
Der Weißrusse bekundet seinen Respekt gegenüber einer doppelt gut besetzten Göppinger Truppe, deren Hauptaugenmerk allerdings heute zunächst auf dem in der Lemgoer Lipperlandhalle aufgebauten EHF-Pokal ruht. Im Final-Rückspiel wollen die Schwaben nach der 29:30-Niederlage gegen den TBV vor Wochenfrist nun doch noch den großen Wurf landen. Mit einem entsprechenden Kräfteverschleiß beim Rivalen kalkuliert Chevtsov dennoch nicht. Und mit dem Hexenkessel Hohenstaufenhalle? "Ich fühle mich sehr wohl dort, kann mit der Atmosphäre gut leben", so der 46-Jährige, den ganz andere Probleme beschäftigen. Torgovanov laboriert noch immer an einer Muskelverhärtung, auch Caillat (Ellbogen) und Bechtold, der im Spiel gegen Wetzlar umknickte und sich einen Kapselriss zugezogen hat, sind angeschlagen. Ute Krebs
© Sonntag Aktuell - 30.04.2006