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Der Frust entlädt sich
HANDBALL Kai Wandschneider redet nach Auswärtssieg Klartext
Auch fünf Minuten vor Spielschluss war Kai Wandschneider noch immer angespannt. Der Trainer der HSG Wetzlar gestikulierte wild, regte sich über technische Fehler auf, nahm zwei Auszeiten und trieb seine Mannen weiterhin an. Dabei stand schon längst fest, dass die Grün-Weißen einen Tag vor Ostern beim VfL Gummersbach gewinnen würden.
Fünf Treffer für die HSG ... | Foto: Philipp Ising
Denn die einseitige Partie in der Handball-Bundesliga war bereits nach knapp 45 Minuten entschieden, als die überzeugend auftretenden Wetzlarer mit 30:19 in Führung gingen. Doch ihr Coach stand unter Strom. Vier Mal schon hatte sein Team in dieser Saison einen deutlichen Vorsprung noch aus der Hand gegeben. Zuletzt sechs Tage zuvor in Hannover. Dieses Mal ging es gut. Die Schlussphase verlief zwar alles andere als berauschend, doch es reichte zu einem 35:30 (18:13)-Erfolg.
n Philipp Müller ist schon am Rücken operiert und fällt vorerst aus
Als die Begegnung schon eine halbe Stunde zu Ende war und einige Gummersbacher Spieler in der längst leeren Eugen-Haas-Halle mit ihren Kindern noch ein wenig Fußball spielten, da war Wandschneider wieder er selbst. Ruhig, aufgeräumt und vor allem erleichtert: "Ich freue mich sehr. Dieser Sieg war wichtig für die Moral und die Stimmung im Team", sagte der 53-Jährige.
Man kann nur erahnen, wie sehr die Serie von 3:21-Punkten an dem Übungsleiter genagt hat. Vor allem aber, und das gibt er offen zu, stört ihn die Erwartungshaltung in der Domstadt. Nach der tollen Hinrunde sei diese "viel zu groß". Kevin Schmidt pflichtete ihm bei: "Im Moment verlieren wir die Spiele knapp, die wir in der Hinrunde noch mit einem Tor gewonnen haben. Ich kann aber nicht verstehen, dass immer wieder gesagt wird, wir würden in einem Negativlauf stecken. Man darf nicht vergessen, dass wir vor zehn Monaten hier in Gummersbach gerade so den Klassenerhalt geschafft haben", sagte der Linksaußen.
Gerade vor eigenem Publikum fehle derzeit die "bedingungslose Unterstützung, die wir in den ersten Saisonspielen noch hatten", klagte Wandschneider und wurde konkret: "Dass Teile unserer Zuschauer am vergangenen Mittwoch gegen Magdeburg (27:28, Anm. der Red.) einen Philipp Müller verbal attackieren und ihm zurufen, er solle abhauen, kann ich nicht nachvollziehen. Auch ich bin nach der Partie von zwei Leuten beschimpft worden. Aber ich kann das aushalten. Die Mannschaft hat das jedoch nicht verdient. Diese Truppe kämpft immer. Und Philipp hat sich gegen Magdeburg zur Verfügung gestellt, obwohl es eigentlich nicht richtig war."
Denn mittlerweile ist der 28-Jährige am Rücken operiert worden. Die Gefahr, dass sich der schwere Bluterguss aus dem Hannover-Match verkapselt und irgendwann wieder aufgeht, war zu groß. Also musste sich der Rückraumspieler, der seit Freitag im Krankenhaus war, an Ostersonntag diesem Eingriff unterziehen. Er wird definitiv in der kommende Partie am 12. April zu Hause gegen Göppingen fehlen. "Vielleicht auch noch bis in den Mai hinein", befürchtet Wandschneider Schlimmes.
Gegen Gummersbach konnte der Tabellenzehnte den Ausfall von Philipp Müller kompensieren. Der abstiegsbedrohte Altmeister war einfach zu schwach, um die vorne wie hinten über 50 Minuten voll konzentrierte HSG in Verlegenheit zu bringen. "Wir waren nicht in der Lage, eine Euphorie zu entfachen", bemängelte VfL-Trainer Emir Kurtagic. Auch der am Knie lädierte Dennis Krause, ab Sommer in Wetzlar beschäftigt, konnte nie sein Leistungsvermögen abrufen und verlor das Duell gegen seinen zukünftigen Konkurrenten im linken Rückraum, Steffen Fäth (fünf Tore), klar.
Für die Gummersbacher wird der Existenzkampf in der Bundesliga angesichts eines hammerharten Restprogramms zur Nervenschlacht. Die Wetzlarer sind froh, dass sie solche Sorgen nicht haben. Bis auf Fannar Thor Fridgeirsson, der in der Abwehr über 60 Minuten eine ordentliche Leistung ablieferte, wissen alle Akteure, wie es mit ihnen in der neuen Saison weitergeht. Der Vertrag des Isländers läuft Ende Juni aus. "Für Fannar ist das eine absolute Hängepartie. Das ist ein untragbarer Zustand. Er braucht jetzt eine klare Entscheidung", schimpfte Wandschneider ein weiteres Mal. Doch diesen Appell muss der HSG-Trainer an die eigenen Verantwortlichen richten. Nach Informationen dieser Zeitung ist der Transfer von Florian Laudt (TV Hüttenberg) beschlossene Sache. Und für Fridgeirsson die Tür damit zu.