Ach zu weit kann mir das gar nicht gehen. Ist mal interessant zu erfahren, was andere bzw. "echte" Freaks für einen Ansatz fahren, um ihren Stil zu verfeinern. Ich empfinde es in erster LInie als Gnade der rechtzeitigen Geburt. Irgendwie muss ich mich immer noch kneifen, dass man bei entsprechenden Zeitbudget da draussen in einem echten Ozean rumforschen kann.
Mit der gerade noch rechtzeitigen Geburt haste sicher recht. Ich war 2018 das letzte Mal in London, mit meinem ältesten Sohn und 2 Kumpels von ihm. Da haben wir uns das NBA-Spiel Boston- Celtics-Philly 76ers angeguckt. Flug hin und zurück zusammen 50 €. Natürlich dann noch Sightseeing betrieben und mal über die Abbey Road zu latschen wie die Beatles oder sich alte Punk-Clubs oder deren ehemalige Standorte live anzugucken, von denen Campino meinetwegen mal schwärmte und jetzt kann man das alles selber machen, ist schon erhebend. Als Teenager war das eine unerreichbare Welt. Eine wesentlich früher verschwundene Mauer hätte mir auch gar nicht so viel mehr gebracht. Man hätte ja kein Geld gehabt und mit 12 reist man auch noch nicht zu Pilgerstätten seiner Musik oder in die Konzerttempel dieser Welt.
Jetzt als Erwachsener interessiert mich rund um die Musik und die Musiker auch einfach mehr als früher als die Jagd nach der Musik im Vordergrund stand. Ist natürlich auch eine Frage des eigenen Entwicklungsprozesses.
Ich finde es auch sehr interessant, wie Leute bestimmte Musikrichtungen kategorisieren können. Auf Wikipedia kann man ja schon die ganzen Gattungen, schön nachlesen. Eine meiner Lieblingsgenres müsste demnach Skacore sein. Mir ( hlp dir auch?) ist auch absolut bewusst, dass zwar UK und US schon für eine Leben ausreichen, dass da draußen aber auch noch ganz viele andere Länder sind. Ich war beruflich einige Male in Südamerika. Gibt dort auch interessante Sachen. Mitte der 90er, d.h. noch vor Sportfy bin ich mal über Cheb Khaled gestolpert, König des Rai in Nordafrika Hier mal ein Link. Mit der Stimmer, den Rythmen und den Instrumenten müssten mittlerweile auch interessante Fusionsachen daraus geworden sein. Oder schauen wir mal nach Japan, um mal Babymetal in den Raum zu werfen. Überhaupt die Japaner mit ihrem Hang alles zu übernehmen mit und mit einem eigenen Touch noch ne Spur extremer zu machen.
Tokyo Ska Paradise Orchestra muss live auch ein Erlebnis sein.
Die Welt ist groß, auch damit hast du absolut Recht. Meine Schwägerin lebt in Peru und hat natürlich einen Faible für die ganze lateinamerikanische Mucke. Das ist nicht so zuallererst mein Ding, aber als offener Geist und im richtigen Ambiente geht immer noch mehr als zu Hause auf der eigenen Couch. Sprich, mit den richtigen Leuten, Fiesta, schönem Wetter, Urlaub und ein paar Pisco Sour, Caipis etc. in der Rübe geht auf 1x doch einiges. Die Hüfte wird geschmeidiger und man lässt sich einfach mal drauf ein.
Bei Nordafrika mache ich erst mal dicke Backen. Von Rai habe ich namentlich schon mal gehört, kann mir aber erst mal nix drunter vorstellen. Die Musik muss für mich auf jeden Fall noch ne Struktur, eine Melodie haben. Es gibt ja Musik, die besteht eigentlich nur aus Rhythmus, der noch 20x wechselt im Song. Das wird mir dann irgendwann zu schräg, ein bißchen Eingängigkeit, Nachvollziehbarkeit muss noch dabei sein.
Bei den Japanern und jetzt zunehmend auch den Koreanern habe ich immer ein wenig das Gefühl, dass die aus bestimmten Sachen eine Parodie machen oder es (wie du schon sagst) mit asiatischem Perfektionismus auf die Spitze treiben wollen.
Selbst bin ich gar kein großer Freund von Kategorisierung von Musik. Es wird immer schwieriger, ungenauer und weniger aussagekräftig. Außerdem wehren sich gefühlt fast alle Musiker gegen eine Einsortierung in eine Schublade. Ich versuche mich darin eigentlich nur, wenn ich einem Fremden beschreiben muss oder möchte, was er sich ungefähr vorzustellen hat. Aber auch das mit dem Bewusstsein, dass ich völlig falsch liegen kann, weil der andere Hörer gänzlich andere Assoziationen hat. Bei Skacore ist es allerdings noch relativ einfach, wird aber auch schon schwieriger, je mehr man unter diesen Schirm drunterschieben will. Die Spät-DDR hat ja mit Messer Banzani auch so ne Art Speerspitze hervorgebracht.
Ich bin auch kein eiserner Verfechter von Originalität oder das früher alles besser war. Gut geklaut oder seinen Vorbildern nachgeeifert, kann durchaus phantastische Ergebnisse bringen.
Ein Quell ungetrübter Musikfreude ist für mich auch das Einzugsgebiet der Wikinger von Island über die Färöer, hin nach Norwegen, Schweden, Dänemark bis Finnland.
Musik wie von Sigur Ros oder GusGus passt für mich zu Island wie der Arsch uffn Eimer. Aus Finnland kommt handwerklich, künstlerisch hervorragende Musik und auch wenn es brachialster Death Metal ist, können die in der Regel ihre Instrumente so spielen, dass dem Rest des Genres die Kinnlade runterfällt. Oder es ist sehr speziell wie Apocalyptica mit ihrem Cello-Metal oder es ist komplett gaga wie die Leningrad Cowboys.
Na ja, das ist jedenfalls ein weites Feld und das ist auch sehr gut so. Da wird es wenigstens nicht langweilig.