Schön, dass noch mitgelesen wird. Ich hatte noch etwas im ND-Archiv recherchiert. Neben dem Oberligabetrieb gab es eigentlich nur die Neujahrsturniere von überregionaler Bedeutung. Neben dem in Rostock gab es noch eins in Cottbus und in der Seelenbinderhalle, d.h. von Dynamo. Ansonsten auffällig, dass Chemie Piesteritz, Zweitligist, sehr oft Freundschaftsspiele gegen ungarische bzw. Osteuropatruppen zu Hause gemacht haben. Diese Truppen müssen ja irgendwo ihr Trainingslager gemacht haben. Kienbaum ist aber recht weit (DDR-Sportcamp).
Bei den Frauen hatte Rangsdorf noch ein größeres Turnier.
War nicht in der Seelenbinder-Halle immer 6-Tage-Rennen im Radsport? Da war ich doch auch mal. Also Winterbahnsaison nannte sich das doch. Die Winterbahnsaison ging doch von November bis Februar. Haben die trotz der Radrennbahn da Handball drin gespielt?
An TV-Bilder aus Rostock kann ich mich erinnern, Handball aus Berlin in dieser Zeit nicht. Es war ja auch keine typische Dynamo-Spielstätte, was jetzt aber nichts heißen muss.
Ansonsten verbinde ich die Seelenbinder-Halle mit ein paar geilen Konzerten kurz nach der Wende. Vor der Wende war für einen Konzertbesuch wahrscheinlich mein FDJ-Hemd nicht gut genug gebügelt.
ERGO: Die DDR hat aus dem System schon richtig viel rausgeholt, insbesondere auch durch das Sichtungssystem. Hätte der Handball jedoch im Westen einen höheren Stellenwert und damit verbunden auch finanzielle Anreize für Spieler gehabt, wäre der Mangel der fehlenden Wechsel zum Tragen gekommen.
Und um noch mal auf den politischen Druck einzugehen. Urban79 hatte auf einen bekannten verwiesen, welcher nur bis Zweitliga kam, da er nicht in die Partei wollte. Da herrschte am Ende wohl auch Pragmatismus. Holger Schneider ist meines Wissens auch nie eingetreten. An seinem Talent kamen die aber nicht vorbei.
Ich denke da gab es dann auch ein Dossier wie wahrscheinlich z.B. eine Republikflucht war. Schneider war ja nicht zu Empor gegangen wegen Westverwandtschaft und ist trotzdem noch nach Seoul gekommen. Den werden die richtige gut beleuchtet haben und das über Jahre. Ist ja erst mit 26 oder den Dreh zu Empor gegangen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass in der DDR jeder durchs Raster fiel der Westverwandtschaft hatte oder nicht in der Partei war. Dann hätte ja das Sichtungssystem auf quasi die Hälfte der Bevölkerung verzichten müssen.
Vielleicht könnten wir uns noch einmal austauschen, welche Stadt eigentlich den größten Lebenswert für einen "Ost-Profi" darstellte. Ich habe zum Glück noch viel von der DDR gesehen, da ich durch den Sport gut rumgekommen war. Rostock war sicherlich ein sehr attraktiver Standort (moderne Halle, Strand, Unistadt). Berlin und Leipzig (allein schon wegen der Moritzbastei) wegen des Kulturangebotes auch. Halle hat ja auch eine Uni. Von der Stadt war ich aber richtig geschockt. da war in meiner Erinnerung alles schwarz und verfallen. Cottbus hatte das legendäre Gladhouse ansonsten aber nicht so prickelnd. Auch nur ne kleinere Bergakademie(?).
Ich hatte mal Katja Kittler im Rostocker Filmclub gesehen, war glaub ich irgend etwas jazziges. Das muss eigentlich auch ein Thema gewesen sein. (Beispiel Wahl zwischen Löbau und Rostock). Magdeburg hatte auch eine gute Klubinfrastruktur? Ich war da vor der Wende einmal und habe es als grüne Stadt in Erinnerung (Rennbahn) und dann den Boulevard mit dem Stalinbauten. Da gab es ein Cafe Kiew oder so. Da kostete ein Toast Hawaii 12 Mark. Was richtig teuer war zu der Zeit im Vergleich. Theater war nicht schlecht. Damals Thomas Dehler, Sohn von Wolfgang Dehler DEFA Inventar, ein lokaler Star. Ich meine die Jugendherberge war in Sudenburg. Und irgendwie war ich noch auch einem Freilichtkonzert in Ottersleben. Aber das ist sehr verschwommen.
Berlin, Leipzig und Rostock ragten da eventuell etwas heraus. Beim Rest war es wahrscheinlich eher egal. Magdeburg punktete sicher nicht mit architektonischen Highlights, dafür mit Elblage, (u. a. Rennbahn im Herrenkrug) viel Grün und Sportmöglichkeiten und einen Haufen Clubs und studentisches und Kulturleben, sogar international, gab es auch. Freilichtkonzert in Ottersleben weiß ich zwar nicht, die waren sonst eher im Stadtpark, aber kann ja sein. Ottersleben ist auch das entgegengesetzte Ende der Stadt. Da fährt bis heute keine Strapazenbahn hin, (Nachtlinien hießen Lumpensammler) war also für Neustädter wie mich etwas weit vom Schuss.
von den BSG Standorten vermutlich Eisenach auf der Topliste. Schwerin wegen der Landschaft. Kirchmöser, Löbau, Eberswalde?
Wie es der Zufall will, habe ich auch letztlich mitbekommen, warum ich Takraf (Kranbau) in Magdeburg verortet hatte. Meine Mutter hat mir gescannte alte Heimatkundehefte geschickt (4 Klasse). Da stand das falsch drin.
Richtig war Leipzig.
Das Kirow-Werk In Leipzig war natürlich der bekanntere Kranbaustandort, Die Kombinatsspitze saß auch in Leipzig, aber ich meine, dass in und um Magdeburg auch eine Reihe Großbetriebe zum Kombinat TAKRAF gehörten, Förderanlagen 7. Oktober, (heute FAM), Schwermaschinenbau Georgi Dimitroff, Kranbau Barleben, Förderanlagenbau Calbe (Saale), Kranbau Köthen. Ich kannte einige Leute, die von den Magdeburger Betrieben aus auf Montage in den Braunkohletagebauen waren, weil sie da die Großgeräte wie Bagger und Förderstrecken zusammengebaut haben.