Ok, Mißverständnis meinerseits. Nennen wir es fragiles Spielsystem. Und wenn ich dieser zerbrechlichen Angelegenheit dann noch einen Stups gebe (Lemke raus) ...
Fragil, auch weil es an der Person des Isländers hing?
Denn es bleibt natürlich festzuhalten, dass ein Dagur Sigurdsson das vorhandene Potential optimal ausschöpfte, während ein Christian Prokop offensichtlich das ihm zur Verfügung stehende Potential nicht optimal ausschöpfen konnte. Sprich der Isländer machte alle ein bisschen besser als sie waren/tatsächlich sind, während der Deutsche sie mMn schlechter machte, als sie waren/tatsächlich sind.
man erinnere sich:
Erlangt hat Sigurdsson dieses Vertrauen, weil er der Mannschaft wiederholt den Weg zum Erfolg gewiesen hat. Zuletzt war das gegen Dänemark der Fall, als er den Gegner mit ständig wechselnden Abwehrsystemen ins Chaos stürzte und dadurch den Sprung ins Halbfinale möglich machte.
Im zweiten Spiel dieser EM gegen Schweden stellte er in der Pause bei hohem Rückstand die Abwehr um, sodass die Deutschen eine verloren geglaubte Partie drehten und die Erfolgswelle erwischten, die sie bis in die Medaillenrunde nach Krakau trug. "Wir hatten dieses System wie gegen Schweden nie zuvor trainiert, aber als Dagur es uns in der Pause erklärt hat, waren wir total überzeugt, dass es funktioniert", erklärt Schmidt.
Sigurdsson hat drei Eigenschaften, die große und erfolgreiche Trainer auszeichnen: Eine Spielidee, die er konsequent verfolgt. Ein überdurchschnittliches taktisches Verständnis, durch das er im Spiel auf Veränderungen reagieren kann. Und er kennt keine Angst. Das hat zur Folge, dass er seinen Spielern die Angst nehmen kann. Die junge Mannschaft darf Fehler machen - und macht deshalb fast keine. Dagur Sigurdsson wirkt schroff und ist unnahbar, aber er hat seiner Mannschaft Gelassenheit und Mut vermittelt.
Handball-EM 2016: Die Spieler vertrauen Dagur Sigurdsson blind - SPIEGEL ONLINE
Christian Prokop pflegt einen komplett anderen Stil pflegt als Sigurdsson: ganz kurze Leine und viele, viele Gespräche - sein Stil. Stiller Motivator, der massiv Selbstbewusstsein aufbauen - ist er nicht.
Eventuell hat das deutsche Spielerpotential mehr von einem Motivator als von einem akribischen Arbeiter?
(vereinfacht und meinerseits überspitzt gefragt)
Sicherlich von allem ein bißchen. Wobei ja jetzt irgendwie der Witz ist, dass Dagur in der Nati die Mannschaft besser machen konnte als die Summe ihrer Einzelspieler und man Prokop genau das mit Leipzig auch bescheinigt, allerdings mit viel längerem Anlauf, sprich mehr Zeit, um das zu festigen, was DHfK jetzt ausmacht.
Um vielleicht noch einem weiteren Missverständnis vorzubeugen. Ich argumentiere hier nicht pro Prokop, sehe es also auch so, dass er offenbar zu viel und das zu schnell geändert sehen wollte und mit dem Argument der Anti-Prokop-Fraktion, dass Experiment auf die EM auszudehnen und das dies ein zu großes Risiko darstellt, gehe ich ebenfalls mit, ich gehe eben nur nicht damit konform, dass das katastrophale Ergebnis schon vorher feststand und das man Prokop keine 2. Chance geben soll. Das finde ich nicht fair Prokop gegenüber, aber man unterschlägt eben auch, dass es ein neuer BT eher noch schwerer hätte als der jetzige und zwar, weil es ein zurück zu den golden times of Dagur niemals geben wird. Die Erde hat sich seitdem weitergedreht und der Moment 2016 ist Geschichte.