Beiträge von capitano19

    Ich weise nochmal darauf hin, dass viele Spielerinnen selbst das einfach nicht juckt. Es juckt sie aber, wie man mit ihnen persönlich umgeht. Der Begriff "Mädels" ist kein negativer Umgang, sondern die Bewertung von Menschen, die das als negativ ansehen. Hier wurde ja auch geschrieben, dass nicht nur der Sender eine Verantwortung trägt, sondern auch der Empfänger. Wir machen uns hier wirklich Probleme, die keine sind. Man sollte es einfach nicht auf die Spitze treiben mit der Feinfühligkeit.

    Für mich wird es darauf ankommen, mit welcher Geschwindigkeit heraus aus der generell sehr guten Abwehr gespielt wird. Wenn man mutig, zielstrebig und mit ein wenig mehr Risiko agiert, kann es etwas werden. Wenn man, wie bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr, zunächst auf Vorsicht bedacht ist, sehe ich schwarz. Köster, Knorr, Uscins und dahinter Spieler wie Grgic, Schluroff und Lichtlein sind ein Rückraum, der in der Breite richtig glänzen kann. Und normalerweise müsste Grgic auch von Anfang an spielen, für die Bank ist er zu gut. Ich bin sehr gespannt, was sich Gislason da einfallen lässt.

    Der ist aber nicht tief im Frauenhandball drin, das lässt er seine Verantwortlichen machen. Der Rauswurf von Reckenthäler war leider absehbar und zuletzt (unabhängig von den Ergebnissen) keine Überraschung mehr. Wollen sie aufsteigen, müssen sie sich auf der Trainerbank und in der sportlichen Leitung anders aufstellen.

    Du kannst mich auch Kapitänchen nennen, das ist mir völlig schnuppe. Ich halte von der Überbewertung von Sprache in der aktuellen Zeit relativ wenig. Selbst der ganz große Anteil an Spielerinnen in der Liga spricht oft von Spieler oder Torhüter. Mit anderen Worten: Manche Dinge jucken sie nicht. Entscheidend ist, dass man sich insgesamt respektvoll den Menschen gegenüber verhält. Ich glaube sogar, dass dieses übermäßige Korrekt sein wollen bei uns in der Gesellschaft eher negative Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit der Menschen hat. Das erklärt dann auch, warum wir in manchen Sportarten große Nachwuchsprobleme haben.

    Natürlich darf man das. Denn auch „Mädels“ können viel investieren. Wenn solche Dinge unsere Probleme im Leistungssport und im Sprachgebrauch sind, können wir echt aufhören. Man spricht ja auch von den Jungs von Alfred Gislason. Warum wird sowas immer direkt negativ interpretiert? Etwas mehr Fokus auf das Wesentliche wäre für unsere Gesellschaft gar nicht mal so schlecht.

    Hier ist die nächste Ausgabe:

    Kreis Ab – Episode 437

    Zu Gast in der aktuellen Ausgabe:

    • Thomas Rademacher (Solinger Tageblatt)

    Themen (u.a.):

    • Ergebnisse beeinflussen dann doch die Laune
    • Dänemarks Dominanz kann für Langeweile sorgen (ab 4:16)
    • Wiencek nimmt den alten Stil mit (ab 10:01)
    • Ludwigsburger Pleite ist ein Einschnitt (ab 18:09)
    • Hanning-Move immer noch ein Schocker (ab 24:47)
    • Ansetzungen bleiben ein absolutes Reizthema (ab 28:21)
    • Videobeweis ist nicht optimal gelöst (ab 38:33)
    • Deutsche Frauen brauchen dauerhaft Unterstützung (ab 48:41)
    • IHF-Kongress juckt einfach niemanden (ab 53:19)

    Vielen Dank für eure Unterstützung und Treue in diesem, für mich unfassbar intensivem Jahr. Ich freue mich, dass so viele von euch dieses Format, auch in seiner neuen Art, zu schätzen wissen. Am ersten Spieltag der Männer-EM geht es wie gewohnt los mit der Vorschau auf das Turnier, allerdings "nur" mit Björn Pazen als Gast. Die Gesundheit geht vor. Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch, kommt gesund ins neue Jahr!

    Ich in kein Medienprofi. Was wäre denn realistisch möglich gewesen?

    Viel, wenn man das langfristig angeht und sich viele Gedanken macht. Ich müsste lügen wenn ich sage, dass ich diese Frage ad hoc beantworten kann. Und es wäre zu leicht zu sagen: Einfach das Gegenteil von dem, was der DHB tut. Während ich die Kampagne inhaltlich verstanden habe, wurde sie leider sehr schlecht und teilweise auch enorm langweilig umgesetzt. Da gibt es enorm viele Ansatzpunkte. Der DHB-Medienabteilung hat aber auch den Stock im Hintern und ist von lustig, modern und kreativ sehr weit entfernt. Die Bilder sind nicht so emotional, wie es dieser historische Erfolg hergegeben hätte. Wie wäre es auch mal mit einer begleitenden Dokumentation gewesen? So kannst Du ja auch dauerhaft Gesichter kreieren. Wenn aber die Spielerinnen nur bedingt frei reden, weil der Verband Angst hat es könnten die harmlosesten Aussagen irgendwie negativ wahrgenommen werden, dann wird es schwer.

    Die von Dir erhoffte Entwicklung kommt natürlich von der Basis, keine Frage. Aber am Ende waren sie im Sportstudio und dann noch bei der Wahl "Sportler des Jahres", obwohl sie gar nicht auf der Liste der Nominierten standen. Sagen wir doch, wie es ist: Der DHB hat, abgesehen von ein paar Post bei Instagram, keinen Plan in der Tasche gehabt. Das ist die nackte Wahrheit. Einfach unendlich schade.

    In Deutschland herrscht sowieso die Auffassung, dass Kritik per se negativ ist. Kritik ist aber äußerst positiv und hilft, wenn Du Dich verbessern möchtest. Wenn Dir niemand aufzeigt, dass Du Fehler machst, wird alles laufen wie bisher. Der DHB macht, ich sage das jetzt mal ganz zynisch, keine Fehler. Kommt dann jemand und mahnt die offensichtlichen Probleme an, ist er ein Nörgler und Meckerer. Dass genau diese Blickwinkel aber enorm wichtig sind, versteht niemand.

    Als Beispiel nehme ich gerne mal den Vergleich zwischen den Spielen ab dem Viertelfinale in Rotterdam und den Spielen zuvor in Dortmund. In Dortmund war die Stimmung in Ordnung, sie war aber nicht überragend. Auch das Drumherum war nicht überragend. Wenn das jemand sagt, dann wird aber direkt mit dem Kopf geschüttelt. Selten wird daran gedacht, dass man eventuell Ideen hätte, um Dinge zu verbessern. Aus meiner Sicht ist das ein Kernproblem.

    Eine offensive Marketing-Kampagne des DHB wahrscheinlich. Das alles wird nun so halbwegs im Sande verlaufen und zu den Länderspielen der Frauen wird man dann wieder was von "hands up for more" hören. Dann sind die Spiele vorbei und keiner redet mehr drüber. Genau jetzt müsste man Vollgas geben. Am Tag nach dem Finale gab es aber einen Newsletter, in dem erstmal auf den Ticketvorverkauf für die Männer-WM 2027 hingewiesen wurde. Der DHB tritt auch wirklich in jedes erdenkliche Fettnäpfchen, in das man irgendwie treten kann. Auch heute, sobald Weihnachten vorbei war, wurden die Journalisten gefühlt noch zum 50. Mal auf einen großen Medientermin im Vorfeld der Männer-EM hingewiesen. So viel zu diesem Thema.