Ich glaube schon, dass die Mädels kritikfähig sind. Die wissen ganz genau, dass sie ihre Leistung nicht gebracht haben. Man muss sich nur mal das Final Four der Champions League 2024 ansehen und schauen, wie Xenia Smits, Jenny Behrend oder auch Alina Grijseels dort gespielt haben. Smits war beispielsweise im Halbfinale überragend, offensiv wie defensiv. Es ist also nicht so, dass sie nicht in wichtigen Spielen liefern könnten. Es kommt dabei aber auch auf sehr viele Kleinigkeiten an. Und glaubt man, dass die Spielerinnen das alles nicht sehen, unterstellt man ihnen im Prinzip Dummheit. Und das sind diese Mädels definitiv nicht, im Gegenteil. Das ist eine sehr feine Truppe, die man bei der Frauennationalmannschaft beisammen hat. Das sollte vielleicht auch mal erwähnt werden.
Das Spielsystem unter Henk Groener ist dem von Gaugisch übrigens durchaus ähnlich. Man kann das natürlich kritisieren, aber der Handball hat sich eben seit den 80ern und 90ern entwickelt und ist im Frauenbereich weit entfernt vom „Steine werfen“ der Vergangenheit. Jede Nation der Welt spielt das so und nur wenige Einzelspielerinnen (wie Henny Reistad, früher zu ihrer Blütezeit Neagu etc.) können „mal eben so“ aus der Ferndistanz Tore erzielen. Das kann, von der Größe her, im deutschen Team eh nur Viola Leuchter. Bölks Quoten waren seit 2020 bei den Turnieren teilweise katastrophal. In Spanien 2021 zum Beispiel 0/10 in den beiden letzten Spielen des Turniers gegen Dänemark (Abschluss Hauptrunde) und Spanien (Viertelfinale). Auch die Quote der aktuellen Turniere war einfach zu schlecht, um nicht mal etwas anderes zu testen. Das hat dann auch nichts mit „Bauernopfer“ zu tun. Gaugisch testet jetzt Kühne und Bleckmann, die andere Stärken haben. Man wird sehen, ob das funktioniert oder nicht.
Am Ende ist es aber immer ein Zusammenspiel der gesamten Mannschaft. Treffen die Schützinnen nicht, ist kein Platz für die Durchbruchspielerinnen vorhanden und kommen die durch, wird am Ende mehr Platz für die Schützinnen sein. Das Konstrukt muss funktionieren und seit gut drei Jahren funktioniert das nicht mehr, es ist ein Abwärtstrend zu erkennen. Dafür müssten aus meiner Sicht weitaus größerer Schritte gegangen werden als nur mal Emily Bölk nicht zu nominieren, was einige hier als Weltuntergang darstellen, der es aber nicht ist. Es ist eine sportlcihe Entscheidung, die am Ende richtig oder falsch sein kann.