Ich verstehe dieses Jury-Voting nicht. Wer sitzt da jeweils drin und warum? Und warum soll das Votum von 2-3 "Experten" genausoviel wert sein wie die Millionen Stimmen der Zuschauenden? Und warum macht man diese endlose Länderrunde mit den Jurystimmen und packt dann total intransparent einfach hunderte Punkte auf einmal drauf?
Das Wertungssystem im ESC wurde schon mehrmals immer wieder geändert, um es so gerecht wie möglich zu machen.
Ganz früher gab's nur Expertenjurys. Da saßen dann 10 Leute drin, die ihr Geld in der Musikbranche machen. Jeder hatte eine Stimme für sein Lieblingslied.
Später sahen die Jurys dann so aus, dass immer ein "Experte" und ein ausgesuchter "Laie" seine Punkte (von 1 bis 5) jeweils für ein Land abgeben durfte.
Nachdem es im Jahr 1969 gleich vier punktgleiche Sieger gegeben hat, hat man sich das heutige Punktsystem ausgedacht (Punkte von 1 bis 12 außer 9 und 11). Die Expertenjurys (mit oder ohne Laien) wurden erst 1997 abgeschafft.
Ab 1997 gab's dann ausschließlich Televoting. Das führte dann aber dazu, dass die Leute (mutmaßlich) nicht mehr für das beste Lied, sondern nur für ihr Lieblingsland angerufen haben. So was frustrierte dann die Künstler. DJ Bobo, der mal für die Schweiz angetreten und im Halbfinale ausgeschieden ist, sagte mal sinngemäß, dass die Sänger gar kein Lied mehr bräuchten, sondern nur 3 Minuten lang ihre Landesfahne in die Kamera halten müssten, um Anrufe zu bekommen.
Daher war der Wunsch nach "Experten" wieder da.
Ab 2009 gab's deshalb dann einen Mix aus 50% Jury und 50% Televoting. Beides wurde in eine einzige Punktzahl zusammengerechnet.
Ab 2016 ist man dann dazu übergegangen, die Punktzahlen nacheinander abzufragen. Erst die Jurys, so wie man es jahrelang gewohnt war... und anschließend die Ergebnisse des Televotings.
Da die Sendung aber zu lange dauern würde, wenn man noch ein zweites Mal wieder nacheinander alle 37 Länder aufrufen würde, hat man sich überlegt, alle Televoting-Stimmen aus allen 37 Ländern schon zusammenzuzählen und dann nacheinander en block an die Länder zu geben. Das gibt eben noch einmal ein gewisses Spannungsmoment, führt aber eben auch dazu, dass die Diskrepanzen zwischen den Experten und den Zuschauern offen zu Tage treten.