Beiträge von immerweiter

    Genau, ich meinte nicht die Euphorie beim Turnier. Die war am Ende ja sensationell. Was m.E. auch daran lag, dass die Erwartungen zunächst eher bescheiden waren.

    Nein, ich meinte die Erwartung, dass wir ab da auf Jahre hinaus ganz vorne mitspielen werden. Die scheint mir in der Erinnerung damals nicht in dem Maße da gewesen zu sein.

    ALF: So geht das halt, wenn man seiner Zeit voraus ist 😉

    Tatsächlich habe ich aber die Euphorie über kommende goldene Jahre 2007 nicht als so groß wie 2016 oder jetzt empfunden. Dafür waren doch schon viele Leistungsträger auf oder über ihrem Zenit, wie ja Marc auch schon schrieb.

    Dafür taugt 2007 nochmals als Beispiel, dass man für einen Titelgewinn immer auch eine gehörige Portion Glück braucht - vor allem, wenn es ähnlich wie 2016 erst einmal gilt, Rückschläge wegzustecken. Blacky wurde nachnominiert, weil Klimovets sich verletzt hatte. Kraus hat seine Einsatzzeit durch Baurs Verletzung mindestens vervierfacht. Hens hat geliefert, nachdem im Vorfeld mit Velyky unser einziger echter Weltklassespieler im Rückraum ausgefallen war. Das klappt auch nicht immer. Und Fritz hat sich zu großer Form aufgeschwungen, obwohl er beim THW nur noch Nummer 3 war. Das waren bis auf Hens und Kraus aber alles keine Jungspunde mehr, denen noch 5 bis 10 goldene Jahre möglich schienen. Galt auch für Jansen, Kehrmann, Glandorf und andere Leistungsträger.

    Immerhin eines haben wir 2007 und Frankreich 2024 gemeinsam: Beide haben wir das Halbfinale nur mit Glück, Geschick und glücklichen Schiedsrichterentscheidungen gewonnen. Aber deshalb nicht weniger verdient. 😉

    Der Faktor „Karriereknick durch Verletzungen“ ist echt nicht zu unterschätzen. Ich habe zu wenig Einblick in die Nachwuchsstrukturen anderer Länder, hab mich aber schon öfter gefragt, ob dort ähnlich viele junge Spieler am Ende die Hoffnungen nicht so ganz erfüllen konnten wie bei uns in den letzten Jahren. Sprich: Ist das schlicht Pech oder ein „normales“ Resultat der hohen Belastung schon in jungen Jahren.

    Das „Hochjazzen“ der kommenden goldenen Generation würde ich nicht so eng sehen. Erstens war unser Abschneiden knapp zu schlecht, um sich allein an der tollen Gegenwart zu erfreuen. Zweitens drängen ja zur Zeit tatsächlich ziemlich viele Talente ins Rampenlicht (oder stehen da schon), auch wenn es bei niemand eine Garantie für irgendwas gibt. Und drittens haben die Moderatoren und auch die Experten halt auch ein Produkt zu verkaufen, ob uns das gefällt oder nicht. Da gehört Euphorisierung bis zu einem gewissen Grad schlicht zum Arbeitsauftrag. Dafür haben sie für meine Begriffe nicht jetzt nicht allzusehr überzogen.

    Den engen Zeitplan sehe ich auch als Haupthindernis für mehr Spielorte. Zusätzlicher Reisestress würde die ohnehin absurde Belastung für die Spieler nochmals erhöhen. Zudem würden weitere Länder mangels notwendiger Halleninfrastruktur als potenzieller Ausrichter wegfallen.

    Andererseits könnte man auf diese Weise die letzten Gruppen- bzw. Hauptrundenspiele zeitgleich ansetzen und damit Spiele wie Deutschland-Kroatien verhindern.

    Nein, man hat doch gesehen, dass Gidsel 1:1 gegen die Hand vorbei wollte (ja, sein Signature-Move).

    Sah mir ein bisschen alibimäßig aus. Aber vielleicht war wirklich auch Prandis Abwehr einfach zu gut.

    Wenn ich halt bis fünf Sekunden vor Schluss ohne Druck spiele, braucht der Gegner mich nur einmal festmachen und die Chance ist vorbei (Jahrhunderttore mal ausgenommen 😉). Da würde ich lieber gleich mit Volldampf draufgehen. Wenn’s dann schiefgeht, steht man allerdings blöd da und schlaue Leute wie ich fragen dann, warum man das nicht einfach clever ausspielt 😂

    Was mich überrascht hat, war die gute Turnierleistung von N. Karabatic. Damit hatte ich nicht gerechnet

    So ging’s mir auch, und bei Mikkel Hansen das selbe in rot. Hätte ich vorher nicht gedacht, dass die alten Herren noch eine solche Rolle spielen.

    Allein Hansens 7m-Quote von 10/10 in den letzten beiden Spielen treibt einem als Anhänger des DHB-Teams Tränen in die Augen.

    Ich hab sogar drei Freie von Jakobsen gezählt. Was ich nicht verstanden habe: Dänemark hat mehr als 20 Sekunden für den letzten Angriff und geht quasi zum ersten Mal in diesem Spiel mit dem Tempo der deutschen Mannschaft nach vorne. Wollten die ernsthaft nur die Verlängerung sichern?

    Aber natürlich trotzdem ein tolles, über weite Strecken extrem hochklassiges Finale, bei dem am Ende die heute spielstärkere Mannschaft gewonnen hat. Und das, wo doch das Niveau hinten raus im Turnier oft sinkt, weil alle platt sind.

    Da hätte Alfred den Heymann und Lichtlein besser bringen sollen

    Lichtlein ja, der hat Tempo reingebracht und hat damit seinen Anteil an den letzten Toren von Uscins. Heymann dagegen hat vorne verworfen und sich hinten dreimal hintereinander im 1:1 von Claar abkochen lassen. Danach war er zu Recht wieder draußen. Alfred hat auch nach dem Spiel erklärt, dass genau deshalb Köster spielen musste, obwohl ihm sichtlich der Saft ausging.

    Das war m.E. zu erwarten. Interessant ist, dass laut dieser Entscheidung es möglich gewesen wäre, das Tor per Video zu überprüfen. Das wurde ja von vielen (durchaus regelkundigen) Kommentatoren hier und im Web anders dargestellt.

    Das soll jetzt gar kein „Ätsch, daneben!“ sein. Aber wenn Leute, die sich mit dem Regelwerk vermutlich wesentlich besser auskennen als ich, die Bedingungen für einen VAR-Einsatz nicht korrekt beurteilen können, herrscht dringender Klärungsbedarf.

    Das Überzahlspiel vorne der deutschen Mannschaft ist im ganzen Turnier schwach gewesen

    Das ist mir auch aufgefallen und ist einer der gar nicht so vielen Schwachpunkte in unserem Spiel. In den schwachen Partien wie gegen Österreich dachte ich, sie können halt grundsätzlich nicht mit Tempo spielen. Aber warum sie es gegen Dänemark in Überzahl auch nicht geschafft haben, obwohl sie vorher genau das gezeigt haben, ist mir ein Rätsel.

    Diese Situation gibt es übrigens auch beim 7m-Wurf, wo sich die Werfer mit einem Schritt auf die Wurfhandseite einen besseren Winkel verschaffen können!

    Dir ist aber schon bewusst, dass dabei ein Fuß die ganze Zeit auf dem Boden bleibt? Und z.B. nicht ein kurzer Schritt nach rechts und dann ein längerer nach links mit Wechsel des Standbeines erfolgt. Jedenfalls habe ich so einen 7m im Leben noch nicht gesehen.

    Dann im Nachhinein damit anzufangen, weil irgendeinem aufgefallen ist, dass der Text blöd formuliert ist und man sich sowieso am Ende banachteiligt fühlte, find ich albern

    Sorry Rheiner, aber da wird’s albern. Deine Regelauslegung sei dir unbenommen, zumal du ja nicht der einzige bist, der das so sieht. Aber die Tatsache, dass die Schweden nicht sofort protestiert haben, als Beleg für eine quasi beleidigte Reaktion anzuführen, ist Unfug. Das liegt schlicht daran, dass sie es zunächst nicht gesehen haben.

    Der Wurf war spektakulär und sowas wird wahrscheinlich eh nie gepfiffen und warum macht man immer wieder Einsprüche, die sowieso mit dem Argument Tatsachenentscheidung abgebügelt werden?

    Ich denke für die Fans und für die eigene „mentale Hygiene“. Auch wenn man weiß, dass wahrscheinlich nichts draus wird, hat man die Entscheidung nicht unwidersprochen hingenommen und muss sich das folglich auch nicht vorwerfen lassen.

    Dieses Wechseln des Fußes gab es schon zigfach und nie wurde das in Frage gestellt, geschweige denn gepfiffen

    Da muss ich dir (auf Bezirksniveau) widersprechen. Bestimmt schon ein Dutzend Male erlebt: Schütze tritt an, macht einen Schritt nach hinten, hebt den vorderen Fuß an und setzt ihn wieder ab, um dann beim Wurf den hinteren Fuß anzuheben. Pfiff: Fußfehler. Ok, war beim 7m, aber da gelten doch die gleichen Vorgaben, oder? War das jetzt die ganzen Jahre falsch?

    Um die Dänen schlagen zu können, hätte alles passen müssen. Und das hat’s halt nicht. In der ersten Hälfte Abwehr, Wolff, Knorr sehr stark, Uscins überragend. Um womöglich deutlicher vorne zu liegen, hätte Köster im Angriff einen besseren Tag gebraucht. In der zweiten Hälfte haben alle einen Ticken abgebaut, nicht viel, aber auf diesem Niveau denn doch entscheidend. Vorne ist nur Heymann in die Bresche gesprungen, das war zu wenig. Mit ihrer offensiveren Deckung und mit Nielsen haben die Dänen unserem Rückraum ein Stück weit den Zahn gezogen und zugleich unsere KL gut verteidigt. Und im dänischen Angriff darf man Old Man Mikkel nicht vergessen, der in der entscheidenden Phase als Vollstrecker von der Linie und als Ballverteiler da war.

    Aber, und das ist vielleicht das Wichtigste: In meinem Umfeld gab es keinen, der die deutsche Leistung nicht gelobt hat. Motto: Schade, aber so kann man hocherhobenen Hauptes verlieren.

    Jetzt schauen wir mal, ob am Sonntag noch was drin ist. Eine Medaille plus die direkte Olympiaquali sollte Anreiz genug sein. Aber letzteres gilt für die Schweden auch, oder?

    Regel 15:1 ist in beide Richtungen interpretierbar. Ich bin kein Jurist, aber dafür kenne ich mich mit Semantik aus. Und die Formulierung, dass „ein Fuß immer den Boden berühren“ muss ist in Kombination mit „der andere darf wiederholt angehoben und abgesetzt“ werden eindeutig zweideutig. Kann sowohl immer den gleichen als auch immer einen von zwei bedeuten.

    Edit: Beuger war schneller 🙂