Ich stelle mir nun ebenfalls die Frage, ob Trainer und Spieler zusammenpassen?
Heiner Brand war bedingungsloser Verfechter seines Spielkonzepts. Da wurden die Spieler reingepresst und bis 2007 hatte er damit auch Erfolg. Individualisten waren bei ihm nicht erwünscht, die taugten am Ende allenfalls als Sündenböcke (siehe Mimi Kraus), als der Konzepthandball nicht mehr funktionierte. Ein Umdenken oder Anpassen der Strategie an das neue Spielermaterial fand nicht statt.
Heuberger war nicht mehr als der schlechte Klon von Brand und versuchte ebenfalls krampfhaft, den komplett durchgeplanten Spielzughandball fortzuführen.
Bei Sigurdsson hatte ich den Eindruck, der lässt den Spielern ihre Freiheiten und somit konnten diese ihre individuellen Stärken ins Spiel einbringen. Damit war der Angriff unberechenbarer und erfolgreich.
Nun scheint Prokop eher so auf der Brand-Schiene zu fahren, allerdings deutlich limitierter, was die Auswahl der Spielzüge angeht. Das wäre vielleicht nicht weiter schlimm, wenn die Spielzüge funktionieren würden.
Leider haben gestern die "Joker" nicht gestochen, auch so ein Punkt, der zur Niederlage beitrug. Die Torhüter mit einer guten, aber eben nicht Weltklasseleistung, Dahmke ohne den gewünschten Effekt, Faith und Häfner ohne Eindruck in der wichtigen Phase. Janke und Weber auf verlorenem Posten ohne Unterstützung der Halben und dann noch mit unnötigen Fehlern. Gensheimer wieder enttäuschend, Groetzki ebenfalls glanzlos. Auch die Abwehr ohne Mittel gegen die Kreisanspiele. Eher ängstliches Wegducken, wenn der RM einen Wurf antäuschte und dann doch auf den Kreis abspielte. Das hätte man irgendwann auch durchschauen müssen.
Von außen lässt es sich schlecht beurteilen, ob die Spieler das Gewünschte nicht umsetzen können oder ob dieser über weite Phasen gezeigte Alte-Herren-Stehhandball Teil des Konzepts war. Auf jeden Fall war das, gerade im Spiel 7 gegen 6, zu ausrechenbar und wurde deshalb konsequent bestraft.
Dass es lief, wenn der Rückraum sich bewegte, war ja in der ersten Halbzeit zu erkennen. Aber, wie hier bereits mehrfach geschrieben, scheinen zur Pause einige Schalter umgelegt worden zu sein. Kühn nahm sich keine Würfe mehr und von der Halbrechten kam auch nichts Brauchbares mehr. Was sollte da der RM noch reißen? Da hätte gestern auch kein Strobel helfen können.
Die Schlussphase war dann, ähnlich wie bei Brand, getreu dem Motto: Ich lass' die zweite Reihe nochmal spielen. Ich hoffe nur, dass diese Spieler, im Gegensatz zu Brand damals, nun nicht als Sündenböcke herhalten müssen, sondern dass man mit denen, die wirklich gezeigt haben, dass sie wollen, weitermacht.