Krise beim VfL
Donnernder Angriff auf den Coach
Von Karlheinz Wagner, 29.12.08, 21:09h
Der Gummersbacher Hans-Peter Krämer fordert die sofortige Entlassung von Hasanefendic. Der Aufsichtsrats-Vorsitzende Claus Horstmann findet die Situation ebenfalls enttäuschend, will den Trainer aber vorerst nicht entlassen.
KÖLN - Claudia M. war am Samstag zum ersten Mal in ihrem Leben beim Handball. „Eigentlich ganz schön“, meinte sie hinterher, „aber wenn ich zum Beispiel Fan vom VfL Gummersbach wäre, wäre ich wohl ziemlich sauer. Oder sind die immer so schlecht?“
Nein, die sind nicht immer so schlecht wie beim enttäuschenden 23:27 gegen Frisch-Auf Göppingen. Und alles das, was Claudia M. wegen mangelnder Aufregungsbereitschaft dann bald nicht weiter störte, sorgte beim Klub nach der Begegnung für ernsthafte Aufregung. Immerhin Hans-Peter Krämer, bis 2007 Vorsitzender des Klub-Aufsichtsrates und mittlerweile Sprecher der Gesellschafterversammlung diktierte dem „Express“ ein vernichtendes Zeugnis für VfL-Trainer Sead Hasanefendic in den Block: „Da fehlt jede Führung, jede taktische Anweisung.“ Und: „Dem Trainer hört niemand mehr zu. Die Spieler wechseln sich selbst ein und aus.“ Kurzum: „Der Mann ist völlig hilflos und ratlos. Der kann es nicht.“ Krämers Vorschlag: „Man sollte Hasanefendic bei der Ehre packen. Vielleicht geht er dann von selbst.“ Und Geschäftsführer Francois-Xavier Houlet solle dann eben „zur Not“ bis zum Saisonende den Trainer geben.
Dieses Krämersche Grollen und Poltern könnte den Klub während der WM-Pause unter Zugzwang bringen. Hat es aber vorerst nicht: „Nein“, sagt Claus Horstmann, Vorsitzender des Aufsichtsrates, am Tag danach, „gelesen habe ich es noch nicht, aber ich habe davon gehört“ - wie es sich für einen Donnerschlag gehört. Horstmann kam gerade von einem Termin mit dem Trainer. „Wir haben zwei Stunden zusammen gesessen und morgen treffen wir uns wieder.“ Ein Paniktreffen? Nein, „wir haben uns vorgenommen, die nicht ganz zufrieden stellende Tabellensituation in Ruhe zu analysieren. Und das tun wir.“ Und die Lage ist die: der VfL hat in dieser Saison durchaus ein paar gute Spiele absolviert und zuletzt gar beim überzeugenden 31:29 über den TBV Lemgo für einige Euphorie in der Arena gesorgt. „Warum wir solche Leistungen nicht konstant bringen können, darüber reden wir“, sagt Horstmann. Ein paar solcher Spiele mehr, „und wir hätten fünf, sechs Punkte mehr und wären Dritter.“ Und nicht Neunter. Das ist nicht der Anspruch des VfL - anders als bei den ebenfalls problembehafteten Kölner Haien (siehe oben) sind die Saisonziele für den VfL aber noch halbwegs in Schlagweite.
Zu Krämers Donnergrollen mochte Horstmann sich denn auch nicht grundlegend äußern: „Es ist nicht meine Form der Vereinsführung, über die Medien Politik zu betreiben.“ Lediglich inhaltlich legt der Aufsichtsrats-Vorsitzende Wert auf einen Widerspruch: „Es ist für uns kein Thema, den Trainer zu entlassen.“ Und auch Krämers Vorschlag, dem Geschäftsführer Houlet umgehend die sportliche Leitung anzuvertrauen, findet keine Zustimmung: „Das ist für mich keine Alternative.“