ZitatAlles anzeigen''Wir wollen ganz nach oben''
06.08.2008
''Wir wollen ganz nach oben''
Er ist die Lichtgestalt des Handballs. Rund 80 Prozent aller Deutschen kennen Heiner Brand und damit den markantesten Schnauzer des Sports. Er hat Geschichte geschrieben, in dem er als erster dieses Sports überhaupt einen Weltmeistertitel als Spieler (1978) und als Trainer (2007) errungen hat. Wo Brand ist, ist Erfolg. Keine Frage also, dass der 57-Jährige mit seinem Team auch für die Olympischen Spiele in Peking zum engsten Favoritenkreis zählt. Im HW-Exklusiv-Interview mit Olaf Bruchmann sprach der Bundestrainer über seine Ziele und seine Vorgaben für Olympia 2008.Markus Baur hat in einem Gespräch mit der HANDBALLWOCHE gesagt, „alles andere als die Gold-Medaille ist eine Enttäuschung". Mit dieser Aussage soll ich Sie konfrontieren...
Heiner Brand (lacht): Das ist eine sehr angenehme Aussage eines geschätzten Trainerkollegen - die ich aber nicht sehr ernst nehme.
Aber Sie reisen schon mit großen Zielen nach Peking. Mit welchen?
Heiner Brand: Sicher haben wir hohe Ziele, wir wollen ganz nach oben, sonst würden wir auch nicht diese harte und anstrengende Vorbereitung auf uns nehmen. Aber nach meiner Erfahrung erreicht man diese hohen Ziele nur, wenn man sich auf jede einzelne Aufgabe konzentriert - und genauso werden wir uns auch vorbereiten.
In Ihrer langen und erfolgreichen Trainerkarriere haben Sie zahlreiche Titel errungen. Der Olympiasieg fehlt Ihnen allerdings noch...
Heiner Brand: Sicher ist ein Olympisches Turnier immer etwas Besonders, das ist ja klar. Aber meine persönliche Erfolgsgeschichte ist bei mir dabei nicht im Hinterkopf und schon gar nicht ausschlaggebend für meine Arbeitsweise oder unsere Zielsetzungen.
Im Vorfeld der Spiele werden immer die gleichen Favoriten genannt, die „üblichen Verdächtigen" sozusagen. Wen sehen Sie ganz vorne?
Heiner Brand: Für mich zählt Dänemark als amtierender Europameister zu den großen Favoriten, aber auch die Franzosen, die individuell bei weitem stärkste Mannschaft, erwarte ich ganz vorne. Dazu gehören sicherlich die Kroaten, die Polen, die zumindest vom Angriff her über eine hervorragende Mannschaft verfügen. Zudem schätze ich die Spanier hoch ein. Die sind immer sehr unangenehm, und auch die Russen rechne ich dazu, die vergessen immer viele. Die sind bei Olympia traditionell sehr stark. Selbst die Isländer können für eine Überraschung gut sein - ich denke, es können eigentlich alle europäischen Teams weit vorne landen.
Den Weltmeister haben Sie in Ihrer Aufzählung vergessen...
Heiner Brand: Dass wir dabei genannt werden, ist ganz klar - aber sicher gehören wir nicht zu den Top-Favoriten.
Heißt das, Sie haben noch keine Pläne für den 24. August, den Tag des Finals?
Heiner Brand: Pläne gibt es keine für diesen Tag. Damit werde ich mich frühestens am 23. August beschäftigen und dann Pläne machen. Mit so etwas befasse ich mich im Moment mit Sicherheit nicht.
Das erste K.O.-Spiel steht im Viertelfinale an. Bereiten Sie sich auf diese Partie besonders vor?
Heiner Brand: Nein, wir werden gut daran tun, an jedes Spiel der Vorrunde zu denken. Denn wir haben eine Gruppe, in der man durchaus gegen jede Mannschaft verlieren kann. Es wird auf viele Details ankommen, und wenn man erst einmal das Viertelfinale erreicht hat, ist jedes Spiel ein Endspiel. Sollten wir das Viertelfinale erreichen, dann können wir weiter denken.
Acht Wochen dauerte Ihre Vorbereitung. So lange wie noch nie. Wie lautet Ihr Fazit?
Heiner Brand: Es ist alles so gelaufen, wie wir es geplant hatten. Wir haben zu Beginn die athletischen Grundlagen in Köln gelegt, ohne dabei aber den Handball ganz außen vor zu lassen. Das hat sich im zweiten Trainingslager in Kaiserau fortgeführt, auch da waren wir zweimal am Tag in der Halle - zusätzlich gab es teilweise noch eine Einheit im Ausdauer- oder Kraftbereich. In Meran schließlich war der Handball schon ganz im Vordergrund. So hat sich auch das Leistungsbild entwickelt. Die athletischen Fähigkeiten sind gut, auch wenn natürlich in der vergangenen Woche die Spieler etwas müde waren - aber das ist auch normal im Verlauf einer solch langen Vorbreitung. Die spielerischen Dinge haben sich seit dem verbessert und müssen es noch weiter. Aber ein wenig Zeit haben wir ja noch. Ein Rückschlag war natürlich das Aus von Lars Kaufmann. Aber ich gehe davon aus, dass bis zum ersten Spiel am Sonntag die Blessuren von Pascal Hens (Baumuskel-Zerrung; Anm. d. Autors), Holger Glandorf (Brustmuskelzerrung) und Torsten Jansen (Wadenverhärtung) ausgeheilt sind.
In dieser Woche haben Sie sich noch in Zhuhai, in der Nähe von Hongkong, vorbereitet, ehe Sie dann mit dem Team nach Peking reisen? Woran wird in dieser Zeit noch gearbeitet?
Heiner Brand: Zur Erklärung: Wir wollen der schlechten Luft in Peking ausweichen und reisen deshalb erst spät an. In Zhuhai haben wir die besten Trainingsbedingungen und ein Top-Quartier, da hat der ehemalige Junioren-Nationalspieler Tobias Schulte alles bestens für uns organisiert. Wir werden uns an die Luftfeuchte (bis zu 90%; Anmerk. d. Autors) und an die Hitze (bis zu 40 Grad Celsius) gewöhnen und dabei in allen Bereichen weiter arbeiten. Ich stürze mich nicht, es sei denn, es gibt eine akute Notsituation, nur auf einen Bereich. Wir werden an der Abwehr, am Gegenstoß und auch am Positionsangriff gleichermaßen arbeiten.
Wenn Sie die Zeit haben, welche andere Sportart möchten Sie sich gerne in Peking anschauen?
Heiner Brand: Ich sehe mir immer gern Leichtathletik und auch Basketball an. Aber aus der Erfahrung der vergangenen Olympischen Turniere weiß ich, dass ich dazu kaum Zeit finden werde. Das ist schade, aber nicht zu ändern.
Klaus-Dieter Petersen und auch Volker Zerbe sollen sich von jeden Spielen ein Souvenir, meist einen Liegestuhl mitgebracht haben. Haben Sie auch so eine Marotte?
Heiner Brand: Nein, nein, da bin ich viel zu bequem für...
Das Interview führte Oöaf Bruchmann
Handballwoche