ZitatOriginal von Stenimaus
Und die Werbung für die Spiele in der Lanxess Arena wird wie folgt aussehen:
Hier ein Bericht darüber und auch die über die Saisonpressekonferenz in der Kölnischen Rundschau als Ganzes:
ZitatAlles anzeigenMarketing-Strategie
Mut zur ProvokationVON MARTIN SAUERBORN, 31.07.08, 20:00h, AKTUALISIERT 31.07.08, 20:02h
Handball-Bundesligist VfL Gummersbach geht beim Werben um Fans und Zuschauer neue Wege. Um den für die riesige Kölnarena eher dürftigen Zuschauerschnitt von 6500 pro Heimspiel zu steigern, hat sich der Club aus dem Bergischen Land eine neue, teilweise recht aggressive Marketing-Strategie ausgedacht.
KÖLN - Stefan Hecker traut sich nicht so recht. Seinen Stolz kann der Geschäftsführer des VfL Gummersbach zwar nicht verbergen, aber irgendwie überkommt ihn bei der Ankündigung der neuen Werbekampagne des Handball-Bundesligisten auch die Angst vor der eigenen Courage. Und Mut zeigen die VfL-Verantwortlichen beim Kampf gegen die Zuschauermisere aus der vergangenen Saison, als sich im Schnitt nur 6500 Fans im weiten Rund der Kölnarena verloren. „Wir haben Luft nach oben und unsere aggressiven Plakatmotive werden dafür sorgen, dass mehr über den VfL gesprochen wird“, erklärt Hecker.Dieser Wunsch wird Wirklichkeit werden. Für diese Vorhersage reicht ein Blick auf die beiden ersten Motive der Kampagne „VfL Gummersbach. Keine Spielchen“, die unmittelbar nach den Sommerferien auf 250 Großflächen und 100 Mega-Light-Plakaten in Köln sowie im Umkreis von 50 Kilometern geschaltet werden. Stark angelehnt an Frank Millers Kultcomic „Sin City“ zeigen die Bilder die ganze Aggression und Härte des Handballs, verstärkt durch eine blutrote Umrandung des Spielgeräts. „Kein Schnickschnack. Kein Schickimicki. Ehrlicher, guter, harter Sport, der immer noch die beste Show ist“, beschreibt Henk Slagman von der federführenden Hamburger Werbeagentur RitterSlagman die sicherlich diskutablen Entwürfe.
Inzwischen hat auch Stefan Hecker seinen Mut gänzlich wieder gefunden. „Solche Aktionen haben wir in der Vergangenheit vernachlässigt. Was sie bringen können, hat die Werbemaßnahme mit Momir Ilic vor unserem letzten Heimspiel der vergangenen Saison gezeigt, als zur bedeutungslosen Partie gegen Magdeburg mehr als 13 000 Zuschauen gekommen sind.“
Neuzugang Szilagy
spürt im VfL-Team
Hunger auf Erfolg
Eines verspricht der Geschäftsführer: „Wir haben noch härtere Motive in der Hinterhand.“ Ob die Gummersbacher mit den bereits inszenierten Bildern einer Blutlache und eines gebrochenen Fingers wirklich auf den Markt dürfen, werden die ersten Motive als Testballon und die Partner wie Hauptsponsor Moeller und die Kreissparkasse Köln entscheiden. Hecker ließ anklingen, dass er für die Genehmigung der Kampagne reichlich Überzeugungsarbeit leisten musste.
Die Gummersbacher haben sich also einiges vorgenommen, was ebenso für den sportlichen Sektor gilt. Bei einem unveränderten Saisonetat in Höhe von 4,5 Millionen Euro hat Sportdirektor Francois-Xavier Houlet die ersten fünf Plätze in der Bundesliga und das Final Four im Pokal als Ziel ausgegeben. Mit den Neuzugängen Audray Tuzolana, Viktor Szilagy, Adrian Pfahl und Drago Vukovic besitzt der neue Trainer Sead Hasanefendic entsprechendes Rüstzeug für diese Forderung. Auch wenn der Kroate Vukovic wie Kreisläufer Robert Gunnarsson erst nach den Olympischen Spielen zur Mannschaft stoßen wird. „Das Team ist bislang mit Spaß bei der Sache. Auch die Integration der Neuzugänge läuft gut“, zeigt sich Hasanefendic nach zwei Wochen Training angetan.
Szilagy, vom erfolgsverwöhnten Meister Kiel gekommen und wie Vukovic für Rückraummitte und -links vorgesehen, glaubt an das neue Team, in dem Spieler aus zwölf Ländern zusammenkommen: „Wir sind hier alle hungrig auf Erfolg.“ Dass Alfred Gislason, der ihn von einem Engagement beim VfL überzeugte, nicht mehr Trainer ist, hat der Österreicher abgehakt: „Wir sind Profis und wissen wie schnell es gehen kann.“ Viel wichtiger ist dem 29-Jährigen ohnehin der Erfolg mit der Mannschaft: „Ich kenne von meinen Spielen mit Kiel die Kölnarena nur voll besetzt. Wenn unsere Leistungen stimmen, wird der Funke überspringen und die Zuschauer werden kommen.“ Es gibt also eine Alternative zur provokanten Werbung.
Und hier ein Kommentar zu den neuen Werbemaßnahmen des VFL:
ZitatGrauzone
ERSTELLT 31.07.08, 19:59h
Hat ein kommerzieller Anbieter das Recht, ein gesellschaftlich brisantes Thema wie Gewalt mit redaktionellen oder künstlerischen Mitteln zu kommunizieren? Die Frage ist so alt, wie die berühmte Benetton-Kampagne aus den 80er-Jahren.
Hat ein kommerzieller Anbieter das Recht, ein gesellschaftlich brisantes Thema wie Gewalt mit redaktionellen oder künstlerischen Mitteln zu kommunizieren? Die Frage ist so alt, wie die berühmte Benetton-Kampagne aus den 80er-Jahren. Dem VfL Gummersbach bleibt ein ähnlicher Aufschrei wie bei der revolutionären Werbung der italienischen Bekleidungsfirma wohl erspart. Auf eine Diskussion über das allgemein gültige Moral- und Ethik-Verständnis unserer Gesellschaft darf sich der Handball-Traditionsclub aber einstellen.Die VfL-Verantwortlichen haben aus guten Gründen lange überlegt, ihre grenzwertige Kampagne zu starten. Letztlich überwog die Erkenntnis, dass sie sich im Wettbewerb mit FC und Haien befinden. Und im Wettbewerb ist man dazu verdammt, aufzufallen. Vor allem, bei solch desaströsen Zuschauerzahlen, wie sie der VfL 2007 / 08 aufwies.
Provokante Werbung führt zwangsläufig zu Aufmerksamkeit. So zeigt die Kampagne bewusst irritierende Teile der Handball-Realität. Sie gaukelt nichts vor, obwohl sie sich in der Grauzone der Gewaltverherrlichung aufhält. Es darf also diskutiert werden über den Zweck, der die Mittel heiligt. Womit der VfL sein vorrangiges Ziel erreicht hat.
Beide der Kölnischen Rundschau entnommen!