Ist schon spannend zu sehen, welche Reaktionen es jetzt gibt. Auch in meinem Umfeld waren viele begeistert, als Machulla geholt wurde. Ich war da von Anfang an skeptisch, weil ich eben seine Flensburger Zeit vor Augen hatte, und zwar nicht nur die Meisterschaften. Fühle mich jetzt zu meinem Bedauern in meinen bedenken bestätigt.
Anfangs der Saison hat Machulla tatsächlich recht viel durchgewechselt. Danach hatte er dann die Spieler, die zu der Zeit am besten gemeinsam funktioniert haben, und auf die hat er sich dann fokussiert. Die spielen nun fast dauernd, auch wenn es zwei Abwehr-Angriff-Wechsel sind und nicht nur einer (Plucnar/Timmermeister raus, banknaher Außen und Thrastarson/Baijens rein). Sandell kommt immer mal wieder, aber meist nicht allzu lange. Wenn ich ehrlich bin kann ich das auch verstehen, denn die wirkliche Alternative zu Aspenbäck war er nur sehr, sehr selten. Steenaerts bekommt mittlerweile wenigstens einige Spielanteile mehr als zuvor. Baijens wirkt seit einigen Spielen außer Form. Warum Larson trotzdem nicht mehr mitmischen darf, auch gerne mal von Anfang an, weiß nur Machulla.
Was im Lauf der Saison dazu gekommen ist, ist das 7 gegen 6. Das haben die Löwen zu Beginn der Saison, wenn ich mich nicht total täusche, nicht gespielt. Was aber immer noch fehlt, ist das Element "Heymann", sprich eine Angriffstaktik, die bei Bedarf außer den Durchbrüchen eben auch gut vorbereitete Würfe aus dem Rückraum integriert. Nicht zuletzt, um den Gegner vor andere Aufgaben zu stellen und damit Räume am Kreis zu öffnen.
Machulla jetzt aber zu entlassen halte ich dennoch für den falschen Weg. Was den Löwen fehlt ist u.a. Konstanz, nicht nur auf, sondern auch neben dem Feld. Dass man mit der Personalie Gensheimer ein Fass aufgemacht hat, das nach außen (und innen?) mindestens mal nicht gut wirkt, hilft nicht dabei, diese Konstanz zu erreichen. Dass es Rückschläge geben wird, war hoffentlich allen klar. Wenn nicht, dann stimmte mMn die Erwartungshaltung nicht Im Bemühen, die Wogen zu glätten, wäre es aber sicher hilfreich, in den verbleibenden Spielen eine Leistungssteigerung zu sehen und den Willen bei Machulla, sich selbst zu hinterfragen und entsprechende Fehlentwicklungen zu korrigieren.
Ganz nebenbei stellt sich auch die Frage, wer im Falle eines Falles Machulla ersetzen sollte. Klar darf das nicht das einzige Kriterium sein, wenn es um den Verbleib eines Trainers geht. Wenn's nicht funktioniert und keine Aussicht auf Besserung besteht, dann muss man sich trennen. Dennoch die Frage an alle, die eine Trennung von Machulla fordern: Wen würdet ihr denn dann realistischerweise (!) holen? Siewert? Prokop? Einen anderen? Was, wenn es mit dem nach neun Monaten ebenfalls nicht läuft? Wieder den Trainer wechseln? Wie lange soll das so weiter gehen?
Eine vorzeitige Trennung von Machulla würde auch finanzielle Spuren hinterlassen. Und das in einer Situation, in der zur kommenden Saison der Etat laut Aussage des Geschäftsführers nicht gesteigert wird.