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Liebes Handballtagebuch!
Kinder durch die Hall zu jagen macht Spaß. Ohne Frage, sonst würde sich kein Trainer bei Verstand das antun. Die übrigen tun es aus einer masochistischen Ader heraus und kommen wohl so auf ihre Kosten. ZeeBee durfte nun feststellen, dass Trainer durch die Halle scheuchen mindestens eben so viel Spaß macht.
Anruf von Robert, dienstältester Auswahltrainer in Hannover. Kinderhandballgrundkurs, er wolle nicht unbedingt den gesamten Kurs leiten und hätte noch einen Teil abzugeben. Samstag oder Sonntag. Jahrelang hat sich ZeeBee gedrückt: "Das können andere besser." Diese anderen sind nun mittlerweile mit ihren Mannschaften in höhere Altersklassen mitgewandert oder trainieren gar nicht mehr. Die Ausreden werden knapp, Samstagmorgen wäre noch Platz im Kalender.
ZeeBee bekommt die Unterlagen. Der Theorieteil umfasst "Trainingsinhalte / Aufbau einer Trainingseinheit". Im Praxisteil folgt Schlagwurf, Prellen, Fangen, Abwehr von Manndeckung bis Raumdeckung, Torwartfindung - das Ganze in 90 Minuten! Wer hat sich das nur ausgedacht? 
Samstagmorgen erreicht ZeeBee den nördlichsten Zipfel des Handballkreises. Die Stimme ist aber noch nicht wieder restauriert. Donnerstag waren ausnahmsweise knapp vierzig Kinder für eine halbe Stunde gleichzeitig in der Halle. Die Schmerzgrenze der Stimmbänder war deutlich überschritten, mehr als ein Krächzen ist nicht drin. Einige Lehrgangsteilnehmer verspäten sich, wir beginnen zehn Minuten später, ZeeBee überzieht den Theorieteil ganz furchtbar. Einmal in Fahrt gekommen stört auch die Stimmbänderdehnung nicht mehr. Schnell in die Halle.
Zwei Dutzend Trainer und Traineranwärter zwischen sechzehn und Mitte vierzig spielen Varianten von Jägerball, werfen mit Handbällen, Leibchen, Sprungseilen, Softbällen. ZeeBee entlarvt eklatante Schwächen der Trainerkollegen beim Schlagwurf - insbesondere mit der linken Hand.
Ein Blick zur Uhr, der Zeitplan geht wieder zum Teufel.
Manndeckung, ZeeBees Lieblingsthema. Der Lehrplan sieht eine kurze Diskussion nebst Überzeugungsarbeit pro offensiver Deckungsweisen durch den Referenten vor.
"An dieser Stelle soll ich Euch von der offensiven Deckung überzeugen. Da euch der Landesverband aber nun die offensive Deckung vorschriebt, muss ich euch nicht mehr überzeugen. Ein paar kleine Paragraphen und das Problem ist behoben." Sarkasmus ist ZeeBee fremd. 
Die Trainerkollegen spielen zum Glück aktiv keine Manndeckung, es gibt reichlich zu korrigieren. "Sehr schöne Technik! War das ein Kata-guruma? Ippon, würde ich sagen! Und haben wir eine Trage in der Halle?"
Ein Grundrepertoire an beachtlichen Selbstverteidungungstechniken ist vorhanden, ZeeBee schwebt aber mehr der filigrane Angriff auf den Ball (-führer) vor, statt diesen komplett kampfunfähig zu machen. Die Mittagspause ruft - Raumdeckung, fangen, prellen, Torwartfindung waren immer noch nicht geschafft. ZeeBee vertagt die Lücken auf nach dem Essen.
Robert wartet ungeduldig in der Halle, die Mittagesser kommen mit einer Viertelstunde Verspätung zurück. Ausnahmsweise lag das nicht an ZeeBee,
der zwei Teller Pasta in Rekordzeit verschlungen hatte. Robert muss neben der verlorenen Viertelstunde noch weitere zwanzig Minuten von seiner Zeit abtreten, ein klein wenig Raumdeckung muss noch angesprochen werden.
Danach jagt Robert die Trainerschaft durch alle erdenklichen zweimal-drei-gegen-drei Varianten. Der vom Landesverband ausgedachte Lehrplan sieht 35 Minuten für Manndeckung und Übergang zur Raumdeckung vor, für 2x3:3 hingegen eine volle Stunde. Da könnte noch an den Prioritäten gefeilt werden.
Die Demomannschaft erscheint in der Halle, die örtliche weibliche E plus etwas Verstärkung aus der weiblichen D. ZeeBee hatte extra nachgefragt, einige der vermeintlichen E-Mädchen waren doch arg groß geraten. Es lag nicht am Futter, die waren einfach älter. Robert lässt seine Routine spielen, binnen zwei Minuten hat er sich die Namen der kompletten Mannschaft gemerkt.
Dafür kommt sein Vortragsstil manchmal etwas trocken daher.
Teilnehmer zu ZeeBee: "Ihr unterscheidet Euch aber gewaltig in der Vortragsweise."
ZeeBee: "Robert kann nichts dafür, er ist Pädagoge."
Trainer: "Sportlehrer, oder?"
ZeeBee: "Si."
Ferienbeginn - in der ersten Woche machen wir Trainingspause. Damit die Pause nicht zu langweilig wird, hat ZeeBee einen vereinsinternen Blitztrainerlehrgang anberaumt. Bevor die Informationen aus dem Aufbaukurs von vor anderthalb Wochen in Vergessenheit geraten sind, gibt sie ZeeBee schnell noch an die Jugendtrainer weiter. Mit dabei sind die Trainer der mD, mC, wB, wA, ZeeBees Trainerstab, ein D-Jugendlicher, Trude, ZeeBees A-Jugend-Oberliga-Spieler-Trainerpraktikant und Trudchen, wahrscheinlich weil eben der gutaussehende Praktikant angekündigt war. Die neue Damentrainerin schaut sich das Treiben ebenfalls an.
ZeeBee scheucht zehn Opfer durch die Halle. Positionsspiel, Stoßen, Kreuzen, Sperre / Absetzen in kompakten 90 Minuten. Warum stoßen wir, wo stoßen wir hin, wann woanders hin, warum sich die Hörner abstoßen, was tun wir danach? Beim Thema Eckaußen und ZeeBees These, dass spätestens ab der C-Jgd. die Außen in der Ecke zu verschwinden haben, gehen einige Blicke verschämt zu Boden. ZeeBee überlegt fieberhaft, ob die zahlreich vertretene 1. Damen, die wB oder wA tatsächlich mit Eckaußen spielt. Thesen über Mindestanforderungen verkneift sich ZeeBee daraufhin. 
Die Kombination dreier D-Jugendlicher, eines A-Jugendlichen aus der Oberliga und sonst Erwachsenen aus dem Kreisligenhandball verursacht aufgrund des unterschiedlichen technischen Standes klitzekleine Probleme. D-Jugendlicher Loddar spielt jeden Pass zum Parallelstoß weit in den Rücken seiner Mitspielerin; Trude verschläft jeden Einsatz zum Kreuzen oder will kreuzen, wenn die Täuschung des Ballführers in ihre Richtung verläuft; Trudchen strengt sich besonders an, wenn ihr die Aufmerksamkeit von Praktikant Max sicher ist; ZeeBee fängt die Pässe von Max nicht, da der aus der Jugendoberliga richtigen Handball gewohnt ist. Als die Alte Herren langsam ungeduldig wird und den Fußball bereits unruhig hin und her schiebt, bricht ZeeBee das Training endlich ab.
Dein Karsten