Diese Saison haben wir in der D-Jugend tatsächlich mal wieder drei Teams an der Spitze. Die Tabelle berichtet zwar von einem Fünfkampf (bei sieben
Teams), das sind aber nur Zahlen. Unsere Hinrunde ist rum, beide Spitzenspiele sind deutlich unterschiedlich gelaufen. Personell waren wir jeweils in voller oder fast voller Besetzung, Spitzenspiel Nr. 1 verlieren wir dreckig mit einem Tor, Spitzenspiel Nr. 2 (s.o. im vorherigen Bericht) machen wir ganz unnötig spannend (Halbzeit plus 6, Ausgleich, Enstand plus 4). Das erste Spiel war auswärts, das zweite Spiel daheim. Aber ohne große Kulisse bemesse ich der Tatsache kaum Bedeutung bei, auch wenn Sportpsychologen den Heimvorteil auch unabhängig vom Publikum begründen können. Die kritische Analyse hinterher sagt mir jedenfalls, es lag auswärts nicht nur am unverschämt pfeifenden Schieri sondern an der Bank. Unserer Bank. Denn erfolgreiches Coaching (bei Kindern jedenfalls) ist Einstellungssache.
Spiel Nr. 1 gegen L. war gegen den vermeintlich härtesten Konkurrenten diese Saison. Hatten wir in den letzten anderthalb Jahren immer geschlagen. Zwei außergewöhnlich starke Rückraumspielerinnen des älteren Jahrgangs, die unsere Mädchen natürlich aus der Auswahl bestens kannten. Eine ehemalige Bundesligaspielerin auf der Bank, die bei meinem Verein schon die Deutsche Meisterschaft in der wB geholt hat. Also beste Voraussetzungen für ein klasse Spiel, das ich irgendwie unbedingt gewinnen wollte, allerdings meine Zweifel hatte. 40 Minuten stand ich unter Strom, der Parteiische in Schwarz machte es nicht unbedingt besser. Und die gegnerische Torhüterin, die wir gar nicht auf der Rechnung hatten, gab uns den Rest. Und dennoch meine ich, wir waren 1:1 die stärkere Mannschaft, hätten trotz Faktor Torhüterin und Schiedsrichter gewinnen müssen.
Spiel Nr. 2 gegen B. Ebenfalls zwei überdurchschnittliche Rückraumspielerinnen auf der anderen Seite. Die beiden Spielerinnen im Vergleich aber nicht ganz so stark wie die Mädels von der Konkurrenz aus L. Der Gegner in der Breite auch nicht so stark. L. und B. hatten in ihrem Aufeinandertreffen in der Hinrunde Unentschieden gespielt, für mich etwas überraschend. Heimspiel B., also lag es nicht am Schieri von L. Ich hatte 0% Zweifel, dass wir dieses Spiel gewinnen würden. Vor dem Spiel spricht mich ein Elternteil an: "Du bist ja heute gut gelaunt."
Spiel Nr. 1 ein verbissener Trainer, der keinerlei Freude am Handball ausstrahlt und folglich auch keine Freude verbreiten kann. Stoisch herumstehend, nur Information an die Kinder, keine Motivation, nur negative Emotionen, weil mich der Schieri in den Wahnsinn treibt. Spiel Nr. 2 bewege ich mich viel vor der Bank, lache, hole mir eine Spielerin ran, erkläre etwas, sie setzt es sofort um, hole sie mir im nächsten Angriff wieder ran, umarme sie. Zur Halbzeit liegen wir mit sechs Toren vorne, der Gegner ist (eigentlich) geschlagen. Große Aufholjagd, mehrere Gegentore nach 1:1 gegen meine drei Jahre jüngeren E-Jugendlichen, die viel Einsatzzeit trotz Spitzenspiels bekommen. Ich weiß, dass ich nur ein wenig wechseln muss, um das Spiel zu gewinnen, lasse den Gegner das Unentschieden erzielen und bleibe vollkommen ruhig, auch wenn wir gerade eine 6 Tore Führung unnötig weggeben haben. Kein einziges böses Wort, keine Ungeduld, die Mädels bekommen keinerlei Signal von mir, dass irgendetwas anbrennt.
Nach Spiel 1 habe ich mich hinterfragt und bin recht schnell zu dem Ergebnis gekommen, dass ich nichts ausgestrahlt habe, was die Mädels hätte voranbringen können. Eine ehemalige Spielerin hat mich mal im C-Jugend Alter gefragt: "Wenn Dir Handball so viel Spaß macht, warum sieht man das im Spiel nicht?" "Ich bin Trainer, kein Animateur." Ihre Mutter meinte: "Solltest Du bei Kindern aber sein!"
>>Hmmmm.... I think, I got it!<< Nach dreiunddreißig Jahren.