Und hochgeholt.
Die Umsetzung der RTK in Niedersachsen als Durchführungsbestimmung ist nun beschlossene Sache und.... wird evtl. manchenorts ausgesessen. Aus meinem Kreis habe ich schon die ersten Anzeichen vernommen, dass man sich überhaupt keine Gedanken über die Umsetzung machen wird, da "nicht durchführbar". Als Gegner der "zwangsweisen" Umsetzung weiß ich trotzdem nicht, ob ich lachen oder weinen soll.
Ich bin vorhin auf meine Signatur angesprochen worden. Noch einmal zur Erläuterung. Natürlich ist das Provokation von mir. Ich bin der allergrößte Fan einer Manndeckung, einer 1:5 oder einer 3:2:1 wie sie unsere Juniorennationalmannschaft spielt. Nur um so etwas regelkonform, erfolgversprechend und im Sinne des Erfinders umzusetzen, brauche ich entsprechend geschulte und willige Trainer. Ihnen das stumpf vorzuschreiben, sei es vom Verband oder nur vereinsintern, führt nicht zum gewünschten Ziel. Das scheint aber ein gut behütetes Geheimnis zu sein.
In unserem Kreis sind wir - ohne entsprechenden Zwang - mit der Umsetzung schon recht weit. Das hat vor acht Jahren Zeit und Aufwand seitens des Kreises gekostet. In einer Saison haben wir uns die zehn Trainer der Kreisoberliga mD samt einigen Schieris dieser Vereine zu einem Lehrgang zusammengetrommelt. Während der gesamten Saison hat der Lehrstab das Projekt durch Spielbeobachtungen betreut. Es gab eine Halbzeitbesprechung sowie eine Abschlussbesprechung nach der Saison. Die kommende Saison haben wir alle D-Jgd. Trainer zu einem Lehrgang eingeladen. Die Saison darauf gab es mehrere Runde Tische mit Vereinsjugendwarten. Wir haben die Jugendwarte von über einem Dutzend Vereine dazu bekommen, sich selbst zur Umsetzung der offensiven Deckung zu verpflichten.
In der wE ist die 6:0 in Hannover offenbar ausgestorben. In der wD habe ich diese Saison eine einzige 5:1 erlebt, sonst mehr oder minder offensive Deckungsvarianten. Bei den Jungs ist es - bei wenigen Ausnahmen - ähnlich.
Trotz dieser flächendeckenden Umsetzung der Theorie ist die individuelle Ausbildung nach wie vor in der breiten Masse mangelhaft bis grottig. Offensive Abwehrreihen bedeuten eben nicht automatisch gute Abwehrarbeit. Manndeckung in der Praxis sieht in der Regel wie folgt aus:
- Variante 1 (zum Glück die Minderheit): Klammern, Trikot ziehen, Ball wegreissen, Sperren mit breiter Armhaltung
- Variante 2 (weit verbreitet): Alle machen auf dem Feld, was sie wollen. Zuordnung Fehlanzeige. Abwehr wird nicht gespielt, dafür rennen sie wie bekloppt nach vorn und ballern Rekordergebnisse raus.
- Variante 3 (schon die rühmliche Ausnahme): Körperlose Deckung, gute Beinarbeit, Zuordnung klappt, Laufwege werden versperrt, Bälle rausgefangen - nur gegen starke Einzelspieler ist man machtlos, denn dazu fehlt der Einsatz der Arme als "Stoßdämpfer".
- Variante 4 (man sucht sie mit der Lupe): Zunächst wie Variante 3, allerdings mit Körperkontakt. Ballannahme des Gegners und schon hat er einen Gegenspieler auf den Füßen, der mit Handkontakt auf die Schultern und schnellem Verschieben einen Durchbruch unmöglich macht.
In der D-Jgd. wird es nicht viel besser, die 1:5 wird gespielt als Fleischmauer auf dem Neuner vor dem Indianer . Seitliches Verschieben, Arme unten und ständig der Griff um die Hüfte des Gegners. Im Idealfall wird ein ungeschulter Trainer noch diese Variante spielen lassen, wenn ihm die 1:5 vorgeschrieben wird. (Ich durfte neulich eine mE beobachten, die sich in jeder Abwehrphase zu einer imposanten "pfeilförmigen" 1:5 formierte. Und diese Formation wurde von ausnahmslos allen Spielern beibehalten. Maximal ein Schritt zur Seite, die Gegner konnten durchbrechen wie sie lustig waren.
Auf der Bank zwei Achtzehnjährige, die kommentarlos die Demontage ihres nicht untalentierten Teams hinnahmen.) In Ausnahmefällen wird die Beinarbeit dann durch reine Armarbeit ersetzt und das Abwehrspiel läuft einzig und allein über Foulspiel. Deswegen "Freistilringen". Durch Vorschriften erreiche ich nicht das gewünschte Ziel. Und deswegen nicht vorschreiben sondern schulen! Ich wiederhole mich? 