Beiträge von Zickenbändiger

    Danke! Ich schüttel halt gerne den Kopf. Früher mit Matte zur Musik, nun eben über die phantasievolle Regelauslegung der Trainerschaft. Apropos phantasievolle Regelauslegung. Kommen wir mal vom Festspielen zum Nicht-Mehr-Festgespielt-Sein:

    "Für Vereine mit mehreren Mannschaften in derselben Altersklasse wird das Spielrecht der Spieler*innen in Meisterschaftsspielen eines Spieljahres des Vereins in der Weise eingeschränkt, dass ein Spieler/ eine Spielerin nach der Teilnahme an zwei aufeinanderfolgenden Spielen der höheren Mannschaft/en für die niedrigere Mannschaft erst wieder teilnahmeberechtigt wird, wenn zwei weitere aufeinanderfolgende Meisterschaftsspiele der höheren Mannschaft/en ohne ihn/ sie ausgetragen worden sind bzw. nach der letzten Teilnahme an einem Meisterschaftsspiel der höheren Mannschaft ein Zeitraum von sechs Wochen verstrichen ist." (§ 55 I S. 1 SpO DHB)

    § 55 Absatz 1 Satz 1 SpO DHB ist mittlerweile so schön einfach im Gegensatz zu früher, dass es in der ersten Saison eine wahre Freude war. Dann kam der DHB mit einer eigenen wilden Regelauslegung daher und machte alles wieder zunichte. Wir haben innerhalb der Norm eine wunderschöne Struktur: 1. Regel, 2. Ausnahme, 3. Ausnahme von der Ausnahme (zwei Varianten). Wenn wir diese Struktur respektieren, ist die Regel unkompliziert und verständlich. Ich halte es einfach und wir nehmen den Fall von zwei Herrenmannschaften in zwei unterschiedlich hohen Ligen:

    1. Regel (freies Spielrecht innerhalb der Altersklasse)

    Ich darf innerhalb einer Altersklasse zu Beginn des Spieljahres in beiden Mannschaften meines Vereins am Spielbetrieb teilnehmen. Das ist der Umkehrschluss aus: Mein Spielrecht kann eingeschränkt werden.

    2. Ausnahme (eingeschränktes Spielrecht)

    Sobald ich in zwei aufeinanderfolgenden Spielen der höheren Mannschaft gespielt habe, ist die o.g. Regel ausgesetzt. Mein Spielrecht wird eingeschränkt, nun darf ich vorerst nur noch in der höheren Mannschaft mitwirken.

    3. Ausnahme von der Ausnahme (freies Spielrechte wiedererlangt)

    Und jetzt wird es für den DHB leider zu kompliziert. Tritt 3. "Ausnahme von der Ausnahme" ein, springen wir zum Anfang zurück und dann geht es wieder von vorne los, nämlich 1. freies Spielrecht, 2. Festspielen und 3. Wiedererlangung des freien Spielrechts. Bei 3a) ist es noch schön einfach:

    a) 2 Spiele Pause

    Festspielen nur andersherum. Mein Spielrecht ist eingeschränkt, sobald ich aber zwei aufeinanderfolgende Spiele oben aussetze, darf ich wieder frei in beiden Mannschaften mitspielen. Es gilt wieder die Regel (s.o).

    b) 6 Wochen Pause

    Ich pausiere für sechs Wochen. Unten darf ich währenddessen ohnehin nicht spielen, oben setze ich aus. Und wer das System verstanden hat: Es gilt wieder die Regel (s.o). § 55 I SpO kennt zwei Varianten der Wiedererlangung des freien Spielrechts. Früher hieß es mal Freiwerden. Es gibt kein Freiwerden 1. Grades und 2. Grades. Beide Rechtsfolgen sind dem Wortlaut nach gleich, egal ob 2 Spiele oder 6 Wochen Pause, es gibt keine Unterscheidung. Lest nach!

    Es häuften sich dann natürlich die Fälle bei den Sportgerichten, dass ein Spieler sechs Wochen pausierte (Spielrecht also nicht mehr eingeschränkt war), also er in der Zwischenzeit "oben" nicht spielte [Edith: und gleichzeitig "oben" kein Spielbetrieb stattfand] und er dann nach der Pause wieder EIN Spiel "oben" mitwirkte. Kein Problem, innerhalb einer Altersklasse darf ich in der Regel in mehreren Mannschaften spielen. Wenn ich aber die Tatbestände von Regel und Ausnahme durcheinanderwerfe, dann schaue ich zurück und stelle fest: 10. Saisonspiel oben - sechs Wochen Pause [Edith: bei gleichzeitem Ruhen des Spielbetriebs der Mannschaft] - 11. Saisonspiel oben = zwei aufeinanderfolgende Spiele, also festgespielt.

    Das würde bedeuten:

    a) 2 Spiele Pause, freies Spielrecht, bis ich wieder zwei Spiele in Folge "oben" gespielt habe.

    [Edith: Oder 6 Wochen Pause, währender Pause 1 Spiel "oben", dann wieder frei, bis ich wieder zwei Spiele oben mitgewirkt habe]

    b) 6 Wochen Pause und kein Spielbetrieb oben, dann freies Spielrecht light, "einen im Sinn", nach EINEM Spiel oben bin ich wieder festgespielt

    Bei sauberer Trennung der Tatbestände von 1. Regel und 2. Ausnahme kann ich mich sowohl nach a) und nach b) nach der Pause erst durch zwei Spiele wieder festspielen. Würfele ich die Voraussetzungen von Regel und Ausnahme durcheinander, komme ich zu diesem absurden Ergebnis von zwei unterschiedlichen Rechtsfolgen bei eigentlich gleichen Voraussetzungen. Mit zwei Beispielen versuche ich es mal zu verdeutlichen und bleibe bei Saisonspiel 10 und 11.

    Beispiel 1: Alle Spiele von 1 bis 10 gespielt - sechs Wochen Pause - Spiel Nr. 11 gespielt.

    Beispiel 2: Allererster Einsatz der Saison in Spiel Nr. 10 - sechs Wochen Pause - Spiel Nr. 11 gespielt.

    In Beispiel Nr. 1 ist der Spieler nach der Pause und Spiel 11 [Edith: weiterhin wieder] spielberechtigt für die untere Mannschaft, in Beispiel Nr. 2 ist er nun festgespielt. Auf das Beispiel Nr. 1 findet unsere Ausnahme dem Wortlaut nach keine Anwendung, denn ich zähle die zwei aufeinanderfolgenden Spiele nur bei Spielern, die nicht festgespielt sind, denn wir schränken ja damit die Regel ein und erst einmal ist niemand festgespielt. In dem Beispiel zählen nur Spiele 1 und 2, dann ist der Spieler festgespielt. Spiel Nr. 10 kann nicht relevant sein, denn in Spiel Nr. 10 war der Spieler schon festgespielt, die Ausnahme (eingeschränktes Spielrecht) findet bereits Anwendung. Mit der sechswöchigen Pause kommt die Ausnahme von der Ausnahme, die Wiedererlangung des Spielrechts. Erst jetzt wird neu gezählt.

    Bei Beispiel Nr. 2 ist dagegen die Pause irrelevant. Diese wird erst relevant nach Einsetzen der Ausnahme, wenn der Spieler bereits festgespielt ist. Zwei aufeinander folgende Spiele, Spieler ist also festgespielt. War auch schon in der Diskussion, die Regel ist aber eindeutig.

    Ich finde gerade leider keine Quelle [Edith: beim DHB], nach reichlich sich widersprechenden Entscheidungen der Spielleitenden Stellen und der Sportgerichte sprach der DHB dann ein Machtwort und schloss sich diesem Rechtsirrtum an. Für eine Quellennachweis wäre ich dankbar! Super unseriös von mir, keinerlei Quelle anzugeben, aber google half gerade mal nicht weiter.

    Hier lesen ja allerhand Handballer mit. Vielleicht wird das Chaos alsbald mal wieder korrigiert.

    Wie lange ist die neue und (fast) benutzerfreundliche Fassung des § 55 SpO in Kraft? Und zum 111. Mal bekomme ich heute wieder diese Frage:

    Zitat

    Wenn aber zwischen dem Spiel 1 (D1) und Spiel 2 (D1) ein Spiel von der D2 liegt, umgehen wir das Festspielen. Sehe ich das so richtig?

    Nach Einsätzen in zwei aufeinander folgenden Spielen in einer höheren Mannschaft, ist ein Spieler festgespielt. Hier: Spiel 1 (D1) und Spiel 2 (D1). Man sollte meinen, zwischen 1 und 2 passt kein Blatt Papier mehr. Doch, mit linguistischer und/oder mathematischer Gewalt, reichlich Gleitmittel und dem Spekulum schieben wir doch noch was dazwischen. Ich zitiere mich mal selbst aus meinem Antwortschreiben:

    Zitat

    Samstag, 4. Saisonspiel der D I

    Sonntag, 3. Saisonspiel der D II

    nächster Samstag 5. Saisonspiel der D I

    Wenn wir die Spiele der D I zählen, dann benutzt man die natürlichen Zahlen: 1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6. Witzigerweise wollen aber viele Vereine so zählen: 1 - 2 - 3 - 4 - 4,5 - 5 - 6.

    Das Spiel der D II ist nicht D I Spiel 4,5. Ich weiß nicht, woher dieser Mythos kommt. Auf den Spielplan der D I - und nur dorthin - schauen und dann abzählen: 1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6

    Wenn ich wissen will, ob zwei Spiele der höheren Mannschaft "aufeinander folgen", dann nehme ich den Spielplan dieser Mannschaft und zähle einfach die Spiele durch. Wenn zwischen zwei fraglichen Spielen ein weiteres Spiel DIESER Mannschaft liegt, dann sind die beiden Spiele nicht mehr aufeinander folgend. Liegt zwischen diesen beiden Spielen in diesem Spielplan terminlich kein weiteres Spiel, sondern nur die Hochzeit des Papstes, der Geburtstag des Antichristen, Silvester oder ein Spiel der zweiten Mannschaft, dann bleiben diese beiden Spiele in der Zahlenfolge aufeinander folgend.

    Und in Kürze muss ich noch mal das Fass "Freiwerden" (zwei Spiele oben aussetzen) und "Freiwerden light" (sechs Wochen aussetzen aber plötzliches Festspielen durch ein einziges Spiel) wieder aufmachen.

    "Diese ganzen Luschentrainer, die nach zwanzig oder fünfundzwanzig Jahren aufhören..." Samstagmorgen, ich zeige einem Handballpapa und selbst Jugendtrainer meine taufrische Entdeckung von der Videoanalyse. "Was die alles verpassen!"

    Kleingruppentraining mit zwei meiner D-Jugendlichen Auswahlspielerinnen und einer Gastspielerin, ebenfalls D-Jugend. Schlagwurf mit Stemmschritt, Sprungwurf mit Absprung von einem Kastenoberteil für mehr Flugphase - und zwischendurch ab und an gefilmt mit dem Tablet (Dartfish express). "Steine brechen" nannte es ein befreundeter Trainer, wenn er Korrekturen am Wurf in der B-Jugend versuchte. Aber schon in der D sind eingeschliffene Muster nur noch schwer rauszubekommen.

    In den letzten zwanzig Minuten Sprungwurf über das falsche Bein. Mein Gast staunt Bauklötze, meine beiden Mädels sind schon Fortgeschrittene, bzw. Marieke ist Profi. Gesegnet mit einem starken Antritt und überdurchschnittlicher Sprungkraft, setzt sie den Sprungwurf schon taktisch richtig im Spiel beim Durchbruch gegen die Hand ein.

    Bei der Einführung im Sommer gingen wir Schritt für Schritt vor. Das Knie des ungewohnten Schwungbeins. Hüfte und Oberkörper nach dem Absprung... Vor allem bei "Hüfte" tue ich mich in der Erklärung schwer. Das Bein auf der Wurfarmseite ist zunächst vorne für den Sprung, dann schnellt das Schwungbein nach vorn, die Hüfte blockiert/bremst zunächst die Ausholbewegung. Und irgendwie muss das in der Luft korrigiert werden.

    Marieke meistert die Problematik mit Bravour. Die Videoanalyse in einem Viertel der Geschwindigkeit bzw. das verschiebbare Standbild verrät das Geheimnis. Auf den Absprung mit extrem dynamischem Einsatz des linken Knies ("Schaut Euch das an, sie hat das Knie unterm Kinn!") folgt eine Art "Scherenschlag", das linke Knie geht runter, das rechte Knie schießt - leicht seitlich - hoch und korrigiert so die Hüftstellung, dreht die Hüfte leicht nach außen auf, was ich immer umständlich zu umschreiben versuche.

    Wir haben es ausprobiert. Das ist womöglich nicht für jedermann, etwas steifere Spielerinnen werden ihre Schwierigkeiten haben. Aber als Bewegungsbeschreibung in jedem Fall deutlich besser handhabbar als "irgendwie die Hüftstellung korrigieren/die Hüfte aufdrehen".

    Edith sagt: Gestern mit einem Trainerkollegen zu diesem Thema gefachsimpelt. Bei der Korrektur achte ich beim Absprung auch auf die Fußstellung. Allerdings korrigiere ich beim Absprung über das falsche Bein bisher immer kontraproduktiv, wenn ich "Fußspitze gerade Richtung Tor" fordere. Einer unserer D-Jugendlicher hatte neulich die richtige Idee, ich habe ihn dann aber ausgebremst. Intuitiv setzte er (Rechtshänder) den rechten Fuß Richtung schräg nach außen. Aus ästhetischen Gründen oder so habe ich immer wieder dazwischengefunkt. Über zwei friesisch Herbe konnten wir auch das gestern Abend klären. Mit der Fußstellung des Sprungbeins kann der Spieler natürlich die Hüftstellung beeinflussen und die Idee war völlig richtig. Sorry, Nico!

    Apropos Sprünge vom Kastenoberteil. Samstagnachmittag, D-Jugend Punktspiel in der zweithöchsten von drei Ligen. Warum das arme Übertalent des Nachbarvereins 40 Minuten durchspielen und 19 Tore gegen die vollkommen überforderte Dorfmannschaft schmeißen muss, obwohl die Bank voll mit kleinen Mädchen ist, die sicher auch gerne mal spielen möchten, bleibt das Geheimnis der Trainerin. Das 29:16 war jedenfalls zu keiner Zeit in Gefahr.

    Warum alle ihrer 19 Tore durch Würfe nach unten fielen - das Geheimnis konnte ich schnell entschlüsseln. Die neunzehnjährige Trainerin offenbar nicht. Im selben Spiel durfte ich mehrere der Spielerinnen der Gastmannschaft beobachten, die den HACKEN des Schwungbeins als Schwungmasse einsetzten. Da gehört dann eine Trainerin (mit Jahrzehnten Erfahrung) abgeführt und weggesperrt. Dann doch lieber den Sprungwurf verbieten, bis man ihn eingeführt und geschult hat.

    Mein Grund des Besuchs und Beobachtungssubjekt setzte schon das Knie des Schwungbeins ein... jedenfalls wenn man genau hinsah. Ein winziges Zucken des rechten Knies nach vorn. Absprung in die Weite, nicht in die Höhe, so man überhaupt von Weite sprechen mag. Oberkörper mit deutlicher Neigung nach vorn, weil sich durch den minimalen Einsatzes des Knies beim Absprung den Oberkörper nie aufrichtet und mehr nach vorn kippte. 19 Sprungwürfe in Vorlage... alle 19 Würfe nach unten, weil das Kind in der Luft gar keine Wahl hat.

    Schwungbein Basics. Eine Turnmatte. Ein Kastenoberteil quer auf dem schmalen Ende halb auf der Matte, bis zum inneren Rand rangeschoben. Kurzer Anlauf, Absprung mit Sprungbein. Nächstes Kind. Ich stehe auf der Wurfarmseite, halte einen Schaumgummipommes als "Schranke" quer vor die Sprungbahn. Oder einen Ball, Griff von oben. Mit den Knie des Schwungbeins soll die Spielerin die Schranke nach oben wegstoßen. Wieder und wieder und wieder. Dann diese Bewegung danach in den Sprungwurf einbauen. Im Idealfall erreichen wir mit dem Bein die Waagerechte, die besonders dynamischen Spielerinnen kommen mit dem Schwungbein auch deutlich steiler über die Waagerechte hinaus. Wer das nicht hinbekommt und bei der Überprüfung mit einem Bein/mit beiden Beinen auch im Hopserlauf nicht in die Waagerechte kommt, muss mit Dehnübungen mal an der Muskelverkürzung des quadriceps femoris arbeiten.

    Gehe ich auch davon aus. Links, Hüpfer, Rechts sieht immer komisch aus, wenn man Links, Rechts, Links verinnerlicht hat und die Abweichung abpfeift. Da könnte ich Fehler nachvollziehen. Uns wurde aber der dritte Rechts- wie auch Linksschritt systematisch weggepfiffen und Kontakt - Kontakt - Kontakt ist wiederum auch nicht "rocket science".

    Moin! (Gewöhn Dich dran! :lol: )

    Viele Tipps. Auch einige gute Tipps.

    - groß oder klein

    Es gibt kein Naturgesetz, dass die Großen in der E oder D-Jugend bessere Strukturen hätten. Es gibt auch kein Naturgesetz, dass die Kleinen die bessere Jugendarbeit bei den Zwergen leisten. Verein wechseln kann man später immer noch, C-Jugend Champions League im eigenen Verein ist für einen E-Jugendlichen erst einmal völlig egal.

    - ehemaliger Nationalspieler oder Papatrainer oder Jugendlicher

    Auch das lässt sich niemals pauschal beantworten. Bei Jugendlichen ist es allerdings so, dass wenn sie es allein machen müssen, einer aus Hunderten kann das schon leisten... Der beste Kindertrainer, den ich kenne, hatte jahrelang gar keine Lizenz und war Papatrainer mit Hintergrund als ehemaliger Spieler. Ein gemeinsamer befreundeter Trainer sagte mal nach einem Trainingsbesuch bei ihm: "Der kocht auch nur mit Wasser. Nur wenn ein Kind bei uns im Training 100x prellt, dann prellen sie bei ihm 500x." Aha!

    - leistungsorientiert oder familiär

    Wie tickt Sohnemann? Will er zum Training auch zu Opas Geburtstag/mit gebrochenem Bein/während eines Orkans? Ärgert er sich über Fehlwürfe oder ist das vollkommen egal? Treffen mit den Freunden wichtiger als verschwitztes T-Shirt nach dem Training? Und die Gretchenfrage: Ist er talentiert?

    Mach Dir die Mühe und schau Dir das Training vorab an. Vielleicht sogar ohne Junior. Abschrecken sollten:

    - winzige oder riesige Trainingsgruppe (auf die nur ein Trainer kommt)

    - Die Übungen/Spiele laufen immer so ab, dass sich ein oder zwei Kinder bewegen, alle anderen rumstehen und in der Nase bohren.

    - Ein, zwei sechzehn- bis achtzehnjährige Trainer(innen), die die Bande nicht in den Griff bekommen. Erwachsener Trainer, um den herum nur Chaos herrscht.

    - Es wird mehr geübt als gespielt.

    - Jedes Training wiederholt sich.

    - Kein Turnen, kein Koordinationstraining in der E-Jugend

    - die Übungen sind Selbstzweck - keine verbale Verbesserung, kein erkennbares Ziel

    Ein gutes Zeichen ist immer, dass sich möglichst viele Kinder gleichzeitig bewegen. Während der gesamten Einheit. Die Getränkepausen auf zwei, drei kurze Schluck aus der Flasche reduziert sind. Die Kinder ruhig sind, wenn was erklärt wird. Eine Struktur erkennbar ist (Aufwärmen, Grundübungen, Grundspiele (Schwerpunkt in der E), Zielspiel - muss so nicht sklavisch eingehalten werden, darf nur eben nicht chaotisch ablaufen). Ein Lernziel in der Trainingseinheit erkennbar ist.

    Bei den Spielen sind Ausschlusskritieren:

    - Einzelne Kinder kommen kaum/gar nicht zum Einsatz.

    - Talent(e)/Trainerkind spielt durch, während andere auf der Bank verstauben.

    - Mehr heiße Luft als umsetzbare Ansagen.

    - Trainer sitzt auf der Bank und schweigt das gesamte Spiel durch.

    - Trainer ist mehr mit dem Schieri als der Mannschaft beschäftigt.

    Positiv:

    - klare Anweisungen, sowohl laut als auch beim Ranholen einzelner Kinder

    - Körpersprache des Trainers

    - Positive Sprache, immer auch Lob, Kritik überwiegend mit "beim nächsten Mal..." und nicht "war Scheiße!"

    - Begrüßung Eltern/Kinder vor dem Spiel

    - Trainer ordnet dem Sieg nicht alles andere unter.

    Ah... wir brauchen nach den "Erläuterungen" zu den Regeln auch noch "Guidelines und Interpretationen". :lol: Kannste Dir nicht ausdenken...

    Die Guidelines klingen plausibel... nur wo steht in Regel 7 Nr. 3 (oder 2 oder 1) diese "Ballannahme", die nach den Guidelines als "Ballannahme nach einem Zuspiel" zu lesen seien. Ich finde sie nicht. Und damit sind die Guidelines für mich nichts wert, wenn sie nicht als Bezugspunkt die IHF Regeln sondern wer weiß was für Regeln haben.

    Ich zähle den "falschen Nullkontakt" oben als einen Schritt (wenn parallel und zeitgleicher Kontakt), die Schrittfolge meiner Mädels als drei Schritte und fühle mich betrogen. Andersherum erlebe ich aber häufig, dass Schritt, Sprung in die parallele Stellung, Schritt, Schritt immer wieder durchgewunken wird.

    Moin!

    Am Wochenende hat mich der (erwachsene) Schieri im weibliche D Jugend Spiel in den Wahnsinn getrieben, meine Mädels total verunsichert und mit einem Rhinozeros-Offensivfoul als "Abwehr durch den Kreis" Sekunden vor Schluss das Spiel gegen uns entschieden. Hätten wir bei vorheriger korrekter Regelauslegung der Schritte klar gewonnen, ist die Frage:

    - Ballannahme

    - Linksschritt

    - eingesprungener "falscher Nullschritt" mit Landung zeitgleich und parallel

    - dynamischer Folgeschritt

    - Pfiff... wieder und wieder

    Trainieren wir so im Training, weil ich mir das a) als erfolgsbringende 1:1 Situation so abgeguckt habe und b) ich NOCH NIE erlebt habe, dass das weggepfiffen wird. Letzteres relativiert sich aber nun, wenn man in die Regeln schaut:

    Regel 7 Ziff. 3 (...) Ein Schritt gilt als ausgeführt:

    a. wenn ein mit beiden Füßen auf dem Boden stehender Spieler einen Fuß abhebt und ihn wieder absetzt oder einen Fuß von einer Stelle zu einer anderen hinbewegt.

    b. wenn ein Spieler den Boden mit nur einem Fuß berührt, den Ball fängt und danach mit dem anderen Fuß den Boden berührt.

    c. wenn ein Spieler nach einem Sprung mit nur einem Fuß den Boden berührt und danach auf demselben einen Sprung ausführt oder den Boden mit dem anderen Fuß berührt.

    d. wenn ein Spieler nach einem Sprung mit beiden Füßen gleichzeitig den Boden berührt und danach einen Fuß abhebt und ihn wieder absetzt oder einen Fuß von einer Stelle zu einer

    anderen hinbewegt. (Fängt er den Ball im Sprung?! Warum steht das nicht da? Darf ich hüpfen, einen Schritt machen, hüpfen, einen Schritt machen, hüpfen, einen Schritt machen?!)

    Die "Erläuterungen" schweigen zu den Schrittregeln. Der "falsche" Nullkontakt ist ausdrücklich geregelt/nicht geregelt, je nach dem, ob ich in Regel 7 Ziff. 3 lit. d) das Fangen während des Sprungs hineinlese. Muss ich ja irgendwie, sonst darf ja ein humpelndes Känguruh mitspielen, andererseits darf ich es nicht, der Regelgeber kennt das Fangen (lit. b) ja offensichtlich und hält es für erwähnenswert, wenn es darauf ankommt.

    Die englische Fassung hilft auch nicht weiter:

    d. a player after a jump touches the floor with both feet simultaneously, and then lifts one foot and puts it down again, or moves one foot from one place to another

    Und mein Französisch reicht gerade noch dazu aus, um auch dort keine Hilfe zu finden:

    d. un joueur touche le sol des deux pieds en même temps après un saut et qu’il lève un pied et le repose ou déplace un pied.

    Auch kein Fangen während des Sprungs. Alle drei Versionen regeln offenbar (auch) das humpelnde Känguruh, der echte Nullkontakt ist nur nebenbei mitgeregelt, denn es ist ja nicht verboten, während des Sprungs den Ball noch zu fangen. Und bei genauer Lektüre klärt sich wohl ganz nebenbei, dass ein Nullschrit aus dem Anprellen (Skandinavien) dann doch erlaubt ist. These:

    Ich darf in Form einer beidbeinigen parallelen zeitgleichen Landung:

    - einen Nullkontakt nach Fangen im Sprung machen

    - einen Nullkontakt aus dem Anprellen heraus machen

    - drei Nullkontakte jeweils mit Folgeschritt machen

    weil das genau so in Regel 7 Ziff. 3 lit. d) drinsteht.

    Was sagen die Regelexperten und womit wird es begründet? Meine IHF Fassung der Regeln sagt, uns sind Sonntag zwei Punkte gestohlen worden.

    Und mal ein Thema, das mir schon länger am Herzen liegt. Wie bremse ich die Entwicklung meiner Talente und die der gesamten Mannschaft aus? Ich erlebe das zwar flächendeckend und amateurhaft, aber nirgends systematisch und durchdacht.*

    Sklavisches Spielen in festen Jahrgängen/Altersklassen

    Der Klassiker. Das Supertalent im Jungjahrgang muss in der Zweiten unterklassig spielen, die Erste ist ja schließlich reserviert für den Altjahrgang. Eine rationale Begründung kann mir niemand liefern. EIN.MANNSCHAFTSGEFÜGE. MUSS. ERHALTEN.BLEIBEN! Mein Talent schmeißt 20 Tore jedes Spiel, die Mitspielerinnen geben jede Verantwortung ab und lernen selbst nicht, Verantwortung zu übernehmen. In "Mannschaftsgefüge" steckt das Wort "Mannschaft". Bei einer solchen - häufig beobachteten - one girl show GIBT ES KEINE MANNSCHAFT im sportlichen Sinne.

    Noch irrsinniger wird es, wenn ich mein Supertalent im Jungjahrgang, besser noch im Altjahrgang, einmal die Woche an die nächsthöhere Altersklasse abgeben soll. "Das könnte ihr ja Spaß machen! Da könnte sie ja was lernen! Das Training könnte besser sein! Die Trainingsgruppe könnte stärker sein!" Also wird gegluckt und das Kind mit Zähnen und Klauen verteidigt und darf nicht dort mittrainieren, wo es gefordert und gefördert würde. Der Trainer sieht die Spielergebnisse seiner Mannschaft, die Entwicklung einer Spielerin/der Mannschaft ist vollkommen egal.

    Am krassesten bei uns im E-Jugend 2x3:3 System, wo es für erzielte Tore die Strafauswechselung gibt. Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar, aber das eine Supertalent in der Mannschaft HASST E-Jugend Spiele. Einwechselung, nach fünf Sekunden Tor, Auswechselung, Bank bis mindestens drei Mädchen irgendwann ein Tor geworfen haben, Abwehr bis fünf Mädchen wahrscheinlich niemals ein Tor geworfen haben, Angriff und nach fünf Sekunden zur Strafe für das Tor wieder raus. Mein Supertalent habe ich diese Saison aus der E-Jugend komplett rausgeholt.

    Homogene Trainingsgruppen helfen allen, egal ob nun Jungjahrgang oder aus der nächstjüngeren Altersklasse. Mir als Trainer und den Kindern beim Lernen. Wenn ich das Glück habe, quantitativ wieder eine zweite D-Jugend zu haben, kommt da nicht der Jungjahrgang rein sondern die weniger talentierten Kinder. Ausreißer nach oben lernen weniger unter den Schwächeren, Ausreißer nach unten brauchen sehr viel Ehrgeiz, um sich ranzukämpfen an die Talente (gibt es natürlich auch).

    Ich setze bis zu vier E-Jugendliche in der höchsten Liga D-Jugend ein. Neulich genau deswegen ein Spiel gegen einen schwächeren Gegner verloren, weil die Zwerge nicht auf der Bank verstauben, sondern spielen und Erfahrung sammeln. Eine E-Jugendliche spielt nur D bei mir. Meine stärkste D-Jugendliche spielt nur männliche D und C-Jugend und schießt uns in der wD dann nicht zur Meisterschaft. Sondern vielleicht die Jungs...

    Der erfolgreiche Trainer des Kreisklassenmeisters

    Zugegeben, wir haben in der D-Jugend einen Fehler im System. Diese Saison hatten wir erstmals eine durchgehende Quali in der D-Jugend und auch die war (wegen der großen Mannschaftszahl) noch nicht ausgereift. Der Maurertrainer konnte immer noch in die unterste von drei Qualistufen melden, um bloß nicht gegen gleichstarke oder stärkere Mannschaften in der obersten Liga spielen zu müssen. Aber immerhin gab es eine Sortierung nach Leistungsstärke durch eine Vorrunde. Letzte Saison war es dagegen noch möglich, als dritt-, viertstärkste weibliche D-Jugend des Verbands in die Kreisklasse zu melden und dort die Anfängermannschaften umzupusten. Hat mir auch sehr viel Ärger eingebracht, als ich da mal dazwischenhauen wollte (s. Tagebuch im Januar '23 und ff.).

    Erstes Spiel jener Mannschaft 20:1 zur Halbzeit. Eltern feiern das Team wie nichts Gutes. Diese Saison eine Altersklasse höher wieder in der untersten Klasse gemeldet. Ich habe mir ein 43:13 ansehen dürfen (Gegner meldet daraufhin Mannschaft ab). Die Eltern feiern die Mädels wie die Geisteskranken. Die Mannschaft hat(te) ein Riesentalent auf Rückraum Rechts. Linkshänderin, wenn ich sie das letzte Jahr voll trainiert hätte, wäre sie nun in der Landesauswahl. Ich hätte eine Ablöse aus eigener Tasche bezahlt. Nun spielt sie in der untersten von vier möglichen Ligen und interessiert mich nicht mehr die Bohne. Der Zug ist leider abgefahren, bei der individuellen Deckung würde ich nicht einmal bei "Null" beginnen können. Dazu müsste sie sich im 1:1 schon mal bewegen... Aber die Eltern feiern hohe Siege der Mädels, der Trainer ist ein Held. Hat den Mädchen allerdings binnen anderthalb Jahren, in denen ich die Mannschaft beobachte, nichts beigebracht.

    Die Statisten auf der Bank

    Wenn ICH, der absolute Hardliner der Talentförderung in der D-Jugend, stets und ständig meine erste Sieben durchspielen ließe, würde ICH mich mir gegenüber lächerlich machen. Elf Mädchen im Punktspiel, keine zweite D-Jugend für die weniger taltentierten Mädchen... alle spielen - in etwa - ähnlich viele Minuten. Und was ich gegen stärkere Mannschaften an Spielzeit ungleich verteile, rücken wir gegen schwächere Mannschaften wieder gerade.

    Letzte Saison habe ich mir eines dieser Spiele einer Kreisklassenmeistertrainerin angesehen. Zwei Ligen zu tief gemeldet, Anfängermannschaften wegklatschen und sich feiern lassen. Nach dem 42:1 (21:1) zieht der Gegner spät in der Rückrunde die Mannschaft zurück. Jener Trainer hatte zu Recht für die Kreisklasse gemeldet. Und die Meistertrainerin meint hinterher zu mir:

    "Heute konnte ich auch mal meine schwächeren Spielerinnen einwechseln."

    >>Ehrlich?! Ist mir gar nicht aufgefallen. Waren immer dieselben Torschützinnen frei vorm Tor.<<

    Dreizehn Spielerinnen, davon vier überdurchschnittlich große Mädchen, die locker in der obersten Liga hätten mispielen können UND dort auch die Mannschaft hätten tragen können. Die teilten sich genau 3/4 aller Tore und nach dem Spiel hatte ich fast den Eindruck, von den kleinen Mäusen auf der Bank einige nicht mal während des Spiels zu Gesicht bekommen zu haben. Bei einem Spiel mit 40 Toren Unterschied! Was geht in den Köpfen dieser Übungsleiter vor? Ich spekuliere mal: "- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -" Oder zumindest Homer Simpson's Grillenzirpen.

    Ende vom Lied: Diese Saison meldet die Trainerin in die zweitniedrigste Klasse der C-Jugend, drei ihrer Leistungsträgerinnen laufen zum Nachbarverein weg und nun ist niemand mehr da, der letzte Saison was gelernt hätte. 0:12 Punkte, -20 Tore im Schnitt.

    Ich melde keine Talente zur Auswahl!

    "Dort werden sie ja nur von den großen Vereinen abgeworben." Fast richtig. In einigen Verbänden ist nur ein böser Trainer tätig (singular) und richtig, ich hole mir auch mal die Schäfchen weg. Aber... wir haben z.B. diese Saison mal wieder einen Konkurrenten mit einem Tradtionsverein. Trainerin war mal Bundesligaspielerin, hat die A-Lizenz, trainiert auch die Landesauswahl. Die haben einen guten Jahrgang. Die stärkste Spielerin hat die ganze letzte Saison einmal die Woche bei mir mittrainiert. Und hat ein Umfeld, in der sie sich - noch - gut weiterentwickeln kann. Lasse ich also in Ruhe. Die anderen Vereine natürlich nicht.

    Am Wochenende spricht mich ein Talentvater an. Tochter hat als E-Jugendliche einmal in der D bei mir mittrainiert, entschied sich dann aber für ihren Freundeskreis in der eigenen Mannschaft. Ist nun fast Alleinunterhalterin in der D-Jugend, darf immerhin in der C mitspielen.

    "Ab wann kann man denn zur Auswahl melden?"

    "Der Jahrgang Deiner Tochter trainiert seit anderthalb Jahren..."

    Talente werden stillschweigend nicht zur Auswahl gemeldet. Oder den Verein interessiert es nicht einmal. Oder Eltern werden belogen. Oder Talente werden unter Vorwand nicht zur Auswahl gemeldet. Richtig so! Noch mehr Argumente für mich den Eltern gegenüber, wenn es um einen Vereinswechsel eines talentierten Kindes geht.

    *Achtung. Dieser Text kann Spuren von Ironie enthalten.

    Danke für die Blumen!

    1. Im Sommerhalbjahr habe ich drei Trainingseinheiten die Woche. Unter der Woche zweimal 90 Minuten, samstags 120 Minuten, jeweils in einer regulären Halle.

    Inzwischen trainiert auch die Auswahl samstags parallel, bietet in meinen Augen maximal Training auf schwachem E-Jugend Niveau an (zumindest letzte Saison) und stiehlt mir die Kinder. Samstags im Winterhalbjahr kein Mannschaftstraining, sondern - wenn es mit den Spielplänen passt - zwei Stunden Kleingruppentraining (ein bis vier Mädchen) in einer halben Grundschulhalle.

    2. Vor Corona hatten wir in der wD meist genügend Kinder für zwei Mannschaften. Da konnte ich selektieren. Nur haben wir im weiblichen Jugendbereich oberhalb der D-Jugend keine Mannschaft mehr auf Regions-(früher Kreis-)ebene, sondern melden ausschließlich für die beiden höchsten Ligen auf Landesverbandsebene. Da selektiert es sich dann von selbst.

    Ich mache - so oder so - im Januar ein Schnuppertraining mit der "next generation". Vorurteile abbauen aufgrund der Horrorgeschichten über mich aus der E-Jugend. Spaßtraining, aber anstrengend. Da springt erst einmal niemand ab. Die ersten Flüchtlinge habe ich erst, wenn ich danach den Elternabend für "next generation" abhalte. Entweder läuft da Mutti schreiend davon, wenn ich erkläre, was Mindeststandards im Mannschaftssport sind (und leistungsorientiert noch gar nicht anspreche). Dann aber immer wieder zum Schreien, wenn mit offenem Mund meine Spielregeln verfolgt werden und ein halbes Jahr später, wenn ich wen rauswerfe, das Entsetzen, dass ich das ernst gemeint habe mit "in aller Regel zweimal die Woche Training Minimum" oder "es gibt für unentschuldigtes Fehlen beim Training die Gelbe Karte, danach Rot". Oder Mutti kündigt Wochen nach dem Elternabend die Mitgliedschaft, wenn sie hier in der Handballecke meine Firmierung entdeckt und mich als Chauvinistenschwein enttarnt hat.

    Die allerersten Trainingseinheiten ziehe ich das Tempo deutlich an. Dieses Jahr musste ich dann doch mal Wochen später mit Papa konferieren. Töchterlein hatte offenbar kein Talent, womit ich noch leben kann. Mit ihrer ständigen, offen zur Schau getragenen Unlust wollte ich dann aber nicht umgehen müssen. Da habe ich dann wirklich mal die Reißleine gezogen. Im Training habe ich nun zwei, drei potenzielle Jugendnationalspielerinnen und auch deutlich weniger talentierte Kinder. Aber alle Mädchen, die - warum auch immer - keine Lust haben, sind raus. Meine Talente kommen (fast) alle in die Landesauswahl. Die weniger talentierten Kinder landen dann nach zwei Jahren in der C-Jugend, wo es nur eine Trainingsgruppe gibt. Eine Handvoll Landesauswahlspielerinnen, eine Basis an guten Oberligaspielerinnen - da herrscht dann zu Beginn des Altersklassenwechsels wieder Darwin.

    Wenig talentierte Kinder haben es in dem Umfeld sicher nicht ganz leicht, haben aber die Chance nach zwei Jahren D-Jugend fast überall anders jede Mannschaft zu verstärken, weil sie individuell technisch ausgebildet wurden. Alle Mädchen bekommen in der D etwa dieselbe Spielzeit. Gegen schwache Gegner werden die Talente mal diskriminiert, gegen starke Gegner andersherum. Gerade letztes Wochenende haben wir (überraschend) ein Spiel verloren, bei dem ich elf Mädchen zur Verfügung hatte, der Gegner körperlich hoffnungslos überlegen war, wir technisch deutlich besser waren, ich aber vier E-Jugendliche voll eingesetzt habe und das dann nicht gereicht hat. Eltern waren teils grantig... aber blieben still. Meine technisch stärkste Spielerin lasse ich gar nicht mehr in der wD mitspielen, meine überragende Torhüterin hatte ich Sonntag zur wC I mit nach Bremen geschickt, weil sie gebraucht wurde und sie - als wahrscheinlich jüngste Spielerin der Oberliga diese Saison - viel mehr von einem Oberligaspiel hat als gegen eine schwachen D-Jugend Gegner (ihre Spielzeit dort etwa 45 Minuten). Mit beiden Spielerinnen, auf die wir freiwillig verzichteten, hätte der Gegner keine Schnitte gesehen, so mussten dann meine jüngeren und auch schwächeren Spielerinnen mal ihre Grenzen erkennen, wenn die Leistungsträgerinnen mal (letztlich zu dritt) nicht dabei sind.

    Und echt noch was vergessen. Neulich im Einstein bei Albert gelernt.

    Was dem Sushi Fan sein Gari, ist beim Whiskytasting der Kaffee. Um zwischen verschiedenen Fischsorten die Geschmacksknospen auf Null zu stellen, gibt es zwischen zwei Happen eben den eingelegten Ingwer. Zunächst sehr gewöhnungsbedürftig, man lernt ihn aber zu schätzen. Und beim Tasting neulich stand eine Espressotasse mit Kaffeebohnen auf dem Tisch. Zwischen zwei Proben knusperten wir jeweils eine Kaffeebohne weg. Es funktioniert. Ich weiß nicht, ob auf Weinproben Kaffeebohnen gereicht werden oder nur das olle Weißbrot. Zukünftig daheim jedenfalls kein Tasting mehr ohne Kaffee!

    Und ich kann inzwischen auch noch mehr berichten. Vor dem Besuch in Husum hatte ich natürlich Alberts Sortiment im Internetshop sondiert und war über den Hearach der

    Harris Distillery

    gestoßen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich bei Mare TV schon mal einen Bericht über die äußeren Hebriden gesehen habe und die Harris Distillery, die sich den Übergang von Gründung bis zum Verkauf der ersten Whiskyflaschen (Scotch muss rechtlich mindestens drei Jahre reifen, um sich so nennen zu dürfen) mit der Produktion von Gin finanziert haben ("Wir brauchten ein Alleinstellungsmerkmal! Was haben wir hier so? Seetang!"). Im Lager sprach ich Albert auf die allererste Abfüllung an, die er ausdrücklich nur einzeln verkaufte, um möglichst viele Kunden glücklich zu machen und eben nicht einen einzigen Sammler oder Horter.

    "Mich würde ja brennend der Hearach interessieren!"

    "Und Du glaubst, ich habe noch einen auf Lager?"

    Trotz eines stolzen Preises für einen sehr jungen Whisky (fünf Jahre, 46% abv!) war er wohl weggegangen wie warme Semmeln. Just an dem Tag hatte Albert aber eine E-Mail aus dem Ausland erreicht. Ein Stammkunde hatte seinen zurückgestellten Whisky wieder "freigegeben", denn er hatte aus anderer Quelle eine Flasche bezogen. Falls sich ein weitere Aficionado melde, der noch keine Flasche hatte, dann dürfe Albert die Flasche verkaufen, anderenfalls wolle er sie nach seinem Auslandsaufenthalt wenige Tage später zugesandt bekommen. Schwein gehabt.

    Extravagante Flasche, extravagante "Box". Der Alptraum wohl für jeden, der ihn gewerblich verpacken und versenden muss. Ob der Preis gerechtfertigt ist, muss jeder für sich entscheiden. Der allererste legale Whisky von den äußeren Hebriden, eine schöne Geschichte um fünfzig neue Arbeitsplätze in einer wundschönen aber strukturschwache Region. Ein grandioser Whisky. Weich, fruchtig, Honig, Toffee, verrät sich nicht unbedingt als Inselwhisky.

    Sommerferien. Die erste Hälfte aller Ferien gebe ich immer frei. In der zweiten Hälfte soll erscheinen, wer daheim ist, im Übrigen keine Abmeldungen nötig. Gäste willkommen. Trainingsgruppe stets ein Überraschungsei, daher auch kein "reguläres" Training. Diese Saison mit der Neuerung, dass ich auch männliche D dabei habe (s.o.). Also mal Basics, vier Einheiten Sprungwurf von "Null" wie für Anfänger. Und auch da gibt es reichlich Korrekturpotenzial. Danach als Sahnehäubchen zwei Einheiten Sprungwurf über das falsche Bein. "Mit D-Jugendlichen?!" "Wann ist denn das goldene Lernalter?" Abschlussübung Anstoßen von RL nach Außen, Pass/Rückpass in das Zurückstoßen, Abbrechen, Gegenbewegung gegen die Hand, Absprung über Kastenoberteil über das falsche Bein. Sieht schon ganz ordentlich aus, viele bekommen aber noch keine ordentliche Sprunghöhe hin. Dazu später*. Ende vom Lied: Drei meiner talentierten D-Mädels "beherrschen" inzwischen den Sprungwurf über das falsche Bein und setzen ihn im zweiten D-Jugend Jahr taktisch richtig im Spiel bei Durchbruch gegen die Hand ein. Zwei Einheiten Ferientraining außer der Reihe, mehr nicht. Die anderen Mädels üben den Wurf ständig beim Warmwerfen oder Rumdaddeln.

    Die folgende Übungsreihe stammt ursprünglich aus der "handballtraining" von vor rund fünfzundzwanzig Jahren und war genau mit diesem Thema im Heft. Ich habe einige Dinge modifiziert und setze sie auch bei "Einführung Sprungwurf" ein**.

    Zwei Turnmatten als "Landebahn", ein Langkastenoberteil quer, zur Hälfte auf die Matten und dann rangeschoben an die vordere Matte als Absprungbasis. Sicherheitsbestimmungen: Absprung nur mittig vom Kasten, nicht am vorderen oder hinteren Rand. Es geht um Höhe, nicht um Weite.

    - kurzer Anlauf mit Absprung über das falsche Bein vom Kastenoberteil, keine Ball, keine Ausholbewegung

    - Trainer stellt sich auf Wurfarmgegenseite neben die Matten, kurz hinter den Kasten, hält "Schaumgummipommes" als Schranke hin, beim Sprung mit dem Knie des Schwungbeins kräftig den Pommes hochstoßen

    - Trainer stellt sich mit Pommes auf die Wurfarmseite (hatte nur Rechtshänder zum Glück) auf einen Kasten, hält Pommes schräg hoch, Spielerinnen sollen das Ende mit Wurfhand mir korrekter Ausholbewegung kräftig abklatschen.

    Hier wird es schon sehr komplex. Schwungbein weiterhin einsetzen, Wurfarm in die Ausholbewegung, Oberkörperverwringung schon beim Setzen des Fußes auf den Kasten. Und dann nach und nach die "Hüftgegendrehung" zur Wurfarmseite korrigieren. Hier die Kinder einfach mal ausprobieren lassen und ganz viel Geduld. Die Hüftstellung in der Luft zu korrigieren, damit der Oberkörper beim Wurf nicht gegen die Hüfte arbeiten muss, ist nicht ganz leicht. Zum Glück sind es D-Jugendliche und die sind noch lernfähig!

    - s.o., kein Trainer mehr an der Seite, nun Tennisball gegen die Wand werfen

    - Knautschiball oder Softball

    - Handball

    Mit einer im Schnitt sehr talentierten Trainingsgruppe waren wir nach zwei Trainingseinheiten schon recht weit. Seither noch nicht groß vertieft, drei Talente der wD setzen den Wurf schon instinktiv korrekt im Punktspiel ein.

    *Abschlussübung von oben. Richtungswechsel ohne Ball beim Zurückstoßen, Richtungswechsel mit Ball bei der Täuschung und dem Durchbruch gegen die Hand mit Absprung vom falschen Bein. Die Kinder bekommen in dem engen Richtungswechsel nicht genug Druck auf das rechte Bein für eine vernünftige Sprunghöhe. Es sieht alles etwas unbeholfen aus. Korrektur: tief runtergehen, Sprungbein ordentlich beugen und so mehr Kraft sammeln.

    **Ich hatte und habe diese Saison mehrere Gäste wD und E im Training aus verschiedenen Vereinen. Vereinsübergreifend teilweise ein und dasselbe Phänomen. Beim Schwungbein wird nicht das Knie zum Schwungholen eingesetzt... sondern der Hacken.

    Volles Verständnis dafür, wenn ein Trainer Schlagwurf vor Sprungwurf schult und ggf. daher meine Gäste noch keinen Sprungwurf erlernt haben. Als Anfänger und als Fortgeschrittener habe ich teils Sprungwürfe verboten, wenn ich meinte, dass der Schlagwurf noch nicht sitzt. Wenn ich aber Gäste im zweiten D-Jugend Jahr habe und der Grund für einen technisch verheerend schlechten Sprungwurf sein könnte, dass der Sprungwurf noch nicht geschult wurde... doubleyou tee eff haben die denn bis dahin im Training geschult?! E-Jugend Training: JEDES EINZELNE TRAINING zehn Minuten stumpfes Ballern auf den Boden, beide Arme im Wechsel, nach zwanzig Würfen dann Ballern mit Maximalkraft gegen die Wand. Variieren. Auch mit der schwachen Hand. In der D-Jugend JEDES ZWEITE TRAINING. Wo soll denn der Wurf sonst herkommen? Wir erschießen in der D-Jugend beim Beachhandball jeden Gegner vom eigenen Tor aus. Das sind 27 Meter, 7 m mehr als Justus Fischer braucht, um den THW zu erschießen. :devil: In der Regel kassieren wir selbst aber auf einem großen Beachturnier nur ein, zwei Tore vom gegnerischen Torraum aus. Wenn überhaupt.

    Wenn ich zwei E-Jugend Jahre jedes Training zehn klitzekleine Minuten für das Wurftraining aufwende, dann sollte ich spätestens in der D-Jugend auch mal einen ordentlichen Sprungwurf schulen können.

    Zitat

    Eine Halbfeldmanndeckung war in der Überlegung, ist in der mB aber nicht mehr machbar, dafür ist das Spieltempo zu hoch…

    Würde ich so nicht unterschreiben. Wenn Du hier mal recherchierst, gab es in der Jugend Bundesliga mA (vielleicht sogar noch davor, Regionalliga) mal eine Mannschaft, ich meine aus Sachsen, die für drei Dinge in Erinnerung blieb (offenbar nicht für den Vereinsnamen):

    - hautenge Trikots, so dass die Mütter der gegnerischen Mannschaften zu sabbern begannen

    - einen streitbaren, sehr streitbaren Trainer

    - und eben eine Halbfeldmanndeckung, die sie dann in der Herren zunächst in der OL/3. Liga (?) weiterspielten und für unfassbare Ergebnisse sorgten

    Wenn es irgendwo in der Jugend an den Basics hakt... nicht weitermachen und kaschieren, zurück zum E- und D-Jugend Handball. Irgendwer hat damals seine Hausaufgaben nicht gemacht und die müssen nachgeholt werden. Ich erinnere mich dunkel an einen Artikel in der Handballtraining, über zwanzig Jahre her, in dem der Autor und Trainer einer wB Ähnliches beschrieb und sich nicht zu schade war, dann D-Jugend Handball (-Abwehr) zu spielen. Mit Erfolg.

    Offen kommunizieren: Es läuft nicht, es sind Defizite da, die aufgeholt werden müssen, "weitermachen" wäre ein Fehler, wir ändern die Marschroute und drehen den Laden auf Links.

    Zitat

    Wir spielen derzeit wegen der Größe unserer Spieler eine offensive 3:2:1, haben also viele Zweikämpfe zu gewinnen

    Das Problem kenne ich gut. Die 3:2:1 kann ein paar Baustellen überdecken (allerdings nur optisch), die Basics müssen aber stimmen. Ich habe mal mit einer wC das Final6 um die Landesmeisterschaft gespielt. Wir haben auf Halb nahezu alle entscheidenden Zweikämpfe verloren (u.a. gegen Toni Reinemann und Marie Steffen, heute beide Oldenburg). Das war eine interessante Lektion nach der Saison für die nächste Saison. In der Folgesaison habe ich die Prioritäten verschoben. Ganz viel individuelles Abwehrtraining und in der Oberliga wC lange eine Halbfeldmanndeckung gespielt. Den Shitstorm von den Landestrainern, den Eltern und teils den Mädels kannst Du Dir nicht vorstellen. Im November habe ich ein Sabbatical genommen, im Mai waren dann Landesmeisterschaften. Es gab keine einzige Rückraumspielerin im gesamten Turnier, die die Mädchen vor Probleme stellte.

    Meinst Du "defensives Abwehr 1:1" im Gegensatz zu "offensives Abwehr 1:1" oder schlichtweg individuelle Abwehrschulung? Ansonsten steckt oben schon ein kleiner Widerspruch und der Lösungsansatz des Dilemmas. David gegen Goliath lässt sich im Rückwärtsgang nicht lösen. Ich kenne die betroffene Altersklasse nicht, aber "fast kein Spieler" gewinnt Zweikämpfe klingt nach "back to the basics". Führt wohl kein Weg dran vor bei:

    Zickenbändiger
    12. November 2021 um 17:35

    Einträge vom letzten Jahr 25. und 26. November. Mal überfliegen und altersgerecht aufbereiten.

    Willkommen in der Handballecke, jedenfalls beim aktiven Teil der HE! Bitte gerne in Eigeninitiative hier Erfahrungen einstreuen. Traut sich ja leider sonst kaum jemand.

    7 vs. wild. Wir werden ausgesetzt, jeder hat sich unterschiedliches Werkzeug mitnehmen dürfen und am Ende steht ein Regenschutz mit Schlafstätte, eine Feuerstelle, ein Wasserbehälter und jeder hat einen kleinen Nahrungsvorrat. Wenn wir uns die verschiedenen Spielweisen anschauen, werden sie sich Richtung gefestigter Raumdeckung ggf. nur in Nuancen unterscheiden. Und auch ich beobachte immer wieder, dass gerade in der Übergangszeit die Grenzen zwischen Mann- und Raumdeckung verschwimmen, ich das aber auch zum Teil hinnehme. Oben war ich etwas unehrlich. In jungen Jahren habe ich MIR die sinkende Manndeckung nicht zugetraut. Inzwischen bin ich überzeugt, dass auch mein Weg zum Zielt führt.

    Auch in meiner Abwehrkette, die sich nicht an der Ballhöhe orientiert, kommt allmählich die neue Regel dazu "Beschütz die Lücke auf Ballseite... aber nur solange dort Gefahr droht!" Ansonsten darf nicht nur gegen die Ballführerin rausgetreten werden, sondern auf der Nachbarposition (Tippen/Prellen ist abgeschlossen, Ballführerin ist mitten im Zweikampf, Ballführerin fehlt per se der Drang zum Tor), die "Kette" diffundiert Richtung Ballgewinn. Dann können wir wieder mehr Ballhunger entwickeln. Ich hab das Lehrvideo zur sinkenden Manndeckung lange nicht mehr gesehen, würde mich aber sehr wundern, wenn dort nur die defensiven Aufgaben geschult werden und nicht die von Dir geschilderten Ausnahmen.

    Ich führe gerade mit acht talentierten Jungs und vier, fünf Mädchen (meine Auch-C-Jugendlichen) Übergeben/Übernehmen ein. Gegen jede Vernunft/Erfahrung versuche ich das in Grundspielen und lasse die Grundübungen vollständig weg. Macht einerseits viel mehr Spaß und es entstehen schöne Nebenprodukte aus Parallelstoß und Kreuzen-Parallel, auf der anderen Seite natürlich der Schwerpunkt nicht so verdichtet wie in der Grundübung, wenn sklavisch das Kreuz vorgegeben ist. Letztlich ausschlaggebend ist für mich aber die Spielnähe, dass der Ballführer die Chance auf ein Kreuz selbst beurteilt, dass der Nachbar sich Parallel offenhält und durch Beobachtung für Kreuz entscheidet, dessen Gegenspieler wiederum Übergeben/Übernehmen einleitet, nicht weil die Übung es vorgibt, sondern er die Situation richtig erkennt (ich passe hier das Geschlecht den jeweiligen Mehrheitsverhältnissen im Spiel und Training an :lol: ). Bislang bin ich zufrieden, zwei Einheiten sollen noch folgen. Gilt eigentlich allgemein der Satz: "Je Trainererfahrung, desto Grundspiel"? Ich brauche vielleicht nicht die Sicherheit/Vorhersehbarkeit der Aktionen, um dennoch sinnvoll zu korrigieren.

    Ganz vergessen, malt mates! Bei YouTube unbedingt mal nach ralfydotcom suchen! Der alte Ralfy sitzt in seinem Keller auf der Isle of Man an einem leeren Whiskyfass und rezensiert Whiskyabfüllungen. Und spricht Wahrheiten aus, die der Normalsterbliche nie erfahren würde. Gibt Tipps, die einen sprachlos zurücklassen. Und fegt über die Kommerzialisierung der Branche hinweg wie ein zorniger Orkan. Sein Englisch sollte verständlich sein, eine Handvoll seiner inzwischen >1.000 Reviews sollte sich jeder Whiskyfan geben. Was uns älteren Fans früher die Jackson-Punkte waren, an denen wir unsere Einkäufe orientierten, sind nun Ralfys malt marker.

    Die Gretchenfrage in der D-Jugend:

    Wie gestalte ich den Übergang von der Mann- zur Raumdeckung?

    Die eleganteste Lösung bietet sicher Balljäger mit der "sinkenden Manndeckung". Spannend aber ist, dass den Begriff zwar jeder kennt, ich die Deckungsform aber im Alltag nirgends zu Gesicht bekomme. Und wenn ich mal nachhake, hat sie doch niemand verstanden. Wenn ich in der Manndeckung / extrem offensiver Raumdeckung die Anweisung gebe (Rückraumspieler bekommt Ballbesitz): "Zurücksinken!", weil ich das Prellen VOR der Abwehr provozieren möchte, dann habe ich auch schon gehört, dass das ja wohl eine "sinkende Manndeckung" sein müsse.

    Habe ich aber nie gespielt! Folgende Überlegung: In der offenen / in der Halbfeldmanndeckung hat die Abwehrspielerin den Bezugspunkt Gegenspielerin (immer zwischen Tor und Gegenspielerin agieren), deren Prellhand (bei Mädchen nicht immer die Wurfhand und noch schlimmer häufig nicht die taktisch richtige Hand) und den Bezugspunkt Ball (bei mir: Brust zum Ball, wenn ihn Gegenspielerin nicht hat). Bei der sinkenden Manndeckung kommt die Ballhöhe dazu: Zwischen Tor und Gegenspielerin, ggf. Brust zum Ball UND mindestens auf Ballhöhe zurücksinken. Habe ich bei Aufkommen der sinkenden Manndeckung meinen Mannschaften nicht zugetraut, das vernünftig umzusetzen, so dass ich das Eisen nie angefasst habe. Ich habe allerdings auf Turnieren schon zweimal E oder D-Jugend Jungsmannschaften mit einer Top sinkenden Manndeckung gesehen, dass ich es fast bereue. Fast.

    Angefangen habe ich mit cold turkey. In der Halbzeit umgestellt. Hacken auf den Neuner, die Halben und VM noch zwei Schritte raus und je nachdem, wie sie mit dem Gegner klarkommen, gerne noch weiter raus. Hat immer geklappt, eleganter ist das andere Modell. Ist von der Ausrichtung aber konservativ/defensiver. Und das wiederum entspricht nicht meiner Idee von Deckung.

    Seit Jahren führe ich nun Raumdeckung/Positionsspiel gegen Raumdeckung mit Endlinienball bei Rugbypassregeln ein (keine Pässe nach vorn, nur zur Seite oder nach hinten, an anderer Stellen von mir schon detailliert beschrieben). Jüngst exzessiv, das Aufwärmspiel wird JEDES Training wochen-/MONATELANG gespielt. Zentrale Korrektur: "Ich will die ABWEHRKETTE sehen!" Alle vier oder fünf Spielerinnen in einer Kette. Die Außen eher passiv, laufen ihrer Gegenspielerin NIEMALS entgegen, versperren den Prellweg nach innen (es darf, es muss geprellt werden), nehmen die Gegenspielerin auf und schieben sie im Idealfall über die Außenlinie. Alle Innenverteidigerinnen treten auf ihre Gegenspielerin bei deren Ballannahme raus (Abwehrdreieck!), sinken dann in die ABWEHRKETTE zurück. Verdichten in Ballnähe. In dieser Spielform gibt es dann kein Zurücksinken vor der Ballführerin mehr, die Abwehrkette hat als Bezugspunkt die Angriffsreihe und nicht Nah- oder Fernwurfzone. Ich möchte ausschließlich Raustreten mit Körperkontakt haben und keine Lücke in der Kette öffnen.

    Und mit diesem Konzept der Abwehrkette kann ich die (neu gelernte) Raumdeckung recht gut auf das Punktspiel übertragen. Die Mädels, Halbfeldmanndeckung gewohnt, kommen gar nicht auf die Idee sich an den Rand der Nahwurfzone zu stellen, sondern positionieren sich aus Gewohnheit weit in die Fernwurfzone hinein. Bezugspunkt für die Stellung im Raum ist nicht der (schnelle) Ball sondern die Postition der Nachbarin, wobei die "Kette" nicht mehr eine Linie wie beim Endlinienball ist sondern einer Kurve außerhalb des Neuners entspricht (die Außen auf dem Neuner). Auf den Punkt gebracht: Die Position nicht an der schnelllebigen Ballhöhe auszurichten, sondern im Verbund, als leicht zu bildende Formation, halte ich für einen didaktisch leicht umzusetztenden Schritt. Die taktische Disziplin erlernen die Mädels aktuell schließlich in jedem einzelnen Training bei Aufwärmen. Und da ich tatsächlich überall "sinkende Manndeckung" höre, sie aber nirgends sehe, vielleicht eine überlegenswerte Alternative.