Ich habe zwei Perspektiven zu diesem Thema: Als Kreisauswahltrainer sehe ich die Gefahr, dass durch frühe Konzentration der Talente der ganze Spielbetrieb und damit das Training im Wettkampf vor die Hunde geht. Schon jetzt ist es so, dass in unserer Kreisoberliga mD seit Jahren drei Vereine oben stehen. Die machen in der Regel die Meisterschaft unter sich aus, die übrigen sieben Mannschaften sind meist keine Gegner. Für die Dauer der Kreisauswahl (2. Jahr D und 1. Jahr C) sehe ich es gerne, wenn meine Spieler möglichst viel gegeneinander spielen. Nur in Ausnahmefällen habe ich einem Spieler geraten, den Verein zu verlassen (monatelang kein Training, weil kein Trainer da war). Abwerben an sich ist ein notwendiges Übel für die Spitzenvereine, um sich in den obersten Klassen behaupten oder durchsetzen zu können. Irgendwann ist man an der Grenze angekommen, an der es nur noch mit Eigengewächsen nicht mehr geht.
Einer unserer drei Spitzenvereine im männlichen Bereich scheint nun allerdings eine neue Strategie zu verfolgen. War man jahrelang bei den Minis und der E-Jugend ganz vorne mit dabei, wirkt es nun, als würden die Jüngsten nun nicht mehr so gefördert. Umso agressiver wurde vor dieser Saison im Internet auf allen erdenklichen Handballseiten Werbung für die C-Jugend gemacht (die mit eigenen Spielern mal nicht ganz vorne mitspielen konnte). Spieler abwerben, um sie in eine gute Mannschaft zu integrieren ist eine Sache. Die Ausbildung aber weitestgehend anderen zu überlassen und sich dann schmarotzenderweise auf die Lockwirkung der Regionalligamannschaft des Vereins zu verlassen, da ist eine Grenze überschritten.
Seit knapp drei Jahren trainiere ich aber noch eine wE. Wenn ich sehe, was im weiblichen Bereich für Trai... Übungsleiter herumlaufen, dann kann man gar nicht früh genug mit dem Abwerben beginnen. Das am häufigsten gebrauchte Wort der Trainerin des letztjährigen Kreismeisters wE im Spitzenspiel?
"Festmachen!"
Noch habe ich 23 Eigengewächse in der wE, es wird aber nicht mehr lange dauern, bis ich auf die Jagd gehe.