Ich bin vor vier Jahren mal durch Zufall in die Protestbewegung gegen die Gefahrhundeverordnung NRW geraten. War zu dem Zeitpunkt Praktikant einer hundehaltenden Anwältin. Da habe ich einige interessante Dinge erfahren.
Die Rasseliste in NRW mit angeblich per se gefährlichen Arten enthielt eine längst ausgestorbene Hundeart sowie eine Hundeart, die selbst Experten nicht kannten (chinesischer Kampfhund?).
In der sog. Beißstatistik liegt traditionell mit Riesenabstand vorne... der Deutsche Schäferhund. Wenn ich mich richtig erinnere, dann nicht nur in absoluten Zahlen (je mehr Schäferhund, desto Biß - logisch) sondern auch relativ gesehen. Gilt bei uns in der Theorie noch eine Gleichbehandlung der Menschen vor dem Gesetz, so gilt dies nicht für den Oberbeißer. Der tauchte nicht auf der Liste der Hunde auf, die verboten werden sollten.
Kommissar Rex hatte halt die bessere Lobby.
Apropos Lobby. Ebenfalls nicht in der Liste war der Rhodesian Ridgeback. Es hielt sich hartnäckig das Gerücht, die Schwester der Ministerin Höhn würde diese Rasse züchten.
In der Kanzlei der Anwältin lernte ich einen Brasiliero hastenichtgesehen kennen, einer von den ganz, ganz bösen Hunden laut der Verordnung. Einer der knuddeligsten Vierbeiner, die mir je untergekommen sind.
Ganz vorn in der Protestbewegung war eine Pitbullzüchterin. Sie züchtete die Kumpels als... Familienhunde. Hab auch mehrere Staff-Halter kennengelernt, die einen "Kampfhund" und Kinder zu Hause hatten.
Der Polizeipräsident von München rühmte sich damals damit, dass er die Stadt von Kampfhunden gesäubert hätte. Es ginge doch nichts über eine harte Linie. Zu dieser Zeit kam es allerdings in Bayerns Hauptstadt zu einen immensen Anstieg der "Boxermischling"-Population.
Rasselisten sind ne tolle Sache!
Gerade als die Gefahrhundeverordnung in Kraft trat und die Viecher einen Maulkorb tragen mußte, bin ich Opfer einer Kampfhundeattacke geworden - und das als aktiver Widerstandskämpfer! Ein Hundehalter einer Bordeaux Dogge ("Scott & Huutch" mit Tom Hanks) kam in die U-Bahn und entschuldigte sich mit Tränen in den Augen bei seinem Hundchen, dass es einen Maulkorb tragen müsse. Irrtümlicherweise glaubte der Mann, dass die Maulkorbpflicht in der U-Bahn nicht gelte und machte das Ding genau neben mir ab. Der Hund hatte inzwischen etwa 200 ml Sabber durch den Maulkorb gesammelt und schüttelte sich dann plötzlich ganz kräftig... echt lecker!