Beiträge von Zickenbändiger

    Liebes Handballtagebuch!

    ZeeBee hat Respekt vor dem nächsten Gegner. Genauer genommen, ZeeBee hat Respekt vor Dilayla. Der Segen der Digitalisierung, bereits im Jugendbereich herrscht gewisse Transparenz. Über nuLiga sind die gegnerischen Torschützinnen zu finden bzw. lassen sich ggf. Talente aufspüren. Der Heimspielgegner Georgsmarienhütte vertraut auf die Tore von Dilayla, im Schnitt bereits 15 je Spiel. Und die junge Dame spielt erfolgreich im Nachbarverein noch in der B-Jugend Oberliga als Gast. Und ist auch noch im nächsthöheren Landesauswahljahrgang aktiv. Normalerweise bereitet sich ZeeBee in dieser Altersklasse nicht auf die Gegner gesondert vor, ein Bauchgefühl sagt aber, nun sei es soweit. "Wir spielen Sonntag eine Deckungsvariante, die wir noch nie geübt haben." In manchen Mannschaften müssen die Mädels etwas flexibler sein als in anderen Mannschaften. :cool:

    Das Sauerstoffzelt steht bereit, der Defibrillator, der RTW... man ist nicht mehr der Jüngste und ZeeBee kann sich ausmalen, was auf der Bank los sein wird, wenn eine ungeübte Deckungsvariante dirigiert werden muss. Keine Hexerei, die - in der Liga und Altersklasse ohnehin exotische - Halbfeldmanndeckung soll bei Durchbruchversuchen hinter den Ball zurücksinken. ZeeBee hat die Deckung stets mit Skepsis betrachtet, heute scheint sie aber ein angemessenes Gegenmittel zu sein. Die sinkende Manndeckung dürfte als "Ausbildungsdeckung" gelten, heute soll sie als Waffe missbraucht werden. Nahezu jeder andere Trainer würde eine defensivere Grundaufstellung wählen. Aber jeder andere Trainer schreibt auch keinen Blog seit siebzehn Jahren. ZeeBee braucht noch etwas Frischluft, setzt sich vor die Halle und der Gegner rollt auf den Parkplatz. Die gesamte Mannschaft passt in einen Kleinbus. ZeeBee interviewt die Mädels nach ihrer Trikotfarbe und verwickelt den Trainer Thilo in ein Gespräch. Nichts deutet auf das kommende Drama hin.

    Von Mannschaftsfotos kennt ZeeBee zumindest das Erscheinungsbild der jungen Ausnahmespielerin. Durchschnittlich groß, eher zierlich als kräftig, wird wohl über Technik und Schnelligkeit kommen. Dilayla kommt über Technik und Schnelligkeit. Mehrere Abwehrspielerinnen arbeiten sich an ihr ab, niemand kann sie wirklich beeindrucken. Und der Notfallplan, Hinten Mitte mit zusätzlicher Liberoaufgabe, geht auch nicht auf. Der Plan war es, Dilayla einstellig zu halten. Bereits zur Halbzeit (15:13 vorne) liegt sie bei zehn Treffern! 8o Zehn von dreizehn Tore... ZeeBees Ehre verbietet es, gegen eine einzige Torschützin im Mannschaftssport zu verlieren!

    In der Pause wiederholt ZeeBee lediglich die Prinzipien, die für das heutige Spiel gelten sollen. Auch wenn sich die Aufgabe als noch schwieriger als gedacht herausstellt, eine defensivere Ausrichtung der Deckung kommt nicht in Frage. Hier geht es um das Prinzip. Das Prinzip bekommt ZeeBee gleich nach Anpfiff um die Ohren. Ausgleich. Die nächsten Minuten spielen die Teams auf Augenhöhe, Vorlegen, Ausgleich, Vorlegen, Ausgleich. Endlich mal zwei Tore vor. 20:18. Dann kommt unweigerlich der Durchhänger, mit vier von fünf Toren ist Dilayla am 5:0 Lauf der Gäste beteiligt und bricht den Gastgebern zehn Minuten vor Schluss mit 20:23 das moralische Genick. :/: Oder doch nicht? ZeeBee ist ja inzwischen Frauenflüsterer... Die kleinste Spielerin auf dem Platz, D-Jugendliche Emmie, trifft zum 21:23 und ZeeBee kann seine Mannschaft noch mal mobilisieren. Acht Minuten vor Schluss erzielt Kreisläufermaschine Nelli den Ausgleich. :ball: Dann wieder das Spielchen Vorlegen, Ausgleich, Vorlegen... Die Mädels verwerfen zwei 7m, beim zweiten 7m hält die Torhüterin auch den Nachwurf spektakulär. ZeeBees Puls erreicht bedrohliche Höhen. Drei Minuten vor Ende wieder Ausgleich, kein eigener Treffer, dafür Balleroberung. Noch 150 Sekunden und das Momentum ist gerade bei ZeeBees Mädels. Ein letzter Personalwechsel für die crunch time, ZeeBee sagt den Wechsel an.

    Zeitsprung zurück. Co-Trainerinnen Amina und Charlotte verkünden, dass sie Beide zeitgleich selber spielen. Allein auf der Bank birgt immer gewisse Risiken. ZeeBee überlegt, eine handballerfahrene Mutter mit auf die Bank zu setzen. Eine Oberligaspielerin der C I fragt vor dem Spiel, ob sie mit auf die Bank dürfe. "Du passt mir auf, dass die Mädels richtig wechseln!" ZeeBee kennt seine Pappenheimer und steht immer auf der Abwehrseite neben der Bank fern der Wechselzone. Ohne erfahrene Betreuerin ein Vabanquespiel.

    Sonnenschein Anni steht auf, die Auswechselspielerin eilt Richtung Bank, urplötzliich vergeeht diee Zeeiit immmeer laangsaaameer innn ZeeeBeeees Waaahrneeehmuuuuuuuuuuuung. Die folgende Szene erlebt ZeeBee in der kommenden Woche noch hundert Male wieder und wieder, gefangen in seiner Höllenvision. Die Auswechselspielerin ist noch zwei Schritte von der Bank entfernt, Anni läuft strahlend auf das Spielfeld, ZeeBee schreit in Gedanken "NNNNNEEEEEEEEEEEEEIIIIIIIIIIIIIIIIIINNNNNN!", blickt nach links, wo wenige Schritte entfernt der Feldschiedsrichter in Richtung seiner Position läuft und in Banknähe alles mitbekommen hat. ZeeBees Puls erreicht rekordverdächtige Höhen, die Weichbodenmatte hinter der Torauslinie muss dafür herhalten, dass ZeeBee doch keine handballerfahrene Mutter mit auf die Bank gesetzt hat. Zeitstrafe, Wiederanpfiff an der Bank, Tore 16 und 17 von Dilayla, Nelli erzielt in Unterzahl den Anschlusstreffer und etwa zehn Sekunden vor Schluss hat Torhüterin Ronja noch mal den Ball. Zehn Sekunden für den Ausgleich! ZeeBees Puls ist inzwischen so hoch, dass die Nervenbahnen in Mitleidenschaft gezogen sind und das Team Time Out nicht im Entferntesten in den Sinn kommt. Stattdessen fordert ZeeBee Tempo, Torhüterin Ronja checkt die Lage, sondiert die Möglichkeiten, holt aus... und prügelt die Kugel ins Niemandsland der gegnerischen Hälfte. 8o Whatever… ZeeBee eilt zur niedergeschlagenen Anni. :sorry:


    Dein
    Karsten

    Was ist der methodisch nächste Schritt vom Leichten zum Schweren? Zweikampf aus der Positionsspielsituation heraus oder gegen prellende Ballführerin? Da beim Prellen zusätzliche Aufmerksamkeit auf die Ballkontrolle verwendet wird und der Ball ständig in Gefahr ist, dürfte hier der Schwierigkeitsgrad für den Angriff höher und für die Abwehr niedriger sein.

    2.) Angreiferin prellt
    - rückwärts
    Wir starten einfach, s.o., Körperkontakt an beide Schultern, raustanzen und auf eine „Öffnung“, eine Chance auf den Ballgewinn lauern. Dann mit einer Hand lösen und um die Gegnerin herum/an ihr vorbei den Ball angreifen. Hier kann auch ein wenig mit dem Gleichgewicht der Angreiferin gespielt werden. Druck, Gegendruck, Loslassen, Gleichgewichtsproblem, Ball weg. Kommt der Buckel: "Hoch/tief!"

    Bei der rückwärts angreifenden Ballführerin liegt die Priorität aber beim Rausschieben! Die Angreiferin will ja gar nichts wirklich rückwärts Richtung Tor, sondern führt Böses im Schilde. Wenn die Abwehrspielerin passiv bleibt, wird die überraschende Drehung kommen.

    - vorwärts
    Angreiferin soll prellend den Durchbruch schaffen. Hier unterscheide ich das Abwehrziel nach E- und D-Jugend. E-Jugendliche können eher direkt den Ball angreifen, da die Gegenspielerin noch nicht so ballsicher ist. Dasselbe gilt natürlich bei Anfängerinnen in der D. Ansonsten muss erst die Gegenspielerin verlangsamt und verunsichert werden, erst dann kümmere ich mich um den Ball. Die ballferne Hand wenn möglich zur Prellschulter, Druck ausüben und mit der anderen Hand den Ball angreifen. Schirmt die Angreiferin den Ball mit ihrem Köper ab, Kontakt zur Nichtprellschulter aufnehmen und Druck aufbauen. Droht der Durchbruch ohne Chance auf Ballgewinn, mit der zweiten Hand auf den angelegen Oberarm oder Ellenbogen, Ballführerin seitlich in eine schlechtere Wurfposition/zur Nachbarin rausschieben.

    3.) Angreiferin mit max. einmal tippen
    Entweder Pass-/Rückpass mit seitlicher Anspielerin (nicht hinter der Abwehrspielerin!) oder Ball checken mit Abwehrspielerin. Die darf dem Rückpass nicht sofort hinterhersprinten, die Angreiferin soll erst Ballkontrolle haben. Stoppschritt, Körperkontakt, Beinarbeit. Ausrichtung an der Wurfarmseite (Schrägstellung).

    4.) Korrekturen
    Das Training ist natürlich nichts wert, wenn ich nicht ständig korrigiere. Als Anhänger der sokratischen Methode heißt es bei mir im Training dann immer: "Was ist schief gelaufen?"

    - Zögerliche Kontaktaufnahme/keine einsetzende Beinarbeit
    Du hast gezögert! Weg war sie!“ oder „Wenn Du nur gegendrückst und nicht mit ihr tanzt, macht sie sich einen Plan, um an Dir vorbei zu kommen. Beschäftige sie, tanz mit ihr, verhindere den Plan!

    - Angreiferin dreht sich
    Kommt häufig vor. Hält die Abwehrspielerin fest, entsteht ein Würgegriff. Sieht für den Schieri immer doof aus. Kurz loslassen, bei 180° von hinten übernehmen, noch doller schieben. Geht die Drehung weiter, wieder loslassen, von vorn übernehmen.

    - Abwehrspielerin kommt fast zu spät
    Klassische Situation auf Halb später in der 3:2:1 Deckung, die Abwehrspielerin kommt von der Seite. Bei den Zwergen schon die Lösung eintrichtern. Instinktiv läuft die Abwehrspielerin meist in den Laufweg und damit in die Falle. Die Angreiferin stoppt, wechselt die Gegenrichtung zur Laufrichtung der Deckungsspielerin, die läuft dann immer ins Leere. Sprichwörtlich eine große rote Zielscheibe auf die abwehrnahe Schulter der Angreiferin malen und diese als Ziel ausgeben. Nicht in den Laufweg, sondern sofort auf den Körper.

    - Bei seitlicher Anspielerin
    Wir haben Beine und Arme trainiert, nun kommt der Kopf dazu. Schrägstellung zum Ball, den Passweg bedrohen, nicht Gegenspielerin „spiegeln“. „Brust zum Ball!“

    - Abwehrspielerin lässt sich rauslocken/wird überlaufen
    Entweder startet die Abwehrspielerin bereits zu weit vor dem Ziel oder sie lässt sich locken, wenn sich die Angreiferin zurückzieht. Oder sie wird mit/ohne Ball überlaufen. Hier ein Gefühl für den Tiefenraum vermitteln, einmal zum Angriffsziel (Hütchentor, Matte, Torwurfzone), zum anderen zur Gegenspielerin. Je dichter ich am Angriffsziel stehe, desto weniger Zeit habe ich zu reagieren, je weiter weg, desto einfacher werde ich überlaufen. Je dichter ich an der Gegenspielerin stehe, wenn sie den Ball bekommt, desto eher werde ich überlaufen. Immer etwa zwei Armlängen Sicherheitsabstand wahren!

    Wo sich die Spreu vom Weizen trennt, ist die Verteidigung der Gegenspielerin ohne Ball. Abwehrspielerin steht in Querstellung zum Ball mit Beobachtungsaufgabe Ball und Füße der Gegenspielerin. Einerseits den Passweg bedrohen, andererseits sofort den Zweikampf suchen, wenn die Gegenspielern zum Überlaufen ansetzt. Auch die Gegenspielerin ohne Ball darf nicht vorbei, später wird so die Einläuferin angenommen.

    Ganz wichtig in der offensiven Deckungsform: Immer Ball und Gegenspielerin im Blickfeld haben, hin und her gucken reicht nicht aus! Wenn sich die Gegenspielerin aus dem Gesichtsfeld schleicht, droht das Überlaufenwerden. Die Position nach hinten anpassen, so dass wieder beide Beobachtungsaufgaben gleichzeitig erfüllt werden können.

    - Einsatz ausgestreckter Arme
    Die Angreiferin fliegt durch die Luft. Hinausstellung. „Schieben, nicht schubsen!“. Die Arm dürfen bei Kontaktaufnahme ausgestreckt sein, müssen dann aber die Kraft puffern. Und vor allem ist der Zweikampf Sache der Beine, die nun zu arbeiten beginnen, nicht der Arme. 

    - Intensität der Zweikämpfe lässt zu wünschen übrig 

    Die Übungen werden nur halbherzig ausgeführt. Den Mädels klarmachen, dass es unterschiedliche Tänze gibt. Klassisch, lateinamerikanisch... und eben handballangemessen. Auf YouTube Stichworte "Wacken", "Exodus" und "Wall of Death" eingeben, vorführen... und in der Übung dann immer :schrei: "WAAAAALLLLL OF DEAAAAATH!" brüllen, wenn es mal wieder zu luschig wird. :head:

    Ende

    Fortsetzung

    Für das individuelle Abwehrtraining brauche ich ein Angriffsziel, das verteidigt werden muss. Bei mir kommen ausschließlich Turnmatte, Hütchentor oder die Hütchen selbst zur Anwendung. Das Training ordne ich entweder als Rundparcours oder sternförmig an. Beim Parcours durchlaufen die Angreiferinnen kreisförmig den Parcours, müssen die Abwehrspielerinnen überwinden und dann weiter ziehen. Hier dauert ein Zweikampf, wie lange er eben dauert. Prellexzesse unterbinde ich. Bei sternförmiger Anordnung sind die Angreiferinnen in einer Gruppe in der Mitte des Sterns, die Abwehrspielerinnen in gleicher Anzahl außen vor ihren Zielen. Je nach Schwierigkeitsgrad zähle ich von 5, 6 oder 7 runter, die Angreiferinnen starten in ihren Zweikampf, der nach wenigen Sekunden vorbei ist, die Angreiferinnen ziehen sich in die Mitte zurück und rotieren eine Abwehrspielerin weiter. Hier lässt sich eine hohe Belastung erreichen. Und die Abwehrspielerinnen haben es stets mit unterschiedlich schweren Aufgaben zu tun.

    Die Abwehrspielerin hat „leichten“ Bodenkontakt, die Füße berühren nur mit dem Ballen den Boden. Sobald der Ball ins Spiel kommt, nimmt sie Schrittstellung ein, der Wurfarmseite zugewandt. Der Körperkontakt wird aktiv aufgenommen, nach einem Stoppschritt (wie Stemmschritt), kurz vor dem Kontakt. Läuft die Abwehrspielerin blindlings entgegen, läuft sie in die Falle/Täuschung rein. Mit angewinkelten Armen Doppelkontakt Schulter/Schulter (Einführung), später Wurfarmschulter oder Wurfoberarm/Hüfte. Die Kontakte auf gleicher Höhe sind erst einmal einfacher, später kommt die gegengleiche Kontaktaufnahme (Danke für den Begriff Dieter T.!) Schulter/Hüfte, wo ich noch mehr Kraftkontrolle ausüben kann.

    Nach dem Kontakt kommt der wichtigste Teil, bei mir „Tanzen“ genannt. Die Abwehrspielerin übernimmt die Führung (die Rollen sind nun klar verteilt, der "Herr" führt halt) und gibt der Angreiferin die Richtung vor. Es übernehmen die Beine (kleine energische Schritte) und führen (Regelwerk: „kontrollieren und begleiten“) die Gegenspielerin entweder rückwärts oder seitwärts am Angriffsziel vorbei (im Spiel nach außen in eine schlechtere Wurfposition oder ggf. nach innen in die Nachbarin hinein). Die Füße bleiben unter den Händen, keine „Brücke“ schlagen und das Gleichgewicht in die Gegenspielerin hineinverlagern. Bei einer schnellen Drehung ist die Gegnerin weg und die Abwehrspielerin verliert das Gleichgewicht. Irgendwann sind die drei Schritte der Gegnerin verbraucht. (Und hier frage ich mich ernsthaft, wenn „kontrollieren und begleiten“ erlaubt ist: WARUM gibt es dann immer Freiwurf für den Angriff?!)


    Vom Einfachen zum Komplexen, vom Leichten zum Schweren:

    Bei allen Übungen soll die Angreiferin an der Abwehrspielerin vorbei, nicht durch sie durch. Keine Schiebewettkämpfe! Rückwärtsgang finden, einlegen, aus dem Zweikampf lösen, dann wieder Richtung Ziel. Abwehrspielerin soll „tanzen“, die Gegenspielerin rausschieben, nicht klammern, halten, würgen…

    1.) Angreiferin ohne Ball

    - Angreiferin läuft rückwärts auf die Matte/durch das Hütchentor
    Einfachste Aufgabe für die Abwehr. Bei der Kontaktaufnahme sind keine Arme im Weg, das Rausschieben ist einfach. Die Angreiferin will eh lieber vorwärts als rückwärts. Besonderheit: Die Angreiferin macht einen Buckel, geht mit dem Hintern voran. Kommando „Hoch/tief!“. Hände weg von den Schultern auf die Wirbelsäule und eben hoch/tief. Unten mehr drücken als oben, energisch rausschieben. Ganz praxisfern ist das nicht, Wühlerinnen mit dem Rücken zum Tor gibt es durchaus, davon abgesehen kann das gegen KM passieren, wenn Abwehrspielerin ausnahmsweise mal hinter dem Kreis steht.

    - Angreiferin soll eines von zwei Hütchen berühren (zeitlich begrenzt)
    Sehr intensiv, zunächst mit linker oder rechter Hand, später nur mit der Wurfhand. Es drohen schnelle Richtungswechsel, die Abwehrspielerin kann nun auch mal nur ganz kurze Kontakte aufnehmen und sich neu ausrichten. Je dichter die Angreiferin am Ziel ist (sie braucht ja nur den Arm auszustrecken), desto intensiver das „Raustanzen“. Kommt die Angreiferin dem Ziel nahe (später in den Neuner), dann ist „Roter Alarm“ und nun ist Schluss mit lustig! Darf die Angreiferin nur mit dem Wurfarm punkten, konzentriert sich die Abwehrspielerin nun auf die Wurfarmseite. Kleiner methodischer Bruch, denn dies stellt eine Erleichterung dar. Dafür kommt aber eine Beobachtungs-/Konzentrationsaufgabe hinzu.

    - Angreiferin durchläuft Ziel oder erobert Matte
    Noch praxisnäher, der Durchbruch muss verhindert werden. Hat die Abwehrspielerin den Kraftvorteil, geht es für sie vorwärts, anderenfalls schräg seitlich und an Matte/Hütchentor vorbei.


    Fortsetzung folgt

    Nun mal was mehr für das Training, weniger für das Coaching. Ich gucke herzlich wenig Spiele im männlichen Bereich und hoffe wirklich inständig, dass es dort besser läuft. Was ich im weiblichen Bereich, ich beschränke es mal auf die D-Jugend, in der individuellen Abwehr erlebe, ist kaum in Worte zu fassen. Einige Beispiele:

    - Grundprinzip taktisches Foul
    Wir spielen auf einem leistungsorientierten Einladungsturnier in Berlin. Die Teilnehmer sind handverlesen. Der Gastgeber hat ein gutes Standing im weiblichen Jugendbereich. Die Erstvertretung des Gastgebers hat, wie irgendwie jedes Mal, eine bärenstarke Mannschaft. Gewinnt das Turnier souverän. Ich habe schon beim Auftaktspiel des Turniers zwischen D I und D II DAS KOTZEN GEKRIEGT, weil Berlin I ohne Sinn und Verstand geklammert hat. Im Turnier wurden die Verbandsregeln übernommen, erste Halbzeit Manndeckung, zweite Halbzeit war offensive Raumdeckung möglich. Der Unterschied? Der Ort der taktischen Fouls. Die Gastgeber klammerten in der ersten Halbzeit am gegnerischen Neuner, in der zweiten Halbzeit am eigenen Neuner. :wall: Nicht um die erste Welle zu verhindern sondern aus Prinzip. Wir hatten unser letztes Spiel gegen die Mannschaft, haben verdient deutlich verloren. Ich habe quasi UM EINE DISQUALIFIKATION GEBETTELT, weil ich unhöflich aber bestimmt um Progression gebeten habe. Ich bekam meine rote Karte nicht, dafür bekamen wir: Freiwurffreiwurffreiwurffreiwurf.... :kotzen:

    Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich verdamme keine taktischen Fouls und fordere sie im Gegenteil bereits im Training, z.B. in Unterzahlsituationen oder kurz vor dem erfolgreichen Durchbruch im Neuner. Aber das Verhältnis ist bei mir etwa 95:5 im Sinne der regelkonformen ballorientierten Deckung. Nicht andersherum. Und ich versichere, man kann sehr erfolgreich extrem offensiv, ballorientiert und regelkonform verteidigen! Aktuell spielen wir mit einer halben D-Jugend in der C-Jugend Landesliga (zweithöchste Liga unter Oberliga Niedersachsen) recht erfolgreich (übergangsweise, nicht aus Starrsinn) eine Halbfeldmanndeckung. Unsere Abwehrstatistik in der Tabelle ist völlig unauffällig und keineswegs wie "wilde Sau" mit erfolgreichstem Angriff und schlechtester Abwehr.

    - In der Handballprovinz ähnlich
    Den Berliner Mädchen war das "Prinzip taktisches Foul" bereits in Fleisch und Blut übergegangen. In Hannover ist man in der Altersklasse noch nicht so weit. Zwei Trainerinnen unterschiedlicher Vereine durfte ich diese Saison schon fassungslos von der Tribüne bewundern: "Festmachenfestmachenfestmachenfestmachenfestmachenfestmachen!" :pillepalle: Das Interessante daran, die eine Trainerin könnte es zum einen als Schiedsrichterin besser wissen (ich habe keinen Schierischein mehr, würde so einen Unfug aber progressiv bestrafen - nicht nur das Geklammere, auch die Aufforderung zum Foul), zum anderen aus der Praxis. Genau eine Woche vorher hatte sie auf einem Turnier mit ihrer Mannschaft 0:17 gegen meine Mädchen verloren. Und wir haben ohne eine einzige Ansage "Festmachen!" nicht nur ganz anständig gedeckt, ich kann mich auch an keine gelben Karten geschweige denn Zeitstrafen erinnern. Die andere Trainerin hat dieselbe Erfahrung in der Punktspielrunde noch vor sich...

    - In der Leistungsförderung
    Freitagabend, Auswahltraining älterer D-Jugend Jahrgang, Trainingsinhalt individuelle Abwehr. 8o Die beiden Auswahltrainer betreiben keine Talentförderung, sie geben Nachhilfeunterricht. Die Elite Hannovers bekommt Förderunterricht in Basics. Die Mädchen von 80% der Vereine gucken wie Autos, wenn man ihnen Abwehr erklärt. Da wird teils mit schräg nach unten zeigenden Armen verteidigt, in den Zweikampf gegangen. Nicht nur symbolisch erinnert das an das "Peace Zeichen". Da kleben die Schuhsohlen am Hallenboden, wo ich im Training mit Anfängerinnen höflich frage: "Bist Du ein Baum? Möchtest Du mal ein Baum werden?" Orientierung am Wurfarm? Kontakt gegen beide Schultern oder Schulter/Hüfte? Eine einsame Träne läuft mir die Wange herunter.

    Genug gemeckert.

    Wie führe ich in das individuelle Abwehrtraining ein?
    Der Anfang ist gar nicht so schwer. Wir Juristen wissen nicht alles, aber wir wissen, wo wir nachschlagen müssen.

    IHF Regel 8:1 b)
    Es ist erlaubt, mit angewinkelten Armen Körperkontakt zum Gegenspieler aufzunehmen, ihn auf diese Weise zu kontrollieren und zu begleiten. 

    Das sind so viele wichtige und nützliche Informationen in einem Satz.

    - "Körperkontakt mit angewinkelten Armen"
    Arme schräg nach unten und den Weg versperren, was zum Scheitern verurteilt ist, muss also gar nicht sein. Ich darf den Gegner auch anfassen. Schubsen mit ausgestreckten Armen geht nicht und wo zum Teufel steht dieses Festmachen/Klammern, das die Trotteltrainer ständig fordern?

    - "kontrollieren"
    Hier wird es richtig spannend. "Kontrollieren" bedeutet auch, Druck ausüben und vor allem, meinen Willen/meine Richtung aufzwingen. (Ich nenne es im Abwehrtraining "tanzen", bzw. "führen". Die Abwehrspielerin ist der Herr und "führt".)

    - "begleiten"
    Jegliche Betätigung als Baum scheidet aus. Sogar die Regeln verlangen Beinarbeit.

    Fortsetzung folgt

    Und wo wir gerade bei Sondersituationen sind.

    Wie geht in E und D-Jugend Überzahlangriff?
    In Niedersachsen, möglicherweise aber bundesweit, gibt es jedenfalls keine regeltechnische Überzahl unterhalb der C-Jugend. Bei Hinausstellungen darf aufgefüllt werden. Sie kann theoretisch nur dann entstehen, wenn der Gegner trotz Personalmangels dennoch antritt und von Beginn an eine Spielerin fehlt oder sich in der Mannschaft ohne Auswechselspielerin wer im Laufe des Spiels verletzt bzw. in dieser Situation eine Hinausstellung kassiert. Viele Trainer tun sich schwer, wenn der Gegner nun - ausnahmsweise erlaubt - defensiv deckt. Wie spiele ich diese Überzahl aus?

    Weiß ich nicht. Ist in dreißig Jahren noch nie vorgekommen, wird auch nie vorkommen. Wenn ich bei einem Kinderspiel die Personallage des Gegners ausnutze, verliere ich immer - auf die eine oder andere Weise.

    Liebes Handballtagebuch!

    Die Saison hat tatsächlich begonnen. ZeeBee hat bis zum letzten Augenblick noch fest an eine Verschiebung oder Absage geglaubt. In der D-Jugend ist der Kader 10 Mädchen stark, fast alle bevölkern die Regionsauswahl. Da das etwas knapp ist, sind noch die E-Jugendlichen Neele und Frida als Teilzeitkräfte mit an Bord. Der ältere D-Jgd. Jahrgang spielt zusätzlich in der zweiten C-Jugend, die in der zweihöchsten Liga, der Landesliga, unterwegs sind. Damit sie dort nicht so einsam sind, verstärkt sie der komplette '08er Jahrgang mit 4 Mädchen und Gastspielerin mit Zweifachspielrecht Jahrgang '07 Isabelle. Ein gesondertes C II Training gibt es nicht, die C-Jugend "trainiert" in den Punktspielen gemeinsam und stellt sich den Aufgaben, die die C-Jugend mit sich bringt, in der Praxis. ZeeBee mag die unkonventionellen Methoden.

    Den Auftakt zur C-Jugend Saison bestreiten die Mädels zu Hause gegen einen der schwächeren Gegner. Etwas überraschend deutlich gewinnt die junge Mannschaft mit 34:20. Sodann geht es in Peine weiter bei Handballeckenmitglied Luuutz. ZeeBee und Lutz sind seit siebzehn Jahren eng befreundet. Bekloppte ziehen sich an. Das Spiel ist das allererste Pflichtspiel der Trainer gegeneinander, bis dahin gab es aufgrund der Beheimatung in verschiedenen Handballregionen ausschließlich Turnier- oder Freundschaftsspiele... DIE JEDES EINZELNE MAL AN LUTZ GINGEN! :wall: Schluss mit lustig! ZeeBee hat wahrscheinlich Niedersachsens zweitjüngste Mannschaft in der C auf Verbandsebene, Lutz geht noch eine Nummer weiter und spielt mit überhaupt nur zwei C-Jugendlichen, die einzigen in seinem Phönix-aus-der-Asche-Projekt. Leichte körperliche Vorteile für Hannover, die Statistik spricht dagegen ganz klar für Peine. Das Spiel verdient einen Roman statt eines Tagebucheintrags. Im Nachhinein kann sich ZeeBee den 17:18 Erfolg nur wie folgt erklären: Guardiola vs. Klopp im Kleinformat.

    Die erste Halbzeit verläuft in höchst seltsamen Bahnen. Bei der Auswahl des Balls verirrt sich irgendwie eine auf das Maximum aufgepumpte Kanonenkugel auf das Spielfeld. Jegliche Assoziationen mit Tom Brady verbieten sich. Der hatte ja Luft abgelassen... Die Mädels kommen mit dem Ball überhaupt nicht klar und in den Köpfen herrschen Chaos, Wut, Unzufriedenheit, die üblichen Hormone... die gesamte Schattenseite der Pubertät komprimiert auf 25 Minuten. Ein Rückstand von 8:6 (!) zur Halbzeit - es wurde kein Fußball gespielt! In der Kabine ein großes mentales Lazarett. Aua hier, Wehwehchen da, letztlich unter dem Strich bei allen aua in der Psyche. ZeeBee schließt die Augen, eine seltsame Energie durchströmt ihn, wirre Zahlenreihen aus Einsen und Nullen fließen von der Decke, ZeeBee versteht alles... Neo äh... ZeeBee verwandelt sich in einen Frauenversteher. 8o "Was macht Deine Hand? Deine Mutter meint, sie wolle Dich tapen. Du haust gleich ab zu ihr auf die Tribüne. Ich brauche Dich! Was macht Deine Wade? Wir schaffen das nicht ohne Dich! Auch die Gegner müssen mit dem Ball klar kommen. Schlagt Euch den Ball aus dem Kopf!" Und so weiter... kein Wort zur Technik und Taktik, ausschließlich Streicheleinheiten.

    Kapitän Jona geht heulend Richtung Anwurf. ZeeBee fängt sie ab. Sie hatte am meisten mit dem Schweineball zu kämpfen und ist wütend mit sich, der Welt, dem Universum und dem Ellenbogen, der sie vor der Halbzeit im Eifer des Gefechts erwischt hat. "Alles in Ordnung? Möchtest Du kurz raus? Ich kann Dich nicht lange draußen lassen, ich brauche Dich!" Die Tränen fließen weiter, Jona möchte spielen, beißt die Zähne zusammen... und schmeißt gleich erst mal zwei Tore zum 8:8 Ausgleich. :cool: Hinten steigert sich 1,80m Elfe Ronja und bringt den Gegner zur Verzweiflung, vorne dreht die eigentlich schon "aussortierte" Aimi auf. Zu Beginn der D-Jugend Hannovers größtes Talent ihres Jahrgangs in einem anderen Verein, dann zwei Jahre Stillstand und der Wechsel zu ZeeBee, in der Oberligamannschaft ohne Chance, aber mit diesem Funken in den Augen. ZeeBee gibt ihr einen kleinen Schubser und sie ist im Kader der Oberliga, nur eben noch nicht festgespielt. Nun pflügt sie durch die Abwehr und sorgt mit 6 ihrer insgesamt 6 Toren in Hälfte zwei für den Endstand. Eine Woche später in der Kabine. Vom Kistentor 30 waren die Mädels zwar weit entfernt, aber es gibt dennoch eine Kiste Bionade: "Die ist von mir. Verdient hättet Ihr Euch eine Kiste Champagner. Wer wird als Letztes von Euch 16? Emma? Erinnert mich dann daran!" :smokin:

    Das nächste Spiel ist wieder auswärts, weite Anfahrt, gegen Sonntagmittag. Grönegau/Melle, die Halle liegt in Melle-Neuenkirchen. Hannoversche Mannschaften spielen in der Landesliga üblicherweise nicht in die Himmelsrichtung raus, ZeeBee befragt die Landkarte. Aha... da in der Ecke wohnt doch...! Kurzer Kontakt an den Kollegen und Handballeckenurgestein Lothar Frohwein, alias Helge, und wir haben eine Verabredung zum Bundesligaspiel TuS N Lübbecke gegen Flensburg. Ein perfekter Abend in der Dorfgaststätte, in der Sporthalle, in der Dorfgaststätte und zwischen etwa 3.000 Handbällen im Gästebett. Wer als Kind das Bällebad bei Ikea toll fand, die Männerversion kann stundenweise gemietet werden! :lol:

    Um 11:00 findet Helge, dass ZeeBee allmählich das Bällebad verlassen sollte, denn um 11:45 ist schließlich Treffen mit den Mädels vor der Halle. Mist, tschüss Bällebad! Fast pünktlich setzt Helge ZeeBee vor der Halle ab, möchte aber nicht bleiben, weiß ein anständiges Mädchenhandballspiel nicht zu schätzen. Und verpasst ein... denkwürdiges Spiel. Grönegau/Melle durfte frei in die Landesliga melden und bestand in Ermangelung einer Quali die "Sichtkontrolle" durch die Spielleitung. Die vorangegangenen Generation hatte sich seine Meriten verdient, also durfte der Verein wieder auf Landesebene ran. Hatte aber das erste Spiel gegen Peine 11:38 verloren, die Schattenseite der ausgelassenen Quali. ZeeBee rechnet seine Milchmädchenrechnung durch: Auf Augenhöhe mit Peine, wir spielen noch wesentlich offensiver, klauen noch mehr Bälle... oh Scheiße! Bereits am Vortag hatte ZeeBee sein neustes Trainertrainerprojekt gestartet und Co-Trainerin Charlotte im D-Jugend Spiel auf der Bank allein gelassen. Der Trainernachwuchs hauptverantwortlich auf der Bank, allerdings über Headset mit dem Cheftrainer auf der Tribüne verbunden. Ein Traum für den nicht loslassenkönnenden Trainer.

    ZeeBee verkabelt Amina, setzt sich gegenüber auf die Tribüne und sieht sich das Drama an. 0:1, 0:2, 0:3, 0:4... 0:13. Die Heimmannschaft weiß keine Antwort auf die Hannoveraner Deckung auf 15m. Und keine Antwort auf den hochmotivierten Angriff. ZeeBee denkt kurz über "Fairness-Maßnahmen" nach und verwirft den Gedanken. Hey... sie wollten auf Landesebene spielen. Und wir sind eine halbe D-Jugend. Gastspielerin Isabelle blüht in den Spiel auf. Sonst in der Kreisklasse in der Handballprovinz beheimatet, dort etwas unterfordert, klaut sie einen Ball nach dem Anderen auf der Spitze und wirft sich den Handballfrust von der Seele. Sekunden vor Ende der ersten Halbzeit bahnt sich ein kleines Unglück an, ZeeBee erkennt es viel zu spät und kann nicht mehr eingreifen. Emma läuft die erste Welle, wirft unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff... trifft nicht. 6:29 zur Halbzeit, das Kistentor in der ersten Halbzeit darf einfach nicht sein! ZeeBee gibt an seine Co-Trainerin die neue Zahl "50" weiter (man muss ja noch Ziele haben) und lässt sie die Halbzeitbesprechung machen. (Nein, Kistentor bei 50 ist weder unmoralisch, unfair noch verwerflich. "60" und damit der Ansporn zur Verdopplung wäre Schweinkram gewesen. :D ) Amina vergisst es, die neue Zahl weiterzugeben und ZeeBee überrascht Aimi nach dem Spiel mit der frohen Kunde. Endstand 13:51 und die Eltern der Gastgeber haben nicht einmal einen tauglichen Sündenbock. Die hübsche unaufgeregte und stille Zwanzigjährige auf der Bank taugt nicht als Hassobjekt. Grönegau hat das Pech als erste beiden Gegner Luuutz und ZeeBee mit den beiden jüngsten Mannschaften zu ziehen, die sicher etwas ballorientierter decken als alle anderen Mannschaften. Und zieht die Konsequenz aus der absehbar verkorksten Saison und zieht die Mannschaft zurück. Daran hätte auch ein moderateres Ergebnis nichts geändert, bzw. wir haben den Entscheidungsprozess nur beschleunigt.


    Dein

    Karsten

    Oh wie schön, hier kann ich auch mal kurze Beiträge schreiben. So... wie spiele ich denn Überzahldeckung, Herr Klugscheißer?

    Überzahldeckung bis einschließlich C-Jugend
    (Sicher auch darüber hinaus, aber da ist die mentale Umstellung größer.) Gerade gestern in der wC Kreisklasse von der Tribüne aus wieder beobachtet, nur dass es auf dem Niveau null Konsequenzen hatte. Die Heimmannschaft erhält eine Zeitstrafe, die Gastmannschaft ist in Überzahl und eine Abwehrspielerin hat weder Gegenspielerin noch Aufgabe, außer eben auf ihrer Position rumzustehen. Die schaute zwar dumm aus der Wäsche, richtete aber in ihrer passiven, verschiebenden 1:5 Deckung keinerlei Schaden an.

    Der taktisch etwas besser gerüstete Gegner behält den Kreis bei, um HM zu beschäftigen, und greift die Deckung über die Spielerin an, die gerade keine Aufgabe hat. Die Dame weiß ja nur aufgrund ihrer eigenen Beobachtung (meine Gegenspielerin ist weg), dass sie keine Aufgabe hat. Was sie konkret zu tun hat, hat ihr niemand gesagt. Greifen die Ballführerinnen nun vermehrt die Lücke der arbeitslosen Dame an, entstehen Zweifel der Zuständigkeit. Die Nachbarin verlässt sich auf die Arbeitslose, die wiederum hat sich damit abgefunden, kurzfristig beschäftigungslos zu sein, plötzlich haben schon zwei Abwehrspielerinnen Zweifel... 2 Minuten der Freude für den Angriff.

    3:2 Angriff: Zieht der Gegner die Kreisläuferin bei Unterzahl ab, ist die Lösung einfach. Eine Spielerin funktioniere ich zum Libero um. "Du bleibst auf Ballhöhe, "spiegelst" den Ball und spielst Feuerwehr. Überall, wo es brennt, bist Du zur Stelle." Der Rest kann gerne in der offensiven Raumdeckungsformation bleiben, aber warum sich den Spaß der Manndeckung hier vorenthalten? Noch einfacher in der 3:2:1, denn es ändert sich prinzipiell... nichts. Die Halben und VM können ggf. etwas mutiger die Passwege bedrohen.

    2:3 Angriff: Der Gegner gibt RM auf. In der Regelbewegung der 3:2:1 Deckung ändert sich... Ihr wisst schon. VM kann verschieben, muss nicht gegen Harvey raustreten, könnte aber den Pass zwischen RL/RR erschweren. Aber warum nun nicht auf Spaßhandball (Manndeckung) umstellen? Bei 1:5 oder Manndeckung kann ich den Libero beibehalten, der dann das Hindernis KM/HM jedes Mal umlaufen müsste. Machbar. Oder zwei zurückgezogene Spieler wechseln sich ab mit Manndeckung KM/Libero und klatschen quasi am Kreis ab. Nur muss dann der Manndecker jedes mal die zwei Schritte um den KM rum, um den Laufweg Richtung Ball zu verstellen.

    3:2 Angriff ohne LA oder RA: Würde ich wie oben beim 2:3 Angriff lösen. Der Halbe mit der großen Lücke nach Außen muss dann dort alles geben und RL oder RR bei Durchbruchversuch über außen nach weit außen rausschieben.

    Und demnächst in diesem Kino: Spaßhandball trotz Unterzahlabwehr - zu fünft und die offensive Deckung trotzdem beibehalten. Muss ich nur erst noch in der Praxis erproben. :lol:

    Parallel zum Tagebuch (ja, wird noch fortgeführt) öffne ich mal den Thread für Trainerfüchse, die ihren Erfahrungsschatz mit uns teilen möchten. Mit über dreißig Jahren Erfahrung im Kinderhandball findet sich sicher das ein oder andere Thema, das ich mal anschneiden kann. Und ich hoffe, ich finde Nachahmer.

    Was tun, wenn der Gegner hoffnungslos unterlegen ist?
    Natürlich kenne ich beide Perspektiven. Mein erstes Spiel als Mädchentrainer in der C-Jugend ging 0:22 aus. In der D-Jugend habe ich aber auch schon 40:1 gewonnen (und mir alle Mühe gegeben, das Ergebnis moderat zu halten, s.u.). In der C-Jugend gab es in der Quali zur höchsten Liga auch mal ein 62:12. Da gab es mal keine Nachsicht. Die wollten mit den großen Fischen schwimmen, sie durften mal mit den großen Fischen schwimmen. Es gibt unterschiedliche Herangehensweisen. Torrekord anstreben, "ganz normal" spielen, freiwillige Unterzahl, taktische Selbstbeschränkungen aus Mitleid, taktische Selbstbeschränkung aus sportlichen Motiven.

    Die mit Abstand traurigste Variante habe ich mehrfach auf Verliererseite erlebt. Der Gegner führt haushoch, die Starspielerin (gerne mal die Trainertochter) spielt durch und darf bomben, bis der Arzt kommt, die Anfängerinnen bekommen nur moderate Spielzeit. Will mir bis heute nicht in den Kopf, was sich ein Trainer dabei denkt. Zum 40:1 oben. Nach etwa fünf Minuten nehme ich eine Feldspielerin vom Feld und spiele 5:6. Nach ein paar weiteren Angriffen spielen wir 4:6. Die Hälfte der ersten und die gesamte zweite Halbzeit spielen wir durchgängig 3:6 (wir konnten frei melden und hatten in der höchsten Liga gemeldet). Eine Zeitlang habe ich diese Variante propagiert, weil ich sie für einzig richtig hielt. "Ja... Du hast Recht. Wenn wir hoch führen, nehme ich nun auch einen Spieler vom Platz." "Du hast nichts verstanden!"

    Ich habe auch schon von der Tribüne einmal ein freiwilliges 3:6 einer männlichen D sehen dürfen. Die drei Feldspieler mussten richtig arbeiten, der Trainer hatte so aus dem Spiel noch einen Nährwert geholt. Weil der Gegner schwach aber keine Anfängermannschaft war. Wir dagegen erlebten folgenden Effekt. Unsere Abwehr hatte nun riesige Lücken, der Gegner kam immer häufiger zum Torwürfchen, meine Torhüterin fing und wir erhöhten mit jeder Feldspielerin weniger unsere Gegenstoßfrequenz. Als nächstes Prellverbot. Torhüterin hält, spielt den Gegenstoßpass in die Mitte, Lotti macht 3 Schritte, will prellen, erinnert sich an das Verbot, springt ab, wirft aus 18m auf das Tor... trifft. Manche Schlachten kannst Du einfach nicht gewinnen. Das 40:1 wäre bei 6:6 nie zustande gekommen, denn so häufig, wie die unfreiwilligen Pässe auf unser Tor kamen, hätten wir gar nicht den Ball klauen können. Seither habe ich nie wieder freiwillig in Unterzahl gespielt, zumal viele Trainer einer Überzahldeckung keine Zuordnung geben (können) und man ihnen einen Bärendienst erweist. Hinzu kommen die albernen Arroganzvorwürfe. Aus sportlichen Gesichtspunkten vielleicht noch mal ja, niemals aber aus "Fairness". (Allerdings habe ich den Verdacht, dass mir die Verbände in ihrem Regulierungswahn längst in irgendwelchen Richtlinien eine freiwillige Unterzahl verboten haben, da ich so das Gebot der offensiven Deckung umgehen könnte.)

    Taktische Aufgaben verteilen, um den Spielfluss zu drosseln und den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen. Meinetwegen. Endet aber schnell in der Veralberung des Gegners. Wir hatten jüngst mit der wD wieder das Dilemma, nach der großen Zwangspause hatte sich ein Gegner in die höchste Liga verirrt. Das Kistentor liegt bei uns bei 30, ich habe eine weitere Kiste (Bionade) ausgelobt, wenn alle Feldspielerinnen in beiden Halbzeiten je ein Tor werfen. Mit zwei E-Jugendlichen an Bord der D-Jugend ist das schon mal eine Aufgabe. Das Spiel endete moderat 29:12, die Challenge hielt die Mädels bei Laune (knapp verloren) und der Gegner wurde weder verkaspert noch gedemütigt.

    Moin!

    Ich berichte von meinem letzten Streich. In weiblicher D und C habe ich zwei Co-Trainerinnen Jahrgang '00, eine davon bereits mit C-Lizenz. Beide haben hauptverantwortlich noch keine Mannschaft betreut, das versuche ich noch ein wenig hinauszuzögern, bis sie die Reife dazu erlangt haben. Nach und nach bekommen sie mehr Verantwortung auf der Bank. Beim Beachhandball oder Turnieren hatten sie auch schon das Coaching übernommen. Wenn allerdings der olle Zausel mit auf der Bank sitzt (immerhin dann wirklich sitzend), dann kann ich mich zwar eine Weile auf das Heranholen und Erklären beschränken, irgendwann rufe ich dann doch dazwischen. Nicht eben optimal den Trainernachwuchs so reifen zu lassen, wenn der Chefcoach nicht loslassen oder die Klappe halten kann.

    Ein Zufall hat uns auf das nächste Level gehoben. Mein neuer Nachbar pfeift international American Football, verfügt über ein altes, nicht mehr genutztes Headset... und ZeeBee kann sich endlich beruhigt auf die Tribüne setzen. Ich habe meinen Co-Trainerinnen nun das Coaching der D-Jugend diese Saison komplett überlassen, ich störe nicht mehr auf der Bank und falls was nicht rund läuft, flüstere ich das ins Ohr. Wir haben das bislang dreimal ausprobiert... getestet und für gut befunden! Die andere Perspektive von der Tribüne ist ohnehin ein taktischer Vorteil, ich bin nicht abgelenkt durch Gequengel auf der Bank, deutlich weniger emotional eingebunden und kann ganz in Ruhe die Trainerin coachen.

    Wer mal Trainertrainer spielen möchte aber Probleme hat, die Zügel aus der Hand zu geben... ich hätte da eine Idee. Die Funkverbindung könnte bei uns Schule machen, die 3. Liga Damen hat sich erkundigt und überlegt, ob der Torwarttrainer auf der Tribüne nicht per Funk mit der Bank verbunden wird. Aber zuerst hat es die weibliche D vorgemacht. :lol:

    Zitat

    wenn schon mit dem prellen begonnen wird, dies erst wieder zu beenden wenn man eine Anspielstation hat oder wirklich Druck auf das Tor ausüben kann.

    The end of prelling - danke für den Perspektivwechsel und willkommen unter den Aktiven in der Handballecke, SüTig! Zum Thema Egoismus: "Sei so egoistisch, dass Du immer das Tor werfen möchtest und so schlau, dass Du erkennst, wenn Dein Mitspieler besser steht!"

    Dann starte ich mal mit der Zusammenfassung:

    Prellen

    1.) Wenn Du freie Bahn zum Tor hast oder nur eine Gegenspielerin umprellen musst, dann prelle zum Tor für den Torwurf.
    2.) Wenn Du 10, 20 m Raumgewinn nach vorne machen kannst und vorne niemand in Wurfposition freisteht, dann prelle in Höchstgeschwindigkeit.
    3.) Wenn Du keine Anspielstation findest, dann prelle in den freien Raum.
    4.) Im eins-gegen-eins: Nutze erst Deine drei Schritte torgefährlich / für den Durchbruch aus, bevor Du tippst/prellst.
    5.) Hör erst auf zu prellen, wenn Du torgefährlich bist oder eine Anspielstation hast.

    Tippen

    Wenn Du am Gegner vorbei /fast vorbei und noch nicht im Neuner bist, dann darfst Du tippen.

    Allmählich wird das was hier. Weiter!

    Zitat

    Bei deinem Punkt 2 sehe ich es lieber, das Spielfeld wird mittels Doppelpässen überbrückt als dass jemand vom eigenen 6er zum gegnerischen durchprellt


    Einerseits altersklassenabhängig. Je jünger, desto größer die Fehlerquellen beim Ballvortrag zu zweit. Daher lasse ich in der D noch den Prellgegenstoß zu. Andererseits lässt sich die Deckung beim Prellen besser Richtung Ball locken. Von daher habe ich auch bei Älteren nichts dagegen, solange sie ihre Beobachtungsaufgaben erfüllen.

    Zitat

    Zu deinem Punkt 3 möchte ich gerne, dass sich mittels Lauftäuschung vom Gegner freigelaufen wird und man so anspielbar wird.


    Das ist aber eine Anweisung an die Mitspieler, nicht den Ballführer. Ich bin beim Thema Prellen.

    Zitat

    Hier ist ein Prellen insbesondere beim Überleger wichtig oder wenn es darum geht, den letzten Raum zum 6m zu überbrücken.


    Daraus lässt sich eine griffige Regel für das Tippen bauen.

    Zitat

    Ansonsten arbeite ich eher daraufhin, dass zunächst die 3 Schritte genutzt werden, bevor ins Prellen gegangen wird.


    Ist wirklich die Pest, wir häufig bei den Jüngeren mit dem ersten Schritt schon getippt wird. Auch das lässt sich zu einer Regel für das Prellen nutzen, vielleicht eher noch für das Tippen.

    Noch mehr Trainer anwesend?

    Moin!

    Ich habe im Laufe der Jahre für die Zwerge drei goldene Prellregeln aufgestellt, die ich ggf. mal ergänzen müsste. Generell wird mir zu viel getippt, von einem Prellverbot allerdings halte ich überhaupt nichts. Meinen Mädels gebe ich mit:

    1.)
    Wenn Du freie Bahn zum Tor hast oder nur eine Gegenspielerin umprellen musst, dann prelle zum Tor für den Torwurf.

    2.)
    Wenn Du 10, 20 m Raumgewinn nach vorne machen kannst und vorne niemand in Wurfposition freisteht, dann prelle in Höchstgeschwindigkeit.

    3.)
    Wenn Du keine Anspielstation findest, dann prelle in den freien Raum.

    Taktischer Handwechsel, Blick nach oben gerichtet versteht sich von selbst. Natürlich gibt es noch weitere schlaue Situationen für das Prellen. Nur habe ich dafür noch keine griffigen Regeln entwickelt. Was gebt ihr den Kindern an die Hand?

    Und wieder einmal hochgeholt.

    Wer keine Hallennot kennt und mehrmals die Woche eine ganze Halle für eine Mannschaft zur Verfügung hat, braucht nicht weiter zu lesen. Im Winterhalbjahr habe ich häufig ein oder zweimal die Woche lediglich 75 Minuten Hallenzeit mit halber Halle. Um auf 90 Minuten D-Jugend Training zu kommen, habe ich regelmäßig die Damen eine Viertelstunde früher beginnen lassen und wir haben das Aufwärmprogramm in den Gang verlegt. Laufen, passen... stumpfes Überbrücken bis wir endlich die Halle hatten. Bis mir irgendwann der Gedanke kam, die Zeit nicht doch sinnvoller zu nutzen.

    Zum üblichen Passkontinuum mit zwei gegenüberstehenden Gruppen im Pendelverkehr mit Nachlaufen kommt eine Abwehrspielerin dazu, die sich stets zur Passrichtung drehen muss. Priorität Nummer eins: KEINE ABWEHRAKTION, BEI DER DIE ANGREIFERIN AN DER WAND LANDET! Wenn das geklärt ist, lässt sich bei hoher Wiederholungszahl ein anständiges Technikererwerbstraining durchziehen. Pass, Rückpass in die Vorwärtsbewegung

    a) Körpertäuschung mit Durchbruch zur Hand
    b)… mit Durchbruch gegen die Hand
    c) zur Hand mit Kreuzschritt auf zwei und Pass auf drei über das richtige Bein
    d) Wackler aus dem Nullschritt mit Durchbruch zur/gegen die Hand

    Abwehr agiert zunächst treudoof. Später wechselweise zu langsam (dann Durchbruch) oder "wie geplant", dann Täuschung durchziehen. Zum Schluss "richtig", mit der Einschränkung, dass kein Zweikampf in der Wand endet.

    Korrekturen:

    - deutliche Täuschbewegung zur Einleitung, Abwehrspielerin muss den Schritt mitmachen, sonst sofortiger explosiver Durchbruch

    - Rhythmus, also erst die Täuschung einwirken lassen, den Fehlschritt abwarten UND DANN EXPLOSIV ZUR ANDEREN SEITE (Richtungswechsel IMMER mit Tempowechsel). Ich unterstütze die Aktion zur Hilfe akkustisch: "links [Pause] RECHTS LINKS" und untermale die Worte mit Klatschen (irgendwann mal vom "Balljäger" gelernt) - das wird auch gerne mal bis zum Erbrechen wiederholt, wenn die Spielerin sich beharrlich weigert, auf die Täuschung die Pause folgen zu lassen, sondern sofort den Richtungswechsel einleitet.

    - bei Aktionen mit Durchbruch gegen die Hand den Ball sichern/verstecken; hinter dem Rücken führen, explosive Halbkreisbewegung um die Gegnerin, Handwechsel

    - Durchbruch in die Tiefe, also mit deutlichem Raumgewinn nach vorne, um wirklich zu entkommen. Vielfach wird sich damit begnügt, die Abwehrspielerin neben sich stehen gelassen zu haben

    Zweimal die Woche, das Winterhalbjahr durch... das Notprogramm schafft eins-gegen-eins Monster.

    Mahlzeit!
    Es wird dringend mal wieder Zeit für eine HE-Whiskytreffen!

    Wo: Einstein, Osterende 131-135, 25813 Husum
    Wer: die Mitglieder der HE-Whiskytreffen I+II, die üblichen Verdächtigen, alle anderen
    Warum: Whisky, Handball, Whisky, gutes Essen, Whisky, nette Leute, Whisky, smalltalk, Whisky, Fachgespräche, Whisky, Pöbeln, Whisky, noch Fragen?


    Wann: Das Praktische ist, Albert ist jetzt gerade in den Betriebsferien bis nächste Woche. Ich rechne also fest mit ihm im August. Vorschläge: Samstag, 07. August, 14. August oder 21. August?

    Wer hat Interesse? Passen die Terminsvorschläge?

    Liebes Handballtagebuch!

    Handball is back! :head: Nun auch in vollen Zügen. Zunächst hatte ZeeBee im Graubereich von Coronaverordnung und Infektionsschutzgesetz in Paaren auf der grünen Wiese trainieren lassen. Dann in Fünfergruppen. Zeitweilig war Training tatsächlich nur mit juristischer Beratung oder in Personalunion Trainer/Jurist möglich. So amateurhaft unsystematisch, wie die niedersächsische Coranaverordnung gestrickt war, brauchte man zusätzlich auch noch eine Astrologin und einen Schamanen. Nur um sicher zu gehen. Nun trainieren die Mädels in der geliebten Sandkiste. Alle Mädchen sind aus der Zwangspause zurückgekehrt, zwei weitere Talente sind zugelaufen und drei Granaten konnte ZeeBee in der Pause dazugewinnen und unter Vertrag nehmen. Die nächste Saison kann kommen.

    Nach mehreren Wochen kommt ZeeBee zu dem Schluss, dass zwei der Mädchen in der zweiten Mannschaft besser aufgehoben wären. D-Jugendliche Marie setzt sich vehement für die Mädchen ein. Sie würde schon seit Jahren mit ihnen zusammen spielen, die Spielerinnen seien doch viel stärker als die Spielerinnen in der zweiten Mannschaft, angesichts mehrerer Neuzugänge/Gastspielerinnen sei das ungerecht... ZeeBee ernennt Marie zum Captain. >>Und? Hast Du sie damit mundtot gekriegt?<<, die macchiavellische Reaktion eines ehemaligen Handballvaters. :D

    In der Zwischenzeit hat die B-Jugend des Vereins an der Deutschen Meisterschaft teilgenommen. Die ein oder andere eigene frühere D-Jugendliche konnte ZeeBee bei Standbilddeutschland.tv bewundern, wie auch ein paar Mädchen, die ZeeBee nach Hannover gelotst hat. Und wenn es Gewinner aus der Pandemie gegeben haben sollte, dann mit Sicherheit die B-Jugend, die sich die Deutsche Meisterschaft gesichert hat. Die Gegner waren sichtlich nicht optimal vorbereitet, wie es nach einer regulären Saison mit Spielbetrieb gewesen wäre. Eine überragende Rückraum Linke und eine großartige Torhüterin reichten fast aus, die gesamte Elite des Landes hinter sich zu lassen. :respekt: dafür, was die Mädels aus ihren Möglichkeiten heraus erreicht haben! ZeeBee hätte jede Wette auf den Ausgang der Meisterschaft verloren.

    Der Kader steht, die Mädels sind motiviert, die Eltern stehen hinter der Mannschaft, ein Trikotsponsor ist gefunden, das Training ist angelaufen... was soll schon schief gehen? Die Region fordert zur Mannschaftsmeldung auf. Einundvierzig weibliche D-Jugend Mannschaften werden 21/22 ins Rennen geschickt, vier (v-i-e-r!) seien davon so konkurrenzfähig, dass sie in der höchsten von drei Ligen spielen sollen :kotzen: (Die hohe Kunst der Quali vorweg hat noch nicht in alle Winkel des Gebiets des DHB Einzug gefunden.) ZeeBee schwant Böses. Eine Mikrostaffel mit vier Mannschaften plus zwei unfreiwillige Mannschaften. Eine dreigleisige Daddelliga mit vier Mannschaften plus einundzwanzig Mannschaften, die in der zweithöchsten Liga spielen wollten.

    Vorsorglich liest ZeeBee schon mal die Durchführungsbestimmungen:

    Spielerinnen dürfen in der männlichen D- und E-Jugend unbegrenzt mitspielen. Komplette Mädchen-Mannschaften dürfen in den männlichen Spielklassen nicht spielen. Zielsetzung ist, möglichst vielen Kindern die Teilnahme am Spielbetrieb zu ermöglichen, nicht Leistungsförderung zu betreiben.

    Die Handballregion, die einen Männerhandballbundesligisten im Einzugsbereich hat, scheißt offen auf Leistungssport. Die Dfb enthalten sogar eine persönliche Widmung an ZeeBee, denn bekanntermaßen träumt kein anderer Trainer weit und breit auch nur davon, freiwillig eine Mädchenmannschaft auf Jungs anzusetzen. So ist es damit sogar ausdrücklich eingeräumt, dass es sich um eine rechtswidrige Einzelfallregelung handelt. Immerhin lässt die aktuelle lex zeebee eine ausreichende Lücke. Die letzte Schikane-Regelung sah vor, dass Mädchen in der E und D-Jugend bei den Jungs mitspielen durften. Allerdings nur auf Antrag... ein Willkürvorbehalt des Verbands. Keine Kriterien, keine Maßgaben. "Ihr dürft." "Ihr dürft." "Ihr dürft." "Du willst ja nur Leistungsförderung betreiben, Du darfst nicht!" Die vorletzte Generation, die ZeeBee in der D-Jugend in eine Jungsliga geschickt hat, ist jetzt Deutscher B-Jugend Meister!

    ZeeBee sieht sich als unpolitisch an. "No religion! No politics!", heißt es so schön in "Sleepers". Das Fußball EM Spiel Deutschland - Ungarn und das Drumherum bringt eine so außergewöhnliche Melange von Fußball und Politik, dass ZeeBee erstmals in 30 Jahren als Trainer im Training politisch wird. Höherklassiger Damenhandball ist - statistisch gesehen - von der Debatte um ein mehrfarbig ausgeleuchtetes Fußballstadium betroffen. Zeit also, die Mädels zu sensibilisieren:

    "ZeeBee wird Euch jetzt ein Beispiel bringen. Das ist ein Märchen, es soll nur etwas verdeutlichen. ZeeBee mag grünhaarige Frauen [großes Erstaunen 8o ]. ZeeBee verliebt sich ausschließlich in grünhaarige Frauen. Das kann man gut finden, das kann einem egal sein, das kann man schlecht finden. Dies sind normale Reaktionen. Man kann aber auch der Meinung sein, dass das widerlich ist, dass das nicht geduldet werden sollte und man was dagegen tun müsse. Solche Menschen nennt man 'intolerante Schweine'. Man weiß aber, dass man in einem großartigen Land lebt, wenn man in der Öffentlichkeit mit seiner grünhaarigen Freundin spazieren gehen kann und das nicht verboten ist.

    Wer kann mir sagen, warum es so viel Aufregung um das Stadion heute Abend beim Spiel Deutschland gegen Ungarn gibt?"

    Kurzes Brainstorming und eine Überleitung in die wirkliche Welt

    "Richtig. Und im Stadion wird der ungarische Präsident sein. Der ist ein intolerantes Schwein. Und man möchte ein Zeichen setzen, dass man in Deutschland einige Dinge anders sieht."

    ZeeBee führt aus, dass es nicht ganz ungewöhnlich wäre, wenn die Mädels später mal eine Mannschaftskameradin haben werden, die sich nicht für Männer interessiert und sie das in aller Regel nicht zu stören braucht. Und dass sie sich dann überlegen sollen, wie wohl der richtige Umgang mit der Situation sei, ohne ein intolerantes Schwein zu werden.

    Dein Karsten

    Ich konkretisiere noch mal:

    Bei einer Inzidenz von >100 gilt Bundesrecht (§ 28b Abs. I Ziff. 6 IfSG: § 28b IfSG - Einzelnorm), also Fünfergruppe, im Freien, kontaktlos, Trainer mit frischem anerkannten Negativtest, also wohl kein Selbsttest.

    Sinkt die Inzidenz an fünf aufeinander folgenden Werktagen auf <100 (Wochenende wird übersprungen), greift das jeweilige Landesrecht (Coronaverordnung o.ä.). Das kann im Einzelfall deutlich offener sein. In Niedersachsen dürfte ich mit 20 Kindern und einer weiteren Trainerin im Freien trainieren und bräuchte weiterhin einen aktuellen Test.

    Ärgernis aufgrund des Föderalismus (in Niedersachsen): >100 darf ich kein vierzehnjähriges Kind mittrainieren lassen, <100 schon ("bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres" <> "einschließlich 14 Jahren")

    Letzte Änderung CoronaVO für Niedersachsen: 30 Kinder oder Jugendliche bis einschließlich 18 Jahre plus getestete Betreuer. Training mit Körperkontakt möglich. Gleiche Gruppengröße bei Erwachsenen, aber alle getestet (!), kein Körperkontakt bzw. gewährleistet, dass jeder Teilnehmer eine Grundfläche von 10 qm für sich hat.