Was ist der methodisch nächste Schritt vom Leichten zum Schweren? Zweikampf aus der Positionsspielsituation heraus oder gegen prellende Ballführerin? Da beim Prellen zusätzliche Aufmerksamkeit auf die Ballkontrolle verwendet wird und der Ball ständig in Gefahr ist, dürfte hier der Schwierigkeitsgrad für den Angriff höher und für die Abwehr niedriger sein.
2.) Angreiferin prellt
- rückwärts
Wir starten einfach, s.o., Körperkontakt an beide Schultern, raustanzen und auf eine „Öffnung“, eine Chance auf den Ballgewinn lauern. Dann mit einer Hand lösen und um die Gegnerin herum/an ihr vorbei den Ball angreifen. Hier kann auch ein wenig mit dem Gleichgewicht der Angreiferin gespielt werden. Druck, Gegendruck, Loslassen, Gleichgewichtsproblem, Ball weg. Kommt der Buckel: "Hoch/tief!"
Bei der rückwärts angreifenden Ballführerin liegt die Priorität aber beim Rausschieben! Die Angreiferin will ja gar nichts wirklich rückwärts Richtung Tor, sondern führt Böses im Schilde. Wenn die Abwehrspielerin passiv bleibt, wird die überraschende Drehung kommen.
- vorwärts
Angreiferin soll prellend den Durchbruch schaffen. Hier unterscheide ich das Abwehrziel nach E- und D-Jugend. E-Jugendliche können eher direkt den Ball angreifen, da die Gegenspielerin noch nicht so ballsicher ist. Dasselbe gilt natürlich bei Anfängerinnen in der D. Ansonsten muss erst die Gegenspielerin verlangsamt und verunsichert werden, erst dann kümmere ich mich um den Ball. Die ballferne Hand wenn möglich zur Prellschulter, Druck ausüben und mit der anderen Hand den Ball angreifen. Schirmt die Angreiferin den Ball mit ihrem Köper ab, Kontakt zur Nichtprellschulter aufnehmen und Druck aufbauen. Droht der Durchbruch ohne Chance auf Ballgewinn, mit der zweiten Hand auf den angelegen Oberarm oder Ellenbogen, Ballführerin seitlich in eine schlechtere Wurfposition/zur Nachbarin rausschieben.
3.) Angreiferin mit max. einmal tippen
Entweder Pass-/Rückpass mit seitlicher Anspielerin (nicht hinter der Abwehrspielerin!) oder Ball checken mit Abwehrspielerin. Die darf dem Rückpass nicht sofort hinterhersprinten, die Angreiferin soll erst Ballkontrolle haben. Stoppschritt, Körperkontakt, Beinarbeit. Ausrichtung an der Wurfarmseite (Schrägstellung).
4.) Korrekturen
Das Training ist natürlich nichts wert, wenn ich nicht ständig korrigiere. Als Anhänger der sokratischen Methode heißt es bei mir im Training dann immer: "Was ist schief gelaufen?"
- Zögerliche Kontaktaufnahme/keine einsetzende Beinarbeit
„Du hast gezögert! Weg war sie!“ oder „Wenn Du nur gegendrückst und nicht mit ihr tanzt, macht sie sich einen Plan, um an Dir vorbei zu kommen. Beschäftige sie, tanz mit ihr, verhindere den Plan!“
- Angreiferin dreht sich
Kommt häufig vor. Hält die Abwehrspielerin fest, entsteht ein Würgegriff. Sieht für den Schieri immer doof aus. Kurz loslassen, bei 180° von hinten übernehmen, noch doller schieben. Geht die Drehung weiter, wieder loslassen, von vorn übernehmen.
- Abwehrspielerin kommt fast zu spät
Klassische Situation auf Halb später in der 3:2:1 Deckung, die Abwehrspielerin kommt von der Seite. Bei den Zwergen schon die Lösung eintrichtern. Instinktiv läuft die Abwehrspielerin meist in den Laufweg und damit in die Falle. Die Angreiferin stoppt, wechselt die Gegenrichtung zur Laufrichtung der Deckungsspielerin, die läuft dann immer ins Leere. Sprichwörtlich eine große rote Zielscheibe auf die abwehrnahe Schulter der Angreiferin malen und diese als Ziel ausgeben. Nicht in den Laufweg, sondern sofort auf den Körper.
- Bei seitlicher Anspielerin
Wir haben Beine und Arme trainiert, nun kommt der Kopf dazu. Schrägstellung zum Ball, den Passweg bedrohen, nicht Gegenspielerin „spiegeln“. „Brust zum Ball!“
- Abwehrspielerin lässt sich rauslocken/wird überlaufen
Entweder startet die Abwehrspielerin bereits zu weit vor dem Ziel oder sie lässt sich locken, wenn sich die Angreiferin zurückzieht. Oder sie wird mit/ohne Ball überlaufen. Hier ein Gefühl für den Tiefenraum vermitteln, einmal zum Angriffsziel (Hütchentor, Matte, Torwurfzone), zum anderen zur Gegenspielerin. Je dichter ich am Angriffsziel stehe, desto weniger Zeit habe ich zu reagieren, je weiter weg, desto einfacher werde ich überlaufen. Je dichter ich an der Gegenspielerin stehe, wenn sie den Ball bekommt, desto eher werde ich überlaufen. Immer etwa zwei Armlängen Sicherheitsabstand wahren!
Wo sich die Spreu vom Weizen trennt, ist die Verteidigung der Gegenspielerin ohne Ball. Abwehrspielerin steht in Querstellung zum Ball mit Beobachtungsaufgabe Ball und Füße der Gegenspielerin. Einerseits den Passweg bedrohen, andererseits sofort den Zweikampf suchen, wenn die Gegenspielern zum Überlaufen ansetzt. Auch die Gegenspielerin ohne Ball darf nicht vorbei, später wird so die Einläuferin angenommen.
Ganz wichtig in der offensiven Deckungsform: Immer Ball und Gegenspielerin im Blickfeld haben, hin und her gucken reicht nicht aus! Wenn sich die Gegenspielerin aus dem Gesichtsfeld schleicht, droht das Überlaufenwerden. Die Position nach hinten anpassen, so dass wieder beide Beobachtungsaufgaben gleichzeitig erfüllt werden können.
- Einsatz ausgestreckter Arme
Die Angreiferin fliegt durch die Luft. Hinausstellung. „Schieben, nicht schubsen!“. Die Arm dürfen bei Kontaktaufnahme ausgestreckt sein, müssen dann aber die Kraft puffern. Und vor allem ist der Zweikampf Sache der Beine, die nun zu arbeiten beginnen, nicht der Arme.
- Intensität der Zweikämpfe lässt zu wünschen übrig
Die Übungen werden nur halbherzig ausgeführt. Den Mädels klarmachen, dass es unterschiedliche Tänze gibt. Klassisch, lateinamerikanisch... und eben handballangemessen. Auf YouTube Stichworte "Wacken", "Exodus" und "Wall of Death" eingeben, vorführen... und in der Übung dann immer
"WAAAAALLLLL OF DEAAAAATH!" brüllen, wenn es mal wieder zu luschig wird.
Ende