Liebes Handballtagebuch!
Sonntagmittag, Sporthalle, Doppelheimspieltag mit Geschlechtsumwandlung. Das "Mädchenspiel" vom Vormittag hat ZeeBee längst noch nicht verdaut. Seit etwa zwei Monaten trainieren die Mädels Positionsspiel mit Stoßen. Indielückepassindielückepassindielückepassindielückeusw. Im Spiel wissen die Mädchen es aber viel besser als der Trainer. Aufdiegegenspielerinstoßenpassaufdiegegenspielerinstoßenpassaufdiegegenspielerinstoßenusw. Obwohl die große Mehrheit es bei einer Gegenstimme beschlossen hat... irgendwie kommen sie durch die Deckung nicht durch. Im Training am Folgetag erklärt ZeeBee das grundlegende Problem anhand des Brexits. Die Mehrheit beschließt, das ganze Land in die Scheiße zu reiten... so funktioniert Demokratie in den wichtigen Fragen der Zeitgeschichte. Und ZeeBee beugt sich der Mehrheit, ab jetzt wieder Abwehrtraining und die Mehrheit soll schön weiter mit Ball auf die Gegenspielerin stoßen. Die Mehrheit wird schon recht haben. ZeeBee ist lupenreiner Demokrat. 
Es folgt das Spiel mit Geschlechtsumwandlung. Die Gegner sind die Jungs vom TSV Neustadt. Zum Hinspiel hatte sich ZeeBee in den Urlaub verdrückt. Ganz weit weg. In den Kaukasus. Der Trainer der Heimmannschaft hatte damals nur sechs Spieler und bat Co-Trainerin Charlotte, ob sie nicht freiwillig in Unterzahl spielen wolle. Charlotte erklärte geduldig, dass sie sogar in zweifacher Unterzahl spielen werde und dass das in Hannover so vorgeschrieben sei, wenn die Geschlechtsumwandlung nur auf dem Papier aber nicht in der Büx vollzogen werde. Ein Quotenjunge und vier Mädchen würden spielen. Der gegnerische Trainer erklärte sie für verrückt und stellte so um, dass er nun vier Feldspieler, einen Torwart und einen Auswechselspieler hatte. Die unechten Jungs hatten dann letztlich die Nase vorn. Das alles unter den Argusaugen der amtlichen Aufsicht auf der Tribüne (€ 60,- zu Lasten von ZeeBees Verein), der letztlich feststellen musste, dass alles mit rechten Dingen zuging. Wenn aber die Gegner aus Verzweiflung 6 Abwehrspieler regelwidrig auf die Torraumlinie zurückziehen, weil sie sonst gegen 4 Mädchen verlieren würden, interessiert das keine weißhaarigen Funktionäre. 
Rückspiel. ZeeBee gehen allmählich die Quotenjungen aus. D-Jugend Torwart 1 darf nicht bei den Mädchen spielen, weil Papa die Mädchen doof findet und lieber Berichte über die Mädchen auf der Homepage der Handballer zensiert. Torwart 2 will nicht mehr bei den Mädchen mitspielen. Torwart 3 muss jeden Sonntag in die Kirche und fällt damit für die meisten Kinderhandballspiele aus. Die beiden guten E-Jugend Torhüter sind zuverlässig, motiviert, knuffig... und laden jeden Gegner zu Würfen unter die Latte ein. Auftrag an die Mädchen: Wanted - Junge im D-Jugend Alter, groß, sportlich, weder Angst vor Ball oder Mädchen, auf keinen Fall Handballer. Jamila bringt Vito mit zum Training. ZeeBee macht ihm ein Angebot, dass er nicht ausschlagen kann (konnte sich der Author nicht verkneifen
). Vito ist vielleicht nicht so groß, wie ZeeBee es sich gewünscht hatte. Vito ist Fußballtorwart und beweist im Training, dass er seine Aufgabe verstanden hat. Das Runde darf nicht ins Eckige. Und Vito fliegt, Vito hechtet, Vito fällt wie eine Bahnschranke... ZeeBee ist sehr zufrieden, wenn das auch nicht nach den Regeln der Handballkunst aussieht.
Kurzfristig hat ZeeBee das Anmeldeformular zum Training und fährt zum Passwart, drei Tage vor dem Punktspiel. Passwart ist nicht zu Hause, Tochter von Passwart macht auf.
Z.: "Ist Jörg da?"
S.: "Der ist gerade in die Halle gefahren."
Z.: "Mist, dann habe ich ihn knapp verpasst. Gibst Du ihm bitte diese Anmeldungen. Es eilt! Jörg weiß Bescheid."
S. (23 Jahre alt) nimmt die Papiere entgegen und versteckt sie im Haus.
Sonntagmittag in der Halle.
Z.: "Hat das mit dem Pass für meinen Fußballtorwart noch rechtzeitig geklappt?"
J.: "??? Ich habe keinen Passantrag, seit Donnerstag warte ich darauf."
Z.: "Prima, habe ich Donnerstagabend bei Dir zu Hause Deiner Tochter gegeben. Jetzt habe ich keinen spielberechtigten Torwart."
J.: "Die hat ihren Kopf auch nur zum Haare schneiden. Ich fahr eben los und beantrage den Pass online."
ZeeBee stellt die Mädels auf beide Spielsituationen ein. Der Gegner ist mit zwei Auswechselspielern angereist und hat zumindest nicht mehr die Notwendigkeit, sich künstlich Auswechselspieler zu generieren. 4:4 oder 4:6 ist beides denkbar, abhängig von den cojones der Gäste. Die Mädels haben ein Spiel Pause gehabt sich zu überlegen, ob sie sich heute ein zweites Mal blamieren wollen. ZeeBee stellt klar, dass das Spiel auch im 4:6 Modus gewonnen wird.
Zum Anpfiff laufen auf der Gegenseite ein Torwart und sechs Feldspieler auf. Damit wäre die naturwidrige Verteilung der cojones in der Büx geklärt. Ob ZeeBee dann doch in Gleichzahl spielen darf? >>Memo an mich selbst, die Spielordnung und die Durchführungsbestimmungen noch mal prüfen! Kommt es auf die cojones auf dem Papier an oder auf die an den Tag Gelegten?<< Womöglich ist die Rechtslage so, dass der Gegner nur zu viert antreten darf und die Mädels mit voller Mannschaft! 
Das Hauptargument der besorgten Reformer war, dass bei gemischten Mannschaften oder reinen Mädchenmannschaften im Spielbetrieb der Jungs die Abwehrspieler der Bio-Jungsmannschaft Nachteile hätten, weil sie gar nicht wüssten, wie man Mädchen anfasst. Die Mädchen könnten dann immer frei durchlaufen und der ganze gewünschte Trainingseffekt wäre dann dahin. Schon damals hat sich ZeeBee gefragt, wie das vermeintliche Problem durch eine Quotierung der Mädchen auf dem Feld gelöst werden solle. Können die armen Jungs nicht stattdessen Handschuhe tragen?
Den Neustädter Jungs haben die besorgten Reformer leider keinerlei Hemmungen bei der individuellen Abwehr eingeredet. Sie hängen sich von vorne, von der Seite, von hinten, von unten, von oben an ZeeBees Mädchen. Das junge Schiedsrichtergespann pfeift Freiwurffreiwurffreiwurffreiwurffreiwurffreiwurffreiwurffreiwurffreiwurf... ZeeBee verliert allmählich die Contenance, meldet lautstark Optimierungsbedarf an, die Schieris haben jedoch auf Durchzug gestellt. Freiwurffreiwurffreiwurffreiwurffreiwurffreiwurffreiwurffreiwurffreiwurf
Trotzdem ist nach wenigen Minuten klar, das Spiel wird heute gewonnen. Vito präsentiert sich als höchst unorthodoxer aber zuverlässiger Rückhalt und die Mannschaft ist endlich wach. Hinten reagieren die vier Abwehrspielerinnen flexibel auf die Situation, mal in der offenen Manndeckung gegen Kreis und Rückraum, mal nach Außen verschiebend, mal defensiv auf neun Metern. Dem Gegner fallen zu selten Lösungen ein, bzw. es hapert bei den technischen Fertigkeiten. Im Angriff nimmt sich Marei ein Herz und zimmert aus allen Lagen - unplatziert - auf das Tor. Der Torwart hat einen rabenschwarzen Tag und lässt sich quasi durchlöchern. So jedenfalls würde es im Zeichentrickfilm aussehen. 15:10 zur Halbzeit.
Singend geht das Team in die Kabine, wähnt sich bereits als Sieger und feiert eine überragende Leistung. ZeeBee fragt sich, ob er dasselbe Spiel gesehen hat. Ein teuflisches Grinsen macht sich breit, die Wahrheit wird weh tun.
"Ihr kennt mich. Wenn ich jetzt sagen würde, dass das eine großartige Leistung sei, Ihr prima gespielt hättet, dass das Spiel schon fast gewonnen sei...
Dann kann was nicht stimmen!"
Ob denn jemandem aufgefallen sei, dass der Gegner kurz vor Schluss den Torwart gewechselt hat. Ob jemandem klar sei, dass wenn wir die Torhüter getauscht hätten, es nun 10:15 stehen würde? Die Damen mögen sich auf eine enge zweite Halbzeit einstellen und wenn wir weiter darauf vertrauen, dass die Würfe mittig auf den Torwart reingingen, dass das Spiel noch verloren würde.
Das Team straft ZeeBee Lügen. 16:10, 17:10, 18:11, 19:11, 20:12, 21:12
In der zweiten Halbzeit haben die Gäste weiterhin ihre schüchterne, gehemmte, verzagte innere Seite noch nicht entdeckt: Freiwurffreiwurffreiwurffreiwurffreiwurffreiwurffreiwurffreiwurffreiwurf 
Und ZeeBee hat doch mehr Ahnung als die Mädels: 21:12, 21:13, 21:14, 21:15, 21:16, 22:17, 22:18, 22:19, 24:22 
Längst hat ZeeBee das bunte paarweise Wechseln aufgegeben, ein SEK zusammengestellt und eingewechselt. Faire Verteilung der Spielzeit hin oder her, das Spiel wird nicht mehr verloren! 27:23 Endstand. Ein Fußballtorwart und vier Feldspielerinnen gegen das System - Gewonnen! 
Dein Karsten
P.S.: Basisdemokratisches Dilemma im Positionsspiel nunmehr im Training gelöst. Die Damen stoßen nun auf die Lücken, pflügen durch sie durch und kommen gar nicht mehr auf die Idee, auf die Gegenspielerin zu stoßen. ZeeBee legt nun in jede Nahtstelle eine Spur Kinderschokolade... 