Liebes Handballtagebuch!
Heimspiel zur Saisonpremiere einer außergewöhnlichen Spielzeit. Der Verband will ZeeBees Mädchen ums Verrecken nicht im Jungsspielbetrieb haben, ZeeBee hat sich in den Kopf gesetzt, dass außgerechnet dort die bestmögliche altersgerechte Ausbildung für talentierte Mädchen, die in der E-Jugend schon keine Gegner mehr hatten, zu erreichen ist. Der zigfache Einwand "spielt doch als C-Jugend" zeugt von fachlicher Unkenntnis. Ausbildungsziel der D-Jugend ist nicht das gruppentaktische Ausspielen einer dicht gestaffelten Abwehrwand, die häufig regelwidrig auch noch im eigenen Neuner steht. Außerdem wären dann alle E-Jugend Talente von vornherin nicht einsetzbar, die auch gegen Jungs ab der Saisonmitte zum Zuge kommen sollen.
Im Vorfeld versucht ZeeBee beim ersten Gegner die Zustimmung für ein Spiel in Gleichzahl zu bekommen. Wenn die maximale Grenze von vier Mädchen auf dem Spielfeld dem Schutz der Jungen
gilt, dann kann der vermeintlich Schutzwürdige auch auf diesen Schutz verzichten. ZeeBee beißt bei Trainerurgestein Gerd auf Granit und stellt sich auf ein Spiel in doppelter Unterzahl ein. Ein D-Jugend Torwart für die Jungsquote muss her. Der müsste morgens bei den Großeltern abgeholt werden. ZeeBee fragt per Mail nach einer Adresse, erinnert wenige Stunden später an die Anfrage, ein paar Stunden später ein weiteres Mal und spät abends ein drittes Mal. Um 23:40 erfährt ZeeBee, dass nur die generelle Anfrage angekommen sei, alle vier weiteren Mails nicht und der Keeper keine Sportsache bei den Großeltern habe und er nichts zu Hause abholen könne. Im worst case kann das Spiel nicht angepfiffen werden, weil keine fünf Spieler für die Startaufstellung da sind. 
Die echte männliche D spielt parallel in der Nähe, hat nur acht Jungs, kann nicht helfen,ein Torwart kommt aber später nach, wird versetzt, eilt in die Heimhalle und steht kurz vor Spielbeginn bereit. Uff!
Der Trainerkollege stimmt aber letztlich einem Spiel in Gleichzahl zu, will aber einen bösen Bericht an die Staffelleitung schicken. Wenn er so gerne Briefe schreibt... Die Mädels tun sich eine Halbzeit lang schwer, gewinnen letztlich 25:20.
Zum ersten Auswärtsspiel kann ZeeBee im Vorfeld die Gleichzahl klären und nimmt gar nicht erst einen Leihtorwart mit. Die Mädchen dominieren zunächst die zweite Halbzeit, verdaddeln dann aber noch einen 7-Tore-Vorsprung und nehmen nur einen Punkt mit. Die Schiedsrichterin trägt in den Spielbericht ein, auf Seiten des TVB hätten zu viele "Damenspielerinnen" mitgewirkt. ZeeBee zögert kurz bei der Abzeichnung des Protokolls. Anhand der Spielerpässe und Geburtsdaten sollte sich der Einwand leicht entkräften lassen. 
Unter der Woche erhält der TVB zwei Bußgeldbescheide. "Nichtbeachtung einer amtlichen Mitteilung". Gehen Sie direkt ins Gefängnis, gehen Sie nicht über Los. Mehr Begründung gibt es nicht, so dass der Einspruch gegen die Bescheide auch nur einen Einzeiler wert ist. Ein oder zwei Tage später verschwinden die drei Punkte aus der Tabelle und die Mannschaft grüßt plötzlich vom Tabellenende. ZeeBee liest die Rechtsordnung hoch und runter.
Alle Spielerinnen hatten eine Spielberechtigung.
Keine Spielerin hatte eine Sperre.
Alle waren in der richtigen Altersklasse.
Es gab keine Spielerin mit Wartefrist.
Niemand hatte schon zwei Spiele binnen zwei Tagen bestritten.
Zwei oder mehr gedopte Spielerinnen... hmmmmm
ZeeBee ist auf die Begründung gespannt.
Einer Handballmama platzt nun der Kragen, bietet an, ein Bußgeld zu stiften und kontaktiert einen Bekannten bei der BILD Zeitung. Die kündigt sich zum nächsten Spiel an.
Derby! Zum zweiten Heimspiel wird der TuS Empelde erwartet. ZeeBee hat im Gefühl, dass nun das erste Spiel ohne Zustimmung zur Gleichzahl kommen wird. Andererseits ist eine neue Trainerin auf der Bank. Die kann ZeeBee unmöglich bereits jetzt schon hassen... die Mädels müssen auf Anfrage in Unterzahl spielen.
Aus der E-Jugend hilft Torwart Lukas aus. Ein E-Jugend Torwart, vier Spielerinnen auf dem Feld, Gegner zu siebt. ZeeBee hofft auf ein ausgeglichenes Spiel, ohne dass sich der Gegner schon in der ersten Halbzeit aufgibt.
Der anwesende Journalist begleitet die Mannschaft in die Kabine zur letzten Taktikbesprechung und interviewt danach die Mädchen. Kapitän Rhian bringt die doofe Regel auf den Punkt: "Die Jungen behaupten immer besser zu sein als Mädchen. Dann sollen sie es auch beweisen!" Vor Anpfiff hat der Fotograph noch die Gelegenheit, den Hubschrauber-Tanz der Mannschaft zu abzulichten. 
Die Mädels haben eine Menge Input bekommen. Selbstverständlich spielt die Mannschaft auch in doppelter Unterzahl in der offenen Manndeckung. ZeeBee baut auf die alterspezifischen technischen Gegebenheiten. Die taktische Ausrichtung geht zunächst auf, Empelde verwirft planmäßig auf einer Position und liefert so Bälle. Im Angriff setzen die Mädchen recht schnell den Plan um: "Wer im Angriff länger als drei Sekunden auf einer Stelle steht, hat bereits etwas falsch gemacht". Mit viel Laufarbeit finden sie die Lücken und Überzahlabwehr ist in der D-Jugend nicht unbedingt ein Geschenk. Bis zum 4:4 läuft noch alles nach Plan, dann finden die Gäste immer häufiger einen von zwei freien Spielern in aussichtsreicher Position. ZeeBees Notfallsystem greift nicht, schuld ist eine seiner vielen Persönlichkeitsstörungen.
Über 4:8 setzt sich der TuS zur Halbzeit auf 8:11 ab.
Unter den Augen der Presse analysiert ZeeBee die erste Halbzeit und arbeitet den Knackpunkt heraus. Zwar haben die Mädchen für zwei Situationen in der Abwehr die Aufgabe ein taktisches Foul zu spielen. Das allseits beliebte und viel sinnfrei praktizierte "FEEEESTMACHÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖN!" will ZeeBee einfach nicht über die Lippen kommen. "F... F... F... Fffff... Fffeee... Fffffeeees.... HOLT EUCH DEN BALL!"
Die Mannschaft bekommt noch mal die Maßgabe, wann taktisches Foul zu spielen ist, letztlich wird das Spiel aber genau deswegen verloren werden, weil ZeeBee (noch) nicht über seinen eigenen Schatten springen kann.Zunächst scheint sich das Blatt zu wenden, binnen fünf Minuten schließen die Mädels zum 11:12 auf. Dann schlägt wieder die Stunde des gegnerischen Spielmachers, der in den Basketballmodus wechselt, in Seelenruhe vor der Deckung prellt und seine Mitspieler sich freilaufen lässt, um sie dann zu bedienen. ZeeBee lässt ihn gewähren, die Gäste ziehen auf sechs Tore davon. Und weil Überzahldeckung ja so anstregend ist, vor allem im 6:4, ziehen sich die Jungs nach kurzen Manndeckungsphasen in der zweiten Hälfte immer wieder in den eigenen Neuner zu einer verboteten 5:1 oder 6:0 Deckung zurück.
Gegen Ende drehen die Mädchen noch mal kurz auf und kommen zum 18:22 Anschluss. Keine traurigen Gesichter, die Mädels sind von der Rennerei sichtlich platt, ZeeBee ist vom Intensivcoaching von oben bis unten durchgeschwitzt... was für eine geile Trainingseinheit! 
In der Folgewoche kommen die Bescheide über die gewerteten Spiele. Der Verband findet nicht einmal den einzig einschlägigen Paragraphen der Rechtsordnung für die Wertung eines Spiels, zieht statt dessen eine nicht im Entferntesten einschlägige Bußgeldvorschrift heran und zaubert hieraus die Rechtsfolge der Spielwertung. Jura für Clowns. ZeeBee schreibt zwei Einsprüche und steckt sich gedanklich die Zigarette danach an.

Dein
Karsten