Liebes Handballtagebuch!
Sonntagmorgen, 08:15. Der Handywecker klingelt. Ungewohnte Umgebung für das Aufstehen. Eine Couch. Ein Büro... ach ja. Viel zu langer Samstagabend, viel zu viel Wein und ein zu umständlicher Heimweg, um dann morgens in der Frühe wieder in die Gegenrichtung zum Punktspiel zu fahren. Also hat sich ZeeBee kurzerhand nachts einen Schlafplatz in der Innenstadt improvisiert.
08:20. Ein stechender Schmerz im linker Arm. Mist, nachts verlegen. Obwohl... so unbequem ist die Couch gar nicht. Der Schmerz zieht allmählich in Brust und Rücken. Ganz schön übel verlegen.
ZeeBee begibt sich zur Straßenbahn und fährt zur Mitfahrgelegenheit. Die Mädchen bestreiten ein Auswärtsspiel als Jungsmannschaft. Der Gegner konnte im Hinspiel eine Halbzeit gut mithalten, musste sich dann aber doch deutlich geschlagen geben. Für heute wünscht sich ZeeBee zwei gute Halbzeiten.
ZeeBee geht es gar nicht gut. Das muss auch offenkundig sein. "Du siehst ja aus wie das blühende Leben!" Thomas, Handballpapa und heutiger Chauffeur, bringt es auf den Punkt. ZeeBee murmelt etwas von viel zu kurzer Nacht und intensivem Kochabend. Auf der Fahrt in den Speckgürtel Hannovers beginnt ZeeBee zu schwitzen. Kalter Schweiß durchnässt die Haare, den Nacken, das T-shirt. ZeeBee schwant Böses, ganz Böses. Auf dem Parkplatz wird ihm schwindelig beim Aussteigen. ZeeBee schickt Thomas mit den ersten Mädchen vielsagend schon einmal in die Halle und setzt sich noch mal kurz ins Auto. Die reguläre Atmung setzt aus, ZeeBee verfällt in ein Hecheln. Googlesuche ergibt bei der Anfrage "Symptome Herzinfarkt" interessante Antworten... die sich dummerweise mit der Realität decken.
ZeeBee marschiert in die Halle. Der Blick von Co-Trainerin Alina verrät, dass ein Blick in den Spiegel zu diesem Zeitpunkt höchst beunruhigend wäre. ZeeBee erklärt, dass er statt Punktspiel einen Ausflug ins Krankenhaus plant und gibt ein paar Instruktionen. Die Mädchen wärmen sich auf auf und schauen irritiert herüber. ZeeBee trommelt die Mannschaft zusammen und lügt was von Magenverstimmung vor und dass er nach Hause fahren würde, da die Mädchen sonst Bekanntschaft mit seinem Frühstück machen würden. Das möchte dann doch niemand. Die Mädels mögen beide Halbzeiten konzentriert spielen und Alina keinen Ärger machen.
Am Hallenausgang steht ZeeBees Hausarzt und Papa einer ehemaligen Spielerin, der heute den Interimscoach der Gegner gibt. Matthias hört sich ZeeBees Beschreibung der Symptome an und hält es für eine ausgezeichnete Idee, fix ein EKG machen zu lassen. Das Kreiskrankenhaus sei nur wenige Minuten entfernt. Thomas fährt ZeeBee in die Notaufnahme, wo ZeeBee die Symptome und den Verdacht schildert. Die "2" sei frei, ZeeBee könne gleich durchgehen. Obwohl die Notaufnahme völlig leer zu sein scheint, haben plötzlich alle reichlich Zeit. Es vergeht eine gefühlte Ewigkeit, bis endlich der EKG gemacht wird. Ergebnis: uneindeutig, aber in Verbindung mit den geschilderten Symptomen... nicht gut. Mit Blaulicht in die Klinik nach Hannover.
In der Klinik ist man vorbereitet, ZeeBee wird quasi in das Herzkatheterlabor gefahren und dort auf den Tisch gerollt. Einen Augenblick später erhält ZeeBee einen modernen Kurzhaarschnitt... als Sekundärfrisur.
Die Kommunikation lässt zu wünschen übrig. Sofern die Röntgenapparate nicht den Blick versperren, kann ZeeBee quasi dem Herzkatheter auf dem Monitor zuschauen. Was letztlich passiert, bleibt jedoch das Geheimnis der Ärztin. ZeeBee macht sich allmählich Gedanken, dass es mit dem Spiel von 96 nachmittags womöglich nichts wird und äußert dies laut. Nach abgeschlossenem Eingriff weiß ZeeBee letztlich immer noch nicht, was passiert ist, bis sich die Ärztin erbarmt. Das böse H-Wort fällt, ein Stent sei gesetzt worden, Intensivstation folge. Also kein Fußball gucken. Die Mädels haben aber beide Halbzeiten deutlich gewonnen. 
Drei Nächte Intensivstation, ein weiterer Eingriff, zwei weitere Stents, nahezu kein Schlaf. Kapitän Merja und Co-Kapitän Rhian schneien zum Überraschungsbesuch rein. "Hätt' ich gewusst, dass Ihr kommt, hätt' ich ne Unterhose an..." Die Mannschaft lässt grüßen, die Beiden bringen einen Eimer mit Süßigkeiten mit. Schade, dass wenige Stunden zuvor astronomische Blutzuckerwerte gemessen wurden. Unbewusst haben die Mädchen eine tödliche Dosis mitgebracht. 
Die letzten Kabel werden entfernt, ZeeBee darf sich erstmals bewegen. Ein Pfleger kommt, um ZeeBee auf die Normalstation zu begleiten. "Sie können natürlich auch gehen." Das Bett vorweg voll mit Klamotten, ZeeBee nebenher und der Pfleger hintendran. Eine Schwester: "DAS habe ich auch noch nicht gesehen." Füße voran aus der Sporthalle, nicht aber aus der Intensivstation! 
Erste Nacht auf Normalstation. Seit Wochen ist ZeeBee erkältet, auf der Intensivstation schien die fiese Erkältung wie weggeblasen. Nun geht es wieder los, aber wie! Nachts bekommt ZeeBee kaum noch Luft, das Lungenvolumen scheint auf ein Minimum zusammengeschrumpft zu sein. ZeeBee marschiert zum Schwesternzimmer, um seinen Zimmernachbarn nicht zu wecken. Das verstößt offenbar gegen das Protokoll, ZeeBee erntet böse Blicke von der offenkundig nicht dienstlich telefonierenden Nachtschwester. Auf dem Namensschild steht "Schwester Annie Wilkes". ZeeBee schwant Böses.
"Ich bekomme fast... keine... Luft".
"Wer sind Sie und wo kommen Sie her?!"
ZeeBee schwant Böses und stapft wieder zurück ins Zimmer. Die Hexe folgt wenige Minuten später, kann nichts feststellen und ruft widerwillig eine Ärztin. Die horcht die Lunge ab, kann nichts feststellen und lässt ZeeBee inhalieren. Für fünf Minuten scheint das zu wirken, dann ist die Atemnot wieder da. Die Nachtschwester schaut noch mal rein und ZeeBee teilt mit, dass das Inhalieren nichts gebracht habe, er bekomme kaum Luft. Die Nachtschwester... verpisst sich.
Die holt dann wohl die Kavallerie, denkt sich ZeeBee. Holt sie nicht. ZeeBee verbringt den Rest der Nacht auf einem Stuhl, da es sich im Sitzen etwas leichter atmen lässt. Schwester Annie kommt in den Morgenstunden noch mal rein und wundert sich.
"So lässt sich leichter atmen."
"Sie sollten doch inhalieren."
"Das hat nichts genützt."
"Ja einmal reicht auch nicht."
Aha... 
Zweite Nacht auf der Normalstation. ZeeBee legt sich hin und das Unterbewusstsein schaltet auf roten Alarm. Liegen = Erstickungsgefahr. Das Unterbewusstsein übernimmt das Atmen und lässt ZeeBee in eine schmerzhafte Schnappatmung verfallen. Immer wieder versucht ZeeBee die Zwangsatmung zu unterbrechen, wenige Augenblicke später übernimmt wieder das Unterbewusstsein. Nach einer halben Stunde hat ZeeBee die Kontrolle über die Atmung gänzlich verloren, setzt sich am Kopfende auf und verfällt nahezu ins Hyperventilieren. Nebenbei öffnen sich bei den Schweißdrüsen alle Schleusen und ZeeBee ist klitschnass. So findet ihn die Nachtschwester vor, die den Blutzucker misst.
"Wür... *hechel*... den Sie *hechel* bitte *hechel* noch mal *hechel* den Puls *hechel* messen? Irgend... *hechel* was stimmt *hechel* nicht."
Schwester Annie schaut ZeeBee angewidert an, misst Puls, Blutdruck und Temperatur. ZeeBee muss inzwischen aussehen wie ein Malariakranker, sämtliche Flüssigkeit im Körper durchnässt mittlerweile das Bett.
"Soweit alles in Ordnung. Wenn was ist... melden Sie sich."
Schwester Annie verpisst sich, ZeeBee schaut ihr ungläubig hinterher. Visionen von einem Vorschlaghammer und einem Holzbrett halten ihn davon ab, sie zu verfolgen und gewalttätig zu werden. Im Sitzen hechelt ZeeBee weiter und fällt früh morgens erschöpft um.
Ob denn ZeeBee eine Reha beantragen möchte, fragt die freundliche Dame aus der Verwaltung. Drei Wochen, stationär, Kostenübernahme müsse beim Rentenversicherer beantragt werden, werde aber in aller Regel bewilligt. Das Ganze sei freiwillig. Noch drei Wochen Klinik?
ZeeBee jagt die verdutzte Dame unter Verwendung unflätiger Ausdrücke aus dem Zimmer.
Dein
Karsten