Beiträge von Zickenbändiger

    Der Torschütze wird natürlich nicht auf den Multiplikator draufgeschlagen. Das ergibt sich aus dem Sinn und Zweck der Regelung. "Bestraft" wird die Mannschaft, die sich auf ein oder zwei Wurfmaschinen verlässt und den Rest nicht ins Spiel einbindet (bzw. gar nicht ausbildet) und "belohnt" wird die mannschaftlich geschlossene Leistung im Angriff. Da passt ein Eigentorschütze nicht ins Muster. Ist aber eine spannende Frage. ;)

    Es als Schieri gar nicht so weit kommen zu lassen, ist natürlich eine prächtige Idee. Ich hatte als Trainer selbst mal die Situation, als eine Gegnerin bei einem Turnier ein Eigentor erzielte und der Schieri abpfiff... RÜCKPASS zum Torwart! Das Tor fehlte zum Turniersieg und ich war "not amused". DAS erklär mal den Eltern. :P

    Ich möchte mir mal einen erfolgreichen "radikalen Umbruch" einer Handballnationalmannschaft bildlich vor Augen führen. Nicht den eines Handballzwergs sondern den eines Spitzenverbands, der mehrere Jahre erfolglos war. Oder einer Fußballnationalmannschaft? Hätte da mal wer ein Beispiel? Selbst die Franzosen haben das nach Japan und Südafrika mit der Fußballnationalmannschaft nicht gewagt.

    Nationalmannschaften funktionieren nicht losgelöst von der richtigen Welt nach eigenen Gesetzen. Die leben ebenso von Fernsehgeldern und Sponsoren. Ein Neuanfang mit jungen Spielern würde eine Durststrecke bedeuten, die teuer werden könnte. Ich habe mal gegen Ende der Ära Wislander in Kiel einen Vater eines der Spieler dort gefragt, wann denn der Umbruch mit jungen Spielern käme. Der hat mich völlig verständnislos angesehen und mir - wie für einen Doofen - die Regeln des Marktes erklärt.

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    Israel agierte in der Deckung mit einer 3:2:1-Formation, eine Variante, mit der das DHB-Team in den letzten Jahren immer wieder Probleme hatte - zuletzt im Spiel gegen Montenegro.


    aus: Handball-world.de

    Das war nun ein echter Handballzwerg und es gab wieder Probleme, die gegnerische Deckung zu knacken. Letztlich war es wohl die bessere Physis, die über das Spiel entschieden hat, nicht eine späte taktische Einstellung auf den Gegner.

    Auf einer Trainerfortbildung dieses Jahr in Schleswig-Holstein hatte ich noch vehement dagegen argumentiert, als die These aufgestellt wurde, es gebe keinen "Deutschen Weg" im Handball, was auch vom Damenbundestrainer dort vertreten wurde. Inzwischen muss ich mich als widerlegt ansehen.

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    Schüler beschäftigen sich auch über Jahre mit der Mathematik und dennoch versteht sie kaum einer richtig


    Wir sprechen bei der Nationalmannschaft nicht von Schülern, sondern von Studenten der Elite-Uni, wenn wir schon vergleichen wollen. :cool:

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    (...) dass gestern wiederum große Probleme aufgetreten sind. Diese notwendigerweise in der Abwehrformation der Gegner zu suchen, halte ich für falsch.


    Der Artikel stammt von unserem silbernen Surfer. Christian spricht nicht davon, dass gestern erstmals ein Problem gegen eine 3:2:1 zu beobachten war, sondern dass dieses Phänomen regelmäßig über Jahre hinweg auftritt. Sollte seine Einschätzung nicht zutreffen (ich habe keinen Fernseher und kann das nicht beurteilen), dann gehört dieser Beitrag in der Tat in "Fehler in den Medien" (sorry, Christian ;) ). Falls nicht, sehe ich da ein kleines Problem im Lehrwesen...

    Es ist eine Sache, 3:2:1 zu predigen und 6:0 zu spielen (mal unterstellt, die Nationalmannschaft gehört irgendwie zum DHB). Es wäre zwar hilfreich, wenn das Flagschiff in dieselbe Richtung fährt wie die Flotte... (Und, falls Rolf dies liest, ich behaupte ja gar nicht, dass die 6:0 nicht auch Teil des Gesamtkonzepts ist. :hi: ) Aber die Vorteile der 3:2:1 Deckung zukünftig so verkaufen zu können, dass man damit als Handballzwerg (sorry, liebe Montenegriner, knapp doppelt so viele Einwohner wie Island ohne deren Handballtradition machen noch keine Handballmacht) sogar die Deutsche Nationalmannschaft schlagen kann, lässt mich an der Gesamtausrichtung des Lehrwesens zweifeln.

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    Als Favorit ging die deutsche Auswahl in das Auftaktspiel der EM-Qualifikation, auch wenn Montenegro zuletzt nicht nur aufgrund der erfolgreichen WM-Qualifikation gegen Schweden auf sich aufmerksam gemacht hatte. Von dieser Rollenverteilung war aber von der ersten Minute an wenig zu sehen, die Gäste griffen in der Deckung zu einer offensiven 3:2:1-Variante, eine Formation, die der deutschen Auswahl in der Vergangenheit immer wieder zugesetzt hatte - so auch heute(...)


    (zit. nach Handball-world.de)

    Gehört ja eigentlich unter "Fehler in den Medien". Kann ja überhaupt nicht sein, dass die Nationalmannschaft desjenigen Sportfachverbandes Schwierigkeiten mit der Deckung hat, die derselbe Verband seit rund 25 Jahren (oder länger) mit guten Argumenten und nicht immer guten Methoden bundesweit als Ausbildungsdeckung Nr. 1 zu verbreiten und durchzusetzen versucht. Ist doch denknotwendig ausgeschlossen. Haben sich die Lehrwarte in den letzten zweieinhalb Dekaden schon mal mit den Bundestrainern desselben Zeitraums unterhalten? :wall: Arbeiten die Lehrwarte und die Bundestrainer für denselben Verband? Muss der Lehrwart bei solchen Meldungen nicht seinen Hut nehmen? Der Bundestrainer? Beide? Fragen über Fragen.

    Überall, wo keine Berechnung einer Frist geregelt ist, gilt § 188 BGB:

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    § 188 Fristende
    (1) Eine nach Tagen bestimmte Frist endigt mit dem Ablauf des letzten Tages der Frist.
    (2) Eine Frist, die nach Wochen, nach Monaten oder nach einem mehrere Monate umfassenden Zeitraum - Jahr, halbes Jahr, Vierteljahr - bestimmt ist, endigt im Falle des § 187 Abs. 1 mit dem Ablauf desjenigen Tages der letzten Woche oder des letzten Monats, welcher durch seine Benennung oder seine Zahl dem Tage entspricht, in den das Ereignis oder der Zeitpunkt fällt, im Falle des § 187 Abs. 2 mit dem Ablauf desjenigen Tages der letzten Woche oder des letzten Monats, welcher dem Tage vorhergeht, der durch seine Benennung oder seine Zahl dem Anfangstag der Frist entspricht.
    (3) Fehlt bei einer nach Monaten bestimmten Frist in dem letzten Monat der für ihren Ablauf maßgebende Tag, so endigt die Frist mit dem Ablauf des letzten Tages dieses Monats.

    Auf Deutsch: Eine Monatsfrist läuft "von Datum zu Datum". Steht als Austrittsdatum der 18.10. auf dem Pass, läuft die Frist zum 18.12.

    Entschuldigt meine Faulheit hier, ich tobe mich mit den Spielberichten auf der Seite meines Vereins aus. Ich habe es aufgegeben, sachlich über die Spiele zu berichten, da irgend etwas immer dazu geeignet ist, den bösen Chronisten in mir zu wecken. :D

    Erstes Punktspiel mit neuer Mannschaft (mit Auszug aus dem Kleinen Handballtagebuch):

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    Casting, Trainingsspiele und Vorbereitungsturniere waren vorbei, Trainingslager und Saisonvorbereitung fielen den Umständen der Mannschaftsfindung und der kurzen Zeit zum Opfer – unser spannendes Handballprojekt konnte beginnen und hatte gleich mit dem Auswärtsspiel in Hameln einen würdigen Auftakt. Die Mädels von Ute Hertting hatten vor zwei Jahren meiner ehemaligen Mannschaft einen heißen Kampf um die Landesligameisterschaft in der C-Jugend geliefert und die Buschtrommeln hatten schon längst gemeldet, dass der ehrgeizigere Teil von Emmerthals Handballnachwuchs nun den VfL verstärkte. Standortbestimmung oder böses Erwachen? Wir waren gespannt.


    Der Rest hier.


    Zweites Punktspiel (geschrieben unter dem Entzug psychedelischer Pilze - andere sagen Einfluss...):

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    Pilze! Es musste doch einen Grund für den Ausflug nach Dorfmark gegeben haben. Pilze! Abfahrt Schwarmstedt runter von der Autobahn, Richtung Mellendorf und ab in den Wald. Die Woche über war es abwechselnd sonnig und regnerisch gewesen. Samstag gab es schon eine handvoll Maronen bei der ersten Suche dieses Jahr. Eigentlich gute Voraussetzungen, den angebrochenen Sonntagnachmittag irgendwie noch erfolgreich abzuschließen. Und außerdem hat der Waldspaziergang noch so viele weitere angenehme Seiten.


    Der Rest hier.

    Des Rätsels Lösung ist in der 3:2:1 DVD mit Peter Feddern zu finden...

    O.k., ich kürze das mal ab. Um nicht in die Täuschung hineinzulaufen, muss der Abwehrspieler kurz vor Körperkontakt abrupt abstoppen und in den Stand kommen (Schrägstellung zur Wurfarmschulter des Ballführers, Arme angewinkelt, Hände vorne). Aus dem sicheren Stand heraus kann ich den Gegenspieler dann annehmen, bzw. ihn gleich bei Beginn der Täuschung ausbremsen.

    Sprungwurf vor Schlagwurf? Schlagwurf vor Sprungwurf?

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    Before we take to the sea, we walk on land. . . Before we create, we must understand.

    (Wird im Internet überall Hemingway zugeschrieben. Könnte schwören, dass es von Thomas Hobbes stammt.)

    Vom Einfachen zum Komplexen, vom Leichten zum Schweren! Klar können wir mit dem Kempa beginnen. Sinnvoller dürfte es sein, mit den Basics zu starten. Schlagwurf an allererster Stelle! Wenn ich die Zwergenhüpfwürfe sehe, kriege ich n Herzkasper. Und jeder Auswahltrainer im Leistungsbereich wird auf Platz 1-3 der Mängelliste in der Ausbildung "Wurfvariabilität/Schlagwürfe" setzen.

    Ach ja... nicht vor stumpfen Übungen wie gegen die Wand ballern zurückschrecken! Wochenlang, jedes Training, auch mit der Nichtwurfhand. Selber korrigieren. Arm führen. Auf alle beteiligten Gelenke bis runter zum Fuß achten (irgendwo haben wir in der Handballecke auch schon mal alle Beobachtungsaufgaben aufgelistet), einzeln ballern lassen und die Gruppe befragen, wo noch mehr Kraft für den Wurf genommen werden kann.

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    Im Vergleich mit anderen Sportarten hinkt der Handball (in der Breite) meilenweit hinterher.

    Hättest Du konkrete Beispiele? Ich lerne gerne von anderen Sportarten jenseits des Tellerrands. Nur müsste ich dann schon konkret wissen, wo es bei uns hakt. Beim Stichwort "Integration" muss ich allerdings immer grinsen. Wenn es in anderen Sportarten gelingt, Eltern kleiner Mädchen aus persischen, türkischen oder... äh... sri lankischen Familien dazu zu bekommen, ihre Töchter zuverlässig zum Punktspiel oder regelmäßig zum Training zu schicken... herzlichen Glückwunsch! Ich hatte eine verheerende Quote von fast hundert Prozent "nicht mannschaftssportgeeignet". (Off topic... ich weiß!)

    Burgdorf körperlich endlich in der Bundesliga angekommen. Wenn die Deckung weiter so stabil bleibt, haben die Recken :lol: mit dem Abstieg nichts zu tun und können endlich mal antesten, ob es für die obere Tabellenhälfte reicht. Macht Lust auf mehr!

    Ziemer mit einer sensationellen Vorstellung. Drei Bälle gefangen? Nur die Langpässe müssen noch geübt werden. Das habe ich von Jugendtorhütern schon besser gesehen.

    Die aufblasbare Hüpfburg, durch die die Recken :lol: nun einlaufen, erinnert doch irgendwie an Stonehenge in "This is Spinal Tap". :D

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    Ziel war es allerdings immer nur, das Trainerverhalten zu beeinflussen und nicht die individuelle Technik von Spielern zu beschränken.

    Und das macht 2x3:3 so genial! Die Rahmenbedinungen zwingen auch den letzten Trainer offensiv zu decken, weil das das Mittel zum Erfolg ist. Nicht Einsicht, nicht Ehre, nicht Strafe... es wird zum ureigensten Interesse auch des stursten Trainers (gut, ich kenne eine Ausnahme, der im Training seine drei Bengels an den Sechser stellen wollte...). Dann brauche ich auch kein Handballevangelium samt Heerscharen aufgeklärter Jungtrainer mehr, um Aufklärung zu leisten.

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    Leider habe ich in der E-Jugend häufig gesehen, dass die Trainer nicht auf den Spielstand eingegangen sind und entsprechend reagiert haben.

    Für einige Trainer ist das eine Selbstverständlichkeit mit freiwilliger Unterzahl zu reagieren. Für viele Trainer nicht. Und andere wiederum haben es sich wieder abgewöhnt, weil der Gegner ihnen Arroganz vorgeworfen haben. Man kann es nicht allen recht machen.

    Ein guter Trainer ist in der Lage, die Kinder so zu motivieren, dass ein Jahr Niederlagen oder auch ein zweites Jahr Niederlagen nicht dazu führt, dass sie die Lust verlieren. Wenn ich im Spiel die ganz kleinen Erfolge und Fortschritte wie große Siege feiere, dann sind die Lehrjahre zu ertragen. Da aber die Zahl der Trainer, die so motivieren können oder die ständig Fortschritte erreichen, begrenzt ist, diejenigen, die beides können, noch seltener sind, hilft es natürlich, wenn die Eltern die Erfolge der Kinder nicht in Punkten messen. ;)

    Rübe: Wenn ich mit einer Anfängermannschaft in einer zu hohen Liga spiele oder gar in der einzigen Liga... was erwartest Du denn, was passiert? Heiß umkämpfte Duelle mit engem Ausgang gegen Mannschaften, die in ihrer Entwicklung zwei Jahre voraus sind? Natürlich startet man mit Klatschen. Das habe ich mit meiner 94er Generation die ersten zwei Jahre auch erlebt und wir haben weiter gemacht. Und nach fünf Jahren am Ende der D-Jugend waren wir Kreis- und dann Bezirksmeister, haben letztlich 76 Mannschaften hinter uns gelassen. Und angefangen hat es mit Spielen wie 0:22 in der E-Jugend, wo die gegnerische Trainerin ihre Starspielerin (und Tochter) durchspielen ließ und noch am Ende des Spiels volle Pulle spielen ließ. Klar ärgert man sich in dem Moment. Aber ich erkenne doch in solchen Spielen, dass die gegnerische Mannschaft mit ihrer Entwicklung schon am Ende ist, wenn Töchterlein als einzige durchspielt. Mund abwischen.... weiter.

    Freiwilllige Beschränkungen als Trainer der überlegenen Mannschaft (wie z.B. ein Prellverbot, um beim Thema zu bleiben), sehe ich inzwischen auch etwas differenzierter. In der D-Jugend waren wir in unserem Meisterjahr auf einen größenwahnsinnigen Verein getroffen, der seine D zwei Ligen zu hoch gemeldet hatte. Nach etwa zehn Minuten bis zum Ende des Spiels spielten wir 3:6 und mit Prellgegenstoßverbot. Ergebnis war, dass der Gegner unserer Torhüterin aufgrund größerer Lücken immer häufiger den Ball zupasste, dann die erste Welle gespielt wurde, Langpass, drei Schritte, Mist... Prellverbot... Torwurf von achtzehn Metern, Treffer. Ergebnis von 40:1, was ich mit allen Mitteln verhindern wollte. Den Gegner veralbern und daneben werfen? Mit der schwachen Hand werfen? Zwei gegen sechs spielen? Prellen an sich hatte ich nicht verboten, nur sollte die erste Welle gebremst werden. Prellverbot ist bei so einem "mismatch" keine Lösung zum Welpenschutz- den ich für überflüssig halte. Wer nicht verlieren mag... darf nicht spielen.

    Ich hatte die Dissusion neulich abends mit Matthias, dem Verfasser des Artikels. Mich erinnert das Prellverbot an Diskussionen mit der Mini-Trainerin meines ehemaligen Vereins. Ich habe vor zehn Jahren eine weibliche E-Jugend trainiert, die sich ausschließlich aus Minis rekrutierte. Unsere Mini-Trainerin propagierte ebenfalls ein Prellverbot und setzte das zumindest im eigenen Verein durch. Nach einigen Wochen / Monaten Praxis im Neuland Zwergenhandball kam ich dann zu dem Schluss, dass das jedenfalls für mich überhaupt nicht in Frage kam. Ein für mich bislang vollkommen neuer Faktor im Handball ließ mich ein Prellverbot verwerfen: Raumgewinn. Mit den Mädels, die normalerweise auf das Querfeld spielen würden, war ich froh um jede fünf Meter Raumgewinn, ohne dass der Ball weggeworfen war oder der Gegner ihn hatte oder wir vier Pässe für die fünf Meter vorwärts in der eigenen Spielfeldhälfte gebraucht hatten und dabei einen Tempoverlust hinnehmen mussten.

    Davon abgesehen habe ich es im Training immer so gehalten, dass ich lieber die physikalischen Rahmenbedingungen geändert habe als die Spielregeln. Wenn mir das Geprelle zu bunt wird, nehme ich einen platten Ball (etwas, dass ich von einer meiner ersten Trainerfortbildungen mitgenommen habe, nämlich von... Renate Schubert! Wenn ich mich richtig erinnere - sorry, ist sechzehn Jahre her- verfolgte sie damals denselben Ansatz.). Nicht "prellen ist verboten!", sondern "erkenne, dass Passspiel auch seine Vorteile hat!" halte ich für pädagogisch wertvoller.

    Letztlich erinnert mich diese Diskussion immer an diese Kuschelpädagogik der Mutti-Trainerinnen. Wenn ein Kind dauernd prellt und damit erfolgreich ist, bekommen die anderen Kinder nie den Ball. Also wird dem Kind, dass sich taktisch vollkommen richtig verhält, die erfolgreiche Taktik verboten, statt Feuer mit Feuer (1-gg-1 gegen Prellangriff) zu bekämpfen. Als nächstes kommen dann die Bleiweste, die zusammengebundenen Schnürsenkel und die Handschellen (Achtung: Ironie).

    Ich bevorzuge eine andere Herangehensweise. Als meine E-Jugendliche Xenia sich mal im Training lauthals beschwerte, dass sie nie den Ball bekam, musste ich ihr beipflichten. Gegen die offene Manndeckung empfand sie es als äußerst bequem, sich nicht zu bewegen und stattdessen zu jammern, dass sie ständig gedeckt war. Sie konnte nicht angespielt werden. Daraufhin unterbrach ich das Training und verbot allen Mitspielerinnen Xenia den Ball zuzuspielen, wenn sie sich weiterhin nicht aus der Manndeckung löste. Hätte ich stattdessen unsinnigerweise gefordert, dass auch Xenia den Ball bekommt, wäre die Moral der Geschichte gewesen, auch gedeckte Spielerinnen anzuspielen, weil es der Trainer so will. Stattdessen war mein kleiner Wonneproppen erst mal schockiert... und fing an sich freizulaufen.

    Ebenso großer pädagogischer Quatsch ist es doch, den Spieler zu taktisch unsinnigen Pässen zu zwingen, wenn die Mitspieler allesamt gedeckt sind. Und je jünger die Mannschaft in ihrer Entwicklungsstufe ist, desto eher wird sie sich doch Richtung Ball freilaufen. Dann rennen fünf Spieler zum Ballführer, was taktisch richtig ist, wenn dieser keinen Pass über zehn Meter spielen kann. Das wiederum will ich doch auch vermeiden.

    Ein Prellverbot belohnt kurzfristig die lauffreudigere Abwehr und bestraft den lauffaulen Angriff. Dabei geht aber jegliche Kooperation in der Abwehr flöten, beispielsweise das Doppeln des prellenden Angreifers. Der Übergang von Mann- zur Raumdeckung wird mir dadurch künstlich erschwert, weil ich die allerersten kooperativen Abwehrelemente erst dann umsetzen kann, wenn mir - seitens der Landesverbandsspielregeln - wieder die Raumdeckung erlaubt ist. Was bin ich froh, eine B-Jugend zu trainieren! :wall: