Liebes Handballtagebuch!
In der Saison 10/11 hat ZeeBees D-Jugend so etwas wie ein Schattendasein gefristet. Während die C-Jugend mit dem 96er/97er Jahrgang reichlich Erfolge gefeiert hat, hat die D ihr Potenzial nicht ganz abrufen können. Nach drei Turniersiegen im Sommer sind die Erwartungen recht hoch gewesen, die Meisterschaftsträume hat die Mannschaft im Prinzip schon im ersten Saisonspiel gegen den Mitfavoriten Hannover West begraben können. Die Niederlage mit einem Tor ist gerecht gewesen... um so unglücklicher, dass ZeeBees Torhüterin wegen einer Familienfeier gefehlt hat und eine Feldspielerin der E-Jugend mit Torwarttalent ihren Platz eingenommen hat. Mit Auswahltorhüterin im Tor und einer talentierten Feldspielerin statt dessen im Feld... Unter anderem wegen solcher ärgerlichen Terminprioritäten kann die Mannschaft nicht mit den Großen mithalten, bzw. nicht an die Erfolge von ZeeBees zweiter Mädchengeneration im TuS anknüpfen.
Nach der Landesligameisterschaft und dem 2. Platz auf Landesebene muss ZeeBee die Erwartungen an die neue C-Jugend herunterschrauben... oder doch nicht? Alle drei 97er Mädchen, die in der Mannschaft verbleiben, sind im Landesauswahlkader. Zwei Spielerinnen der C gehören zu den körperlich stärksten Mädchen der Liga und können auch locker aus der Fernwurfzone schießen. Dazu gehört Carlotta, die es in der Abwehr mit allen Maschinen der gegnerischen Mannschaften aufnehmen kann. Linkshänderin Sophie dürfte die stärkste Rechtsaußen der Liga sein. Am Kreis hat sich Aylin zu einer äußerst durchsetzungsfähigen Kreisläuferin entwickelt. Von anderen Vereinen wechseln Jojo und Kathi des 98er Jahrgangs zum TuS; beide stehen auf dem Zettel des Landesauswahltrainers und sind vielseitig einsetzbar. Vom Rande des Landkreises wechselt auch noch D-Jugendliche Isabell zu ZeeBee, weit und breit das größte Rückraum Rechts Talent mit Aussichten auf > 1,80m! Auswahltorhüterin Lilli hat es zwar nicht in die Landesauswahl geschafft, hat in der D-Jugend Saison immer wieder mit sensationellen Leistungen die Gegner zur Verzweiflung getrieben. Insgesamt hat ZeeBee elf Spielerinnen, von denen alle bis auf eine einzige über Auswahlerfahrung verfügen. Also doch eine erfolgreiche Saison?
Mitten in der Saisonvorbereitung erklärt Torhüterin Lilli: "Ich habe keine Lust mehr auf's Tor. Ich bin jetzt Feldspielerin!"
ZeeBee ist erst einmal sprachlos. Ein letztes Fünkchen Hoffnung: "In der Landesliga kann ich dich aber nicht im Feld spielen lassen." "Dann spiele ich eben in der zweiten Mannschaft", und schließt sich der Kreisklassenmannschaft des Vereins an. ZeeBee hat eine der Topmannschaften der Liga... und keine Torhüterin mehr. Aus der D-Jugend kommt keine Spielerin in Frage, hastige Suchaktionen in Hannover bleiben erfolglos. ZeeBee hat einen Plan.
Zum eigenen Rasenturnier kurz vor den Ferien hat ZeeBee stets ein Leibchen am Mann. Die Mädels rotieren im Tor... und sollen sich etwa jeden zweiten Angriff vorne mit einschalten. Rückraum Mitte wechselt dann an den Kreis und die Torhüterin spielt Spielmacherin. Inklusive TuS sind beim Turnier vier von sechs der stärksten Landesligamannschaften vertreten. In der Vorrunde müssen sich die Mädchen nur Osterwald mit einem Tor geschlagen geben, die regelmäßige "Torwartüberzahl" hat den gewünschten Erfolg. Insbesondere Balltalent Mira zeichnet sich als mitspielende Torhüterin aus und setzt im Angriff entscheidende Akzente, indem sie immer wieder die freie Überzahlspielerin findet. Im Halbfinale wird Ligafavorit Hameln mit einem Tor besiegt, im unendlich spannenden Finale gegen Osterwald verlieren die Mädchen wieder nur mit einem Tor. Kann die Mannschaft auch in der Halle ohne Torwart bestehen?
Einen ersten Test macht die Mannschaft beim Vorbereitungsturnier in Nienburg. HVN Auswahlspielerin Yassine ist nicht mit dabei, also kein Test unter echten Bedingungen. In der Vorrunde besiegen die Mädels die Heimmannschaft und verlieren gegen Habenhausen. Im Sechserfeld ist damit das Halbfinale erreicht. Dort wartet die starke Mannschaft von Lüneburg, die vor wenigen Monaten noch ZeeBees alte C-Jugend mit einem Unentschieden im Turnierspiel und dann im Siebenmeterwerfen um die Niedersachsenmeisterschaft gebracht hat. Die ein oder andere Spielerin ist auch noch dabei. ZeeBee stellt seine Spielerinnen darauf ein, dass hier nichts zu verlieren ist, zumal die Mannschaft ja immerhin ohne Torhüterin auskommen muss, während die meisten Gegner äußerst starke Keeperinnen mitgebracht haben. Zur Halbzeit steht es gegen Lüneburg noch Unentschieden, ZeeBee ist außerordentlich stolz auf die Mannschaft. "Wenn wir so weiterspielen, können wir Lüneburg noch ein wenig länger ärgern!" Ärgern? Die Mädels denken gar nicht daran und ringen den großen Favoriten nieder, der mit den zwischenzeitlichen ungewöhnlichen Unterzahlsituationen gar nicht klar kommt. Noch eine Viertelstunde später ist der Lüneburger Trainer am schäumen und hat für ZeeBees tröstende Worte kein Gehör, dass auch eine gehörige Portion Glück dabei gewesen ist. Erst im Finale findet der Traum ein Ende, die starken Hamelner Mädchen zeigen keinen Sinn für Humor angesichts der Torwartsituation und lassen dem TuS keine Chance. Das Turnier zeigt, dass die Meisterschaft ein zu optimistisches Ziel ist, aber ohne Torwart geht es vielleicht doch eine ganze Saison lang.
Im ersten Punktspiel darf die C-Jugend zu Hause antreten... gegen den Vorjahreszweiten und ZeeBees aktuellen Meisterschaftsfavoriten Hameln. Aufgrund des Altersklassenwechsels lässt ZeeBee noch eine 1:5 Deckung spielen, die 3:2:1 hat die Mannschaft vor den Sommerferien im Trainingslager im Blitzkurs erlernt, für einen Probelauf ist es noch zu früh. Spielerisch ist die Hamelner Mannschaft klar im Vorteil, körperlich kann der TuS fast mithalten... nur hat der Gegner eine Auswahltorhüterin und ZeeBee lässt im Tor Feldspielerinnen rotieren. Die Abwehr arbeitet phänomenal und lässt wenig einfache Torchancen zu, zur Halbzeit liegt der TuS nur mit 12:14 hinten. Auch das Endergebnis von 24:28 ist kein Beinbruch, die womöglich stärkste Mannschaft der Liga hat dem torhüterlosen TuS keine dreißig Tore einschenken können und ist spielerisch ganz auf Augenhöhe gewesen. Den Nachteil im Tor durch das Risikospiel mit fliegendem Torwart auszugleichen erweist sich als richtige Entscheidung. Statt den eigenen Nachteil leidend zu akzeptieren nutzt die Mannschaft so die sieben Feldspielerinnen auf dem Platz. Unter dem Strich fallen wesentlich mehr Überzahltore als Gegentreffer ins leere Tor.
Den wenigsten Gegnern gelingt ein erfolgreicher Weitwurf, lediglich in einem Hinrundenspiel fallen die Mädels in kollektiven Tiefschlaf bei Ballgewinn Gegner und freiem Tor, so dass der Gegner in jenem Spiel auf fast zehn einfache Tore kommt, eine höhere Ausbeute aller anderen Gegner in der Saison zusammen.
Fortsetzung folgt...
Dein Karsten