Liebes Handballtagebuch!
Die Handballwoche steht an.
Montag: Training wE, wD, wC, wB
Dienstag: Training mE
Mittwoch: Training wC, wB
Donnerstag: Training wE, wD
Vierzehntägig ist freitags Auswahltraining Jungs Jahrgang '96. Diese Woche ist es wieder soweit. Co-Trainerin Christina meldet sich zu einem Turnier ab, verspricht sich um Ersatz zu bemühen. ZeeBee steht mit 17 Jungs alleine in der Halle - war wohl kein Ersatz zu bekommen.
Samstag ist das Qualifikationsturnier zur Landesliga wB. Die C-Jugend hat sich durch den dritten Tabellenplatz in der Liga halten können, die B-Jugend ist ganz neu und muss sich nun in der zweiten Runde durchsetzen. Punktgenau sind die Spielerpässe von Aisha und Lulu Samstagmorgen fertig. Der Nachbarverein hat seinen Jahrgang '94 sträflich vernachlässigt und ZeeBee bekommt so Verstärkung.
Drei Partien stehen an. M. ist mit seinem Jungjahrgang frisch aus der Oberliga abgestiegen und gilt als Favorit. Heimverein N. ist der Kandidat zu schlagen und G. hat uns schon in der ersten Runde klar beherrscht. Dritter Platz reicht, der vierte Platz berechtigt zu einem lästigen weiteren Spiel um den allerletzten Landesligaplatz. Das will ZeeBee unbedingt vermeiden.
ZeeBee erreicht die Halle pünktlich vor der Mannschaft und schaut sich schon mal die erste Begegnung an. G. nimmt N. auseinander, keine Überraschung. Die Mädels trudeln ein, der erste Gegner ist noch nicht in Sicht. Dann betritt M. die Halle und ZeeBee sucht vergebens bekannte Gesichter. Ein gutes Zeichen. ZeeBee erklärt der Mannschaft, dass diese Truppe zu schlagen sein muss. Mit 8:4 führen die Mädels zur Halbzeit. Die Deckung funktioniert, im Angriff erwartet ZeeBee wesentlich mehr und macht dies in der Kabine deutlich. Teo setzt alles daran, einen "shut out" zu erreichen, ein 7m in letzter Minute verhindert dies. Die zweite Halbzeit endet 11:1 - so hat sich der Trainer das vorgestellt. Das Tor zur Landesliga ist weit aufgestoßen.
Aisha und Lulu fügen sich nahtlos ein. Ohne jegliche 3:2:1 Erfahrung baut ZeeBee beide in die Abwehr ein, Lulu darf nach kurzer Einweisung sogar auf Halb decken, da ihm die ständige Rücksichtnahme lästig wird. Bei Gegenstößen sind beide ganz schnell vorne zu finden, in der Abwehr packen beide blitzschnell zu. ZeeBee ist begeistert
. Gegen N. spielen die Mädchen unter ihren Möglichkeiten und halten den Gegner im Spiel. Erst in den letzten Minuten beherrscht der TuS den Gegner. 19:15 - Landesliga, wir kommen. 
Das letzte Spiel der beiden ungeschlagenen Mannschaften ist unbedeutend. ZeeBee kündigt Freunschaftsspiellinie an und verspricht reges Durchwechseln.
"Wir spielen jetzt ein Freundschaftsspiel. Irgendwelche Wünsche an unsere Spielweise oder Abwehrformation?"
Trainerkollege Jürgen winkt ab.
"Dann möchte ich dich bitten, dass ihr eine Halbzeit 6:0 deckt. Da brauchen wir noch Erfahrungswerte."
Jürgen sieht ZeeBee verwundert an. 
"Ich habe noch nie 6:0 decken lassen. Da müssen wir mal schauen."
ZeeBee hat keinen Zweifel, dass der A-Lizenz Trainer das hinbekommt.
Schrittfehler, Pässe auf die Füße, Pässe ins Nirwana, Ballverluste, Kreisläuferin ständig im Kreis - es geht wieder los.
Etwa beim 1:8 rastet ZeeBee aus. Halbzeitstand 2:10. In der Halbzeitbesprechung kündigt ZeeBee Kommentarlosigkeit an, bevor noch böse Worte fallen. Endstand 9:19 - es hätte ein so schöner Handballtag werden können. G. spielt das gesamte Spiel 6:0:
"Nachdem das in der ersten Halbzeit so gut geklappt hat, habe ich auch in der zweiten Hälfte die 6:0 durchgezogen."
"Wenigstens dafür war das Spiel gut." 
Dennoch aufgestiegen.
Apropos aufsteigen. Burgdorf spielt abends um den Aufstieg in die erste Bundesliga. Die Mannschaft wollte eigentlich mit, nach und nach sagen alle Damen wieder ab. ZeeBee rechnet mit Friesenheims Aufstieg, sieben Tore Rückstand sind eine zu große Hypothek. In der Halle stößt ZeeBee auf Andrea und Dirk samt Kindern, gemeinsam bahnen sie sich auf die bereits eine Stunde vor Spielbeginn volle Tribüne. ZeeBee schaut sich immer wieder nach Roggischs Vater um, der noch eine VIP Karte zu vergeben hat. ZeeBee ist hungrig und ein wenig Durst macht sich ebenfalls breit. Endlich tauchen Roggisch und Hinnerk auf. Die Karte ist in einer Plastiktüte verhüllt, bunt marmoriert, leicht verwaschen. Hinnerk entschuldigt sich: "Die war schon im Müll. Ich wusste nicht, dass sie noch für die Relegation gilt." Am VIP Bereich wird erst die Karte eingehend gemustert, dann ZeeBee in Trainingsanzug, dann wieder die Karte. "Was ist denn mit der passiert? Wo ist der VIP-Stempel?" Im Hintergrund sieht ZeeBee die VIPs am Biertresen und vor vollen Tellern. Ein leicht unangenehmer Duft geht von der Karte aus. "Ähhhhhhhhh....also die ganze Saison über.... und dann der Müll...." Die beiden Damen haben Mitleid und geben ZeeBee das ersehnte Armband. Theke und Büfet rufen! 
Gut genährt kehrt ZeeBee von seinem vorgeschobenen Toilettengang zurück.
Burgdorf legt los wie die Feuerwehr, beim 3:0 beginnt ZeeBee an das Wunder zu glauben. Die Spannungskurve steigt Richtung Spielende ins Unermessliche. Friesenheims Fanblock schwankt zwischen Euphorie und lähmendem Entsetzen, je nachdem ob es gerade vier oder sechs Tore Rückstand sind. Der Hallensprecher lässt immer wieder glauben, dass acht Tore Differenz benötigt würden, gegen Spielende sind es mehrmals aber nur sechs. Allerdings sind weniger Tore gefallen als im Hinspiel! ZeeBee kennt die Regel mit den Auswärtstoren. "Ein Tor würde reichen. Ein Tor würde reichen!" Zehn Sekunden vor Schluss Ballgewinn für Burgdorf, Tempogegenstoß, Pauzoulis brezelt die Kugel über das Tor. Aus irgendeinem Grund gibt es Timeout und noch einen Freiwurf. 59:58 - Friesenheim ist seit fast einer gespielten Stunde Erstligist. Burgdorf wechselt den Torwart für einen siebten Feldspieler. Der anwesende Bundesliganachwuchs weiß aus eigener Erfahrung, dass zwei Sekunden für einen indirekten Freiwurf nebst Tor genügt - wenn der Schieri nicht dazwischenpfeift, weil er es lieber gesehen hätte, dass der Werfer erst die Zeit runterlaufen lässt und dann direkt wirft.
Pfiff, Abspiel, Wurf - der Rest ist Geschichte.
Erste Bundesliga in der Handballprovinz - ZeeBee gönnt sich darauf erst einmal drei Bier und stellt zufrieden fest, dass er im Freiwurfblock die langen Kerls immer auf die Wurfhand und nicht in die Mitte stellen würde. 
Das große Rasenturnier des TuS am Sonntagmorgen. ZeeBee ist pünktlich da, auch um sich seelisch auf seinen Weltrekordversuch vorzubereiten. Drei Mannschaften auf einem Turnier betreuen kann jeder - vier Mannschaften ist für echte Trainer.
Abends hat es bereits dauerhaft geregnet, morgens regnet es weiter. Die Zahl der Variablen steigt in spannende Sphären. Wie viele Mädchen kommen überhaupt? Wie viele Mannschaften sagen kurzfristig ab? Wieviele Mannschaften sagen gar nicht erst ab und bleiben weg? Wann hat die Turnierleitung überhaupt einen Überblick?
Alle Mädchen sind mit Trikots versorgt, alle vier Mannschaften haben einen Betreuer, die Taschen und Kinder sind unter dem Dach der Tribüne des Fußballplatzes verstaut - es fehlen nur noch die improvisierten Spielpläne. Altersklasse für Altersklasse verteilt die Turnierleitung die Spielpläne. ZeeBee stellt sich seinen persönlichen Anpfiff-und-Aufbruch-Plan zusammen. Nur die D-Jugend ist noch nicht versorgt. Mittlerweile warten etwa vierzig Mädchen seit einer Viertelstunde auf ihren Trainer. ZeeBee hetzt über den Platz und instruiert die Mannschaften und Betreuer, nur die D-Jugend hat noch kei...
"ZeeBee bitte zur Turnierleitung! ZeeBee bitte zur Turnierleitung!"
Quer über die Anlage zurück, Cheforganisator Andreas eilt ZeeBee bereits entgegen. "Könntest Du eine zweite D-Jugend nachmelden? Notfalls mit C- und E-Mädchen gespickt? Wir haben gerade eine Dreier und eine Viererstaffel."
Zögerlich meldet ZeeBee die fünfte Mannschaft nach, erhält den Spielplan und eilt wieder über den Platz zurück. In zehn Minuten startet die C-Jugend sowie die noch nicht erfundene zweite Mannschaft der D-Jugend. Zwanzig D-und E-Mädchen scharen sich um ZeeBee, alle mit zwei bis acht Fragen. Da ZeeBee die Mädchen je nach Könnensstand auch in älteren oder jüngeren Altersklassen mittrainieren lässt, geht gerade jegliche Übersicht verloren, wer in die D-Jugend gehört und wer nicht. Die ein oder andere C-Jugendliche mischt sich unter die Fragenden und verhindern jegliches durchzählen, ZeeBee hat für die D II noch keinen Betreuer und es sind noch fünf Minuten bis zum Anpfiff. "Einszweidreivierfünfsechssieben - ihr seid die D I und spielt jetzt auf Platz sechs!" Eine Mutter erbarmt sich und übernimmt die Betreuung und den Spielplan. ZeeBee hofft, dass nun noch genügend Mädchen für die D II zur Verfügung stehen, da er noch keine Gelegenheit für eine Bestandsaufnahme gehabt hat.
ZeeBee übersieht, dass seine zwei Auswahlspielerinnen Jahrgang 97 parallel zur D I in der C-Jugend spielen und schon verschwunden sind, dann auch in die D sollen und in der D II schon die beiden Auswahlspielerinnen Jahrgang 98 sind. Alle vier sind nun in derselben Mannschaft und schießen die ersten beiden Gegner weg, während die D I sämtliche Spiele des Turniers verliert. Trotz einigem hin- und herwechseln gelingt es nicht, den Schaden zu minimieren.
Aber auch die D II lässt Federn, gegen O. und B. hat das Team keine Chance. Die Mädchen, die zum Ausgleich mal in der starken Mannschaft mitspielen dürfen, verlieren nun wieder.
Die B-Jugend hat es mit G. zu tun, gegen die gerade in der Quali zwei Spiele deutlich verloren gegangen sind. T. aus dem Hamburger Raum ist unbekannt, B. ist Oberligist und Turnierfavorit und M. wohl Kanonenfutter. G. hat große Probleme auf Rasen gegen ZeeBees Mädchen, die gut dagegen halten. Beide Abwehrreihen bestimmen das Spiel, bis zum Schluss hält der TuS das Unentschieden... und G. wirft mit dem Schlusspfiff das 4:3.
Die Mädchen von B. - eigentlich mit vier Damen mit Gardemaß von knapp 1,80 m - kommen heute etwas kleiner daher. ZeeBee erkennt kein einziges Gesicht wieder: die zweite Mannschaft!
9:0 und der TuS lässt dabei noch reichlich Chancen aus. T. kommt etwas kompakter daher mit einem mächtigen Dönertierchen am Kreis. Eine gute Linkshänderin im Rückraum, ansonsten eher talentfrei. Nur die Torhüterin hält und hält und hält... Kurz vor Schluss führt T. mit 4:3 bei eigenem Ballbesitz. Ein Blick auf die Uhr, ein schneller Plan - Rückraum links hämmert den Ball weit über das Tor in die Wolken und quer über den Platz. Die Zeit läuft runter, Teo sprintet durch zwei Spielfelder hinterher, läuft quasi im Nachbarfeld einen Gegenstoß der männlichen B-Jugend mit, erreicht den Ball, sprintet zurück, bringt den Ball ins Spiel - Abpfiff. T. jubelt, ZeeBee kann nicht fassen, dass die Mädchen sich von einer Kreismannschaft haben übertölpeln lassen.
M. ist dann auch Kanonenfutter und Gretel bettelt um viel Einsatzzeit, die gesamte Familie schaue zu.
Gretel bekommt ihren Einsatz, erzielt gleich ein Tor und macht wieder die Ehrenrunde an den Auswechselspielerinnen vorbei.
Im Laufe des Turniers lernt ZeeBee Dank Aisha einen ihm völlig unbekannten Aspekt des Handballspiels kennen: Bodenkampf. Aus der E-Jugend kennt ZeeBee, dass sich die Jüngsten mal nach dem Ball plumpsen lassen - Aisha wirft sich nach jedem verloren gegangenem Ball, notfall auch zwischen zwei Gegenspielerinnen und geht stets als Gewinnerin hervor. 
Die E-Jugend tritt erstaunlicherweise fast in Bestbesetzung an, auch die Jüngsten haben sich nicht vom Wetter abschrecken lassen. ZeeBee ist stolz auf seine Zwerginnen. Auch Frischling Agathe ist dabei, zwar ohne Spielerpass aber gleich mit einem Wunsch auf den Lippen: "Kann ich ins Tor?" ZeeBee gewährt ihr den Wunsch, ahnt aber, dass die Lieblingsposition weniger mit Berufung zu tun hat als vielmehr mit dem übersichtlichen Bewegungsradius.
ZeeBee lernt fast gleichzeitig Agathes Vater kennen und tritt ehrfürchtig an den bekannten A-Lizenz Trainer heran: "Das war übrigens ihr eigener Wunsch. Ich habe sie nicht ins Tor verbannt." Papa ist einverstanden, bittet ZeeBee aber darum, Agathe auch vermehrt im Feld einzusetzen - um der Bewegung willen.
Die E-Jungend holt zwei Siege, ein Unentschieden und kriegt zwei Klatschen von der lokalen Mädchenmacht O. I und O. II. ZeeBee wundert sich noch über die Linkshänderin mit 1,70 m in der zweiten E-Jugend von O., kann sich aber beim besten Willen nicht vorstellen, dass man so offensichtlich bescheißen würde. 
Die ganze Hoffnung setzt ZeeBee auf die C-Jugend. Bis auf die E-Jugend sind alle seine Mannschaften aktuell eher im Jungjahrgang stark, die 96er C-Mädels plus Roggisch dürften aber dennoch eine Macht bilden. Trotz großem Kader und viel Wechselei gelingen der Mannschaft drei ungefährdete Siege, lediglich gegen O. (s.o.) schießen die Mädchen die Torhüterin zur Heldin und verlieren mit einem Tor. Im Halbfinale treffen wie zufällig die einzigen vier Landesligisten aufeinander, der TuS trifft auf die andere Mädchenmacht B. Eigentlich dürfte B. in der Altersklasse nicht einmal konkurrenzfähig sein. Letzte Saison daddelte die Mannschaft in der Kreisklasse herum, die D-Jugend darunter hat der TuS an die Wand gespielt. Aber nicht nur ZeeBees Lieschen ist dem Lockruf gefolgt. Mindestens vier Gesichter, die ZeeBee eigentlich nicht B. zugeordnet hätte, starten in der ersten Sieben. Darunter eine riesige Linkshänderin und ein bekanntes Gesicht. Eine ehemalige Spielerin des TuS nach ihrem - ZeeBee überschlägt - vierten Vereinswechsel. 
Kurz vor Schluss liegt der TuS mit einem Tor vorne. Nicht berauschend gespielt, aber einen Rückstand gedreht. B. ist im Angriff, Rückraum Links wirft, Freiwurf und der Ball fliegt quer über den Platz und verschwindet im Nirgendwo. Die Zeit läuft runter und tickt für den TuS. Torhüterin Walburga zögert kurz und sprintet in Höchstgeschwindigkeit der Kugel hinterher, sprintet zurück, übergibt B. den Ball, die wiederum das Unentschieden werfen und kurz darauf einen Konter versenken, weil die Mädchen vorne den Ball verdaddeln. Einen Startplatz im Spiel um Platz 3 gewonnen.
Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaarrrrrrrrrrrrrrrrrrrgggggggggggggghhhhhhhhhhh
Im Platzierungsspiel haben die Mädels größte Mühe, die giftgrünen Leibchen des Gegners von den schwarzen Trikots der Mitspielerin zu unterscheiden und leiten einen Konter des Gegners nach dem anderen ein. ZeeBee ist gedanklich nunmehr auf der Couch um den letzten Restverstand zu schützen. 8:4 für O. - Die Handballwoche ist um.
Dein
Karsten