ups... das Wortlimit überschritten:
ZeeBee hat das Problem, dass der Kreis in der Hinrunde keine leistungsgerechte Einteilung vorgenommen hat, sondern bis zu den Weihnachtsferien zwei regionale Staffeln die Rückrundenstaffeln ausspielen werden. Vor seinem geistigen Auge sieht ZeeBee schon horrende Klatschen und null Trainingseffekt. Mit der Staffelleiterin handelt ZeeBee aus, dass sich der TuS die Quali-Runde sparen kann und die Hinrunde als Jungsmannschaft spielen darf. Hiervon verspricht sich ZeeBee wesentlich mehr, als Hecht im Karpfenteich zu spielen.
Die ersten Spiele verliert der TuS mächtig hoch. Der Spielplan beschert den Mädchen die stärksten Gegner zuerst. Dann die ersten Siege. Dann das Spiel gegen den TuS R. Der eigene Verein hat einen B-Jugendlichen ohne jegliche Schiedsrichtererfahrung zum pfeifen abgestellt. Bei R. spielt Klein-Rambo mit und nietet im Minutentakt alles um, was den Ball in der Hand hält. Freiwurf, Freiwurf, Freiwurf, Freiwurf....
Der Nachwuchsschläger darf alles. Trude ist inzwischen mehrfach umgecheckt worden. In ihren Augen funkelt der Hass. Mehrere heulende Mädchen hat ZeeBee schon zur Bank geleitet. Trude steht kurz vor einem Amoklauf. Statt jedoch Revanche zu nehmen, nimmt sie sich jeden Freiwurf und hämmert ihn ins Tor. Etwa ein Dutzend Tore gehen auf ihr Konto, ZeeBee ist mächtig stolz auf ihre Selbstbeherrschung. Die Mädchen gewinnen das Spiel deutlich und können ihre blauen Flecke mit Stolz tragen. ![]()
Gegen die Jungsmannschaften gibt es keinerlei Probleme. Gemischte Mannschaften sind schließlich erlaubt. Im Pokal tritt der TuS jedoch als Mädchenmannschaft an. Die Vorrunde wird in Turnierform gespielt. ZeeBees Mädchen sind einer von zwei Favoriten auf den Pokalsieg. Gegen einen schwachen Turniergegner weist ZeeBee Olga und Trude darauf hin, dass er sie nicht wird spielen lassen. Zu einem Massaker will ZeeBee es nicht kommen lassen. "Dürfen wir wenigstens ins Tor?" Sie dürfen, Trude beginnt. Anpfiff, einige Pässe, Pfiff vom Kampfgericht. Der Schieri erkundigt sich. "Beim TuS steht ein Junge im Tor." "Geht das schon wieder los."
Die TuS Eltern sind genervt: "Wollt ihr nachgucken?" Eine dicke hässliche Dame will und robbt sich über die Bande. ZeeBee war jahrelang Wrestling-Fan. Er bereitet sich auf einen "running clothesline" vor, dann einen "body slam" (falls die dusselige Kuh zu heben ist) und als "finishing move" den "pile driver". Der Schieri lässt es zum Glück nicht soweit kommen und schickt die Dame zurück auf die Tribüne. Heute keinen "pile driver".
Auch ohne Olgas und Trudes Tore gewinnt der TuS deutlich.
Trudes Launen bleiben unberechenbar. Kommt sie mit schlechter Laune zum Training, kann ZeeBee die gesamte Trainingseinheit abschreiben. Ihre schlechte Stimmung strahlt so sehr aus, dass ein geordnetes Training nicht mehr möglich ist. Erstes "Opfer" ist Talent Johanna, Jahrgang '95. Ende des ersten D-Jugend Jahres verlässt sie den TuS, mit Trude mag sie nicht mehr zusammen spielen. ZeeBee ist geschockt, der Verlauf kommt völlig überraschend und ohne jegliche Vorwarnung. Die eigensinnige extrovertierte Spielerin hat sich gegenüber der eigensinnigen introvertierten Spielerin durchgesetzt. ![]()
Im Sozialgefüge der Mannschaft steht sich Trude jahrelang selbst im Weg. Sie ist Außenseiterin. Die Mädchen haben mächtig Respekt vor ihrer "Wumme", Freundschaften sind jedoch fast undenkbar. Vor ihren Launen und ihrem Jähzorn ist fast niemand sicher. Nur weil Trude und ZeeBee ähnlich handballbekloppt sind, funktioniert die Zusammenarbeit. Nach und nach bemerkt Trude jedoch die Vorzüge von Sozialkompetenz. Sie entwickelt Humor, eine Fürsorge für jüngere Spielerinnen und wird allmählich zum Sprachrohr der Mannschaft. Wenn etwas nicht stimmt, Trude spricht es aus. Wenn gar nichts mehr geht, sitzen ZeeBee und Trude über eine Stunde nach dem Training zusammen und klären alles. Für die ein oder andere jüngere Spielerin wird Trude zum Idol. ZeeBee ist mächtig stolz auf die Entwicklung seines Sorgenkindes. ![]()
Der sportliche Erfolg stellt sich ein. E-Jugend Vize-Meister. Vize-Pokalsieger. D-Jugend Kreismeister. Bei der Bezirksmeisterschaft ist alles drin. Im vorletzten Spiel gegen den stärksten Konkurrenten führt die Mannschaft. Gewohnheitsmäßig wechselt ZeeBee durch, der Gegner erreicht so noch das Unentschieden. Nur durch einen sehr hohen Sieg im letzten Spiel gegen einen anderen Kreismeister ist die Meisterschaft zu holen. Vor dem entscheidenden Spiel irrt ZeeBee durch die Halle, sucht seine Mannschaft. Irgendwann findet er sie in der Kabine. Trude hat eine Krisensitzung einberufen und schwört die Mädchen auf die bevorstehende Aufgabe ein. Der TuS überrollt den Gegner und wird Bezirksmeister. ![]()
Die direkte Qualifikation für die Landesliga C-Jugend ist geschafft. Nach einer Saison ohne Niederlagen tritt der TuS als jüngste Mannschaft der Liga an. Im ersten Spiel treffen die Mädchen gleich auf einen der Favoriten. Nach wenigen Minuten wird klar, hier gibt es nichts zu holen. Trude kommt mit der Situation nicht klar, wechselt sich selbst aus und verschwindet schmollend im Geräteraum. Die Lehrsaison bekommt Trude zunächst nicht, häufig verlässt sie das Spielfeld ohne Vorwarnung oder agiert völlig lustlos in der Deckung. Sechs Spiele in Folge verlieren die Mädchen deutlich. Im siebten Spiel fehlt die rechte Angriffsseite, ZeeBee übersieht eine kurzfristige Hallenverlegung, die Mannschaft läuft klischeemäßig kurz vor Anpfiff erst ein und der Gegner nimmt den TuS nicht ernst. Trude und Lieschen sind aber in Höchstform. Der Gegner verfügt zwar über einen starken Rückraum, musste jedoch kurz vor der Saison den Abgang der Torhüterin verkraften. Trude bemerkt die Schwachstelle und schießt aus allen Lagen. Einschlag links, Einschlag rechts, Wurf durch die Torhüterin durch - ein spannungsgeladenes Spiel entsteht. Kurz vor Schluss führt der TuS mit zwei Toren, verdaddelt einige Bälle, liegt wieder zurück und schießt den Ausgleich. Der Gegner kann immer noch nicht glauben, was da geschehen ist.
Die Landesauswahl nimmt Trude immer mehr in Beschlag. Jeden Montag Stützpunkttraining statt Vereinstraining, drei Mädchen stehen nur noch einmal die Woche im Verein zur Verfügung. Olga entscheidet sich irgendwann gegen die Auswahl, Lieschen bleibt dabei und Trude definiert ihren Sport immer mehr über die Auswahl statt über den Verein. Sie wird immer unzufriedener mit den Leistungsunterschieden innerhalb der Mannschaft. Statt sporadischer schlechter Laune wird dies nun zum Dauerzustand. Co-Trainer Uwe hat inzwischen ein Aufwärmprogramm im Training entwickelt, das im Spiel die mannschaftliche Geschlossenheit präsentieren soll. Trude nimmt jede Gelegenheit wahr, auszuscheren. Beim Aufwärmen tragen alle grüne Trikots, nur Trude trägt ein schwarzes T-shirt. Beim Warmlaufen lässt sie sich jedes Mal entweder zurückfallen oder rennt vorweg. Jede Mannschaftsbesprechung muss auf sie warten, dann setzt sie sich abseits. Im Training lässt sie sich von ZeeBee nichts mehr sagen und verdreht bei allen Anweisungen die Augen, im Spiel ignoriert sie die Bank. War sie in der Vergangenheit noch über ihren Ehrgeiz wieder "einzufangen", hat ZeeBee mittlerweile den Draht zu Trude verloren. Vereinsintern hat sie sich bereits nach Alternativtrainern umgehört. Die Mannschaft reagiert immer dünnhäutiger auf ihre Eskapaden. ZeeBee fasst den Entschluss, ihr nach der Saison den Vereinswechsel nahe zu legen. ![]()
Montag meldet sich Trude vom Training ab, erscheint dann mitten im Training mit beiden Eltern. ZeeBee ahnt den Hintergrund des Aufmarsches. Nach dem Training verkündet Papa Trude den sofortigen Wechsel zum befreundeten MTV im Nachbarbezirk. Das Schicksalsspiel am kommenden Wochenende wird sie nicht mehr bestreiten. ZeeBee ist erleichtert, ärgert sich aber über das Timing. Den Wechsel zu jedem anderen Verein hätte ZeeBee allerdings als Beleidigung aufgefasst.
"Noch zehn Minunten. Ich mach jetzt Schluss. Die Mädchen werden ihre Zeit brauchen." Uwe weiß bescheid, die Mädchen nicht. "Lass sie noch auslaufen, fünf Minuten reichen." ZeeBee denkt halt wie ein Mann. Fünf Minuten vor Trainingsende sammeln in der Hallenecke. ZeeBee schwört die Mädchen auf das Schicksalsspiel am Sonntag ein. "Dann habe ich noch eine gute und eine schlechte Nachricht." ZeeBee will auf die zukünftig sicherere Abwehrformation hinweisen, kriegt dann aber noch die Kurve: "In Zukunft werden unsere Links Außen viel mehr Tore machen, da sie mehr Pässe bekommen werden. Die schlechte Nachricht erzählt Euch jetzt Trude." ZeeBee steht auf und geht.
Als Trude mit - der ersten Runde - Umarmungen fertig ist, kehrt ZeeBee zurück: "Es hat immer viel Spaß mit Dir gemacht. Auch die Streitigkeiten mit Dir waren sehr wertvoll. In den letzten Wochen hat es nicht mehr zwischen uns geklappt. Du hast die richtige Entscheidung getroffen, es ist bei Deinen Zielen eine konsequente Entscheidung. Hier habe ich noch eine Kleinigkeit für Dich. Trotz allem weißt Du, dass ich Dich liebe. Außerdem kannst Du ja ab jetzt wieder nett zu mir sein!"
ZeeBee umarmt seine Trude.
Dein
Karsten