Beiträge von Zickenbändiger

    Bei uns hat hallentechnisch das Winterhalbjahr begonnen. Die Schönwetterrasensportler fluten unsere Halle und die Handballer müssen die ohnehin schon deutlich zu wenigen Hallenzeiten noch weiter kürzen. Also starten wir die erste Viertelstunde des Trainings bereits im Gang um auf 90 Minuten Training zu kommen. Ich hatte schon mal darüber geschrieben.

    Mir hat gestern der Mädchenfußballtrainer freundlicherweise für die Zukunft ein Hallendrittel seiner letzten Viertelstunde angeboten, falls seine Trainingsgruppe klein sein sollte. Ich habe dankend abgelehnt. Mit zwanzig Mädchen nutzen wir lieber den Hallengang für 1:1. Dieses Jahr hatten wir schon im Sommer einmal die Woche das Privileg, d.h. jede Woche kurz Passkontinuum, dann ins 1:1 (ohne Körperkontakt, dazu sind die Hallenwände zu hart). Was allein unsere Gast-E-Jugendlichen in Sachen 1:1 inzwischen im Spiel/im Training auf die Platte bringen, ist ein Traum. Und nun wieder zweimal wöchentlich - will ich gar nicht hergeben.

    Ich mache das volle Spektrum, damit die Mädels eine Auswahl bekommen, sich Schokoladenaktionen auszusuchen:

    - aus dem Prellen heraus mit/ohne "falschem" Nullschritt (falsch weil = 1 Schritt mit der parallelen Landung)

    - Pass/Rückpass mit Abwehrspielerin mit/ohne Nullschritt

    - mit und ohne Tempowechsel

    - Durchbruch gegen die Hand mit Kurbel, Durchstecken, Ballübergabe hinter dem Rücken

    - Durchbruch gegen die Hand entweder mit drittem Schritt auf dem "falschen Bein" oder Richtungswechsel vorab mit Kreuzschritt und drittem Schritt auf dem richtigen Bein

    - Pass-/Wurftäuschung auch mal mit dem Knautschi-Ball für eine saubere Ausführung

    - keine automatisierte Folgehandlung, Abwehrspielerin bekommt auch mal die Aufgabe zwischen "Hereinfallen" und Stehenbleiben zu wechseln

    Vor einiger Zeit ist mir bei Instagramm ein Video mit "best of" Täuschungen aus dem Spitzenbereich über den Weg gelaufen. Keine einzige Täuschung mit Tempowechsel, vom ersten Schritt an alles in Höchstgeschwindigkeit. Also habe ich das mit eingebaut, dass wir nicht jedes Mal stumpf die Reaktion der Abwehrspielerin abwarten. Dafür aber auch Entscheidungstraining mitten in der Täuschung.

    Die neuen Regeln zum gast- und Doppelspielrecht kommen aber wie geplant?

    Das beantwortet sich hier (s. Link):

    Wurde nur ergänzt, sonst nichts umgeschmissen.

    Zitat

    Edith sagt:

    Ein Blick in den Entwurf verrät... es ist alles ein Versehen. Der Plan war, in Absatz I ein Festpielen im Erwachsenenbereich zu regeln und in Absatz IV das Festspielen im Jugendbereich quasi abzuschaffen (50 Stunde "Sperre"). Letzteres ist weggefallen, damit auch der Zusatz in Absatz I ("... in derselben Altersklasse im Erwachsenenbereich") und anscheinend ist die Streichung "in derselben Altersklasse" möglicherweise versehentlich dringeblieben.

    Könnte da bitte noch mal wer drüberschauen!

    Da habt Ihr uns aber zappeln lassen. Beschluss des DHB-Bundesrats vom 12.10.2024:

    Zitat

    4) Der neue § 55 Spielordnung (SpO) wird ab dem 01.07.2025 wie folgt geändert:

    § 55 Einschränkung des Spielrechts in Meisterschaftsspielen

    (1) Für Vereine mit mehreren Mannschaften in derselben Altersklasse wird das Spielrecht der Spieler*innen in Meisterschaftsspielen eines Spieljahres des Vereins in der Weise eingeschränkt, dass ein Spieler/ eine Spielerin nach der Teilnahme an zwei aufeinanderfolgenden Spielen der höheren Mannschaft/en für die

    niedrigere Mannschaft erst wieder teilnahmeberechtigt wird, wenn zwei weitere aufeinanderfolgende Meisterschaftsspiele der höheren Mannschaft/en ohne ihn/ sie ausgetragen worden sind bzw. nach der letzten Teilnahme an einem Meisterschaftsspiel der höheren Mannschaft ein Zeitraum von acht Wochen

    verstrichen ist.

    Vielleicht liest hier ja doch wer mit. Entwarnung für 2025. Die Welt geht doch nicht unter.

    Zitat
    Als SP-Trainer ist sicherlich die Möglichkeit der Einflußnahme auf die einzelnen Spielerinnen gering, die eigentliche Verantwortung liegt eher im Vereinsumfeld - hier wird das Verhalten leider auch im Punktspielbetrieb gezeigt und zumindest auch so toleriert.

    ich hoffe, die betroffenen Spielerinnen von HWL1 haben ausser einem angekratzten Ego keine weiteren Blessuren davongetragen!

    In dem Spiel war ein großer Block von mir vertreten und ein großer Block aus der Helmstedter Ecke. Trainingsspiel ist in der Planung. Ich habe bereits im Vorfeld um Ansetzung eines erfahrenen Schieris gebeten, sonst ist das Spiel ganz schnell wieder vorbei.

    Beim Übergang von E zu D erkläre ich den Mädels bei der Abwehr gegen die prellende Gegenspielerin:

    "Du bist jetzt nicht mehr in der E. Erst eine Hand an die Prellschulter, dann die zweite Hand zum Ball. Erst machst Du sie langsam, dann erst greifst Du den Ball an. Den Ball schnappen wird in der D immer seltener gelingen."

    Ich habe (leider) lange keine E-Jugend mehr trainiert. Früher war E-Jugend bei mir komplett körperlos. Würde ich wahrscheinlich so beibehalten, wenn ich wieder eine E trainieren würde. Gibt genug andere wichtigere Baustellen, wenn ich mir ein E-Jugend Spiel so ansehe. Was da an Unfug in der Abwehr praktiziert wird... 95% oder mehr der individuellen Abwehraktionen sind nicht mal ansatzweise dazu geeignet, den Ball zu erobern. Andererseits neige ich dazu, aus der D-Jugend allmählich den Kinderhandball herauszufiltern. Es bestünde die Gefahr, das auf die E zu übertragen.

    Nach dem dritten Spiel jenes Turniers von Auswahlmannschaften hätte ich mir allerdings auch körperlose Abwehr gewünscht. Eine Mannschaft tat sich - sehr erfolgreich - dadurch hervor, jeden Schlagwurf, jeden Sprungwurf von der Seite durch einen Schubser zu begleiten. Meine Mädels rollten reihenweise über den Boden und es gab einen Freiwurf nach dem Anderen. Nach etwa sechs nicht gegebenen Hinausstellungen gab die Mannschaft schlichtweg auf und die perfide Taktik des späteren Turniersiegers ging auf. Das hatte allerdings genausowenig mit Handball zu tun, wie in der D den Körperkontakt zu unterbinden.

    Ich habe über 40 wD Trainer der Handballregion per Mail eingeladen, sich mal ein Spiel von uns anzuschauen und mich hinterher mit Fragen zu löchern. Unter anderem schrieb ich zu meinen Beobachtungen in fremden Hallen:

    Zitat

    - individuelle Abwehr

    Die Regel zur individuellen Abwehr (Nr. 8 I b) ist eindeutig: "Es ist erlaubt, mit angewinkelten Armen Körperkontakt zum Gegenspieler aufzunehmen, ihn auf diese Weise zu kontrollieren und zu begleiten."

    Bekomme ich fast NIRGENDS zu sehen. Entweder wird komplett ohne Körperkontakt gespielt, der Gegner durchgewunken, oder eben geklammert, gerungen, gestoßen. Und die Idee für die vorgeschriebene offensive Deckung in Deutschland, nämlich der Ballgewinn, verkommt dabei ohnehin zur Nebensache.

    Erste und einzige Reaktion bislang gestern im persönlichen Gespräch auf der Tribüne im Rahmen eines Vergleichsturniers von vier Regionsauswahlmannschaften. Trainerin aus der untersten Liga spricht mich nach zwei Turnierspielen an, dass ja beim Turnier "schon ganz schön köperlich verteidigt würde" (bis dahin keine einzige gelbe Karte oder Hinausstellung), während ich doch körperlose Deckung in der D propagieren würde, sprich meine Mädchen vor Ort auf der Platte das Gegenteil spielten, wofür ich stünde.

    Ich bin ja selten sprachlos... Immerhin konnten wir uns einigen, dass bis dahin noch keine einzige Zeitstrafe ausgesprochen wurde und ich auch noch keine einzige Hinausstellung vermisst hatte. Und das soll dann schon viel zu körperliche Abwehrarbeit sein. Bei meinem Kreuzzug für mehr Handball im Handball muss ich also jederzeit damit rechnen, dass ich auf Trainer stoße, die noch nie ein Handballspiel gesehen habe. Es macht mir wirklich Angst.

    Ich werde nun mal die Konsequenzen aus meinen Beobachtungen ziehen. Am Wochenende ein D-Jugend Spiel, bei dem immerhin die Positionen wie im Handball besetzt waren und ich weder eine drei- oder vierfach besetzte Rückraum Mitte oder vier bis sechs Kreisläuferinnen hatte. Aber... Ballannahme in der Bewegung? Nö. Und die erfolgreiche Mannschaft hat in der Deckung auch eher griechisch/römisch als Regelkonform gearbeitet.

    Alle zwei, drei Jahre habe ich ein Mädchentrainerseminar angeboten, vier Stunden am Samstagvormittag. Zuletzt hatten wir Gäste aus fünf Bundesländern, nur nicht mein Zielpublikum aus den hiesigen Vereinen. Stattdessen werde ich rund 50 Mädchentrainer aus der Handballregion anschreiben, unseren Spielplan übersenden und zum Zuschauen einladen. Vielleicht komme ich mit Anschauungsunterricht in der Praxis weiter. Unsere Seminare mit teils hochkarätigen Gastreferenten und Demomannschaften aus überwiegend Auswahlspielerinnen ist eine Sache. Ein D-Jugend Spiel aus dem Wettkampf hoffentlich ein ganz anderer Anreiz, sein Training mal zu überdenken. Es gäbe (hoffentlich) zu sehen:

    - die Angriffspositionen mit Besetzung der Linienaußen breit aufgestellt

    - steht der Angriff nicht komplett innerhalb des Neuners, bieten sich viel mehr Möglichkeiten

    - Abwehr funktioniert nicht nur innerhalb des Neuners, macht auf 15m viel mehr Spaß

    - es geht auch ohne Catchen/Ringen/Judo und es gibt dadurch viel mehr Ballgewinne

    - auch ohne Spielzüge oder angesagte Auslösehandlungen lassen sich viele, viele Tore werfen

    - je mehr Arbeit in der individuellen Ausbildung steckt, desto vielfältiger ist das Angriffsspiel

    - Torwart kann mehr als nur die halbe Miete sein

    - es kann Sinn machen, alle zwölf Spielerinnen gleichmäßig einzusetzen, statt nur die erste Sieben

    Nach den Herbstferien gibt es einen Spielplan für die Hauptrunde, dann folgt die Einladung. Ich werde berichten.

    Zitat

    Wie genau hat das ausgesehen bzw woran machst du das fest? An der Positionierung der Spielerinnen? Wenn ja, wie sah die aus?

    Einfach. Ich werde ja noch wochenlang Albträume davon haben.

    Die Halle verfügte über o.g. Markierung der 3-Punkte-Linie des Basketballs. Gastverein mit allen drei Rückraumspielerinnen stets nicht nur innerhalb des Halbkreises, zudem auch noch so eng zusammen, dass sie sich den Ball untereinander locker und ohne Kraftaufwand hätten zulupfen können. Sprich hätte eine echte RM von außerhalb der 3-Punkte-Zone normal mit der Ballrichtung stoßen wollen, hätten RML und RMR stets im Laufweg gestanden.

    Die Heimmannschaft ähnlich, nur das auf dem Neuner immer noch eine Spielerin zusätzlich im Weg stand. RMMV halt. Und das war nicht die KM.

    Und damit wären wir bei dem Dilemma, was ich hier seit Jahren anprangere:

    - Theorie: Die Landesverbände schreiben offensive Deckungsformen vor. Verbieten dem TW den Eintritt in die gegnerische Hälfte. Bei den Zwergen darf aufgefüllt werden, damit auch in "Unterzahl" offensiv gedeckt werden kann. Einzelmanndeckung ist verboten. Spezialistenwechsel ist verboten. 7. Feldspieler ist verboten.

    - Praxis: In der Wettkampfpraxis gibt es den 0:6 Angriff ohne Rückraum und ohne Außen. Den 5:1 Angriff ohne Außen. Rückraum Mitte wird dreifach besetzt. Rückraum Mitte wird VIERFACH besetzt.

    Wer findet den Fehler? :smokin: Ich habe mal aus Spaß dem Landesverband vorgeschlagen, einhergehend mit den Deckungsvorschriften den 0:6 Angriff zu verbieten, damit die Deckung durchgehend offensiv verteidigen kann. Mein nächster Vorschlag wird wohl sein, es zu verbieten, Rückraumpositionen mehr als doppelt zu besetzen (will ja keine Innovation wie bei den Schwedinnen bei Olympia ausbremsen). Irgendwie muss doch vernünftiger Handball in den Sport hineinreglementiert werden können. :/:

    Ich werd wohl mal alle 45+ Trainer der Region anschreiben und zu einem unserer Heimspiele einladen. Hinterher Frage und Antwort. Systematischen Chaoshandball ertrage ich nicht länger.

    Zitat

    Die Kehrseite der Medaille: Ich bekomme nicht immer nur Handball zu sehen...

    Eigentlich ist es fast einen Tagebucheintrag wert. Ich fahre raus auf 's Land, um mir ein Spiel in der Vorrunde zur Regionsoberliga der weiblichen D anzusehen. Die Vorrunde ist nominell die zweithöchste Liga im Verband. Gastgeber hat erstmals seit zwanzig Jahren wieder eine wD, ist ansonsten ausschließlich Herrenclub in der Jugend. Gäste kommen von einem Traditionsverein vom Dorfe. Vor etwa zwanzig Jahren auch mal wC Niedersachsenmeister. Inzwischen aber eher reiner Breitensport. Ich bin skeptisch, was die Meldung der Gastgeber oberhalb der Regionsklasse angeht. Und auch wenn ich immerhin 12 Mädchen sehe... zu Recht. Die Gäste auch nicht viel stärker.

    Das Spiel beginnt. Mir stockt der Atem. Bei den Gästen ist Rückraum Mitte dreifach besetzt. Also Rückraum Mitte Links, Rückraum Mitte Mitte und Rückraum Mitte Rechts. O.k., kann in der D mal vorkommen, wird sicher gleich korrigiert. Nein, in den 17 Minuten, die ich ertrage, bleibt es dabei. Lässt sich allerdings noch steigern! Die Gastgeber mit Rückraum Mitte Links, Rückraum Mitte Rechts... Rückraum Mitte Mitte Hinten und Rückraum Mitte Mitte Vorne!

    Noch mal: Die zweithöchste von drei Leistungsklassen. Ich wundere mich bei Olympia nun über nichts mehr, wenn das die Basisarbeit ist. Dann brauche ich mit "den zentralen Spielraum öffnen" nicht zu kommen, wenn den Jugendtrainern die Angriffspositionen im Handball nicht mal bekannt sind.

    Immerhin habe ich eine Linkshänderin entdeckt...

    Sonntagmorgen, einmal quer durch die Stadt mit der Straßenbahn, einen Kilometer zu Fuß zur Halle. Mit der Saison beginnt wieder das Scouten. Auf der positiven Seite: Vielleicht entdecke ich ja noch ein Talent. Die Kehrseite der Medaille: Ich bekomme nicht immer nur Handball zu sehen...

    Die Heimmannschaft hat einen Plan, Kreisläuferin am Kreis, die Außen tatsächlich auf Außen und der Rückraum auch im Rückraum. Und Rückraum Mitte nur einfach und nicht dreifach besetzt. Die Gastmannschaft spielt den berüchtigten 5:1 Angriff. 40 Minuten bleiben die Außenpositionen vollkommen unbesetzt. Es tummeln sich 5 (f-ü-n-f!) Spielerinnen im Rückraum.

    >>Aber dann verdichtet sich doch die Deckung im Zentrum, also genau dort, wo ich keine Verdichtung gebrauchen kann!?<<

    >> Jupp!<<

    Feldmann'sche Regel Nr. 1 für den Angriff: Den zentralen Spielraum öffnen!

    Hier die konkrete Folge: Durchbrüche im Zentrum werden maximal erschwert. Die Deckung steht nun vor dem Neuner wie eine Wand, kann ihr Glück kaum fassen. Das wiederum beflügelt die mutigste Angreiferin zu höchst albernen Sprungwürfchen von 10, 11m. Im Tor eine Feldspielerin, die es mit der Fußabwehr nicht so hat. Die Würfe landen entweder weit über dem Tor oder, wenn ein Wurf tatsächlich mal flach kommt, im Tor und wird dann von der Bank bejubelt und damit abgesegnet. Dass das Vorgehen keine Zukunft hat... egal. Die Heimmannschaft ist klar besser, die Gastmannschaft hat aber eine pfiffige Torhüterin. Mit strukturiertem 3:3 Angriff würde das Spiel sogar eng werden. So endet das Spiel 27:17. Die Differenz hätte sich locker halbieren lassen können.

    Neben dem 5:1 Angriff gehört der 0:6 Angriff zu den imposantesten Eigentoren, die ich in den Hallen im Kinderhandball sehe. Nach und nach driften erst die Außen in den Kreisläuferbereich der Nahwurfzone, später folgen alle drei Rückraumsspielerinnen, wenn sie ausgestoßen haben und den Rückwärtsgang nicht finden.

    Wie stelle ich mir die Deckung maximal doof selbst in den Weg?  5:1 oder 0:6 Angriff dürften so ziemlich die geschicktesten Schachzüge sein, sich die Durchbruchräume selbst zu verstellen. Dichter bekomme ich die Lücken nicht.

    Die Mädels kommen - bei uns - aus dem 2x3:3 heraus, also aus großen Räumen. Und selbst dort wird sich gerne der zentrale Spielraum selbst zugestellt, wenn sich wieder alle drei Angreiferinnen im Zentrum auf 9m zusammenrotten und mit den drei Abwehrspielerinnen kuscheln. Beim Übergang zum Spiel auf dem ganzen Feld werden als Erstes die Außen an die Außenlinie gekettet:

    "An die Außenlinie! Du darfst jederzeit mit Ball Richtung Mitte durchbrechen, Du darfst Ausflüge an den Torkreis machen, dann aber wieder zurück auf Außen an die Linie!"

    Sind die Außen erst einmal aus dem Weg, muss nun der Rückraum aus dem 9m Kreis raus. Hilfsmittel Nr. 1 nach Feldmann ist - falls vorhanden - die Basketball 3-Punkte-Linie. Das ist quasi die verbotene Rumstehzone. Mit oder ohne Ball mit hoher Geschwindigkeit rein, dann aber (rückwärts) wieder raus! Gestern störte mich etwas bei der Hallengeometrie. Dauerte etwas. Basketball und Handballfeld waren nicht symmetrisch, das Basketballfeld etwa 2 m seitlich versetzt! In aller Regel allerdings schon symmetrisch und die 3-Punkte-Zone eignet sich prima, um den Rückraum zu sortieren.

    Die Regel oben allein genügt einer Mannschaft jedoch nicht. Letzte Saison habe ich bei einer befreundeten wD Mannschaft zugeschaut, der 3-Punkte-Halbkreis war dort, wo er sein sollte, nur die Rückraumspielerinnen nicht. Ich habe mich in der Halbzeit eingemischt. Zweite Halbzeit war prima, alle Rückraumspielerinnen hatten verinnerlicht, dass der Fußboden innerhalb des schwarzen Halbkreises brennt und furchbar heiß ist. Die Deckung zog sich automatisch auf, der zentrale Spielraum war geöffnet. Der Angriff hatte aber nun so einen Respeckt vor dem heißen Fußboden innerhalb der 3-Punkte-Zone... niemand traute sich mehr dort hinein. Und ich hatte in der Halbzeit ein kleines Wunder versprochen. Blieb dann bloß bei einer optischen Verschönerung.

    Liebes Handballtagebuch!

    2004 Eulencup des MTV Vater Jahn Peine, 2024 Pelikancup der Peiner SG. Der Vogel und die Halle haben sich geändert, alles andere bleibt gleich. Mastermind Luuutz lädt inzwischen die Elite der umliegenden Bundesländer nach Peine und zumindest Minis, E- bis C-Mädchen zeigen der Konkurrenz, wo der Hammer hängt. Seit zwanzig Jahren reist ZeeBee zum Turnier und darf Jahr für Jahr dazu lernen. Mit der C II gibt es zuletzt eine kleine positive Serie gegen die Peiner C II im Punktspielbetrieb, mit der D gibt es nur Lehrstunden.

    Die Peiner Gäste treiben Luuutz in den Wahnsinn. "Neee, wir haben nur eine Mannschaft gemeldet. Oder wollten zumindest nur eine Mannschaft melden." "Wir schaffen es doch nicht." "Wo sind wir eigentlich im Teilnehmerfeld?" "Nee, wir kriegen doch keine Mannschaft mehr zusammen." Per whatsApp bekommt ZeeBee fünf Fassungen eines Spielplans mit wechselnden Turnierbestimmungen. ZeeBee liest gar nicht mehr mit.

    Drei Dreiergruppen spielen die Platzierung aus, danach spielen die Gruppendritten in einer Dreiergruppe, die Gruppenzweiten... Das Teilnehmerfeld ist wie immer ein bunter Strauß klanghafter Namen. Ex-Bundesligist Celle, Magdeburg, Halle Neustadt und Leipzig geben sich die Klinke in die Hand. Die Erstvertretung der Gastgeber startet gegen Celle. Stellt sich hinterher heraus, dass hier zwei der drei besten Turniermannschaften aufeinandertreffen, aber nur eine in die Endrunde um Platz 1 kommen kann. Karma is a bitch. Auf der Peiner Bank Co-Trainer Dirk alleine, Mastermind Luuutz kümmert sich um Organisatorisches, die Kamera, hält sich vornehm zurück. Peine schlägt eine wirklich gute Celler Mannschaft.

    ZeeBees Mädchen starten gegen Celle II. Im ersten Spiel hat sich klar gezeigt, Celle I ist auch wirklich Celle I und es muss schon mit dem Teufel zugehen, wenn Celle II auch nur ähnlich stark wäre. Ist Celle II nicht, ZeeBee beginnt nach wenigen Minuten seine Leistungsträgerinnen auszuwechseln und zwei Aushilfskräfte aus der eigenen D II dürfen eine Viertelstunde am Stück spielen. Beim 6:0 oder 7:0 greift sich ZeeBee Torhüterin Monsta Marit. "Die gehen hier aber nicht ohne Tor aus dem Spiel!" Monsta Marit nickt verständnisvoll. Nächster Celler Angriff, Rückraum links bricht durch, wirft frei vom Sechser, Monsta Marit hält, Abpraller zum Kreis, freier Wurf vom Sechser, Monsta Marit hält. ZeeBee guckt böse, Marit grinst. Nach dem Spiel (20:0) zeigt ZeeBee Monsta Marit die Anzeigetafel. "Wo ist der Fehler?!" Monsta Marit grinst.

    Der D-Jugend Kindergarten von Peine II steht auf der Platte gegen Magdeburg. Fast ausschließlich E-Jugendliche, die sich in der D behaupten müssen. Unfassbar gut ausgebildete E-Jugendliche, die sich in der D behaupten müssen. Auf der Bank ein Spielerinnenvater, Mastermind Luuutz hält sich vornehm zurück. Und die Lütten haben das Spiel fest im Griff! Auf Rückraum Rechts Anna, die "große" E-Jugend Schwester von ZeeBees Leiharbeiterin Alexa, die wiederum frisch aus den Minis raus damals Aushilfskraft beim Ulzburgcup gewesen ist. Anna ist mindestens einen Kopf kleiner als die Magdeburger Mädchen, lenkt das Spiel, beschleunigt, verlangsamt, beobachtet, sondiert, geht mit hoher Dynamik in die 1-gg-1 Situationen. ZeeBee fummelt einen Spielervertrag aus der Tasche. In den letzten zwei Minuten schwinden die Kräfte, Anna spielt zwei verheerende Pässe zum Gegner, Peine II verliert dadurch das Spiel mit einem Tor. Die Zwerge entgehen letztlich der "Meisterrunde" um Platz 1, werden aber schon in der Runde um Platz 4 körperlich untergehen. D-Jugend Co-Trainer Dirk: "Hast Du Anna gesehen? War das stark?" "Steht bei mir ganz oben auf der Liste der besten Spielerin. Nur die letzte Minute war nicht so doll."

    Der Zweitliganachwuchs von Halle/Neustadt spielt einen guten Handball, muss sich aber beugen. Monsta Marit im Tor ist gut drauf. Spielmacherin Nella, einzige '13er Spielerin im Stammkader, lenkt das Spiel und kann sich immer wieder durchsetzen. Kreisläuferin Lilia, neu auf der Position, letzte Saison mit Gastspielrecht aus einer männlichen D gerettet, findet immer mehr Gefallen am Kreis und macht intuitiv so vieles richtig, was kein Trainer in der Altersklasse für die Position vermittelt. Neuzugang Lotta, letzte Saison noch Kreisklasse im Heimverein, harmoniert kongenial mit Nella im Rückraum. Diese Mannschaft muss erst einmal geschlagen werden. ZeeBee hat bei Peine eine überragende Spielerin im Rückraum gesehen. Aber eben nur eine. Wenn nicht heute....

    Vier Stunden Pause. Das Turnier ist angedacht auf Parallelbetrieb in zwei Hallen, wird aber letztlich nur in einer Halle ausgetragen. So sieht man zumindest mal alle Teams. Aber vier Stunden Pause... Betreuerinnen Jara und Lene bereiten das nächste Instagram Video vor. Die 'Frage der Woche': "Auf welchem Platz schneidet der TVB heute ab." Die meisten Mädchen sind mutig. "Erster!" "Erster oder Zweiter!" Vollkommen korrekt liegt Aushilfskraft Knuddelmaus Polly: "Erster! Oder Zweiter! Oder Dritter!" Richtig Polly, wir spielen zu dritt Platz 1 aus. ZeeBee: "Heute ist Peine dran! Wir werden Erster!" Statistisch gesehen natürlich Quatsch, in zwanzig Jahren gibt es keinen Sieg hier. Aber Serien sind zum Brechen da.

    In der Meisterrunde stellt Magdeburg keinen echten Gegner für Peine dar. Celle wäre im Nachhinein der angemessene Gruppenkopf für Gruppe C gewesen - steckste nicht drin. Die - wieder einmal - großen Mädchen aus Celle werden letztlich souverän Vierter. Den Vergleich hätte ZeeBee gerne gehabt. Auch gegen den TVB sieht Magdeburg keinen Stich, ZeeBee kann sogar im vorletzten Turnierspiel noch mal bunt durchwechseln. In der langen Pause lernt ZeeBee die freche Kreis und die freche Rückraum Rechte der Heimmannschaft kennen. Die fabulieren was von einem klaren Peiner Sieg im Endspiel und steigern sich immer weiter in ihren Wahn, sind drauf und dran Haus und Hof zu verwetten. ZeeBee reduziert den Wetteinsatz auf zwei Lutscher pro übermütiger Spielerin.

    Traditionell setzt Mastermind Luuutz den Spielplan so, dass im Idealfall das letzte Spiel nicht nur das Endspiel oder Quasi-Endspiel ist. Im Falle des optimalen Turnierverlaufs würde Peine stets auf den TVB treffen, was in der Vergangenheit auch das ein oder andere Mal so eingetreten ist. Und IMMER mit dem besseren Ausgang für Peine. ZeeBee schwört seine Mädels auf das Spiel ein, vergisst aber nicht: "Geht raus und habt Spaß!" Auf der Peiner Bank im allerersten von heute insgesamt acht Peiner Spielen nun doch Luuutz, der sich nun nicht mehr vornehm zurückhält. Beide Teams spielen zunächst auf Augenhöhe. Peines Granate Melissa dominiert das Spiel ihrer Mannschaft, Nella steht ihr jedoch außer bei der Größe in nichts nach. Tor Peine, schneller Pass von Monsta Marit nach vorn, nie geübte Schnelle Mitte, Nella gleitet durch die gegnerische Deckung, springt über das "falsche" Bein ab, sofortiges Gegentor. SO beantwortet man ein Tor!

    Individualtaktische Fehler in der Deckung machen nun Peine das Leben leicht. Zwar haben ZeeBees Mädchen schon viel individuelle Deckung gelernt, nun rächen sich Lücken bei dem taktischen Verhalten auf Außen. Außen Rechts rennt blindlings der Täuschung Richtung Eckenaußen nach, wird dann nach innen überlaufen. Außen Links hilft immer wieder taktisch falsch gegen Linkshänderin auf Rückraum Rechts auf der Wurfarmgegenseite aus, lässt dafür ihre Gegenspielerin auf Außen allein. Und dort steht in Peine nun einmal niemals eine Graupe wie in 90% aller anderen Teams dieser Altersklasse. Richtung crunch time liegt der TVB mit drei Toren zurück.

    Déja vu... Aber Monsta Marit hält den TVB im Spiel. ZeeBee holt sich Kreisläuferin Lilia zur Bank, zeigt auf die Anzeigetafel: "Noch vier Minuten zu spielen, drei Tore zurück. Der Unterschied zwischen Gewinnen und Verlieren sind nun Sperren von Dir!" Sowohl in der Auswahl als auch beim Beachhandball im Verein hat Lilia schon Sperren geübt. Nächster Angriff, Lilia stellt eine Frontalsperre gegen Vorne Mitte, für Nella reicht es nicht ganz, zwingt aber Halb zum Aushelfen und Rückraum Rechts Lotta flutscht durch. Tor. Monsta Marit macht weiter das, was sie am besten kann, treibt die Gegner in den Wahnsinn. Und Sekunden vor Schluss gibt es noch einen 7m. ZeeBee bedeutet Nella, die letzten acht Sekunden runterlaufen zu lassen. Trifft Nella auch diesen 7m, wie bisher alle im Turnier - Unentschieden. Nella trifft.

    Nun hat es vier Änderungen des Spielplans gegeben, drei davon mit Wechsel zwischen Platzierungsspielen (und 7m Werfen bei Unentschieden) und Endrunden (OHNE 7m Werfen bei Unentschieden mit Blick auf direkten Vergleich und dann die Tabelle). ZeeBee hat längst auf die Lektüre der jeweils aktuellen aber kurzlebigen Ausschreibung verzichtet, hat also gar nicht auf dem Schirm, dass mit Abpfiff das Turnier eigentlich entschieden ist. Ein Blick auf die Tabelle der Meisterrunde genügt. Aber auch der Schieri ist nicht auf dem aktuellsten Stand, kommt sofort an und möchte eine Auswahl von fünf Werferinnen haben. >>7m Werfen? Her damit! Wir haben Monsta Marit im Tor!<<

    Mit Bedacht fragt ZeeBee gar nicht erst nach fünf Freiwilligen, die sich sicher fühlen. "Du, Du, Du und Du. Ihr schafft das! Und als letztes Marie, Du musst aber schon nicht mehr werfen, da Marit bis dahin das 7m Werfen entschieden haben wird."

    Frage der Woche: "Was hält Marit von Peine?" "Dreiviertel aller 7m." Ein Fehlwurf des TVB, Marie muss aber nicht mehr antreten. Die Peiner Mädchen spüren in ihren Urinstinkten die historische Bedeutung der Niederlage, heulen wie die Schlosshunde. Vor der Siegerehrung besorgt ZeeBee für alle Gegnerinnen Lutscher, bezahlt die Wettschulden, nur andersherum. Auf einem Foto später Monsta Marit als beste Torhüterin und die fast anderthalb Köpfe kleinere E-Jugendliche Anna als völlig perplexe beste Spielerin des Turniers.

    Ein Neu-Peiner Elternteil, alter Bekannter von ZeeBee:

    "Man hat aber schon gemerkt, dass das ein Prestigeduell ist."

    >>ACH!<<

    Dein

    Karsten

    Hier ist § 19 b III SpO DHB einschlägig und ziemlich eindeutig:

    Zitat

    (3) Ausschließlich für den Einsatz in Qualifikationsspielen zum neuen Spieljahr (s. § 9 Ziffer 2 SpO) und für die sich daran anschließenden Meisterschaftsspiele der neuen Spielsaison kann ein Gastspielrecht vom 15. März bis 30. Juni eines Jahres beantragt werden. In einem solchen Fall darf frühestens zu 15. Oktober desselben Jahres eine weitere Spielberechtigung gemäß § 26 Ziffer 2 SpO erteilt werden. Auch kann der Erstverein zum neuen Spieljahr keine Mannschaften in der Altersklasse, der der Gastspieler angehört, melden. § 19 a Abs. 2 bis 5 SpO gelten ebenfalls entsprechend.

    Das "weitere Spielrecht" ist hier der Vereinswechsel. Ich sehe da keine Trickserei, das zu umgehen. Die Regel hat ja auch eine gewisse Berechtigung, den Erstverein vor Ausblutung zu schützen.

    Liebes Handballtagebuch!

    Die Saison nähert sich. Corona sei Dank, die D-Jugend weiterhin dünn besetzt, so dass womöglich wieder mal nur ein Team mit riesigem Leistungsgefälle gemeldet werden kann und das Projekt "D-Jugend spielt auch zweite C-Jugend" sieht ebenfalls ganz düster aus. Mit etwas aggressiver Personalpolitik lässt sich aber Qualität und Quantität deutlich nach oben schrauben und plötzlich ist erstmals seit Corona wieder eine D II gemeldet und auch die C II kann an den Start gehen.

    Drei Wochen vor Saisonstart hätte das Trainingslager stattfinden sollen, lässt sich aber terminlich nicht umsetzen. Es verbleibt ein weißer handballfreier Fleck im Terminkalender. Da kommt die Nachricht von Dieter, er bräuchte noch Unterstützung in einem B-Jugend Trainingslager. Dieter macht nur noch "Projekte", trainiert selbst nicht mehr Bundesliga oder Spitzenmannschaften in der Jugend. ZeeBee kennt beide Teams gut, hat schon gemeinsame Trainingslager veranstaltet oder als Gasttrainer ausgeholfen. Ein Team bricht weg, Dieter holt sein Dortmunder Projekt dazu und will sich um Kreuzen/Parallel gegen 6:0 kümmern. ZeeBee soll die Außen und die Kreisläufer beschäftigen. "GLEICHZEITIG?!" "Gleichzeitig." Also nicht nur ZeeBees Nemesis-Altersklasse, auch noch zwei nicht eben benachbarte Positionen unter einen Hut bringen.

    Zum Glück gibt es in der Landeshauptstadt eine Uni und dort im Zeitschriftenlesesaal auch die passende Literatur. Und sensationelle Öffnungszeiten. Wie zu Unizeiten schleicht sich ZeeBee auf den letzten Drücker Richtung Bibliothek und will seinen Rahmen mit Übungen füllen. Allerdings sind alle Unibibliotheken mal eben am Donnerstag geschlossen. Freitag hat sich ZeeBee für alle Fälle frei genommen. Dann eben abends Tapas und morgen Punkt acht Recherche. Freitagmorgen hat die Bibliothek auch tatsächlich geöffnet... nur der Zeitschriftenlesesaal ist wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Es soll wohl nicht sein.

    Erste Trainingseinheit verläuft gut. Die Kinderhandballperspektive auf Technikerwerb und -verbesserung funktioniert auch mit ambitionierten B-Jugendlichen. Die beiden Vereinstrainer der Mädchen haben eine Zuschauerrolle, bzw. werden ab und an auch mal eingebunden, da ZeeBee quasi zwei komplett verschiedene Trainingseinheiten im Parallelbetrieb hat. "Unmögliche Aufgabe", so ZeeBees Worte an die Mädchen vor Trainingsbeginn.

    Einheit drei und vier mischt Dieter die Trainingsgruppen und es gibt komplette Abwechselung. Life kinetic in der einen Hallenhälfte, ZeeBee macht Einführung in die AIM Position des Wurfarms im 1-gegen-1. Einheit eins verläuft reibungslos, Einheit zwei hakt etwas. Elf motivierte junge Damen, die voll mitziehen... ein Dortmunder Mädchen in Pink, die mit maximaler Unlust durch die Übungen schlurft. ZeeBee ist erstaunt, beide Teams doch ambitioniert und in der Regional- bzw. Oberliga. Ähnliches kennt ZeeBee allenfalls aus der zweiten D-Jugend und auch dort würde es so etwas nicht lange geben.

    ZeeBee unterbricht die Einheit, stellt die Falle:

    "Ich muss kurz nachhaken. Alle gesund? Irgendwer verletzt? Sollte jemand krank oder verletzt sein, bitte aussetzen und es nicht schlimmer machen."

    Alle gesund. Niemand verletzt.

    ZeeBee wird sehr grantig und bittet - anonym an alle gerichtet - unhöflich aber bestimmt um hundertprozentigen Einsatz. Training geht weiter, ZeeBee schaut sich das Drama noch 90 Sekunden an. Falle schnappt zu. Miss pinke Unlust trainiert weiterhin bei maximal 20%.

    "Hallooo, wie heißt Du denn?"

    ZeeBee nimmt sich die unmotivierte Dame zur Seite.

    "Lena." (Name von der Redaktion geändert.)

    "Lena, Training ist für Dich jetzt vorbei. Das schaue ich mir nicht mehr an, wie Du hier das Training boykottierst."

    "Aber aber... ich gebe doch mein Bestes!"

    ZeeBee schluckt alle bösartigen Kommentare herunter zum Thema "Ihr Bestes" (Inklusion, Geriartrie, Mutter-Kind-Turnen) und wirft sie höflich raus.

    "Das ist mit Abstand nicht Dein Bestes, Du bist nach eigener Angabe unverletzt und jetzt ist das Training ohne Diskussion vorbei."

    Lena zieht schmollend davon, ZeeBee entschuldigt sich bei den übrigen Mädchen für den vorherigen Ausbruch, nun sei aber der Störfaktor beseitigt. Nun ist ZeeBee nicht ganz unerfahren und eine Zehnjährige hätte er ausgeschlossen, aber in der Halle in Blickweite bis zum Ende des Trainings auf die Bank gesetzt, bis Mama sie abholt oder das Training offiziell zu Ende ist. Eine verständige Sechzehnjährige im Trainingslager, weit von der Heimat, noch eine Übernachtung steht aus... was soll schon passieren?

    Lenas Vereinstrainer ist nicht in der Halle, liegt seit dem Vorabend in einer Kabine mit Fieber flach und würde am liebsten selbst von Mama abgeholt werden. Lena ist also unbeaufsichtigt und kurz im autoritätsfreien Raum. Was tut also eine verständige Sechzehnjährige? Ruft Mama an, packt heimlich ihre Sachen, marschiert zwei Kilometer zum Bahnhof und setzt sich in einen Zug. Drei- oder viermal umsteigen bei rund drei Stunden Fahrt. Später werden die Aussagen auseinander gehen, ob Mama zugestimmt hat oder ihr Kind nicht von der Flucht abhalten konnte. Dieter betreibt Beweissicherung und befragt die Mannschaft. Nein, keine Info an den Trainer Tim, Lena habe sich erst während der Fahrt bei den Mitspielerinnen gemeldet per whatsApp gemeldet. Es habe einen Anruf der Eltern bei Tim gegeben.

    "Aber coole Aktion. Bei uns kommt sie immer mit allem durch."

    Fehlt wohl ein Bändiger in Dortmund... Eine Mitspielerin kommt zu ZeeBee, bittet schüchten um seine Handynummer, um sie weiter zu geben.

    "Lena will sich bestimmt entschuldigen..." ZeeBee grinst wölfisch.

    ZeeBee wird vorgewarnt, die Eltern seien "schwierig". Das könnte ein interessantes Gespräch werden. Zicken bändigen an sich ist nicht auf ein Alter oder Geschlecht beschränkt. Abends beim Grillen ist es soweit, eine unbekannte Nummer auf dem Display. Papa R. möchte einen Bericht hören, Papa bekommt einen Bericht. Alle Ansätze von Kritik perlen an ZeeBee ab, also muss nun der Vereinstrainer herhalten, der seine Aufsichtspflicht sträflich vernachlässigt habe. Dass der krank in der Koje gelegen hat, zählt nicht. "War ja nicht tot." Kein Schimmer Einsicht, dass man nicht immer und überall mit Steinen schmeißen sollte.

    Nach der letzten Einheit setzen sich Dieter, Lenas Trainer Tim und ZeeBee Sonntag noch einmal zusammen. Tim fabuliert, dass er ein Gespräch mit Lena führen müsse, zumindest eine Entschuldigung gegenüber der Mannschaft müsse her. ZeeBee schiebt das auf den Fieberwahn, obwohl Tim sich gesund gemeldet hat. Sodann gesteht Tim, dass er schon zwei, drei Gespräche mit der jungen Dame wegen ihrer Motivationsprobleme geführt habe. Und der Athletiktrainer habe ebenfalls ein Gespräch geführt. Und der Torwarttrainer. Dieter und ZeeBee sind fassungslos.

    "Im Arbeitsrecht nennt man das 'betriebliche Übung'. Dann ist es jetzt amtlich. Lena darf sich gewohnheitsrechtlich alles erlauben."

    Es dämmert Tim, dass Dieter und ZeeBee Recht haben könnten. Er lädt Lena vom nächsten Training aus, verabredet sich hinterher stattdessen mit den Eltern, um ihren Ausschluss aus der Mannschaft bekannt zu geben. Nach einem unschönen Gespräch:

    "Naja, Lena wollte sowieso aufhören."

    Tim wünscht den Eltern noch einen schönen Abend.

    "Den wünschen wir nicht!"

    Natürlich folgt am nächsten Tag eine ellenlange E-Mail an den Vereins- und Spartenvorstand mit wüsten Anschuldigungen und allerlei Unwahrheiten. Böse Briefe... das kann ZeeBee auch. Nur viel bösartiger und wesentlich eleganter. Mit Anwaltsbriefbogen. Vorstand und Eltern bekommen einen noch längeren Bericht. Aufsichtspflichtverletzung? Die Quintessenz ist eher, dass wohl die Kindeserziehung versagt habe. Treffer, versenkt. Das Antwortschreiben von Papa R. liegt auf ZeeBees Schreibtisch im Büro. Tim bedankt sich für ZeeBees Unterstützung und nimmt auf das Schreiben Bezug, dass ZeeBee einen wunden Punkt getroffen haben müsse. Das Schreiben liegt nach wie vor ungelesen auf dem Schreibtisch.

    ZeeBee hat wieder dazugelernt. Nächstes Mal wird sich der Vereinstrainer keine Vorwürfe wegen Aufsichtspflichtverletzung anhören müssen. ZeeBee sucht schon mal pinke Handschellen bei Amazon. Es wird dann eine Strafanzeige wegen Freiheitsberaubung gegen den Gasttrainer geben.


    Dein

    Karsten

    Damit ich mehr als nur eine von mir ausgebildete Spielerin zur WM beitragen:

    Nacktschnecken sollen ja, trotz kleiner Defizite bei der Sozialkompetenz, ein unfassbar spannendes Liebesleben haben.

    Im Übrigen scheine ich in diesem Thread wenig verpasst zu haben, wenn es hier nun um Weichtiere geht. Und trollen ist vergebene Liebesmüh, ich schau hier nicht mehr rein.

    Lt. Col. Frank Slade: "Are you listenin' to me, son? I'm givin' ya pearls here."

    Re-start nach den Sommerferien mit der D-Jugend. "Ballannahme in der Vorwärtsbewegung", eines meiner Lieblingsthemen. Wenn die Passspielchen abgearbeitet sind, geht es ins Stoßen/Parallelstoßen/Zurückstoßen über. Grundübung mit Erweiterungen, die ich vor vielen, vielen Jahren Renate Schubert abgeguckt habe und mich auch nicht scheue, im Gastspiel bei einem wB Trainingslager einzustreuen:

    - Alle Feldspielerinnen in einer Reihe auf Linienaußen, bis auf Nr. 1 haben alle einen Ball. Die Reihe führt von Linienaußen Richtung Eckenaußen, Blickrichtung Tor in gegenüberliegender Hallenhälfte.

    - Auf der benachbarten Rückraumposition RL oder RR eine Markierung/Pylone.

    - Nr. 1 sprintet um Markierung herum, bekommt von Nr. 2 den Pass in die Vorwärtsbewegung (kein Tippen, GROSSE Schritte), nun Richtung Tor in eigener Hälfte. Folgehandlung (Wurf, Pass zum Parallelstoß, Täuschung).

    Wir starten in die Übung mit hoher Dynamik, durch Hütchentore steuere ich die Anlaufrichtung. Später besetze ich RM und noch später die gegenüberliegende Rückraumposition. Start auf der Nachbarposition, wenn der Wurfarm mit Ball hochgeht. Ein Parallelstoß/zweiter Parallelstoß oder Zurückstoßen. Ich kann um nachlaufenden/gegenziehenden Kreisläufer erweitern. Gutes Baukastensystem, wenn auch ein guter Freund von mir immer kritisiert, in Deutschland gebe es zu viel "Hütchentraining" und zu wenig Training mit Kontakt.

    Wir werden Anfang September in die Saison starten. Die wD I spielt geschlossen, verstärkt um einige wenige junge C-Jugendliche, auch wC II. In der C-Jugend kann das Stoßen umgesetzt werden. In der D-Jugend erwartet uns jedes Spiel was Neues. Raumdeckung auf 14 m, auf 11 m, innerhalb des Neuners, Halbfeldmanndeckung, unfreiwillig gemischte Systeme, Chaosdeckung. Die klassische "Ballannahme in der Vorwärtsbewegung" ist tatsächlich nur bedingt praxistauglich. Ich kann entweder vertrösten auf spätere Zeiten, wenn die Gegner "richtigen" Handball spielen. Oder ich muss das Trainingsthema um Seitwärtsbewegungen erweitern. Das an sich sehr nützliche Grundgerüst werde ich nicht aufgeben, nur eben modifizieren.

    Erster Versuch gestern: Auftakt mit Pass auf RL, torgefährlich machen, Parallelstoß mit RM. RM macht sich torgefährlich, bricht ab, "Prellmove" zur Hand mit ganz kleinem Rückwärts/Seitwärts/Vorwärts (Ball wird zunächst nach hinten geführt, Füße zeigen stets zum Tor, kleine Rückwärtskurve, die ganze Aktion nur auf den Ballen, Tempo!). Abschluss von 8,5 / 9m.

    Im nächsten Schritt zieht sich RL nach Pass gerade zurück. RM macht Prellmove von RL weg, torgefährlich, Rückpass in das Zurückstoßen zur RL. Abschluss.

    Nächste Woche stelle ich mir Airbodies des armen Mannes (Kastenmittelteile mit Leibchen) auf HR, VM und gegen KL sowie KR. Erst einmal nur auf der linken Angriffsseite (hab keine Linkshand) und nur bis zur Mitte. HR stelle ich extrem offensiv. So nur ganz kurze Stoßbewegung RL, Abbruch.

    - Aushelfen RM zum Ball, Abschluss/Rückpass nach Überlaufen RL gegen HR

    - Aushelfen KL zum Ball in den Tiefenraum, Abschluss

    - Prellmove RL zur Hand, Abschluss/Parallelstoß/Anspiel nachlaufenden KR

    HR kommt wieder zurück auf 9m. VM extrem offensiv. Parallelstoß RL auf RM, die nun abstoppen muss

    - Aushelfen RL zum Ball usw.

    - Aushelfen KR oder KL im Tiefenraum usw.

    - Prellmove RM zur Hand/gegen die Hand usw.

    - Prelldurchbruch RL in die geöffnete Lücke, Abschluss/Parallelstoß

    HR und VM extrem offensiv.

    - Aushelfen KL im Tiefenraum, Pass LA auf KL usw.

    - Lauftäuschung RL mit Durchbruch ohne Ball usw.

    - Aushelfen RM Richtung Ball, Expresspass LA auf RM usw.

    - Prellmove RL zur/gegen die Hand usw.

    Ich muss nicht auf später vertrösten, ich passe die Übung an die Realität an. Stoßen ist nicht das individualtaktische Mittel in allen Lebenslagen, schon gar nicht in der D-Jugend. Ballannnahme in der Bewegung ist nahezu immer das individualtaktische Mittel der Wahl, es kommt nur eben auf die Laufrichtung an. Prellen darf nicht verteufelt werden, ist bei den Zwergen bei Einführung des Positionsspiels gegen Raumdeckung unverzichtbar. Und beim "usw." setze ich immer darauf, nicht nur Plan A und B zu haben, optimalerweise gibt es immer auch Plan C. Ab jetzt also Ballannahme in Vorwärts- und Seitwärtsbewegung.

    Vorsicht... Hobbyjuristen!

    Wenn E-Jugendliche in Deinem Landesverband E-Jugendliche einen Spielerpass haben (müssen), dann gilt § 19 b SpO DHB. Meldefrist war zuletzt (wurde mehrfach geändert) 30.11. Und mit Erteilung dann auch sofort spielberechtigt für den Zweitverein.

    Wir hatten letzten Samstag im Training ein wenig Zeit für Videoanalyse. Meine Spielerin mit der Ausgangsproblematik war nicht dabei, dafür ging dann eine andere Spielerin ein wenig in Rückenlage. Ursache wohl, dass tatsächlich im Sprung die Ausholbewegung nach hinten für das Problem verantwortlich ist. Ich habe gegengesteuert und die Streckung des Arms nach oben gefordert, während der Arm dann durch das Aufdrehen mit dem Absprungschritt letztlich für das Ausholen sorgen soll. Nach einer kurzen Einheit kann ich noch nicht viel mehr sagen, auch müsste ich o.g. Spielerin mal auf Video bannen.

    Im Regelfall gehe ich immer erst einmal von einer verbesserungsfähigen Technik aus, nicht von muskulären Problemen. Hatte ich in über 30 Jahren erst zweimal. Wurfarm konnte nicht gestreckt werden, Schwungbein kam nicht nach oben. Korrigiert bis zum Umfallen, bis sich herausstellte, die Kinder konnten muskulär die Aufgabe nicht erfüllen. Solange ich glaube, über Korrektur zum Ziel kommen zu können, solange unterstelle ich einen intakten Bewegungsapparat.

    - Bewegung insgesamt stimmig, Wurf ist aber für den Armzug zu schlapp >> Bauchmuskeln werden nicht eingesetzt

    - Oberkörperverwringung hakt vollkommen, komplett unrund >> ich schaue mir den Wurf vor vorn und nicht von der Wurfarmseite an >> Schwungbein wird nach innen hochgezogen

    - hektische Ausholbewegung in der Sprungphase >> beginnt zu spät mit dem Aufdrehen

    Noch bin ich guter Dinge, dass der Trainer und nicht der Physio das Problem Rückenlage lösen kann.