Generell halte ich eine öffentliche Aufarbeitung für sinnvoll. Dies wird zwar nicht dem Betroffenen Ex-Handballer wirklich helfen, aber was hilft vielleicht anderen, die ähnliche Rituale über sich ergehen lassen mussten zu verstehen, dass es helfen kann an die Öffentlichkeit zu gehen. Ebenso sieht vielleicht der ein oder andere ein, dass diese Rituale in der Gesellschaft nicht vorbehaltlos hingenommen werden.
Den Ansatz, Öffentlichkeit herzustellen, finde ich auch richtig. Die Opfer müssen gestärkt werden, sich wehren zu können, sich jemandem anvertrauen können, nicht aus Scham und Angst alles bei sich zu behalten.
Die Frage ist, was heißt öffentlich machen und was und für wen ist die richtige Maßnahme?
Ob das für den Jugendlichen gut ist/wird, halte ich für ungewiss, ich hoffe, die Mutter schätzt ihn und seine Stabilität richtig ein.
Das öffentlich, ich sage mal, so hoch zu hängen (Spiegel, NDR, Fernsehen) erreicht vielleicht mögliche Eltern von solchen Internatsschülern, dass sie wachsam bleiben und solche Dinge nicht hinnehmen.
Die Jugendlichen selbst wird man so nicht erreichen und sensibilisieren. Vor allem ist die hier gezeigte Lösung für den jungen Sportler gewesen, dass er nach neun Monaten das Internat verließ und inzwischen auch die Handballschuhe an den Nagel gehängt hat. Das wird kein Neuling als eine Lösung für sich sehen wollen und es vielleicht doch wieder allein mit sich ausmachen.
Öffentlich machen heißt hier doch eher präventiv agieren, die Dinge beim Namen nennen, offen damit umgehen, diesen Vorfall zukünftig schildern, die Sportler stärken und immer Hilfsangebote machen.
Das ist personal-, kosten- und zeitintensiv; hoffen wir, dass die Verantwortlichen (nicht nur an dieser Akademie) das im Blick behalten und nicht für kurzen Erfolg, Auszeichnungen mit Sternen oder volle Bettenbelegung opfern.
Es ist doch wichtiger, was in der Akademie sich geändert hat und was nun dort passiert und dass sich DHB, Sportbund oder wer sonst zuständig ist (und Gelder liefert) ein Auge drauf haben und nicht, was jetzt durch die Presse gejagt wird, das ist eh nicht nachhaltig. Nachhaltig ist vor Ort, vor allem beim Personal.