Quelle: Der Gäubote
Personaldecke wird erneut bedenklich dünn
Handball: Drittligist SG H2Ku Herrenberg fährt ersatzgeschwächt zum SV 64 Zweibrücken
ZoomOb Ingo Krämer (am Ball) spielen kann, steht noch in den Sternen GB-Foto: Holom
Die akut abstiegsbedrohten Drittliga-Handballer der SG H2Ku Herrenberg stehen heute Abend (18 Uhr/Ignaz-Roth-Halle) gewaltig unter Druck. Bei einer Niederlage müsste der Tabellen-14. den direkten Verfolger an sich vorbeiziehen lassen.
Sven Gruber
Es schien so, als habe die SG H2Ku Herrenberg die Verletzungsmisere der ersten Saisonhälfte hinter sich gelassen. Mit nahezu komplettem Kader ging das Team in die Rückrunde. Jetzt kommt es erneut knüppeldick. Innerhalb von 14 Tagen fielen gleich zwei Akteure aus: Spielmacher Tobias Hold erlitt am vergangenen Wochenende einen Kreuzbandriss. Kurz zuvor hatte sich Rechtsaußen Robin Brandner nach einem Bandscheibenvorfall vorerst vom Spielbetrieb abgemeldet. Hinzu kam Mitte der Woche eine niederschmetternde Diagnose bei Nico Kuppinger: Ermüdungsbruch im Schienbein.
Damit nicht genug: "Zu allem Überfluss hatten wir noch eine ganze Stange an kranken Spielern", hadert Trainer Stephan Christ. Leistungsträger Ingo Krämer lag die komplette Woche über mit einem grippalen Infekt im Bett. Simon Geist hinderte ein Magen-Darm-Virus am Gang in die Trainingshalle. "Am Dienstag mussten wir die Einheit deshalb mit der zweiten Mannschaft zusammenlegen", sagt der Coach. Einen Tag später standen ihm lediglich fünf gesunde Feldspieler zur Verfügung. "Daraufhin mussten wir das Training absagen", klagt Christ. Die Abschlusseinheit findet notgedrungen am heutigen Samstagvormittag statt.
Die schwierige personelle Lage zwingt die SG H2Ku dazu, Ersatz aus dem Unterbau nach oben zu ziehen. So könnte der A-Jugendliche Silas Tischner sein Debüt in der dritten Liga feiern. Mit nach Zweibrücken fahren auch Marcus Granberg und Felix Holczer aus der zweiten Mannschaft. "Eines ist klar: Wir müssen mit unseren Kräften haushalten. Daher werde ich viel durchwechseln müssen, um allen eine Verschnaufpause gönnen zu können", weiß Christ.
Vertrauen in die zweite Reihe
Er traut seinen Kräften aus der zweiten Reihe ohne Wenn und Aber zu, in Zweibrücken zu bestehen: "Natürlich werden Tobias Klisch oder Patrick Sattler deutlich mehr gefordert sein als sonst und einen ordentlichen Leistungsschub brauchen." Klisch wird in Holds Spielmacherrolle schlüpfen, wenn Krämer nicht rechtzeitig fit werden sollte. Rechtshänder Patrick Sattler wird am Kreis oder im halblinken Rückraum für Entlastung sorgen. Die Probleme treffen ein Team, das in den vergangenen Wochen ohnehin nicht viel Selbstvertrauen tanken konnte. Nach einem starken Heim-Auftritt gegen den TV Hochdorf (32:27) wurde die aufkeimende Euphorie durch zwei Niederlagen in Folge gegen die HSG Konstanz (26:31) und die HSG Nieder-Roden (26:30) gleich wieder erstickt.
Die Gastgeber um Trainer Stefan Bullacher dagegen konnten aus den vergangenen drei Partien vier Zähler ergattern. Darunter ihren ersten Auswärtssieg beim 44:42 gegen den TSV Neuhausen/Filder. Der Dämpfer für die junge Zweibrücker Mannschaft folgte jedoch auf dem Fuß: Am vergangenen Wochenende kassierte der SVZ beim Tabellennachbarn TV Hochdorf eine bittere 24:34-Pleite.
Davon will sich Stephan Christ nicht blenden lassen. "Mit so einer verkorksten Vorbereitung sinken unsere Chancen einfach", erklärt er. Zumal die Hausherren zwar über eine unerfahrene, dafür kampfstarke Truppe verfügen. Die machte der SG H2Ku beim 28:28-Unentschieden im Hinspiel das Leben gehörig schwer.
Spielverlegung wurde abgelehnt
Besonders zu motivieren braucht Christ seinen überschaubaren Kader heute nicht. "Wir haben versucht, aufgrund unserer misslichen Lage das Spiel zu verlegen", sagt der SG-Coach. Doch die Gastgeber wollten der Herrenberger Bitte mit Verweis auf einen proppenvollen Terminplan nicht nachkommen. "Wenn wir konkurrenzfähiger wären, wäre es heute sicherlich eine ehrlichere Angelegenheit. Daher reisen wir mit Wut im Bauch nach Zweibrücken", merkt der SG-Coach leicht verschnupft an. Schließlich könnte Zweibrücken (12:26 Zähler) die einen Rang besser platzierte SG (13:25) im Falle eines Heimsieges in der Tabelle überholen. Doch Christ zeigt auch Verständnis für die Entscheidung des Aufsteigers: "Im Abstiegskampf ist sich jeder selbst der Nächste."
Lamentieren will Christ nach den vielen Nackenschlägen der vergangenen Tage nicht. Denn ein Blick ins Lazarett des Gegners zeigt, dass auch der Gegner schmerzhafte Ausfälle verkraften muss. Kubo Balaz (Leistenbruch), Philipp Bartel (beruflich verhindert) sowie Aris Wöschler (Bänderriss im Sprunggelenk) - allesamt Aktivposten des SV Zweibrücken im Hinspiel - werden SVZ-Trainer Bullacher vermutlich fehlen. Seinen Kampfgeist hat der Herrenberger Trainer vor der schwierigen Mission jedenfalls nicht eingebüßt: "Wir werden mit dem Mut der Verzweiflung anreisen, Gas geben und so viel Kampf und Einsatzwillen wie möglich in die Waagschale werfen", kündigt Christ