Hört sich nicht nach einem 100 % Treue Bekenntnis an
Du meinst nicht so verbindlich wie bei Simon, bei dessen Vertragsverlängerung?
Ich denke, mit Treuebekenntnissen sollte man im Profigeschaft Handball beiderseits sehr vorsichtig umgehen. Sowohl was das Äußern solcher Bekenntnisse angeht, als auch bei deren Wahrnehmung. Dazu ist das Geschäft viel zu schnelllebig und die Zeiten momentan viel zu instabil.
Abgesehen davon, auch wenn das Ergebnis (und die Leistung) gestern sehr ernüchternd waren, sehe ich noch keinen Grund, jetzt in eine große Depression zu verfallen. Wenn der Fitneszustand der Truppe so war, wie "Major" es angedeutet hat, ist so ein Spiel schon erklärbar. Trotzdem ist natürlich richtig, dass viele Spiele in dieser Saison eine ziemlich zähe Angelegenheit sind. Die Zahl der technischen Fehler ist schon bedenklich, und, wie schon angemerkt, von Tempohandball ist bei der MT gerade wirklich nicht viel zu sehen. Aber die Situation ist in dieser Saison leider nicht mit der letzten zu vergleichen.
In der vergangenen Saison bestach die MT durch ihr Kollektiv. Dieses funktionierte so gut, dass zum Einen auch einzelne Ausfälle gut kompensiert werden konnten. Zum Anderen konnte Parrondo viel rotieren lassen, weswegen wir häufig zum Ende einer Partie "unser Tempo" hoch halten konnten, wenn beim Gegner die Kräfte und Konzentration spürbar nachließen. Ich kann mich an einige Partien erinnern, die bis zur ca. 50.Minute sehr eng waren und dann zum Schluss noch ziemlich klar gewonnen wurden. Bis zum Beginn der Verletzungsmisere Mitte der Rückrunde, war man daher richtig dick im Meisterschaftsrennen. Und das ohne qualitativ solch individuell hochwertige Spieler zu haben, wie die Konkurrenz aus Berlin, Magdeburg oder Flensburg.
Trotzdem hatten wir natürlich "Schlüssel-Spieler", wie Simo, Elvar und Eric, deren partiell gleichzeitiges Fehlen dann auch im Kollektiv nicht mehr kompensierter war. Was schade war, denn wir waren nach meiner Einschätzung tatsächlich in einer Situation, in der eine Meisterschaft möglich schien. Ob wir sobald nochmal in eine solche Situation kommen werden? Da kann man seine Zweifel haben, und sollte auch nicht die Erwartung sein. Nach meiner Einschätzung wird die MT auf Dauer nicht mit Vereinen wie Magdeburg, den Füchsen oder Kiel mithalten können (auch nicht mit BBL in Hintergrund - wie lange das überhaupt noch sein mag)!
Während die Drei fleissig weiter personell "aufrüsten", hat die MT zum Ende zwei Leistungsträger verloren, ohne sie gleichwertig ersetzen zu können. In Kombination mit der sehr zögerlichen Rückkehr der Langzeitverletzten, kommt dann so ein Leistungsniveau inklusive hieraus resultierenden Tabellenstand heraus. Dann sind wir tatsächlich nur ein Team fürs "obere Mittelfeld". Wäre natürlich trotzdem schön, wenn wir den Top-Teams (zumindest zu Hause) einen härteren Kampf liefern könnten.
Der Verbleib von Parrondo wird vermutlich auch davon abhängen, ob er die Chance sieht mit der MT nochmal in die Situation, um Titel mitspielen zu können, zu kommen. Ich habe so ein bisschen den Eindruck, dass seine spezielle Motivation als Trainer auch darin liegt, zu zeigen, dass mit einem funktionierenden Kollektiv, individuell stärker besetzten Teams "Schnippchen" zu schlagen sind. Wo man eben auch die Handschrift eines Trainers erkennen kann. Ob er eine mit Topstars bestückte Truppe genauso gut führen, und ihr seine Idee vom Handball vermitteln kann? Bin ich mir nicht so sicher.
In Kassel/Melsungen sollte uns aber bewusst sein, dass sowas nur Perioden sein können, in denen wir mal in der Spitze mitmischen können. Mit einem Trainer, der aus weniger als die Konkurrenz vorübergehend viel machen kann. Auf Dauer werden wir gegen die (nationalen, wie internationalen) "Großklubs" nie anstinken können. Das erwarte ich als Handballfan hier in Nordhessen auch nicht.