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Jäger des verlorenen Schatzes
Der Deckel ist wieder da! Den kompletten Pokal für Zweitliga-Meister Tusem prästieren (v. l.) Jens Pfänder, Stephan Krebietke und Horst-Gerhard Edelmeier. Foto: WAZ, Michael Gohl
Der verzweifelt gesuchte Deckel des Meister-Pokals fand sich in der Sporttasche von Felix Busjan.
Tusem will seine Erstliga-Heimspiele am Hallo austragen. Aufsteiger gehen heute spontan auf Mannschaftsfahrt
HANDBALL 1. BUNDESLIGA Verschollen! Im Trubel der Aufstiegsfeierlichkeiten war in der Nacht zum Sonntag der Deckel des Zweitliga-Meisterpokals abhanden gekommen. Spontane Suchaktionen in den Kneipen und Clubs, in denen die Tusem-Handballer ihre Bundesliga-Rückkehr vehement feierten, blieben erfolglos. Dass die Trophäe nun aber doch als goldenes Ganzes einen Platz in der Vereinsheim-Vitrine finden wird, ist allein Felix Busjan zu verdanken. Der 21-jährige Rechtsaußen spürte das Objekt der Begierde nämlich noch auf - beim Auspacken seiner Sporttasche. Jäger des verlorenen Schatzes.
"Wir hatten schon die Dormagener in Verdacht, dass sie den Deckel als Beute mitgehen lassen wollten", erzählt Busjan mit einem Augenzwinkern. Ganz lange nach Spielschluss hatten die "Sieger" und "Verlierer" dieses 21:21-Unentschiedens noch zusammen vor der Halle am Hallo gestanden und über die Knackpunkte der denkwürdigen Partie diskutiert. "Die Dormagener waren alle enttäuscht, hatten aber die Größe, zu sagen, dass wir den Aufstieg mit Blick auf die gesamte Saison verdient gehabt hätten", berichtet Busjan.
Der Youngster, all seine Teamkollegen sowie einige Partnerinnen trafen sich gestern Mittag im Vereinsheim am Fibelweg noch einmal mit den Verantwortlichen. Geschäftsführer Horst-Gerhard Edelmeier gratulierte im Rahmen eines Umtrunks für das großartige Geleistete.
Einen besonderen Dank sprach er dabei an drei Personen aus: Stephan Krebietke, der sich nach der Verletzung von Stamm-Linksaußen Ben Schütte kurzfristig zu einem Comeback als Aktiver überreden ließ. Jens Wachowitz, der das Tagesgeschäft im Management des Tusem stets mit Hingabe und Akribie erledigt. Und Edelmeier dankte seiner Ehefrau Rita, die das zeitraubende Handball-Engagement ihres Gatten trägt und toleriert. Für alle gab´s neben dem obligatorischen Blumenstrauß ganz viel herzlichen Applaus.
So orkanartig wie am Samstagabend konnte dieser natürlich nicht ausfallen. Doch eben jene einmalige Stimmung am Hallo hat Edelmeier nachhaltig imponiert: "Was die Zuschauer dort veranstaltet haben, war sensationell." Und genau deshalb werde der Tusem auch in der Erstliga-Saison 2007/08 all seine Heimspiele in dieser engen, kompakten und emotionsgeladenen Spielstätte austragen. "Es wäre ja fast ein Verrat an unseren Fans, wenn wir nun nach dem Aufstieg woandershin gehen würden", so Edelmeier.
Selbst die deutlich größeren Top-Arenen der Umgebung seien für den Tusem keine Alternativen. "Nehmen wir die Arena Oberhausen: Die müssten wir für teures Geld mieten. Hinzu kämen Transport und Verlegung unseres Spezial-Bodens plus etliche weitere Posten. Da muss man bereits mit dem Rechnen beginnen, ob sich ein solcher Umzug finanziell lohnt - selbst wenn der Gegner Kiel oder Flensburg heißt", so Edelmeier. Und die Stimmung am Hallo, so der Geschäftsführer weiter, würde sicherlich für den einen oder anderen Heimpunkt sorgen, der gar nicht eingeplant war.
Planen kann nun auch Tusem-Trainer Jens Pfänder viel besser: "Weil wir jetzt endlich Gewissheit haben, besitzen wir einen zweiwöchigen Vorsprung gegenüber den Erstligisten, die noch mitten im Abstiegskampf stecken. Diese Zeit müssen wir nutzen, um die gewünschten Verstärkungen zu verpflichten." Ein Duo wird bereits am Donnerstag vorgestellt. Weitere zwei bis drei Neue sollen folgen. "Wir werden eine Position im Kader vielleicht etwas länger offen halten, um zu sehen, ob bei den Erstliga-Absteigern ein passender Kandidat für uns dabei ist", so Pfänder.
Die sportliche Zukunft fast aller Spieler des jetzigen Kaders ist geklärt. Trainer Pfänder hat festgelegt, wer bleibt und wer gehen muss. Unabhängig davon macht sich heute eine 14-köpfige Gruppe des Aufsteigerteams auf den Weg nach Mallorca: Eine spontan organisierte Mannschaftsfahrt führt die Tusem-Delegation nach Cala Ratjada. Mit im Reisegepäck: der Meisterpokal. Bleibt abzuwarten, ob diesmal der Deckel den Weg zurück nach Hause finden wird. . .
21.05.2007 Von Thomas Richter