Beiträge von Löwenherz

    Der HCL muss das Spiel (trotz der Verletzungsmisere) deutlich gewinnen - alles andere wäre eine Bankrotterklärung, die kaum folgenlos bliebe. Leipzig ist auch jetzt auf (nahezu) jeder Position individuell besser besetzt als Nellingen. Schließlich haben fast alle Leipziger Spielerinnen schon in Auswahlmannschaften gespielt (oder tun es aktuell), darunter sind immerhin 5 A-Nationalspielerinnen.

    Etwas mehr hätte man schon erwarten können.


    Wenn eine Mannschaft häufig weit unter ihren Möglichkeiten spielt (was der HCL trotz der Verletzungsmisere zweifellos tut und auch vorher schon getan hat), muss gewiss auch die Frage gestellt werden, ob der Trainer die Mannschaft überhaupt noch erreicht. Diese Frage stellt sich für mich insbesondere hinsichtlich des Abwehrverhaltens (das bekanntermaßen zu einem beträchtlichen Teil eine Sache der Einstellung ist). Der HCL hat in dieser Saison (national und international) 12mal 30 und mehr Tore bekommen. Allein dies sollte wohl Anlass zum Nachdenken geben.

    Irgendwas kann da in Herrenberg nicht stimmen. Entweder spielen die Spielerinnen gegen den Trainer oder das Geld kommt nicht.
    Eine Mannschaft, die sich qualitativ gegenüber der Vorsaison verstärkt hat, müsste um den Aufstieg mitspielen. Ich verstehe das nicht.


    Ein erklärter Aufstiegsverzicht (wie im letzten Jahr) ist immer demotivierend für die Spielerinnen. Auch wenn man sich aktuell etwas anderes vorgenommen hat, gibt es Nachwirkungen. Vermutlich bestehen jedoch noch weitere Gründe, die bisher nicht an die Öffentlichkeit gedrungen sind.

    wie gesagt, schau Dir an, wie viele ältere Damen wir im Team haben - bei den Männern gibt es eine größere Breite dahinter. Außerdem spielen mehr Männerteams international, bzw. kommen weiter. Aufgrund der finanziellen Probleme des VfL OL und des HCL wird das leider auch in nächster Zeit international nicht besser werden. Da kann man nur hoffen, dass der BVB mithilfe der Neuzugänge dieses Loch einigermaßen füllen wird.


    Das sehe ich komplett anders. Wie ich schon sinngemäß an anderer Stelle schrieb, ist Biegler zum Glück nicht dem Generationswechsel-Wahn verfallen, sondern hat die Dinge eher wieder etwas zurückgedreht. Inwieweit bei der WM bereits verstärkt jüngere Spielerinnen eingesetzt werden, wird einerseits von deren Qualitätszuwachs, andererseits vom Niveau der potentiellen Rückkehrerinnen abhängen. Wahrscheinlich wird der größte Teil der Mannschaft dann von Spielerinnen der Jahrgänge 92/93 - 95/96 gebildet werden - und das ist doch schon ein gutes Handballalter (in welchem Spielerinnen wie Neagu oder Pineau schon Welthandballerinnen waren). Ich meine, Biegler hat - bei allen Zwängen, die mit Verletzungen, Schwangerschaft und Formtiefs verbunden sind - schon jetzt eine Alterstruktur eingerichtet, wo auf den meisten Positionen jüngere Spielerinnen nachrutschen können, sobald die älteren nachlassen oder aufhören. Er hat - wie er sagte - über 40 Spielerinnen im Blick und lädt ja auch immer ein paar junge mit zu den Lehrgängen ein, obwohl sie eigentlich noch nicht die Reife für die Nationalmnnschaft haben. Das halte ich für einen guten Weg, um einen Knick nach der WM zu vemeiden - gerade weil wir nicht eine solche Breite wie bei den Männern haben.

    Die Mannschaft wird zu 100 Prozent nach der WM in ein Loch fallen, das weiß auch der Trainer - auch ein Grund, warum er danach aufhören wird.


    Warum bist Du Dir da so sicher? Bei den Männern ist das doch nach dem Gewinn der EM auch nicht passiert. Mann kann eine Mannschaft durchaus so aufbauen, dass sie nach einem solchen Großereignis nicht in ein Loch fällt. Das traue ich Biegler durchaus zu. Für in spielt Stabilität eine große Rolle. Das könnte sich auch unter diesem Gesichtspunkt auszahlen.

    Wenn es zweimal im Turnier so knapp vor der Ziellinie scheitert, dann hat es einfach auch nicht sein sollen und entbehrt auch nicht einer gewissen Tragik.


    Es ist ja sogar dreimal schief gegangen. Von 4 engen Spielen (max. 2 Tore Differenz) haben wir 1x gewonnen, 1x unentschieden gespielt und 2x verloren. Das ist dann nicht Tragik, sondern mangelnde Cleverness. Wenn man in der Weltspitze mithalten will, muss man lernen, enge Spiele zu gewinnen. Hier sehe ich (neben den schon von den Kollegen genannten) eine große Baustelle bis zur WM.

    Auch wenn die Mannschaft mehr erreicht hat, als allgemein erwartet wurde: Keine Spielerin hat konstant sehr gute Leistungen gebracht. Unsere besten Feldspielerinnen im Turnier waren meines Erachtens Naidzinavicius (beste Abwehrspielerin, aber auch einige schöne Tore) und Lang (in Angriff und Abwehr gleichmaßen gut). Alle anderen waren (noch) zu wechselhaft, insbesondere im Angriff. Schmelzer hat heute in den wenigen Einsatzminuten eindrucksvoll gezeigt, dass sie unsere beste Kreisläuferin ist.

    Mach mir keine Angst - nicht dass wir am Ende die einzigen sind, die aufsteigen (wollen)!


    Nein, Halle würde schon wollen. Sie haben aus den letzten 4 Spielen 7 Punkte geholt, darunter je 2 in Hannover und Buchholz, stehen jetzt auf Platz 9 und haben nur noch fünf Minuspunkte auf einen Aufstiegsplatz. Und da - wie hier zu lesen war - der Buschfunk meldet, dass Trier und Buchholz wohl nicht aufsteigen wollen (wahrscheinlich noch andere, die jetzt vor Halle liegen, auch nicht), sind sie gar nicht so weit vom Aufstieg weg. Und wenn sie Samstag zu Hause gegen Rödertal gewinnen und Nürtingen in Bensheim verliert (womit zu rechnen ist), sind es (Buchholz und Trier mal rausgerechnet) nur noch 3 Minuspunkte auf einen Aufstiegsplatz. So schnell kann sich in dieser verrückten Liga alles ändern - aber natürlich auch wieder in die andere Richtung: Vom selbst ernannten Aufstiegsanwärter zum Abstiegskandidaten, von dort vielleicht bald wieder zum Ausstiegskandidaten und am Ende landet man möglicherweise wieder irgendwo im Niemandsland der Tabelle - wie in den letzten Jahren. Wer weiß ...

    Das Spiel ist so schnell geworden in den letzten Jahren und dann noch die Änderung mit dem siebten Feldspieler und trotzdem endeten bei diesem Turnier schon diverse Spiele mit unter 45 Gesamttoren. Sind die Torhüter jetzt so stark geworden oder leidet unter dem hohen Tempo und der erhöhten Spielkomplexität die Konzentration der Spieler?


    Ich meine, da komme mehrere Dinge zusammen. Erstens gibt es zurzeit wirklich viele sehr gute Torfrauen (Eckerle heute übrigens bei 46% und damit noch besser als Navarro!). Zweitens (und vielleicht am wichtigsten) hat sich das Abwehrspiel bei vielen Mannschaften bedeutend verbessert (Jahrelang war Norwegen mit seiner sehr guten Abwehr allein auf weiter Flur, heute haben andere Mannschaften nachgezogen - allen voran Frankreich, aber nicht zuletzt auch Deutschland.). Drittens passieren bei dem schneller gewordenen Spiel auch mehr Fehler im Angriff (Ich kann es nicht statistisch belegen, aber meinem Gefühl nach gibt es heute mehr Turnovers als früher - selbst bei guten Mannschaften.). Und viertens wird öfter Stürmerfoul gepfiffen als früher (meines Erachtens mitunter zu oft). Alles zusammen wirkt sich auf die Anzahl der Tore aus.

    Nach diesem Spiel drängt sich noch stärker die Frage auf, warum Rasmussen gegen Dänemark die Torfrau nicht gewechselt hat (zur Erinnerung: Kiss 18%), wenn er noch so ein Juwel wie Janurik auf der Bank hat. Hatte er das Spiel gegen Dänemark schon abgeschrieben und die Mannschaft richtig ins Messer laufen lassen, damit sie mit ordentlicher Wut im Bauch in das entscheidende Spiel gegen Montenegro gehen? Klingt ketzerisch, aber mehr fällt mir dazu nicht ein.

    Ich habe beide Spiele der Polinnen gesehen und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass wir gegen Polen verlieren.


    Mitunter kann man sich tatsächlich nicht vorstellen, wie schlecht eine Mannschaft spielen kann. Es war ganz nah dran an der Niederlage ... Was mich am meisten gewundert hat: Unsere Mannschaft hatte heute über weite Strecken keinen Biss, die Polen waren viel bissiger, vor allem in der Abwehr. Unser Glück war, dass sie noch mehr Fehler gemacht haben als unsere Mannschaft.

    Aber nicht nur Deutschland hatte zwischen den Spielen große Niveauschwankungen: Slowenien schlägt Schweden und lässt sich von den vorher sieglosen und enttäuschenden Spanierinnen abschießen. Auch Tschechien war im 2.Spiel nicht wiederzuerkennen. An solche gravierenden Leistungsschwankungen bei einer größeren Zahl von Mannschaften kann ich mich bei früheren Meisterschaften nicht erinnern.

    Sturzflug nach unten


    Das sehe ich generell auch so. Aber zum gestrigen Spiel: Warum hat der Trainer die Torfrau nicht gewechselt? Kiss hatte in der 1. Hz gerade 2 Bälle gehalten und am Ende eine Quote von 18%. Damit kann man bei einer EM kein Spiel gewinnen. Und warum ist Szikora nicht für die EM nominiert worden? Ist sie verletzt?

    1/4 von Karolius ist ziemlich schwach. 1/4 bzw., 1/6 von Bölk und Hubinger auch nicht schön, die waren aber meistens Versuche aus dem Rückraum ohne guten Chancen.


    Ja, die Trefferquoten der meisten unserer Spielerinnen waren unbefriedigend. Du hast recht, oft mussten sie sich Würfe aus schlechten Postionen nehmen, weil die französische Abwehr so gut stand. Allerdings ist auch die Quote von 50 % bei Glauser bemerkenswert, wobei es sich natürlich hinter einer aggressiven Abwehr leichter halten lässt. Doch ich meine, mit relativ schwachen Trefferquoten bei unseren Angreiferinnen werden wir auch in Zukunft öfter leben müssen - das ist nun mal deren Qualität (die hoffentlich bis zur WM noch etwas besser wird). Die Spiele können nur über die Abwehr gewonnen werden - und davon ausgehend über Gegenstöße (in die wir gestern gar nicht gekommen sind). Eigentlich ist dies das klassische norwegische Modell, und das war ja ziemlich erfolgreich.

    Vor ein paar Jahren hat man mal im ersten Spiel gegen das damals heilige Norwegen gewonnen


    ... und dann den President´s Cup gewonnen, während Norwegen Weltmeister wurde! Es kann noch viel passieren in dieser EM: Serbien und Slowenien sind wesentlich stärker geworden - das werden keine Selbstläufer. Und auch gegen Polen muss erst einmal gewonnen werden. Wenn es nicht gelingt, Wojtas und Achruk offensiv anzunehmen, kann es ein böses Erwachen geben, Auch die Torfrau (die bisher teilweise spektakulär gehalten hat) darf man gar nicht erst heiß werfen.

    Ansonsten sehe ich das genauso wie Fridulin:

    Ich halte das nicht für grenzenlosen Optimismus sondern mehr für Erleichterung, dass sich bestimmte Befürchtungen nicht bewahrheitet haben.

    Ich finde die Performance der Nationalmannschaft schon fast unheimlich.


    Meines Erachtens gibt es vor allem vier Erfolgsfaktoren in der Arbeit von Biegler:
    1. Die konsequente Konzentration auf die Stärkung der Abwehr (Die war in den Spielen unter Vestergaard oft wie ein Hühnerhaufen, in die ein Stein geworfen wurde.).
    2. Die Stärkung der Ahtletik. Ich war nicht sicher, ob es richtig ist, nach dem Sommerlehrgang auch jetzt in der unmittelbaren Vorbereitung in dieser Hinsicht nochmals richtig "draufzuhauen", aber nun zeigt sich, dass unsere Spielerinnen in den letzten Spielminuten noch ein paar "Körner" mehr haben als die Gegnerinnen.
    3. Die individuelle Ansprache jeder einzelnen Spielerin: Jede kennt genau ihre Aufgabe - sowohl generell als auch in jedem Spiel. Damit kann sich jede Spielerin besser fokussieren, und die Ergebnisse können in Bezug auf die Aufgabenstellung konkret ausgewertet werden. Das fördert die Entwicklung enorm.
    4. Die Motivation der Mannschaft über das Bewusstmachen der eigenen Stärken (auch in jeder Auszeitansprache) und die Förderung der Spielfreude.

    Das ist alles kein Zauberwerk, sondern er hat einfach die richtigen Punkte gefunden, an denen er ansetzen kann und muss. Genau das zeichnet einen guten Trainer aus.

    Man will u.a. volle Hallen produzieren und hilft da eben etwas nach. Ist ja nicht zum ersten Mal so bei der EHF.


    Bisher hat man damit aber wenig Erfolg. Bis auf das offensichtlich ausverkaufte Spiel der Schwedinnen waren die Hallen erschreckend leer. Ich hoffe, dass wird bei der Heim-WM im nächsten Jahr anders sein. Jedenfalls habe ich mir schon das Komplettpaket für die Spiele in Leipzig und das Finalwochenende in Hamburg besorgt. ;)

    Es ist schon jetzt nicht mehr mit anzusehen, wie alle 3 skandinavischen Mannschaften (die mich spielerisch sämtlich nicht restlos überzeugt haben) von den Schiedsrichtern bevorteilt werden. Am krassesten fand ich das bei Norwegen. Schon beim Halbfinale der letzten WM ist Rumänien im Spiel gegen Norwegen extrem benachteiligt worden.

    Und dann wird auch noch Mörk als beste Spielerin geehrt, obwohl sie in der 2. Hz komplett abgetaucht ist (wie der gute Reporter sehr treffend bemerkte).

    Tschechien so stark wie seit vielen Jahren nicht mehr: Überzeugender Sieg gegen Ungarn, obwohl Luzumova zwar die Abwehr gut organisiert hat, jedoch im Angriff ein kompletter Ausfall war (0 von 8). Aber das ist kein Wunder, denn sie steckt ja schon seit etlichen Wochen im Formtief. Dass dennoch Ungarn geschlagen wurde zeigt, dass die Mannschaft in der Breite gut aufgestellt ist.

    Fakt ist aber, dass das Team sogar deutlich älter im Schnitt ist als zur WM im letzten Jahr. Sollte Eckerle es aufgrund der Verletzung nicht in den 16er Kader schaffen, liegt der Alterschnitt bei 27,9 Jahren.


    Ich finde es gut, dass Biegler nicht dem Verjüngungswahn unterliegt. Er hat schrittweise eine Strategie entwickelt, dazu immer wieder Spielerinnen getest, die Strategie nachjustiert, wieder getestet ... Herausgekommen ist ein Spielsystem, das die Abwehr in den Mittelpunkt der Überlegungen stellt (was auch gar nicht anders geht, wenn man keine Angreiferinnen in der Qualität von Neagu, Mörk & Co. hat). Vorrangig danach hat er die Spielerinnen ausgewählt. Und Abwehr hat nun mal viel mit Erfahrung zu tun. Deshalb spielen Frauen wie Klein, Karolius und Lang bei ihm eine Rolle, und die meisten jüngeren Kandidatinnen (die vielleicht 2017 eine Chance bekommen werden, wenn sie sich gut weiterentwickeln) wurden wieder aussortiert (teilweise schon im Vorfeld, teilweise jetzt).

    Außerdem: Ein großes Problem dieser Mannschaft ist die Leistungsstabilität (So etwas wie die 1. Hz im Sonntagsspiel gegen Schweden darf man sich bei der EM nicht leisten.). Und wie die Erfahrung zeigt, haben ältere Spielerinnen meist geringere Leistungsschwankungen als ganz junge. Auch deshalb ist die von Biegler getroffene Auswahl für mich nachvollziehbar.

    Dieser Kader war weitgehend vorhersehbar. Allerdings halte ich es für riskant, nur mit einer echten LA in die EM zu gehen. Dabei ist natürlich klar: Die beste deutsche LA ist Lang, auch wenn sie offiziell als RL nominiert wurde. Aus dieser Sicht ist die Entscheidung vertretbar, wobei es mir für Kiedrowski leid tut. Ich finde sie nicht schlechter als Fischer. Für Fischer spricht allerdings die größere internationale Erfahrung.

    was das Tor betrifft, würde ich allerdings noch einmal auf das Duo Woltering / Kramarczyk setzen. Bei einer EM kommt es auch auf die Erfahrung an, und da hat Katja der natürlich grandiosen, aber noch sehr jungen Dinah Eckerle doch einiges voraus.


    So habe ich vor nicht langer Zeit auch noch gedacht, aber mittlerweile geht die Schere der Leistungen so weit auseinander, dass ich mich nicht nur klar für Eckerle entscheiden würde, sondern mir sogar noch drei oder vier andere Torfrauen einfallen, die bei der EM wahrscheinlich eine bessere Figur machen würden als Kramarczyk (z. B. Gronemann, Krause, Lenz, Monz). Erfahrung ist für eine Torfrau wichtig, nutzt aber überhaupt nix, wenn sie diese nicht auf die Platte bringen kann. Und hinsichtlich der Erfahrung von Eckerle bin ich auch dieser Meinung:

    Dinah spielt jetzt über Jahre CL mit guten bis sehr guten Leistungen ,kennt von vielen auf die,die Deutschen treffen die Wurfbilder .