Das ist für mich mittlerweile nicht mehr nachzuvollziehen. Alles, was man zu diesem Thema aus dem offiziellen Lager (egal ob Trainer, Verein, Kommentatoren oder Presse) hören oder lesen kann ist die Aussage, dass der Angriff eigentlich ganz gut spielt aber die Abwehr einfach zu viele Tore schluckt. Wer den aktuellen THC (egal ob Meisterschaft, DHB-Pokal oder heute wieder EHF-Cup) so wahrnimmt, hat nach meinem Dafürhalten den Blick für das Wesentliche im Handball verloren. Wer so viele klare Chancen liegen lässt (besser gesagt reihenweise kläglich vergibt) und so viele unnötige Ballverluste (unforced errors) produziert, braucht sich nicht zu wundern, wenn er im schnellen Gegenstoß viele einfache Tore kassiert.
Meine Botschaft an Herbert Müller: Die erfolgreiche Abwehrarbeit beginnt mit dem erfolgreich abgeschlossenen eigenen Angriff!
Das ist richtig, aber nur die halbe Wahrheit, denn auch beim gegenerischen Positionsangriff liegt fast alles im Argen: schnelles Verschieben, gegenseitiges Helfen, Übergeben - Übernehmen, frühzeitiges Heraustreten und Festmachen (!!!) - das alles funktioniert bei der THC-Abwehr nicht bzw. ist weit unter dem erforderlichen Niveau. Auch das Rückzugsverhalten lässt oft zu wünschen übrig (besonders in der letzten Viertelstunde, wenn bei den Mädels, die mehr oder weniger durchspielen müssen, die Kräfte nachlassen). Und die gegnerischen Außen haben oft zuviel Platz, weshalb von dort zu viele Tore fallen. Es gibt also viel mehr als nur eine Baustelle. Auch wenn die verletzten Spielerinnen gerade in der Abwehr fehlen, muss man sich doch fragen, ob Müller bei der Zusammenstellung des Kaders die Abwehrfähigkeiten genügend im Blick hatte. Allerdings ist vieles auch Kopf- und Einstellungssache. Dass es anders geht, haben vor allem das Spiel in der EL in Blomberg und - mit Abstrichen - die beiden Begegnungen gegen BBM gezeigt.