Beiträge von Löwenherz

    Hat diese WM für unsere Mannschaft nun einen Fortschritt gegenüber der Heim WM 2017 gebracht oder nicht? Die Meinungen darüber gingen in diesem Forum doch ziemlich auseinander. Ich habe die Handballwoche vom 19.12.2017 herausgesucht und die Daten mit denen der aktuellen Ausgabe verglichen.

    1. müssen wir uns daran erinnern, dass damals eine völlig andere Mannschaft auf der Platte stand. Abgesehen von Eckerle, Lauenroth und Bölk (alle drei 2017 nur mit Kurzeinsätzen) waren diesmal nur noch Behnke und Stolle dabei.

    2. Damals Platz 12, diesmal Platz 8 - natürlich ist das eine Steigerung. Allerdings sollte endlich mit dem Märchen von der angeblich stärkeren Hauptrundengruppe aufgehört werden: Mit Ausnahme des Finals haben die Mannschaften aus unserer Gruppe sämtlich die Platzierungsspiele verloren, was eher das Gegenteil anzeigt.

    3. In der Statistik sieht es nicht gut aus für die 2019er Truppe. Fast alle relevanten Werte sind schlechter oder zumindest nicht besser als 2017 (damalige Werte in Klammern): Trefferquote 53% (57%), Fangquote der Torfrauen 35% (39%), Durchschnittswerte pro Spiel für technische Fehler 11,3 (11,1),geblockte Würfe 2,2 (2,4), Zeitstrafen 3,6 (2,3). Lediglich bei Ballgewinnen mit 3,9 (2,4) und Vorlagen 13,3 (8,2) sieht es 2019 besser aus als 2017 - was jedoch leider nicht zu einer besseren Torquote führte.

    4. Hier noch die Trefferquoten der in beiden Turnieren eingestetzten Feldspielerinnen (wiederum 2017 in Klammern): Behnke 76% (62%) Bölk 54% (36%), Lauenroth 61% (67%), Stolle 45% (50%).

    Nun möge sich jeder seinen Reim darauf machen - wohl wissend, dass Zahlen nicht alles sagen.

    Allen Mitstreitern in diesem Forum ein schönes Weihnachtsfest!

    Immerhin tut sich was. Mal schauen ob es funktioniert. Sinnvoll wäre, wenn die 14 bzw 15 Jährigen in den Orten wo die Akademien sind wohnen.


    Damit sind aber erhebliche Kosten verbunden (hohe dreistellige Beträge pro Monat oder sogar mehr), welche die Spielerinnen (bzw. deren Eltern) tragen müssen. "Eliteförderung" könnte auch heißen, dass der Verband einen Teil dieser Kosten übernimmt - zumindest bei besonders begabten Spielerinnen (was leider nicht zu erwarten ist). Später läuft das teilweise über Sponsoren, aber in dem von Dir genannten Alter meist noch nicht.

    Zitat von »Löwenherz«
    Fast immer sind Spielerinnen mit größeren Einsatzzeiten besser bewertet worden als ihre Backups.


    Ist für mich logisch.


    Für mich nicht. Wer Handball spielt (oder mal gespielt hat) weiß, dass es als Einwechsler kalt von der Bank meist schwieriger ist, sich in ein Spiel hineinzufinden, als wenn man von Beginn an auf der Platte steht. Und dafür soll man bei einer Bewertung gegenüber einem Stammspieler bei gleicher Leistung auch noch benachteiligt werden? Eine seltsame Logik ...

    Andreas Thiel optimistisch zu Handball-Bundesliga der Frauen

    ^^ Passt hier gut rein. Es geht (anderes als der Titel vermuten lässt) eher um die Nationalmannschaft.

    Aber was muss sich verbessern? „Wir brauchen ein Back-up für Dinah Eckerle im Tor und bessere Außen. Emily Bölk wird den nächsten Schritt machen, da bin ich sicher. Ansonsten brauchen wir Wettkampfhärte, und die holt man sich nun einmal über die großen Turniere. Man muss das mal erlebt haben, um am Ende die richtige Entscheidung zu treffen. Das lernt man nur, wenn man auch mal die falsche Entscheidung getroffen hat“, sagt der ehemalige Torwart Thiel.

    Was Thiel in dem Beitrag sagt, kann ich größtenteil akzeptieren. Aber die Schlussfolgerungen auf wenige Mädels oder Positionen zu fokussieren, halte ich doch für ziemlich eng.

    Mächtig gegen den Strich geht mir die Bewertung der WM-Leistungen unserer Mädels in der handballwoche vom 17.12., S.38. Die dort gegebenen Noten passen zum großen Teil nicht zu den auf der gleichen Seite abgedruckten Fakten ("Die Arbeitsnachweise des deutschen Teams"). Wie kommt man zu 2 Noten Unterschied zwischen Eckerle und Roch bei nur um 3% differierenden Fangquoten (36% zu 33%). Warum erhält Minevskaja eine schlechtere Bewertung als Naidzinavicius, obwohl sie in allen relevanten Punkten bessere Zahlenwerte hat? Und auch die Notenrelationen zwischen Berger, Großmann und Lauenroth passen nicht zu den in der Tabelle aufgeführten Fakten. Fast immer sind Spielerinnen mit größeren Einsatzzeiten besser bewertet worden als ihre Backups. Gab es ideelle Bonuspunkte für die Dauer der Spielzeit trotz mäßiger Leistungen? Außerdem scheint die Bewertung von einem BBM-Fan geschrieben worden zu sein. Im Vergleich zu den bei Bietigheim spielenden Mädels kommen die anderen meist zu schlecht weg. Eine der Außnahmen ist dabei Behnke. Ja, sie hatte einen guten Auftritt. Aber eine Trefferquote von 76% bei einer Kreisläuferin reicht meines Erachtens nicht für die Note 1- und schon gar nicht als Beleg dafür, dass sie "auf dem Weg zur absoluten Weltklasse" sei. Na gut, auf dem Weg dahin vielleicht, aber der ist - bei allen erkennbaren Fortschritten - wohl noch ziemlich weit.

    Niederlande mit drei Niederlagen Weltmeister, Deutschland mit nur einer Niederlage mehr auf dem 8.Platz. Russland hat nur 1 Spiel verloren und damit den Titel verpasst. Das zeigt wieder einmal: Es geht vor allem darum, die richtigen Spiele zu gewinnen! Bei diesem engen Turnier wusste man allerdings oft erst hinterher, welches die "richtigen" Spiele waren.

    Woher kommt eigentlich diese Information, dass Deutschland das jüngste Team im Turnier gestellt hat? Der Kommentator bei Sportdeutschland.tv hat das ebenfalls behauptet, aber das stimmt so nicht. Deutschland gehörte mit einem Schnitt von 25,3 Jahren zu den jüngeren Teams, aber es gibt mehrere Teams die jünger sind: Slowenien (23,9), Ungarn (24,2), Weltmeister Niederlande (25,0) und Südkorea (25,1). Bei den weiteren President Cup Teams hab ich jetzt nicht geschaut, aber da sind sicher noch mehr jüngere Mannschaften dabei. (Quelle: IHF Team Roster PDF)


    Danke für die Richtigstellung! Ich habe dem Moderator geglaubt und nicht nachgerechnet.


    Exakt!

    Nachdem der erste Ärger verraucht ist, möchte ich mit etwas Abstand ein paar Überlegungen beisteuern:

    1. Die WM war für unsere Mädels mit Platz 8 ein Erfolg. Als Minimalziel war die Hauptrunde ausgegeben worden. Dieses Ziel wurde erreicht – was der Mannschaft viele nicht zugetraut hatten – auch ich hätte nicht darauf gewettet.

    2. Das weitergesteckte Ziel, das Erreichen eines Olympia-Qualiturniers, wurde verpasst. Das kann man am serbischen Ausgleichtor in der letzten Sekunde festmachen und es als Pech ansehen. Aber ich meine, der 8.Platz entspricht dem gegenwärtigen Niveau der Mannschaft. Sie hat gegen 5 der davor platzierten Teams gespielt (einschließlich des Vorbereitungsspiels gegen Montenegro) und davon 4 Spiele verloren, darunter die 3 entscheidenden.

    3. Hier wurde fast nur über die Schwächen im Angriff gesprochen. Die Feststellungen sind richtig, diese Situation verfolgt aber unsere Frauennationalmannschaft schon längere Zeit. So wurde z. B. in einem Beitrag in der handballecke zur Heim-WM festgestellt: „Nach 3 Spielen nur 13 von 35 aus dem Rückraum gemacht. Dazu nur die sechzehnbeste Offensive.“ Auch die Probleme mit den Würfen von außen hatten wir damals schon. Gegen Schweden war die Wurfausbeute heute 47% (Schweden hatte 67%); außer vom Siebenmeterpunkt gab es von allen Positionen nur Quoten zwischen 33% und 44%. Damit kann man Spiele gegen solche Gegner nicht gewinnen.

    4. Das Abwehrverhalten sehe ich aber genauso kritisch. Das Grundproblem besteht meines Erachtens darin, dass die Mädels den gegnerischen Angriff meist endlos spielen lassen, bis sich dieser eine Wurflücke erarbeitet hat oder die Kreisläuferin anspielen kann. Groener forderte immer wieder Stoppfouls, aber die kamen nicht oder nur halbherzig, so dass die angegriffene Spielerin noch weiterspielen oder abschließen konnte. Am schlimmsten war das im letzten Spiel: Schweden hat bei dieser WM in keinem anderen Spiel so viele Tore geworfen wie gegen uns – nicht einmal gegen Kongo, Argentinien oder China! Das allein sagt schon genug über die Qualität der Abwehr aus. Ein besonderes Problem war die Verteidigung gegen die Kreisläuferinnen, die zu viel zu vielen Würfen kamen (z. B. NED 13, SRB 18, NOR 15 und Schweden 8, dazu noch viele von den Kreisläuferinnen herausgeholte Strafwürfe). Dagegen schien es gar kein Konzept zu geben, da sah die Abwehr oft recht hilflos aus.

    5. Das Ausgleichstor von Serbien in der letzten Sekunde hat der Mannschaft nicht nur einen Punkt gekostet (und damit letztlich das Halbfinale) sondern sie offenbar auch in einen kollektiven Schockzustand versetzt, aus dem sie bis zuletzt nicht wieder herausgekommen ist. Die lockeren Sprüche in den Interviews waren für mich eher Zweckoptimismus, mit dem der psychische Zustand übertüncht wurde und klangen wie das Pfeifen im dunklen Wald. Dieser Schock hing wie Bleigewichte an den ohnehin müden Armen und Beinen und machte die Mädels chancenlos.

    6. Unserer Mannschaft ist es nicht gut gelungen, sich auf die völlig unterschiedliche Linie der Schiedsrichter/innen einzustellen. Extreme waren einerseits die pedantischen Russinnen, die jede Kleinigkeit pfiffen und (zu) oft progressiv bestraften und andererseits die Spanier, die sehr viel laufen und einiges an Härten durchgehen ließen. Damit sind erfahrenere Mannschaften besser klargekommen, haben das besser antizipiert.

    7. Bei der Heim-WM hatten wir die älteste, diesmal die jüngste Mannschaft im Turnier – beides war gewiss problematisch. 2017 war das selbst verschuldet, Groener hingegen hatte kaum Alternativen. Behrend statt Zapf war offensichtlich eine Fehlentscheidung. Andere Spielerinnen, die er hätte mitnehmen können, fallen mir allerdings auch nicht ein. Diese Mannschaft wird reifen und kann bei den nächsten Meisterschaften weiter nach vorn kommen. Einige Nachwuchsspielerinnen werden hinzukommen und den Kader breiter und ausgeglichener machen. Ein Podestplatz in den nächsten 2 -3 Jahren würde mich allerdings schon überraschen.

    Soweit meine ersten Gedanken.

    Almundea Rodriquez ist zur besten Spielerin dieses heutigen Halbfinales zwischen Spanien und Norwegen benannt worden.Da kann man vielleicht auch davon ausgehen sie zukünftig öfter beim THC in Aktion zu sehen.


    Dein Wort in Gottes (sprich: Müllers) Ohr! Um gut spielen zu können, muss man überhaupt erst mal spielen dürfen - und nicht nur mal für 2 oder 3 Angriffe!

    Gegen Schweden gewinnen ist durchaus möglich.


    Dann sollte aber Groener nochmals Verteidigung gegen den Kreis trainieren. Das hat heute gar nicht geklappt und auch Schweden hat eine gute Kreisläuferin.

    Warum gegen Norwegen der Torfrau am Ende die Bälle nur auf die Füße geworfen wurden (Unten ist sie wirklich stark!), wo es doch mit Würfen in den Winkel am Anfang gut geklappt hat, ist mit schleierhaft.

    Unentschieden zwischen Serbien und Dänemark. :/:


    Genau wie unsere Mädels haben die Däninen zu viele freie Würfe nicht reingemacht. Aber die Schiedsrichter haben den Serbinnen auch zu viel durchgehen lassen. Beispiel: Cvijic schiebt die Abwehrspielerin mit herausgestrecktem Ellenbogen in den Kreis und bekommt Siebenmeter statt Offensivfoul. Hatte auch das Gefühl, dass Serbien oft sehr lange spielen konnte, ohne dass ein passives Vorwarnzeichen kam.

    Was haltet Ihr von einer Handball Akademie für Frauen wie in Holland oder jetzt in der Schweiz? Wäre das nicht auch für Deutschland was?


    Idee gut, aber in D. nicht realisierbar. Der Verband könnte das gegenüber den Vereinen niemals durchsetzen. Da gibt es viel zu viel Egoismus. Ich ziehe dagegen mal wieder meine "olle Kamelle" aus dem Hut: 1.BL mit 6 Clubs (die viermal gegeneinander spielen), jedes Jahr 1 Ab- und 1 Aufsteiger. Dort sollten sich dann auch die besten Nachwuchsspielerinnen (und -trainer/innen) sammeln. Und in Anlehnung an das ungarische Modell werden die Clubs der 1. und 2.Liga verpflichtet, pro Saison 1 Spiel gegen die U18/U20 durchzuführen.

    Natürlich ist auch diese Idee nicht durchsetzbar und ich bekomme jetzt bestimmt wieder einen Shitstorm ... Könnt Ihr Euch aber sparen, denn ich kenne auch alle Gegenargumente.

    Wobei ich schon das Gefühl habe, dass wir auf der rechten Rückraumseite noch Potential nach oben haben. Alicia Stolle überzeugt mich in diesem Turnier nicht und alle weiteren bekommen noch nicht so viel Einsatzzeit...hätten wir für die kommenden Jahre noch Alternativen zu Hause?


    Wir hatten dort in den vergangenen Jahren immer wieder Spielerinnen mit viel Potential (ich nenne nur Müller und Hubinger), die uns jedoch aus unterschiedlichen Gründen abhanden gekommen sind. Jetzt wachsen einige nach (z. B. Maidhof, Quist, Dölle, Scheib, Kockel, Kynast), aber die sind noch nicht soweit und brauchen noch ein paar Jahre. Maidhof stand immerhin schon im erweiterten Kader für die WM. Das "ewige Talent" Weigel (die den Vorzug gegenüber Maidhof bekam) hat ihre Sache meiner Meinung nach bisher gar nicht so schlecht gemacht und die Nominierung gerechtfertigt. Aber Stolle in guter Form steht da noch meilenweit darüber - sowohl in der Abwehr als auch im Angriff.

    Was Dänemark und Norwegen zeigen, ist bisher nicht besonders beeindruckend.


    Auch bei Dänemark war heute - nach furiosem Beginn - der Kräfteverschleiß deutlich sichtbar, während Norwegen bis zum Ende noch ziemlich gut drauf war und am Ende sicher gewonnen hat. Bemerkenswert auch der Abfall von Spanien gegen Schweden in den letzten Minuten des Spiels.

    Es ist klar zu merken, dass jetzt die Kräfte nachlassen, heute bei Korea und den Niederländerinnen. Hoffentlich haben unsere Mädels noch genug Körner für Serbien, die eine überraschend starke WM spielen - wohl die beste seit ihrer Heim-WM. Insgesamt im Turnier schon jetzt so viele Überraschungen wie lange nicht mehr.