Beiträge von Löwenherz

    Anstatt sich kritisch mit der erbrachten Leistung auseinanderzusetzen und Konsequenzen zu ziehen, wird von Marielle Bohm in der Auswertung auf "Friede, Freude, Eierkuchen" gemacht: Die Platzierung entspräche "deutlich nicht dem, was wir hier an Leistung in den einzelnen WM-Spielen abgeliefert haben" (Handballwoche 29/18, S.29), und: "Wir können festhalten, dass wir trotz des 13. Platzes nicht weit weg von der Weltspitze sind." Hier wird sich kräftig in die Tasche gelogen! Die Mannschaft ist meilenweit weg von der Weltspitze und die Fakten, von denen nicht nicht einer angesprochen wird, liegen klar auf der Hand (ohne Gewichtung und ohne Vollständigkeit):

    - Nachteile in der Physis und damit geringes Durchsetzungsvermögen vieler Spielerinnen gegenüber den Spitzenmannschaften
    - schmales Wurfrepertoire und geringe Treffsicherheit der meisten Spielerinnen (z. B. bei 7m letzter Platz mit 57,1% - noch hinter Ägypten; vom Kreis 21. Platz mit 62,7%, aus dem Rückraum Platz 16 mit 34,1% - die besten Mannschaften liegen hier zwischen 45% und 52%; die Ausnahme bilden ausgerechnet die Flügel mit Platz 4 und 60,7%)
    - überwiegend monotones, ausrechenbares Angriffsspiel mit wenig überraschenden Ideen und insgesamt zu wenig Tempo
    - oft unsauberes Abwehrverhalten (20. Platz in der Fairplaywertung).

    Wenn Marielle Bohm sagt, die Mannschaft habe stets das Maximum aus sich herausgeholt, dann kann man ihr das durchaus bestätigen. Aber damit widerlegt sie sich letztlich selbst. Denn dieses Maximun hat eben zu nicht mehr als zum 13.Platz gereicht. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens hinter den Kulissen Klartext gesprochen wird und die richtigen Schlussfolgerungen gezogen werden. Da habe ich allerdings so meine Zweifel ...

    Nach meinem Eindruck in den Spielen haben sich Ungarn und Norwegen seit der U19-EM am stärksten entwickelt. Der Vergleich der Platzierungen (EM/WM) bestätigt das nun auch:

    die größten "Aufsteiger":
    Ungarn +4
    Norwegen +6
    Kroatien +4

    die deutlichsten "Absteiger":
    Deutschland -8
    Montenegro -8
    Frankreich -7
    Spanien -5
    Portugal -3
    Dänemark -3
    Slovenien -3

    Dabei wuren die außereuropäischen Mannschaften nicht herausgerechnet, sondern die realen Platzierungen gegenübergestellt.

    Am Ende war vieles auch eine Kraftfrage. Ungarn und Norwegen waren zweifellos die besten Mannschaften dieses Turniers, doch im Viertel- und Halbfinale hat man schon die gemerkt, dass diese beiden Mannschaften je 1 Spiel weniger in den Knochen hatten als ihre Gegnerinnen. Ich halte die Spielfolge bei den EM und WM für zu eng (weiß natürlich auch, dass dies eine Kostenfrage ist - sowohl für die Veranstalter als auch für die Mannschaften). Aber solch einen Turnierablauf sollte man mal den Fußballern zumuten - nicht auszudenken, was da losgehen würde ...

    Gerade junge Spielerinnen müssen vor Überforderung geschützt werden - da sind wir völlig einer Meinung. Die Frage ist nur, wie man das macht. Die Belastung muss eben zwischen Nationalmannschaft und Verein abgestimmt werden. Dabei ist es natürlich nicht einfach, sich gegen Vereinsegoismen durchzusetzen. Aber mitunter sind Vereine wenigstens so vernünftig, Spielerinnen nach einer WM/EM u. ä. noch einige Zeit Urlaub zu geben und sie erst später in die Saisonvorbereitung einsteigen zu lassen. Auch eine Begrenzung der Einsätze von Nachwuchsauswahlspielerinnen in ihren Vereinen wäre denkbar. Denn die werden nicht selten dort mit Dreifachbelastung - 1.Mannschaft, Zweitspielrecht, Jugendmannschaft - verheizt und nicht in den paar Spielen in der Auswahl. Ich bleibe dabei: So eine internationale Meisterschaft ist für die Entwicklung einer jungen Spielerin viel wichtiger als ein Dutzend Ligaspiele.

    Auch Deutschland hat übrigens auf ihre beste Spielerin verzichtet: Emi Bölk spielt so lange nicht im Nachwuchs mehr, dass man fasst vergessen hat: sie wurde in 1998 geboren, könnte also theoretisch teilgenommen haben.


    Das verstehe ich auch überhaupt nicht. Einerseits betont der DHB immer wieder, wie wichtig solche Meisterschaften für die Persönlichkeitsentwicklung der jungen Spielerinnen ist, und dann lässt man Bölk zum wiederholten Male zu Hause. Frankreich (Nocandy), Holland (Freriks) und natürlich Ungarn (Hafra u. a.) sehen das völlig anders. Und solche Meisterschaften sind nicht nur für die einzelnen Spielerinnen bedeutsam, sondern die Besten sollen ja die Mannschaft führen und sind deshalb wichtig für gemeinsame Erfolgserlebnisse.

    Der Analyse von Germanicus stimme ich zu 100% zu. Bleibt zu noch zu hoffen, dass die deutschen Trainerteams künftige Spielerinnen-Generationen zu einem moderneren, kreativeren Handball führen werden und nicht mehr dieses "klassische", aber überholte und ausrechenbare 0-8-15 Muster spielen lassen.

    Nun ist mit Frankreich auch die letzte Mannschaft aus der "Hammergruppe" D ausgeschieden. Auch aus der vermeintlich starken Gruppe C sind alle raus. Wer hätte schon auf diese Halbfinalpaarungen getippt?

    Mir hat heute vor allem imponiert:
    - mit welcher Kaltschnäuzigkeit und Cleverness Korea sein Spiel durchgezogen und Dänemark abgekocht hat;
    - dass Norwegen trotz (teilweise erheblichen) Rückstandes während des gesamten Spiels immer an sich geglaubt und kühlen Kopf bewahrt hat, während die französischen Kampfmaschinen mit nachlassenden Kräften immer nervöser und unsicherer wurden.

    Ich hoffe, dass unsere Mädels und vor allem der Trainerstab und alle Verantwortlichen im DHB die Viertelfinalspiele angesehen haben (oder dies noch tun werden): So wird heute in diesem Alter Handball gespielt! Davon sind wir weit entfernt - auch wenn wir gegen Dänemark nur mit 1 Tor verloren haben.

    Deutschland ist auf dem Leistungsniveau von Japan angekommen - das ist die bittere Bilanz dieser WM für unsere Mannschaft. Sie hat heute wieder gezeigt, was sie kann und was sie nicht kann - ein Spiegelbild der Gruppenspiele (nur mit etwas mehr Glück am Ende). Bleibt zu hoffen, dass es die U18 in einigen Wochen besser macht.

    Viele Spiele gewinnst du ab einem gewissen Niveau im Kopf,


    ... oder verlierst sie eben mit einem Tor. Dabei spielt natürlich auch die mentale Vorbereitung der Mannschaft eine Rolle. Und solche Sprüche wie von Bohm vorab sind dabei gewiss nicht hilfreich. Man hatte - vor allem bei den verlorenen Spielen in der Gruppenphase - das Gefühl, dass der Mannschaft irgendwie der letzte Kick, die absolute Leidenschaft fehlt (Beim THC heißt das "Siegergen".). Dazu braucht man natürlich auch die entsprechenden Spielertypen; da wirkten einige doch eher etwas "unterkühlt".

    Auch die (Nicht-)Aufstellung bzw. Einsatzzeiten einiger Spielerinnen haben mich irritiert. Dass die Abwehr nicht immer harmonierte, hat Germanicus schon angesprochen. Es ist bemerkenswert, dass man dies erst im WM-Turnier merkt - bei einer Mannschaft, die fast unverändert schon seit Jahren zusammenspielt. Und im Angriff haben einige Spielerinnen kaum eine Chance bekommen, sich zu zeigen (Soffel, Dölle, Redder, Franz). Dabei wären mehr Pausen für die 1.Garnitur im Rückraum durchaus angebracht gewesen.

    Doch die Kernfrage bei allen unseren weiblichen Nationalmannschaften (vonn der U 16 bis zu den Frauen) bleibt meines Erachtens: Wie lässt sich die Trefferquote verbessern - und zwar von allen Positionen. Zwar lautet die alte Handball-Weisheit: "Spiele werden in der Abwehr gewonnen." Aber wenn vorn nix reingemacht wird, nutzt auf Dauer auch eine gute Abwehr (zu) wenig - wie sich gestern am Ende wieder gezeigt hat.

    Interessant dazu auch, dass drei Nationen aus der "Deutschlandvorrundengruppe" im Achtelfinale ausgeschieden sind, nur Gruppensieger Frankreich es in das Viertelfinale geschafft hat


    Das zeigt, dass wir nicht in der "Hammergruppe" waren wie vorab postuliert worden war. Auch dies sollte zur Einordnung der Leistung unserer Mannschaft beitragen.

    Armes Fußball- und Handballdeutschland: Bei allen letzten internationalen Meisterschaften sind unsere Männer wie Frauen vorzeitig ausgeschieden! Nun hat es auch noch die Juniorinnen erwischt, die letztes Jahr bei der EM immerhin noch Fünfte waren. Und alle diese Mannschaften waren schon mal Weltmeister (auch wenn es bei einigen schon etwas zurückliegt). Was ist da faul?

    Ich vermute, es war Strategie, in der Abwehr die Mitte zuzumachen (was insbesondere in der 1.Hz sehr gut gelungen ist) und dafür lieber ein paar Tore von Außen zu riskieren - allerdings waren 10 Tore vom Flügel doch eine ganze Menge (Deutschland 2 Tore von Außen). Dennoch meine ich, dass die Schwächen im Angriff der Mannschaft in diesem Turnier das Genick gebrochen haben. In der Gruppenphase war die Trefferquote aus dem Rückraum 29%. Heute waren es zwar 45%, aber die Fehlwürfe und technischen Fehler führten häufig zu Gegenstoßtoren. Bereits in den ersten sechseinhalb Minuten wurde die gegnerische Torfrau fünfmal (!!!) mehr oder weniger angeworfen und in den ersten 11 Minuten gab es nur 1 Tor aus dem gebundenen Spiel. Unsere Außen fanden heute so gut wie nicht statt - siehe oben. Dazu wieder 3 verworfene Siebenmeter und 7 (!!!) Fehlwürfe vom Kreis (50%). In der Summe dessen kann man so ein Spiel eben nicht gewinnen - trotz des großen Kampfgeistes, den die Mannschaft heute bewiesen hat.

    Allgemein hatte ich Im gesamten bisherigen Turnier den Eindruck, dass die Schiedsrichter sehr viele (meiner Meinung nach: zu viele) Zeitstrafen verteilt haben. Wie sehen das diejenigen, die die Spiele vor Ort gesehen haben?

    In der 2.Hz ein sehenswertes Spiel, das die Kroatinnen bereits in der 1.Hz mit vielen Fehlern und schlechten Abschlüssen verloren hatten (Hz 18 : 12). Sie schafften zwar mit viel Kampfgeist nochmal den Anschluss, doch dann waren sie mit den Kräften am Ende und Rumänien schaukelte das Spiel nach Hause.

    Bei den Spielen 1. gegen 4. dürfte es kaum Überraschungen geben, leider wohl auch für unsere Mädels nicht. Bei einigen der Spiele 2. gegen 3. kann es durchaus knapp zugehen. Manche dieser Mannschaften haben sehr wechselhaft gespielt, sodass eine Prognose schwierig ist. Norwegen sollte sich klar durchsetzen und die Niederlande sind sicher gegen Schweden Favorit. Die anderen beiden Spiele sind meines Erachtens ergebnisoffen.

    Wieder einmal sind unsere Mädels an ihrer Abschlussschwäche gescheitert, wobei Frankreich offenbar auch nicht Vollgas gegeben hat. Für beide Mannschaften ging es ja nur noch um die silberne Ananas, da die Gruppenplatzieung unabhängig vom Spielausgang vorher feststand.

    Germanicus, danke für die Ergänzung. Wir sind da völlig einer Meinung, wobei Kalmbach ihre 2 Würfe auch völlig sicher untergebracht hat.

    Wenn ich das richtig sehe, kann es noch einen Dreiervergleich zwischen Deutschland, Spanien und Kroatien geben, wenn Schweden und Spanien gegen Kroatien gewinnen. Da hätte Deutschland aufgrund des relativ hohen Sieges gegen Spanien gute Karten und könnte theoretisch sogar noch Dritter werden. Oder habe ich hier einen Denkfehler?

    Das war zwar längst noch nicht das Gelbe vom Ei, aber damit ist das Achtelfinale erreicht (An einem Sieg gegen Ägypten zweifelt wohl niemand.). Heute haben uns Lea Rüther (18 von 37 = 49%, darunter 2 gehaltene Siebenmeter), die zurecht oft gescholtenen Außen (12 von 13; der 13.Ball ging an die Latte) und die Kreisläuferinnen (5 von 6) den Arsch gerettet, während der Rückraum komplett versagt hat (kein zwingender Zug zum Tor, enorme Streubreite der Würfe, darunter 4 verworfene Siebenmeter). Da verstehe ich nicht, warum Bohm nicht mehr gewechselt hat; es sitzen doch gute Spielerinnen auf der Bank. Besonders Maidhof (die mich bisher sehr enttäuscht hat) und Degenhardt (die zumindest am Ende auf RM einige Akzente setzen konnte), beide je 1 Tor, hätten mal dorthin gehört, haben aber nahezu durchgespielt. Auch die Abwehr hat mir heute nicht gefallen; da stimmte oft die Zuordnung nicht. Zum Glück war da noch Rüther - siehe oben.

    Im Achtelfinale wird für die deutsche Mannschaft wohl Feierabend sein. Wenn kein Wunder geschieht, wird sie dort keine Chance haben - ganz gleich, ob es gegen Dänemark, Rumänien oder die Niederlande geht. Es ist und bleibt eben ein Durchschnittsjahrgang, wie wir bereits bei der EM im letzten Jahr gesehen haben - Lichtjahre entfernt z. B. von der Qualität der einstigen Weltmeistermannschaft.


    Und so wird gegen Spanien für das Achtelfinale gespielt.


    .. und das wird nicht einfach, auch wenn Schweden gegen Spanien klar gewonnen hat. Spanien spielt von allen Mannschaften, die ich bisher gesehen habe, den schnellsten Handball, macht allerdings auch viele Fehler. Vor allem gegen Cuadrado muss unsere Abwehr sehr kompakt stehen; die ging gegen Schweden immer wieder durch wie das Messer durch die Butter. Frage an die Experten: Sehe ich es richtig, dass sie auch bei der Frauen-WM dabei war?

    Bisher muss man leider sagen: Wie die "Alten" - so die Jungen: Das größte Manko ist die Chancenverwertung; Germanicus hat es schon angedeutet: 38% Trefferquote im 1. Spiel (Schweden 59%), 44% im 2. Spiel (Kroatien 50%) sind indiskutabel. Von Außen geht nicht viel (gestern 0 von 8, heute wenigstens 6 von 10 - nach wiederum schwachem Beginn) und aus dem Rückraum nicht viel mehr. Unser Angriff ohne Ideen und zu behäbig, um die gegnerische Abwehr in Bewegung zu bringen. Kein Wunder: Auf der Mitte spielen mit Zschocke, Redder und Degenhardt sämtlich Mädels, die in ihren Clubs auf den Halbpositionen zu Hause sind. Die Mannschaft kommt nicht in die Gegenstöße und das Überzahlspiel ist eine Katastrophe - als ob es nie trainiert worden wäre. Außerdem fällt auf, dass viele gegenerische Spielerinnen körperlich stärker sind und sich unsere Mädels gegen diese meist nicht durchsetzen können. Die Abwehr war gegen Schweden gut, gegen Kroatien etwas schwächer. Bei den Torfrauen hatte jede einen schlechten Tag (gestern Wachter 0/8, heute Rüther 4/17), im Durchschnitt jeweils schlechter als die Gegner - dann ist es für eine deutsche Frauenmannschaft immer sehr schwer, ein Spiel zu gewinnen. Dennoch: Angesichts der Tatsache, dass unsere erste Sechs - bis auf die Kreisläuferin - aus (mehr oder weniger) gestandenen Erstligaspielerinnen besteht, hatte ich schon etwas mehr erwartet.

    In beiden Spielen meines Erachtens einige völlig überzogene Zeitstrafenentscheidungen der Schiedrichter (z. B. heute je 7 Zeitstrafen!).

    Ja, gerne. Bitte die Spielminuten von Frey, Schmelzer und Smeets auf LA. Anzahl der Tore noch als Bonus, wenn es nicht zu viel Arbeit ist?


    Was soll diese Korinthenkackerei? Die von Dir ausgerechneten Unterschiede bei den Toren liegen im Bereich des statistischen Rauschens; Aussagekraft = O, schade um die Zeit. Wenn sie überhaupt etwas belegen, dann höchstens die nicht stattgefundene Weiterentwicklung bei BBM. Außerdem werden Spiele in der Abwehr gewonnen - wie Dir natürlich bekannt ist. Und da dies nicht gerade Martines Stärke war/ist, hatte sie damals beim THC (noch) nicht mehr Spielanteile. Genau deshalb hätten ihr noch ein bis zwei Jahre unter Müller gut getan, wie netter59 schreibt. Wer Nadgornaja binnen ein paar Monaten von der Prinzessin zur Kampfsau macht (so ähnlich hat es Müller mal formuliert), hätte auch Smeets mehr Biss in der Abwehr beigebracht. Das wäre der Schlüssel zu ihrer weiteren Entwicklung gewesen. Das ist meine Meinung. Du kannst gern eine andere haben.